Marantz Cinema 60 (Test)

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Mit der neuen „Cinema“-Serie ändert sich bei Marantz einiges: unter anderem das Design, die Menüs und die Fernbedienung. Wir haben uns den zweitkleinsten Vertreter „Cinema 60“ ins Labor geholt, der mit einem Preis von 1.350 Euro aber schon zur Mittelklasse zählt.

Coronabedingten Lieferengpässen und anhaltender XXL-Inflation zum Trotz steht bei Marantz „nicht kleckern, sondern klotzen“ auf dem Spielplan der neuen AV-Receiver-Generation.

Unter dem von uns getesteten 7-Kanal-Modell „Cinema 60“, das es für 50 Euro Aufpreis übrigens auch mit DAB gibt, liegt noch der „Cinema 70s“ für 1.000 Euro. Das „s“ steht dabei für seine besonders flache („slim“) Bauweise. Darüber sind die Geräte „Cinema 50“ für 2.000 Euro und „Cinema 40“ für 2.800 Euro angesiedelt. Hier haben sich übrigens keine Zahlendreher eingeschlichen, entgegen früheren Marantz-Modellreihen gilt ab sofort: je kleiner die Zahl, desto höher wertiger (und teurer) das Gerät. Apropos teuer, der neue AV-Prozessor AV10 und die dazugehörige 16-Kanal-Endstufe AMP10 schlagen mit je 7.000 Euro zu Buche. All diese Geräte, die zum Teil noch nicht auf den Markt sind, werden unserem Testlabor im Laufe des Jahres natürlich einen Besuch abstatten.

Doch zurück zum Cinema 60. Obwohl er mit 1.350 Euro gut 300 Euro teurer ist als der inoffizielle Vorgänger SR5015 (Test in 6-2022), muss man auf diverse Premium-Features verzichten: 11.2-Kanalverarbeitung, Auro 3D, Sonys 360° Reality Audio, MPEG-H, IMAX Enhanced sowie die Option zur Nutzung des alternativen Einmess-Systems DIRAC Live sucht man hier vergebens.

Aufpolierte Optik
Sofort ins Auge fällt das neue Design, das uns richtig gut gefällt. Statt der runden Wangen setzt der japanische Hersteller jetzt auf leicht nach innen gewölbte Seiten mit Bienenwaben-Riffelung sowie dezent anderem Farbton als der Rest des Gehäuses, das in Schwarz oder in Silber-Gold lieferbar ist. Die Regler für Quelle und Volume sitzen weiterhin links wie rechts, sie drehen sich geschmeidig und wackeln kaum. Dazwischen befindet sich das für Marantz (nach wie vor) typische Bullaugen-Display, das zwar superfein auflöst, jedoch etwas mit Informationen geizt. Im unteren Drittel sitzen Tasten mit sauberem Druckpunkt für diverse Funktionen, komplett steuern lässt sich das Gerät damit aber nicht. Die abgehobene Frontplatte verleiht dem Aussehen den letzten Schliff, so dass als Kritikpunkt eigentlich nur der Kunststoff bleibt. Eine Metall-Front bekommt man erst ab dem Cinema 50.

Die neue Fernbedienung besteht aus Kunststoff und sieht mit ihrem goldenen Zierring edel aus. Ausreichend große Gummitasten mit sauberem Druckpunkt, eine logische Gliederung nach Funktionsgruppen und sogar eine Hintergrundbeleuchtung der Tasten sorgen für einen gelungenen Auftritt.

Aufgehübscht wurden auch die Menüs: Schon nach dem ersten Einschalten des Cinema 60 begrüßt den Besitzer ein jetzt schmucker Einrichtungsassistent, der ausführlich durch Punkte wie Lautsprechereinstellung, Kalibrierung, Netzwerk, Quellenanschluss oder die HEOS-App führt. Auch alle anderen Menüs präsentieren sich in neuer, moderner Designsprache inklusive überarbeiteter Symbole und Grafiken. Auf Hintergrundbilder wird im Gegensatz zu den neue Denon-AV-Receivern verzichtet, was uns sogar besser gefällt, da alles ruhiger und irgendwie seriöser wirkt; die Farbwahl aus Blaugrün-Tönen empfinden wir als ebenso gelungen. Zudem wurde die Auflösung verbessert, so dass die Menüs nun auch auf einem 4K-Fernseher scharf und ansprechend aussehen.

Das Navigieren dauert für unseren Geschmack immer noch einen Tick zu lange, was durch Auf- und Abblenden beim Sprung durch Menüs jedoch kaschiert wird. Zu den jeweiligen Einstelloptionen erscheinen am unteren Bildrand teils ausführliche Erklärungen – so spart man sich bei Fragen oft den Blick in die Bedienungsanleitung.

Ausgesprochen aufschlussreich fällt das Info-Menü aus, das sich ober- und unterhalb sowie leicht transparent über das laufende Bild legt. Hier findet man auch Grafiken zu den eingehenden Tonkanälen und aktiven Lautsprechern, bei erneutem Druck auf die INFO-Taste erscheinen auch Daten zum originalen und ausgegebenen Video-Stream. Das rechts oben aufpoppende „Option“-Menü bietet bekannte Funktionen, etwa die eingangsspezifischen Kanalpegel aller aktiven Boxen, den Dialog Enhancer, Klangregler und ein Lip-Sync.

Die neue Fernbedienung unterscheidet sich optisch markant von der Vorgänger-Generation, das Layout blieb jedoch weitgehend gleich, auch wenn viele Tasten etwas kleiner ausfallen. Vor allem die am meisten genutzten Volume-Tasten hätten wir uns abgesetzter und größer gewünscht. Der Geber liegt gut in der Hand, die Beleuchtung sorgt im Dunkeln für eine zielsichere Bedienung.

Das HDMI-Videoboard erhielt ein Upgrade und unterstützt nun an allen 6 Eingängen und den beiden HDMI-Ausgängen den aktuellen 2.1-Standard. Multiple Quellen am Receiver mit Auflösungen bis zu 8K/60Hz bzw. 4K/120Hz samt HDCP 2.3, VRR und HDR (Dolby Vision, HDR10+, HDR10, Dynamic HDR und HLG) sind so möglich. Auch skaliert der AV-Receiver 2K- und 4K-Video auf bis zu 8K-Auflösung hoch. Einen manuellen Video-Equalizer oder vorgefertigte Bild-Presets sind aber nicht an Bord.

Viel dran: Der Marantz Cinema 60 bietet mit 6 HDMI-Eingängen und 2 HDMI-Ausgängen samt eARC (alle HDMI 2.1) sowie 2 Koax- und 2 Toslink-Buchsen viele Digitalanschlüsse. Die analogen Videoschnittstellen des SR5015 wurden hingegen gestrichen. Pre-outs gibt es nur für 7.2-Kanäle, die Bluetooth/WiFi-Antennen sind abnehmbar.

Gut ausgefüllt: Quer über die Breite schmiegen sich die 7 Endstufen an die Kühlrippen. Der Trafo verschwindet unter der oberen Digital-Platine. Auf dieser sitzen die Chips für das Audio- und Videoprocessing, die aufgesetzte Platine mittig ist das HEOS-Modul. Im Bild nicht sichtbar ist das Board für die analoge Audioverarbeitung.

7 Endstufen und 11.2-Kanäle
Als kleiner Vertreter seiner Zunft setzt der Cinema 60 auf 7 Endstufen, auch die Vorverstärkerausgänge sind auf 7.2-Kanäle beschränkt; die zwei Subwoofer-Kanäle lassen sich nicht getrennt regeln. 3D-Ton gelingt über 2 Höhenkanäle, mehr geht nicht. Neu in der preislichen Marantz-Mittelklasse ist die Option, für den Center sowie im Pärchen für Front, Surround und Surround Back bzw. für die Höhenboxen die internen Endstufen von den Anschluss-Terminals abzutrennen, „um eine bessere Klangqualität durch alleinige Nutzung der Vorverstärker-Ausgänge zu ermöglichen“, so die Erklärung von Marantz (siehe Bild ). Auch Bi-Amping ist möglich, genauso der Betrieb einer zweiten Hörzone oder von zwei Paar Frontlautsprechern. Die Nutzung des zweiten Lautsprecher-Speichers für eine alternative Boxenkonfiguration klappte im Test erst nach einem Firmware-Update.

3D-Sound liefern die Decoder für Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X. An Virtualisierern stehen DTS Virtual:X und die Dolby Atmos Height Virtualization für künstlichen 3D-Sound ohne Deckenboxen zur Verfügung. Auf DSP-Klangprogamme verzichtet Marantz aus Tradition. Als Einmess-System kommt ab Werk Audyssey MultEQ XT zum Einsatz.

Beim Equalizer gab es leider kein Upgrade. So lassen sich keine Subwoofer justieren, die tiefste Frequenz liegt bei 63 Hertz und die gleichzeitige Nutzung von EQ und Audyssey-System ist nicht möglich. Multiroom und Streaming übernimmt wie bei Denon üblich das HEOS-System, alles hierzu finden Sie im entsprechenden Kasten. Neben dem Webradio kann man auch noch analog Radio über FM/AM (Antennen liegen bei) hören.

Wie üblich bei Marantz kommt die HDAM-Vorverstärkertechnik zum Einsatz. Diese fungiert als Ersatz für Operationsverstärker und besteht anstelle von Chips aus vielen Einzelbauteilen für ein feinfühligeres Klangtuning.

Im Lautsprechermenü kann man für einzelne Kanäle zwischen der Nutzung der internen Endstufen oder der Pre-outs wählen. Die Trennung der Endstufen von den Boxenterminals soll den Klang verbessern.

Für die Verschmelzung von Streaming und Multiroom ist in allen aktuellen AV-Receivern von Denon das HEOS-System zuständig. Die HEOS-Technologie verteilt Musik aus dem Netz und externen Quellen auf jedes HEOS-kompatible Gerät von Denon und Marantz – egal, ob AV-Verstärker, Soundbar, Kompaktanlage oder Smart-Speaker. Der gleiche Sound im Wohnzimmer aus dem AV-Receiver sowie in der Küche aus dem Smart-Speaker ist gar kein Problem mehr.

Der Marantz Cinema 60 kann mehrkanalige Inhalte auf ein 2-Kanal-Signal heruntermischen und an eine andere Zone oder ein anderes HEOS-Built-in- Gerät weitergeben. Damit lässt sich Dolby Atmos im Wohnzimmer hören, während man im Schlafzimmer zum Beispiel auf einem Denon Home-Speaker einen 2-Kanal-Downmix der gleichen Quellen genießen kann.

Gesteuert wird alles mit der kostenlosen HEOS-App über Smartphone und Tablet. Mit Alexa von Amazon, Google Assistant und Siri von Apple ist zudem eine Sprachsteuerung von Musikwiedergabe und AV-Verstärker möglich, allerdings wird hierfür ein kompatibler Smart-Speaker benötigt.

HEOS unterstützt Streaming-Dienste wie Spotify, Napster, Amazon Music (HD), iHeart Radio, Deezer, SoundCloud und TIDAL. Auch das einfache Zuspielen von lokaler Musik auf Tablets, Smartphones, Servern oder USB-Geräten ist möglich. Via AirPlay 2 lassen sich Songs von Apple Music kabellos zum AV-Receiver streamen; außerdem erlaubt es die Gruppierung mit anderen AirPlay2-kompatiblen Geräten. Das Musik-Streaming kann natürlich auch über Bluetooth erfolgen, zudem sendet der AV-Verstärker auch Bluetooth-Signale aus, etwa an kompatible Lautsprecher und parallel auch an einen Bluetooth-Kopfhörer.

Der Marantz Cinema 60 verfügt über eine „Roon Tested“-Zertifi zierung und eignet sich damit für das Zusammenspiel mit dem Music-Server-System „Roon“.

HEOS verbindet kompatible Lautsprecher und Geräte im ganzen Haus zu einem Streaming-Netzwerk.

Tonqualität
Bei den Messungen lieferte der Cinema 60 im Stereo-Betrieb satte 193 (4 Ohm) bzw. 162 (6 Ohm) Watt pro Kanal. Auch die 113 (4 Ohm) und 105 Watt (6 Ohm) pro Kanal im 5-Kanal-Betrieb können sich sehen lassen. Noch ordentliche 81 Watt pro Kanal waren es im 7-Kanal-Modus an 6-Ohm-Last. Der durchschnittliche Stromverbrauch lag bei rund 313 Watt, im Eco-Modus sank der Verbrauch auf 134 Watt. Den typischen Marantz-Höhenabfall um knapp 2 Dezibel im Frequenzgang konnte wir beim Cinema 60 nicht messen.

Die Einmessung mit Audyssey klappte ohne Probleme mit plausiblen Ergebnissen. Von den 3 Filterkurven wählten wir diesmal „Flat“, da uns Musik mit der „Reference“-Kurve schon etwas zu dunkel klang. Apropos: Mit der kostenpflichtigen Audyssey MultEQ Editor App kann man EQ-Kurven nach seinem persönlichen Geschmack erstellen.

Rockmusik von Steely Dan gab der Marantz ohne unerwünschte Härten oder spitze Höhen wieder und musizierte im besten Sinne kultiviert. Müde war die Darbietung allerdings nicht, beschwingt und druckvoll ging es da zur Sache. Zudem wurden Instrumente überzeugend im Raum platziert.

Natürlich rotierte auch Atmos-Material im Player, wieder mal von der Dolby-Demo-Disc. Auch hier bot der Marantz eine tolle Räumlichkeit, bei der sich Effekte sehr gut nachvollziehbar durch das große Klangfeld bewegten. Höheneffekte schallten zudem überzeugend von Richtung Decke. Mit 4 Höhenboxen und 2 zusätzlichen Back-Surround-Boxen wäre natürlich mehr drin, entsprechend lässt der Cinema 60 hier ein paar Punkte liegen.

Im Bass machte der Marantz kräftig Druck, unser großer Nubert-Subwoofer grollte abgrundtief und mächtig, ohne dabei zu dröhnen. Die 3-stufige Dynamik-Kompression von Audyssey („Dynamic Volume“) gehört zu den besten ihrer Zunft und ebnete Bass- sowie Pegelspitzen zuverlässig ein.

Bei Stereo-Musik (wir hörten im Pure-Direct-Modus für die reinste Klangwiedergabe) war der Marantz ebenso in seinem Element. Musik schallte anspringend und bot eine feine Auflösung, wobei der Cinema 60 nichts vertuschte oder einwattierte; trotz seiner tendenziell seidigen Spielart. Grelle Aufnahmen kamen auch so rüber, besonders wenn man den Volume-Pegel etwas weiter nach rechts drehte. High-End-Aufnahmen boten eine tolle Räumlichkeit mit Instrumenten, die plastisch und greifbar im Raum standen.

Der Testbericht Marantz Cinema 60 (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 1.350 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2023 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 Gut

Der Marantz Cinema 60 macht mit neuem Gerätedesign sowie eleganten Menüs eine ausgezeichnete Figur. Außerdem klingt er richtig gut. Auf unserer Wunschliste steht neben Auro 3D vor allem eine 11.2-Kanalverarbeitung.

Andreas Oswald

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