Wer fĂŒr das 8K-Flaggschiff von JVC keine 25.000 Euro ĂŒbrig hat, bekommt den DLA-NZ7 fĂŒr weniger als die HĂ€lfte. DafĂŒr muss weder auf native 4K-Auflösung noch auf die Laserlicht-Quelle oder HDMI 2.1 verzichtet werden. Wo der Rotstift angesetzt wurde, klĂ€rt unser Test.
JVC hat mit den DLA-NZ9, DLA-NZ8 und DLA-NZ7 vor Kurzem drei 8K-Heimkino-Projektoren mit E-Shift herausgebracht. Nach dem 25.000 Euro teuren Toppmodell DLA-NZ9 fĂŒr 25.000 Euro durchlĂ€uft nun der DLA-NZ7 unseren Testparcours. Hierbei handelt es sich um das 8KEinstiegs-Modell von JVC fĂŒr 10.000 Euro. Mit 22,5 Kilogramm ist es rund drei Kilo leichter als sein doppelt so teurer Bruder. Der GroĂteil der Gewichteinsparung ist dem kleineren Objektiv (65 Millimeter Durchmesser) zuzuschreiben. Anstatt mit 18 Elementen im Aluminiumkorpus ist das Ganzglas-Objektiv des DLA-NZ7 mit 17 Elementen ausgestattet, bestehend aus 15 statt 16 Gruppen.

die identisch zu der des
NZ9 ist, liegt gut in der Hand.
Allerdings sind die ins GehÀuse
eingelassenen Tasten nicht intuitiv
bedienbar. Erst mit Druck auf den
Licht-Button ist die hinterleuchtete
Beschriftung der Tasten gut zu lesen
und eine Nutzung im dunklen
Heimkino möglich.
JVC hĂ€lt am bewĂ€hrten Design des VorgĂ€ngermodells fest. Es ist modular aufgebaut, doch anstatt einer UHP-Lampe sind neue Laserdioden implementiert, die eine Lichtausbeute von 2.200 Lumen erzeugen sollen. Mit 50 Zentimetern in Breite und Tiefe ist das GehĂ€use imposant dimensioniert. Es bedarf einer vertrauenswĂŒrdigen Deckenhalterung, damit die Konstruktion ĂŒber Jahre sicher gehalten wird.
Ausstattung und Technik
Im JVC DLA-NZ7 befinden sich drei weiterentwickelte 0,69-Zoll-D-ILA-Chips mit nativer 4K-Auflösung. Bis zu 7.680 x 4.320 Pixel können entgegengenommen, verarbeitet und via â8K E-Shiftâ sequentiell projiziert werden. WĂ€hrend der DLANZ9 ein Vierfach-Shifting durchfĂŒhrt, ist der DLA-NZ7 auf ein Zweifach-Shifting begrenzt. FĂŒr die Bildwiedergabe ist die Geschwindigkeit gegenĂŒber dem VorgĂ€nger auf 240 Hertz verdoppelt worden. Hiervon profitieren Gamer, die mit 120 Bildern pro Sekunde bei 4K-Auflösung zocken können.
AutoCal ermöglicht eine automatische Kalibrierung, damit nach tausenden Stunden Farbraum, Gamma und Graustufenverlauf prĂ€zise dargestellt werden. Benötigt wird dafĂŒr ein zusĂ€tzlich vom Fachmann profilierter Spyder X fĂŒr rund 120 Euro. Besser eignet sich ein X-Rite i1 Pro2 fĂŒr ĂŒber 1.000 Euro, da dieser aufgrund der steilen Flanken der Laser-Farbspektren prĂ€zisere Ergebnisse ermittelt.
Die Optik ist voll motorisiert. Fokus, Zoom und Bildlage können bequem mit der Fernbedienung eingestellt werden. Via Lens-Memory ist es möglich, einzelne Parameter zu speichern und auf Knopfdruck abzurufen. Besitzern von einer Cinemascope-Leinwand stehen bis zu 10 SpeicherplĂ€tze zur VerfĂŒgung, um verschiedene Bildformate direkt anzufahren. Sonderfunktionen wie âMaskierungâ und âZoomâ können separat hinterlegt werden. Wer auf Lens-Memory verzichten möchte, kann bei Nutzung einer Cinemascope-Leinwand zu einem Anamorphoten greifen. Die nötige Formatanpassung beherrscht der Projektor.
Als Lichtquelle kommen blaue Laserdioden zum Einsatz, die erst nach 20.000 Stunden rund 50 Prozent ihrer Lichtausbeute eingebĂŒĂt haben sollen. Das ermöglicht die von JVC entwickelte BLU-Escent Laserlicht-Technologie. In Zusammenspiel mit einem Phosphorrad wird aus dem blauen Licht WeiĂ erzeugt. Das wird anschlieĂend in Rot, GrĂŒn und Blau gefiltert und den entsprechenden D-ILA-Chips zugefĂŒhrt.
Bis auf Dolby Vision werden die aktuellen HDR-Technologien unterstĂŒtzt. Dazu gehören HDR10+, HDR10 und HLG. Das Tone Mapping erfolgt dynamisch via âFrame Adapt HDRâ, einem von JVC entwickelten Tool, das mit einem âTheater Optimiererâ sogar die GröĂe der Leinwand und ihren Leuchtdichtefaktor in die Darstellung mit einbezieht.
FĂŒr die Optimierung der BewegungsschĂ€rfe ist eine Zwischenbildberechnung zustĂ€ndig, die sich in drei Stufen regeln lĂ€sst. Dazu kommt eine âBewegungsverbesserungâ, die richtig gut funktioniert. Nach wie vor verzichten muss man hingegen auf ein smartes Betriebssystem mit Zugang zu Apps und sonstigen Streaming-Funktionen.

Das Besondere daran ist, dass Parameter wie Leinwanddiagonale, Format und Gainfaktor einbezogen werden. Das Ergebnis sieht umwerfend aus. Der Nutzer muss sich um nichts weiter kĂŒmmern, weil alle HDR-Filme bestmöglich projiziert werden.




Installation und Bedienung
Aufgrund des hohen Gewichts ist es ratsam, die Aufstellung und Deckenmontage zu zweit durchzufĂŒhren. Steht der Projektor einmal an seinem Platz, gehen die gewĂŒnschten Anpassungen zĂŒgig von der Hand. Alle Parameter lassen sich bequem mit der Fernbedienung durchfĂŒhren.
Dank 2,0-fachem Zoom kann eine 2,50 Meter breite Leinwand aus einer Distanz von 3,57 bis 7,30 Meter ausgeleuchtet werden. DafĂŒr braucht der Beamer nicht mittig platziert zu werden, sondern kann auch ober- oder unterhalb der Leinwand, beziehungsweise seitlich versetzt aufgestellt werden. Im Gegensatz zum DLA-NZ9 muss der DLA-NZ7 rund 20 Zentimeter weiter nach hinten rĂŒcken, um die gleiche Bildbreite zu erzielen.
Die Navigation durch das ĂŒbersichtliche On-Screen-MenĂŒ gelingt zĂŒgig. Wer einen Ă€lteren JVC besitzt, dĂŒrfte sich schnell zurechtfinden. Wer den Projektor zum ersten Mal nutzt, profitiert von der logisch aufgebauten Struktur. Viel Ă€ndern mĂŒssen wir ohnehin nicht, da die Grundeinstellungen unseres Testsamples exzellent sind. Sowohl in HDR als auch in SDR sind nur minimale Anpassungen nötig, um praktisch perfekte Ergebnisse zu erhalten.
Wir stellen Zoom, Fokus und LeinwandgröĂe ein und speichern die Werte fĂŒr mehrere Formate. Im Grunde funktioniert jetzt alles in bester âPlug & Playâ-Manier. Der DLA-NZ7 erkennt Filme, Live-Sport und Games in HDR und SDR. AnschlieĂend schaltet er selbststĂ€ndig in unsere vorgegebenen Presets.
Die Bildformatwechsel erfolgen zuverlĂ€ssig. Sie sind sogar etwas schneller als beim DLA-NZ9. Erst nach 30 Formatwechseln mĂŒssen wir den Fokus unseres Testgastes minimal anpassen. Mit zwei Klicks auf der Fernbedienung ist das erledigt. Beim NZ9 war allerdings keine Anpassung nötig.
Der Grafikmodus soll die Feinauflösung im Bild verbessern. HierfĂŒr kommen SchĂ€rfe- und Kontrastfilter zum Einsatz, der Kleinstdetails anspitzen und dabei leichte SĂ€ume verursachen. Auf die Distanz nimmt der SchĂ€rfeeindruck mit âStandardâ zu, obwohl die Auflösung verringert wird, weil weiĂe SĂ€ume an kontrastreichen Kanten letztendlich Auflösung kosten. Mit âHochauflösendâ wird die Filterwirkung verringert, so dass der JVC alles zeigt, was im Content vorhanden ist. FĂŒr uns ist das Setting âHochauflösend 1â der beste Kompromiss aus subjektiver SchĂ€rfezunahme und nativer Detaildarstellung.



Hoch, Mittel und Gering.

Licht und Farbe
Die angegebene Maximalhelligkeit ĂŒbertrifft unser Testsample mit 2.350 Lumen sogar geringfĂŒgig. Das Bild besitzt im Modus âHohe Helligkeitâ jedoch einen leichten GrĂŒnfarbstich. Wir schalten daher zurĂŒck auf das ab Werk eingestellte Setting âNatĂŒrlichâ. Mit der Farbtemperatur â6500Kâ erzielt der JVC schon ohne Ănderungen eine Lichtausbeute von 2.000 Lumen mit einer realen Farbtemperatur von 6.700 Kelvin. Im Grunde kann dieser Wert so bleiben, weil die Farben ĂŒber alle Abstufungen konsistent sind. Wir passen die Farbtemperatur trotzdem an und erzielen exakt 6.504 Kelvin. Aufgrund der Kalibrierung gehen lediglich 75 Lumen verloren, was 4 Prozent entspricht. Diese Lichtausbeute reicht aus, um Bildbreiten bis 4,50 Meter mit 16 Footlambert strahlend hell zu befeuern.
Der statische On/Off-Kontrast betrĂ€gt 24.500:1. Dynamisch lĂ€sst sich der Kontrast auf einen unendlichen Wert steigern, weil die Laserdioden bei einem Schwarzbild ausschalten. Der In-Bild-Kontrast ist mit 9.633:1 ebenfalls sehr gut. In Summe sind das exzellente Werte, die von aktuellen Projektoren nur selten ĂŒbertroffen werden. Der DLA-NZ9 stellt On/Off (+10.000:1), In-Bild (+2.000:1) und ANSI (+170:1) jedoch noch besser dar, was bei einem doppelt so teuren Anschaffungspreis aber nicht verwundern darf.
FĂŒr die Kalibrierung steht ein Sechs-Achsen-Farbmanagement zur VerfĂŒgung, das sehr gut arbeitet. RGB-Gain/Offset-Regler und ein rudimentĂ€rer Gamma Equalizer ermöglichen uns mit wenigen Handgriffen praktisch perfekte Ergebnisse. FĂŒr die gesamte Kalibrierung benötigten wir gerade mal 10 Minuten, weil die Grundeinstellungen fĂŒr HDR und SDR bereits herausragend sind.
Zu bekritteln gibt es bei unserem Testsample allenfalls minimal aufgehellte Ecken, die in einem Schwarzbild sichtbar werden. Doch sobald nur eine Textzeile im Abspann erscheint, sind die helleren Ecken fĂŒr das menschliche Auge nicht mehr erkennbar.
Die Ausleuchtung ist ĂŒber das gesamte Bild mit 97 Prozent auf exzellentem Niveau. Ein Helligkeitsabfall ist mit einem 100-IRE-WeiĂbild zu den Seiten nicht auszumachen. Noch eine Spur besser gelingt das dem DLA-NZ9, der keine aufgehellten Ecken besitzt und mit einem WeiĂbild sogar eine Ausleuchtung von 98 Prozent erzielt.

auch fĂŒr kleine Bereiche.


BildqualitÀt in der Praxis
Spielfilme und Live-Sport in Full-HD-Auflösung skaliert der JVC DLA-N7 vorzĂŒglich auf seine native Auflösung. Mit E-Shift nimmt der SchĂ€rfeeindruck sogar noch zu. Im Hintergrund findet ein Signalprozess statt, der den Kontrast von Feindetails in Pixelauflösung etwas anspitzt. Davon profitieren Full-HD- und 4K-Content gleichermaĂen. In âMonster Hunterâ begeistert die hohe Lichtausbeute auf unserer 3-Meter-Leinwand. Die WĂŒstenszenen sehen fast schon realistisch aus. Feinste Sandkörner sind klar erkennbar. Dunkle Inhalte besitzen extrem viel Zeichnung. Die Uniformen der Soldaten zeigen beispielsweise alle Applikationen. Farben erscheinen durchweg realistisch.
Wenn die MilitĂ€rfahrzeuge abseits der StraĂen fahren, ist die BewegungsschĂ€rfe exzellent. Ganz ohne Seifenoper-Effekte gelingt eine flĂŒssige Darstellung, die dabei den typischen Filmlook aufrechterhĂ€lt. Spielt der JVC den Film nativ mit 24 Hz, gelingt ihm eine originalgetreue Wiedergabe. Wir haben sogar das GefĂŒhl, dass er etwas spĂ€ter âverschmiertâ als andere Projektoren und die SchĂ€rfe noch besser aufrechterhĂ€lt. Beim Umschalten der Eingangsquelle baut sich ruckzuck das neue Bild auf. Gelingt schon der VorgĂ€ngerserie der Handshake schnell, schafft dies der NZ7 in Rekordzeit.
Das Laserdimming macht einen insgesamt guten Eindruck, weil es weitgehend unauffĂ€llig arbeitet. Besonders gefĂ€llt uns, dass nach einer Schwarzblende nicht das gesamte âSchwarzâ im Abspann schlagartig heller wird, sobald eine Textzeile erscheint. Der weiĂe Text dimmt langsam auf, so dass der schwarze Hintergrund dunkel bleibt. Wir haben das Laserdimming dennoch deaktiviert, weil die Leuchtkraft von Farben und satten Spitzlichtern richtig spektakulĂ€r wirkt, wenn der JVC seine ganze Helligkeit auf die Leinwand bringt. In dunklen Szenen spielt der JVC seinen hervorragenden Kontrast aus. Nachtaufnahmen in âTenetâ und âMonster Hunterâ entfalten eine PlastizitĂ€t vor pechschwarzem Hintergrund, dass wir davon nicht genug bekommen können. Wenn in âTenetâ (Kapitel 3) die Kamera auf das beleuchtete Hochhaus zufliegt, sind das pure HDR-Wow-Momente.




Der Testbericht JVC DLA-NZ7 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 10000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2022 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.
AV-Fazit
Der JVC DLA-NZ7 begeistert mit einer hervorragenden HDR-Performance, exzellenter SchĂ€rfe, hoher Helligkeit und eindrucksvollem Kontrast. Die qualitativen Abstriche gegenĂŒber dem Topmodell NZ9 fallen erheblich geringer aus, als es der Preisunterschied vermuten lĂ€sst. FĂŒr 10.000 Euro findet man derzeit keinen besseren Projektor als den NZ7.
Michael B. Rehders

