TCL 65DC760 (Test)

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Steuer-Duo: Den kleinen TCL-Steuerstab braucht man nur, wenn man den Google Assistant per Sprache nutzen will.

Respekt, schon beim Aufstellen des 65DC760 von TCL ist man ob der hochwertigen Materialien überrascht, die der chinesische Konzern seinem Flat-TV spendiert hat. Das dünne Display wird von einem Metallrahmen umgeben, auch der Standfuß besteht aus Aluminium, und das JBL-Soundsystem mit vier Frontlautsprechern lässt darauf hoffen, dass der 65-Zöller tonal überzeugen kann.

Die Micro-Dimming-Technik unterteilt das Display in 200 Zonen. An Bord werkelt Android 8.0. Ein 90 Zentimeter breiter Tisch genügt, damit der Flachmann sicher aufgestellt werden kann. Zur Wandmontage ist der Apparat kompatibel mit allen gängigen VESA-Wandhalterungen.

Ausstattung und Praxis

Auch wenn der 65DC760 zwei USB-Anschlüsse besitzt: Keiner der Ports eignet sich, das laufende TV-Programm auf eine externe Festplatte aufzuzeichnen. Das ist insofern nicht weiter tragisch, als der Aufnahmekomfort ohnehin eingeschränkt wäre. Denn der TCL hat für Kabel, Satellit und DVB-T2 jeweils nur einen Single-Tuner verbaut. Time-Shift wird ebenfalls nicht unterstützt.

Sie ist nicht zu übersehen, die röhrenförmige Soundbar von JBL, die am unteren Bildschirmrand fest ab Werk montiert und damit sofort einsatzbereit ist. Schraubenzieher oder Werkzeug braucht man glücklicherweise nicht. Das Zwei-Wege-System beherbergt vier Frontlautsprecher mit einer maximalen Ausgangsleistung von 60 Watt. Über den Menüpunkt „Nur Audio“ kann man den Bildschirm in den Schlafmodus versetzen, wenn man Musik oder ein Hörbuch abspielen möchte. Das spart Strom und sorgt dafür, dass man sich voll auf den Klang konzentrieren kann.

Stylisch: Das JBL-Soundsystem leistet im 65-Zöller ordentliche Arbeit, schafft bei Musik und Effekten eine breite Bühne und gibt Stimmen sauber wieder.

Vor der Inbetriebnahme sollte man ebenfalls über das Menü festlegen, ob der Fernseher an der Wand hängt oder auf dem Ständer betrieben wird. Insgesamt hat TCL mit „Standard“, „Kino“, „Musik“, „Stimme“, „Spiel“ und „Stadion“ sechs Klangmodi vorprogrammiert, „Benutzer“ erlaubt manuelle Eingriffe und Anpassungen unter anderem am Surroundsound-, am Bass- sowie am Dialog-Verhalten. Die Sprachverständlichkeit des 65DC760 ist sehr gut. „Kino“ schafft eine recht breite Klangbühne und arbeitet Effekte druckvoll heraus. Donnernde Wellenberge im Sturm schlagen mit Wucht an die Felsen, die Dynamik überzeugt. Allerdings sollten es Musikliebhaber beim Lautstärke-Level nicht übertreiben. Bei zu hohen Pegeln wird der Flachmann unpräzise und neigt zu leichten Verzerrungen. Im „Night Mode“ zieht der TCL die Handbremse an, damit Nachbarn vom Blockbuster verschont bleiben.

Leider nur Single: Für den TV-Empfang hat der TCL lediglich Einfach-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 an Bord. Da schmerzt es nicht, dass über die USB-Buchsen keine Aufnahme-Option besteht.

Android 8.0 arbeitet mit dem Quad-Core-Prozessor gut zusammen. Durch Menüs navigiert man ebenso schnell wie durch das ordentliche App-Angebot, in dem allerdings Maxdome und Amazon Prime Video fehlen. Auf Sprachbefehle reagiert der LCD-TV umgehend, allerdings muss man dazu zur kompakten Zweit-Fernbedienung oder zum Smartphone greifen. Google Assistant liefert auf Wunsch Wissen aus dem Internet und Informationen zu Wetter, Sport, Verkehr und Co.

Bekannte Oberfläche: Android 8.0 steht dem 65-Zöller gut zu Gesicht. Das Arbeitstempo ist hoch, die Anordnung der einzelnen Kacheln und Bedienfelder intuitiv.

Einen echten Mehrwert bietet die Gratis-App „T-Cast“. Befinden sich Mobilgerät und Flat-TV im selben Netzwerk, so findet die App den TCL automatisch. Fotos, Musik und Videos lassen sich per Fingertipp auf den 65-Zöller spiegeln. Das gilt auch für YouTube-Videos. Zudem kann man Apps direkt über das Smartphone auf dem großen Bildschirm öffnen. Dies gelingt problemlos. Lediglich die Verbindungsqualität zwischen Mobilgerät und TV könnte besser sein, im Test kam es zu diversen Abbrüchen.

Splitting-Modus: Links das TV-Bild, rechts eine App-Auswahl. So kann man mit einem Auge stöbern, mit dem anderen das aktuelle Programm verfolgen.

Zusätzliche Streaming-Optionen ergeben sich durch Bluetooth und das integrierte Chromecast. Am Media-Player gibt es nichts zu meckern, der erweckt die eigene Foto-Sammlung schnell zum Leben.

Wetterfrosch: Wettervorhersage, Verkehrsinfos, Sportergebnisse oder Wissen aus dem Netz – der Google Assistant hilft bei Sprachanfragen zügig weiter.

Bild- und Tonqualität

Filmfans, die Netflix-Streifen oder UHD-Blu-rays in höchster Qualität genießen möchten, müssen wir an dieser Stelle enttäuschen: Sie werden mit dem 65DC760 nicht vollends glücklich, was angesichts des Preises nicht überrascht. Fangen wir mit den reinen Messwerten an: Im Modus „Dynamisch“ kommt der TCL auf eine maximale Helligkeit von 455 Candela. Im optimalen Setup „Kino“ sind es lediglich noch 390 Candela, egal, ob in Spitzlichtern oder im vollflächigen Weiß. Für HDR-Spaß ist das zu wenig.

Tele-Illustrierte: Was läuft wann und wo? Der Elektronische Programmführer weiß, welche Sendungen man in den nächsten acht Tagen einschalten sollte.

Strahlende Bilder und knallige Farben mit hohen Kontrasten bleiben dem 65-Zöller damit verwehrt, zudem werden HDR10+ und Dolby Vision nicht unter-stützt. Positives gibt es von der Farbtemperatur zu berichten. Mit dem Wert „-5“ gelingt mit 6.540 Kelvin beinahe eine Punktlandung. Der ANSI-Kontrast von 630:1 ist akzeptabel.

Media-Center: Einfach den USB-Stick einstöpseln, und schon zeigt der 65DC760 Fotos, Videos und Musikstücke mit Vorschaubild auf dem 65-Zöller an.

Eine andere Schwachstelle ist die Bewegungsdarstellung, wie wir unter anderem im Netflix-Streifen „Unser Planet“ feststellen mussten. Der Flug über das Polarmeer erweist sich als recht ruckelige Angelegenheit. Mächtigen Eisbergen nähert man sich mit vielen kleinen Stolperern. Langsamen Kamerafahrten fehlt es an Geschmeidigkeit. Die Option „Bewegungsschärfe“ steht hier merkwürdigerweise im Gegensatz zur Blu-ray-Wiedergabe nicht zur Verfügung. Allerdings ist deren Effektivität ohnehin nicht sonderlich überzeugend.

Etwas mehr Pepp: Der Bildmodus „Smart HDR“ im TV-Menü verleiht auch SDR-Inhalten ein wenig mehr Farb- und Leuchtkraft.

Bei Nachrichten, Talkshow, Daily Soap oder Sportübertragung fallen diese Defizite allerdings kaum auf. Die Farben sind natürlich, Schärfe und Raumtiefe überzeugen. Wer auf ein kräftiges Bild steht oder bei Sonne sein Wohnzimmer nicht verdunkeln will, sollte den Modus „Smart HDR“ mal ausprobieren. So steigert der TCL deutlich die Intensität und dreht die Sättigung nach oben, was sich auch positiv auf den Kontrast auswirkt.

Solide: Im SDR-Bereich sitzt nicht jeder Messpunkt millimetergenau. Insgesamt ist die Farbreproduktion jedoch sehr natürlich und kann sich sehen lassen.

Bei Cinemascope-Balken fallen in den Ecken leichte Aufhellungen auf. Das Panel ist ansonsten recht gleichmäßig ausgeleuchtet. Die „Schwarzstufe“ sollte auf einem Wert kleiner als 50 stehen. Dann schafft der TCL zumindest ein sehr dunkles Grau.

Ausgebremst: Bei Grün und Gelb geht der TCL im HDR-Bereich nicht ans äußere Limit. Die anderen Bereiche im Farbsegel schneiden deutlich besser ab.

In hellen Flächen wie Schneefeldern könnte die Differenzierung feiner sein, hier gehen einige Details verloren. Bis zu einem seitlichen Betrachtungswinkel von rund 30 Grad bleibt die Bildqualität konstant. Dann beginnt das Bild aufzuhellen, die Farben verblassen.

Der Testbericht TCL 65DC760 (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 1500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Guter Klang, flotte Bedienung, solide Bildqualität. Die alltäglichen TV-Aufgaben meistert der 65DC760 gut. Für höhere Heimkino-Ambitionen kommt der TCL allerdings nicht in Frage. Dafür ist die maximale Display-Helligkeit zu gering und die Schwarzdarstellung zu dürftig.
Jochen Wieloch

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