Sennheiser Ambeo Soundbar Plus & Ambeo Sub (Test)

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Nach der erfolgreichen „Ambeo“-Soundbar-Premiere schickt der vor allem für seine Kopfhörer bekannte Hersteller Sennheiser ein kleineres Modell ins Rennen: die „Ambeo Plus“ für 1.500 Euro. Was der Soundriegel mit virtuellen 7.1.4-Kanälen so alles kann, zeigt unser Test.

Sennheisers „Ambeo“-Soundbar (Test in Ausgabe 11-2019) gehört zweifelsfrei zu den ganz dicken Dingern am Soundbar-Markt und ist mit 2.500 Euro auch preislich kein Leichtgewicht. Wer es etwas dezenter und günstiger mag, der findet womöglich in der neuen „Ambeo Soundbar Plus“ die passende Spielpartnerin. Wie die „Ambeo“ – die inzwischen zu „Ambeo Max“ für eine klarere Abgrenzung zur „Ambeo Plus“ umgetauft wurde – hat die Plus keinen Subwoofer im Gepäck; ein Krawallwürfel in Form des „Ambeo Sub“ lässt sich aber optional nachrüsten. Der schlägt mit 700 Euro zu Buche und erweiterte die Plus-Bar um tiefste Töne auch in unserem Test. 2.200 Euro standen so unter dem Strich, womit sich das Duo im höchsten Soundbar-Preissegment positioniert.

9 Treiber für Atmos und Co.
Die Anordnung der Treiber zeigt sich klassisch für Soundbars (siehe Grafik): In dem gut einen Meter breiten und knapp 8 Zentimeter hohen Ambeo-Plus-Gehäuse strahlen 3 Treiber nach vorne ab, 2 zur Seite und 2 nach oben, wobei alle Chassis identisch ausfallen – es handelt sich um 2 Zoll große Breitbänder mit konischer Aluminium-Membran.

Die 7 Töner erhalten Unterstützung von 2 Bass-Treibern mit einer 4 Zoll großen Zellstoffmembran, die in die Oberseite verbaut wurden. So ergibt sich ein natives 5.1.2-System, das jedoch via digitale Signalbearbeitung mit Hilfe eines Vierkern-SOC-Prozessors (1,8 GHz) auf virtuelle 7.1.4-Kanäle aufgeblasen wird. Die dafür zuständige „Ambeo“-Virtualisierungstechnologie wurde in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen IIS entwickelt und ist in 3 Stufen zuschaltbar.

Die Sennheiser-Fernbedienung ist klar nach Funktionsgruppen gegliedert und verfügt über große Tasten mit angenehmem Druckpunkt. Eine Beleuchtung hat der relativ schwere Geber allerdings nicht.

Wie die „Ambeo Max“ arbeitet die „Ambeo Plus“-Bar für die Raumklangerzeugung nach dem Reflexions-Prinzip, bei dem Schall Richtung Wände und Decke abgestrahlt wird. Von dort gelangen die Schall wellen über Reflexionen zum Hörplatz. Damit dies funktioniert, muss die Raumbeschaffenheit ausgelotet werden. Hierfür zuständig ist ein Kalibriersystem, das auf die 4 intern verbauten Fernfeldmikrofone der Plus-Bar zugreift; die große Schwester „Ambeo Max“ hat hingegen ein externes Mikro am Start, das auf dem Hörplatz positioniert wird.

Decoder und Klangprogramme
An Tonformaten unterstützt die Plus-Soundbar alles von Dolby und DTS, zudem versteht sich der Sennheiser-Klangriegel auf das vom Fraunhofer-Institut entwickelte MPEG-H-Format für objektbasiertes 3D-Audio. Das Format wurde für die Integration in Streaming- und Rundfunk-Infrastrukturen entwickelt, wobei die 3D-Audiostreams über jede Lautsprecher-Konfiguration und auch über Stereo-Kopfhörer wiedergegeben werden können. Außerdem spielt der Riegel Musik im Sony-Format „360 Reality Audio“ ab. Hinzu gesellen sich 6 Klangprogramme, die sich auch bei 3D-Ton mit Dolby Atmos und DTS:X aktivieren lassen. Jedes Programm kann zudem über einen 4-bandigen Equalizer und in der Stärke des Ambeo-3D-Klangeffektes getunt werden; dies funktioniert allerdings nur über Sennheisers „Smart Control App“ (siehe Kästen). Ebenso mit an Bord sind Schaltungen für eine erhöhte Sprachverständlichkeit und das Leisehören zu später Stunde.

Um die Soundbar optimal an die räumlichen Gegebenheiten anzupassen, bietet die Ambeo-Plus-Bar ein Einmess-System zur Kalibrierung. 4 Fernfeldmikrofone wurden hierfür in die Soundbar integriert. Die Einmessung läuft denkbar simpel ab und kann dankenswerterweise auch ohne App durch zeitgleiches Drücken der Volume-Tasten „+“ und „-“ an der Soundbar erfolgen.

Nach dem Start der Einmessung tönen für gut 3 Minuten laute Ton-Sweeps und dezente Umgebungsgeräusche aus dem Klangbalken, womit die Prozedur auch schon ihr Ende findet. Als Ergebnis positioniert der Prozess virtuelle 7.1.4 Phantom-Lautsprecher im Hörraum für einhüllenden Rundum-Sound.

Nachträgliche Justagen der Einmess-Ergebnisse halten sich jedoch in Grenzen. Im Audio-Menü kann man den Pegel des Center-Kanals (-3 bis +6 dB) sowie den Subwoofer in Pegel (-10 bis +0 dB) und Phase (nur 180°) nachregeln, das war es aber auch schon.

Die Sennheiser-App führt durch die Raumeinmessung und Kalibrierung der Soundbar, was unterm Strich rund 3 Minuten dauert.

Gut bestückt: Alle Anschlüsse befi nden sich auf der Rückseite. Zu einem HDMI-Ausgang samt eARC gesellen sich 2 HDMI-Eingänge; Ton gelangt ferner über Toslink und analoge Cinch-Buchsen in die Soundbar. Dank Pre-out lässt sich zudem ein Subwoofer verkabeln.

700 Euro: Der separat erhältliche Ambeo Sub verhilft der Ambeo Soundbar Plus zu mehr Tiefgang. Auch er verfügt über ein Messmikrofon und wird über die Smart Control App zusammen mit der Bar kalibriert.

Verarbeitung und Bedienung
Zur umlaufenden Stoffbespannung gesellen sich fein perforierte Metallgitter an der Oberseite. Touch-Tasten und ein großer LED-Streifen mit Lichter für Statusmeldungen befinden sich unter einer Kunststoff-Deckplatte. Breite Gummifüße sorgen für einen rutschfesten und vibrationsarmen Stand. Insgesamt vermittelt die Ambeo Soundbar Plus eine gute Haptik und Optik. Mit knapp 8 Zentimeter Höhe sollte die Bar noch vor die meisten Fernseher passen, ohne ins Bild zu ragen. Optional kann man den Klangbalken auch an die Wand montieren, die Halterung muss jedoch separat gekauft werden. Gespart wurde an einem Display, was bedauerlich ist, denn wer möchte sich schon die Bedeutung zahlreicher, farbiger Lichtspiele merken, die man vom Sitzplatz aus womöglich noch nicht mal sehen kann?

Die mittelgroße Fernbedienung fällt überraschend schwer aus und macht trotz Plastikgehäuse einen robusten Eindruck. Allerdings verleiteten die Form und Gewichtsverteilung des Gebers uns dazu, diesen falsch herum in die Hand zu nehmen. Die grundlegende Bedienung kann auch über die Knöpfe an der Soundbar-Oberseite erfolgen. Sinnvolle Ergänzung ist Sennheisers bereits erwähnte „Smart Control App“, mit der sich die Bar bequem einrichten und komplett steuern lässt.

Video & Multimedia
Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite der Bar. Vorhanden sind ein HDMI-Ausgang mit eARC (2.1-Standard) sowie zwei HDMI-Eingänge (2.0a-Standard). Alle HDMI-Terminals schleifen 4K/60p-Signale durch und beherrschen HDR10, HDR10+ und Dolby Vision. Gestreamt wird über WLAN und Ethernet per UPnP, zudem mit Bluetooth, Google Chromecast, AirPlay 2 sowie Spotify und TIDAL Connect. Eine Sprachsteuerung über Amazon Alexa und den Google Assistant ist ebenfalls möglich. Im Standby-Modus („Eco Mode“) mit aktiver Netzwerkverbindung genehmigte sich die Bar rund 2,8 Watt.

Digitale Kontrolle: Neben der Fernbedienung kann man die Ambeo Soundbar Plus auch mit der Sennheiser Smart Control App steuern, die überdies mehr Funktionen bietet als der klassische Geber.

3D-Sound: Insgesamt 9 Treiber sorgen bei der Ambeo Soundbar Plus für 3D-Ton von vorn, seitlich und oben.

Die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut entstandene Virtualisierungs-Technologie Ambeo verhilft 2D- und 3D-Tonsignalen zu einer gesteigerten Räumlichkeit der Wiedergabe. Die Intensität des Raumklangeffekts kann man dreistufig (Light, Standard, Boost) über die Sennheiser Smart Control App einstellen, nicht jedoch über die Fernbedienung. Gleiches gilt für den Equalizer mit 4 Bändern. Sehr gut: Der Ambeo 3D-Sound und der EQ lassen sich individuell für jedes der 6 Klangprogramme (Adaptiv, Musik, Film, Nachrichten, Neutral und Sport) justieren.

Im Ergebnis ist der Ambeo-Sound verblüffend: Schon in der „Standard“-Stufe verteilten sich Musik und Filmton auf eine große Bühne links wie rechts des Tonriegels. Bei Atmos-Trailern faszinierte die Plus-Bar mit einem ausgesprochen großen Surround-Feld, in dem seitlich, zwischen Bar und Hörplatz und im Ansatz sogar hinter unserem Sitzplatz noch Toneffekte hörbar waren. Selbst Sound von oben konnte die Bar darstellen, wenn auch nicht direkt über unserem Kopf, sondern rund 1 bis 1,5 Meter nach vorn versetzt. Vollwertige 5.1.2-Boxen sets spielen natürlich räumlicher, greifbarer und präziser, dennoch klang das Gebotene für eine Stand-Alone-Soundbar eindrucksvoll. Tonale Verfärbungen blieben beim Ambeo-Upmixing dankenswerterweise dezent im Hintergrund und fielen nach kurzer Zeit praktisch gar nicht mehr auf.

Mit der Sennheiser Smart Control App erhält man Zugriff auf erweiterte Funktionen wie den Equalizer oder die dreistufige Regelung der Intensität des Ambeo 3D-Soundeffekts.

Der Ambeo Sub
Der für 700 Euro separat erhältliche Subwoofer „Ambeo Sub“ verbindet sich via Funk mit der Soundbar, die bis zu vier der Basswürfel steuern kann. Alternativ darf eine Verbindung über ein klassisches Cinch-Kabel erfolgen. Die Bassbox bietet bis auf einen Pairing-Knopf keinerlei Regler. Der 8 Zoll große Basstreiber stahlt nach oben durch eine Stoffbespannung und wird von einer 350 Watt starken Class-D-Endstufe angetrieben. Mit vergleichsweise bescheidenen Maßen von 27,7 x 36,9 x 27,4 Zentimetern (B x H x T) lässt sich der Subwoofer relativ unauffällig im Wohnzimmer unterbringen. Optisch macht der Krawall-Quader eine elegante Figur, auch wenn das Gehäuse nur aus Plastik besteht.

Tonqualität Surround
Vor dem Hörtest führten wir natürlich die Kalibrierung aus, die nach 3 Minuten erledigt war. Mit aktiviertem Ambeo-Sound spielte das Soundbar/Subwoofer-Duo angenehm, tonal für eine Soundbar sehr ausgewogen und nicht zuletzt verblüffend räumlich. So lösten sich Instrumente wunderbar von dem Klangkörper, das Saxophon in Steely Dans „Gaslighting Abbie“ (5.1) stand zum Greifen plastisch neben bzw. hinter dem Tonbalken.

Im Tiefton spielte die Plus-Bar konturiert und schlackenfrei, wohl auch auf Kosten von Oberbässen, die etwas schlank ausfielen. Das bleibt sowohl mit als auch ohne Subwoofer so, über die App kann man den Bassquader per Schalter schnell mal deaktivieren. Mit Stereo-Musik von CD klappte das Solo-Spiel der Plus-Bar noch recht gut, da der Riegel auch ohne Sub ein gesundes Klangvolumen zu Gehör bringt. Bei Konzert-Blu-rays mit kräftigem Tiefbass und besonders bei tontechnisch derber Filmkost möchten wir auf den Subwoofer aber nicht verzichten. So gab er bei „Ghost in the Shell“ (Atmos) dem Panzer im Finale eine gute Portion Bassgewalt und Realismus mit. Auch der „Powerful Bass“ in Dolbys „Amaze“-Clip profitierte unüberhörbar vom guten Tiefgang des Subs.

Bei der Räumlichkeit punktet die Ambeo Plus ebenfalls, aber nur Kollegen mit physischen Rear-Boxen bringen vollwertigen Sound von hinter dem Hörplatz ans Ohr – dies vermochte die Plus-Bar höchstens im Ansatz. Das Ambeo-DSP (siehe Kasten) kann übrigens stets an bleiben, die Sennheiser-Bar spielte damit nicht nur klanglich ausgewogener, sondern auch luftiger und größer. Die Sprachverständlichkeit war zudem ausgezeichnet und ließ auch aus stark seitlichen Hörwinkeln nur leicht nach.

Der Testbericht Sennheiser Ambeo Soundbar Plus & Ambeo Sub (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 2.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2023 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

84 Sehr gut

Sennheisers Ambeo Soundbar Plus bietet vortrefflichen Klang aus überschaubaren Gehäusemaßen. Der optionale Subwoofer Ambeo Sub ist besonders – aber nicht nur – bei Filmton eine sinnvolle Ergänzung. Jammern kann man da eigentlich nur noch über den nicht gerade günstigen Preis.

Andreas Oswald

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