Philips 55 PUS 8601 (Test)

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Es ist schon ein kleines Spektakel, wenn das Ambilight die Wand hinter dem Fernseher in bunte Farben taucht – beim Philips 55 PUS 8601 gleich auf allen vier Seiten. Doch auch nach vorne hin soll der Neuling durch Licht und Brillanz begeistern, wobei sich HDR-Fans noch gedulden müssen.

Ausstattung und Praxis

Philips_55PUS8601_PCBis zu zweimal hellere Bilder beziehungsweise Bildbereiche als bei klassischen TV-Modellen garantiert der Hersteller dank der BrightPro-Technologie: Von 700 Candela pro Quadratmeter ist die Rede – de facto fast eine Verdoppelung der Lichtausbeute im Vergleich zum 55 PUS 9109 (audiovision 5-2015) und ein beachtlicher Wert für ein Edge-LED-Backlight, worauf wir später näher eingehen. Die Ultra-HD-Premium-Spezifikationen erfüllt der Fernseher damit zwar nicht, dennoch wird er nach einem (laut Philips) baldigen Firmware-Update HDR-fähig sein.

Philips_55PUS8601_Ideal

Natürlich sind noch weitere Bildverbesserungsschaltungen an Bord. So skaliert die „Perfect Pixel Ultra HD“-Engine mithilfe von „Ultra Resolution“ niedriger aufgelöste Inhalte auf 4K-Qualität, während die „Perfect Motion Rate“ von 1.800 Hertz auf Wunsch für fließende Bewegungen sorgt. Die Umgebungslicht-abhängige Backlight-Anpassung nennt Philips „Micro Dimming Pro“. Vielversprechend klingt auch der Hex-Core-Prozessor, der allerdings nicht ganz reibungslos mit dem Android-Betriebssystem zusammenzuarbeiten scheint.

Tippkönig: Die rückseitige Tastatur der Philips-Fernbedienung erleichtert Texteingaben. Das Touchpad vorne reagiert hin und wieder etwas zu sensibel.

Tippkönig: Die rückseitige Tastatur der Philips-Fernbedienung erleichtert Texteingaben. Das Touchpad vorne reagiert hin und wieder etwas zu sensibel.

Probleme offenbart die Recheneinheit vor allem hinsichtlich der Reaktionszeiten: Das Navigieren an sich gelingt trotz zahlreicher Bildelemente flüssig, ruft man aber die Suchfunktion auf, gerät die Bedienung ins Stocken. Die hauseigene App-Galerie stürzt hier sogar regelmäßig ab. Unsere Suche nach Amazon Instant Video verlief ergebnislos; Film- und Serienfreunde müssen mit der Konkurrenz von Netflix, Maxdome oder Watchever vorliebnehmen. Ebenso steht der in die Android-Plattform integrierte Streaming-Dienst „Google Play Filme“ zur Auswahl. Klar, dass die Pendants für Musik und Spiele sowie Googles Play Store mit seinem riesigen Download-Angebot nicht fehlen dürfen. Im Gegensatz zu den Vorjahresmodellen spielt der Mediaplayer des 55 PUS 8601 alle wichtigen 4K-Formate ab.

Der rote Punkt: Die USB-Recording-Funktion ist nicht bei allen Android-Fernsehern selbstverständlich. Beim 55 PUS 8601 steht sie jedoch ab Werk zur Verfügung.

Der rote Punkt: Die USB-Recording-Funktion ist nicht bei allen Android-Fernsehern selbstverständlich. Beim 55 PUS 8601 steht sie jedoch ab Werk zur Verfügung.

Verhängnisvoller Klick: Philips‘ App-Galerie quittiert beim Aufrufen der Suchfunktion ihren Dienst. Die Online-Videothek von Amazon sucht man vergeblich.

Verhängnisvoller Klick: Philips‘ App-Galerie quittiert beim Aufrufen der Suchfunktion ihren Dienst. Die Online-Videothek von Amazon sucht man vergeblich.

Hinter den Kulissen: Über das Android-Menü gelangt man zu einer Art Taskmanager, der die auf dem Fernseher installierten Apps sowie aktive Anwendungen auflistet.

Hinter den Kulissen: Über das Android-Menü gelangt man zu einer Art Taskmanager, der die auf dem Fernseher installierten Apps sowie aktive Anwendungen auflistet.

Nur wenige Fernseher offenbaren dem Publikum einen unverhüllten Blick auf ihre Lautsprechersysteme. Meist sind diese unten im Gehäuse versteckt und auch klanglich eher zurückhaltend. Sony setzt mit dem X94C und X93C (siehe audiovision 8-2015 bzw. 10-2015) zwar Maßstäbe beim TV-Ton, ihre breiten Seitenränder sind allerdings nicht gerade ein Ausbund an Eleganz. Jetzt versucht Philips, Sound und Style unter einen Hut zu bringen: Der PUS 8601 verfügt über zwei Lautsprecherleisten mit jeweils acht Mikrotreibern, die magnetisch am Geräterahmen haften und bei Nichtgebrauch einfach abgenommen werden können. Ihr dunkles Chrom-Finish fügt sich harmonisch ins TV-Design ein.

Zwei in die Rückseite des Fernsehers eingelassene Subwoofer unterstützen die 17 Millimeter schlanken Soundstäbe im Tieftonbereich. An die Basspegel des Philips-Flaggschiffs 65 PUS 9809 mit seinem externen 50-Watt-Subwoofer (audiovision 4-2015) kommt der PUS 8601 verständlicherweise nicht heran, erzeugt im Vergleich zu klassischen TV-Boxen aber einen dynamischen wie vollmundigen Klang. Im Tonmenü stehen Presets für verschiedene Einsatzbereiche wie Film, Musik und Nachrichten zur Auswahl.

Insgesamt bringt es das System auf eine Ausgangsleistung von 50 Watt (RMA), die in Verbindung mit den optionalen Standfüßen PTA 860 auf 70 Watt erweitert werden kann. Dabei sorgen Mitteltöner im Sockel für ein volleres Stimmvolumen, obgleich der Abstrahlort direkt am Fußboden nicht ideal ist, was Verfärbungsfreiheit und Präzision anbelangt. Dafür lassen sich die Lautsprecher beliebig links und rechts neben dem Gerät platzieren, was unter Umständen den Stereoklang verbessert. Die Ansteuerung erfolgt drahtlos über einen mitgelieferten USB-Dongle. Den Preis von 400 Euro für das Fußpaar finden wir jedoch etwas zu hoch angesetzt.

Strich in der Wohnlandschaft: Die Standfüße sind sowohl optisch als auch akustisch auf die TV-Boxen abgestimmt, schlagen allerdings mit 400 Euro zu Buche.

Strich in der Wohnlandschaft: Die Standfüße sind sowohl optisch als auch akustisch auf die TV-Boxen abgestimmt, schlagen allerdings mit 400 Euro zu Buche.

Anziehend: Die Lautsprecher halten magnetisch am TV-Rahmen und werden über ein kurzes Klinkenkabel mit dem 55 PUS 8601 verbunden. Wer ein externes Boxensystem nutzt, kann sie auch weglassen.

Anziehend: Die Lautsprecher halten magnetisch am TV-Rahmen und werden über ein kurzes Klinkenkabel mit dem 55 PUS 8601 verbunden. Wer ein externes Boxensystem nutzt, kann sie auch weglassen.

Bildqualität

Manche Dinge wie Philips‘ Vorliebe für ein kühles, plakatives und überschärftes Bild im Auslieferungszustand ändern sich offenbar nie. An ein paar unserer Kritikpunkte haben die Entwickler zwar Hand angelegt, dafür schwächelt es jetzt an anderer Stelle. So liegt die Farbtemperatur selbst in den normalerweise ordentlich abgestimmten isf-Modi bei zu hohen 7.450 Kelvin, was einen leichten Blaustich verursacht. Wie gerufen kommen da die zahlreichen Einstellmöglichkeiten, die früher durch einen (geheimen) Zahlencode gesperrt waren. Neben globalen Reglern stehen auch eine manuelle Farbtemperatur-Anpassung sowie ein Farbmanagement bereit. Ambitionierte Cineasten dürften über Letzteres nicht minder froh sein, zumal der 55 PUS 8601 einige Nuancen verfehlt – die durchschnittliche Delta-E-Abweichung beträgt 5,3.

Ganz ohne Maler: In den Ambilight-Einstellungen lässt sich das Licht an die Wandfarbe hinter dem Fernseher anpassen. Natürlich kann man es auch ganz ausschalten.

Ganz ohne Maler: In den Ambilight-Einstellungen lässt sich das Licht an die Wandfarbe hinter dem Fernseher anpassen. Natürlich kann man es auch ganz ausschalten.

Ein buchstäblicher Lichtblick sind die Helligkeitsreserven von bis zu 519 Candela pro Qudratmeter, obgleich die vom Hersteller versprochenen 700 Candela unerreicht bleiben. Nicht einmal dem hellsten Preset „Natürlich“ können wir mehr als 534 Candela entlocken; in einem kleinen Weißfeld vor schwarzem Hintergrund schafft er sogar nur 125 Candela. Das liegt daran, dass das Preset bei dunklen Inhalten das Backlight herunterregelt. Eine Local-Dimming-Schaltung, die dem entgegenwirkt, sucht man vergeblich. Nichtsdestotrotz punktet der Philips mit einem satten ANSI-Kontrast von 1.027:1, wobei der Schwarzwert niedriger sein könnte. Das Display hellt sich vor allem in den Ecken auf; die Letterbox-Balken in Kino-filmen erscheinen eher bläulich als schwarz.

Viele Sehenswürdigkeiten: Neben den Schnittstellen inklusive Doppel-Tuner finden sich auf der Rückseite des Philips 55 PUS 8601 auch zwei Tieftöner sowie ein aus insgesamt 63 LEDs bestehendes, vierseitiges Ambilight.

Viele Sehenswürdigkeiten: Neben den Schnittstellen inklusive Doppel-Tuner finden sich auf der Rückseite des Philips 55 PUS 8601 auch zwei Tieftöner sowie ein aus insgesamt 63 LEDs bestehendes, vierseitiges Ambilight.

Keine Wünsche offen lässt die Feinzeichnung: Weder im TV-Betrieb noch bei der Blu-ray-Wiedergabe sind nennenswerte Unschärfen erkennbar. Wer jedes Detail herausholen möchte, füttert das Gerät natürlich mit 4K- beziehungsweise UHD-Material. Bei Bewegungen treten allerdings gelegentlich Flimmereffekte sowie Bildruckler auf.

2.400 Euro: Der Philips 55 PUS 8601 bietet eine üppige Ausstattung fürs Geld, wobei er die HDR-Wiedergabe erst nach einem Firmware-Update beherrschen wird. Auch optisch macht die in 55 und 65 Zoll erhältliche TV-Serie eine gute Figur.

2.400 Euro: Der Philips 55 PUS 8601 bietet eine üppige Ausstattung fürs Geld, wobei er die HDR-Wiedergabe erst nach einem Firmware-Update beherrschen wird. Auch optisch macht die in 55 und 65 Zoll erhältliche TV-Serie eine gute Figur.

Philips_55PUS8601_Wertung

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Der Testbericht Philips 55 PUS 8601 (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 2400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Philips läutet mit dem 55 PUS 8601 erfolgreich seine neue TV-Generation ein. Lob verdienen die hohe Leuchtkraft, die nachrüstbare HDR-Fähigkeit und das faszinierende Vier-Seiten-Ambi­light. Die kühle Farbabstimmung und das Restlicht in schwarzen Bildbereichen gefällt uns hingegen weniger.

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