Sony VPL-VW760ES (Test)

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Mit separaten Tasten für Fokus, Zoom und Lens-Shift bietet die Fernbedienung des VPL-VW760 etwas mehr Luxus als bei anderen 4K-Projektoren. Das sonstige Layout wurde jedoch nicht geändert.

Bereits der 5.000 Euro teure 4K-Beamer VW260ES schaffte es fast in unsere Referenzklasse. Entsprechend waren wir gespannt, was das dreimal so teure Flaggschiff VW760ES leistet.

Der UHD-Premium-Standard umfasst nicht nur die bekannten Vorteile der 4K-Auflösung und des HDR-Kontrastes, sondern auch die originalen Kinofarben. Während nach dem bisherigen Videostandard kräftige Farben sichtbar verblassen, lassen sich bei UHD vor allem kräftige Rot- und Grüntöne verlustfrei darstellen.

Die Kombination aus Kontrast und authentischen Farben ist schon für Fernseher eine Herausforderung, doch im Beamer-Segment ist dieses Unterfangen noch schwerer. Kaum einem Gerät gelingt dieser Spagat ohne Kompromisse: Entweder fehlt es an Auflösung, Helligkeit, Schwarzwert oder Farben. Dies soll sich mit dem neuen Sony VPL-VW760 ändern, denn in dem High-End-Boliden hat Sony eine Reihe innovativer Techniken verbaut.

Ausstattung und Praxis

Wie es sich für das Top-Modell gehört, erscheint der VPL-VW760 in einem komplett neuen Chassis, das allerdings nur in schwarzer Farbe erhältlich ist. Offensichtlich geht Sony davon aus, dass High-End-Beamer in Wohnräumen nicht eingesetzt werden. Dementsprechend kompromisslos sind auch Größe (56 x 50 Zentimter) und Gewicht (20 Kilogramm), die die vergangene Generation hinter sich lassen und in dieser Hinsicht an den VW1000-Ursprung anknüpfen.

Nach wie vor ist Sony der einzige Hersteller, der Projektoren mit originaler 4K-Auflösung (4.096 x 2.160) in bezahlbaren Preisregionen anbietet, so ist der kleine Bruder VW260 (Test in 2-2018) bereits für unter 5.000 Euro erhältlich. Tatsächlich arbeitet im nahezu dreimal so teuren VW760 die identische Panelgeneration, die sich seit zwei Jahren auch bei den Vorgängern bewährt hat. Mit niedriger Reaktionszeit ist sie in der Lage, die hohe Detailauflösung auch in schnellen Bewegungen zu erhalten, wenn es die Signalelektronik zulässt.

Rein äußerlich zeigt sich die Anschlussseite identisch zu den Vorgängergenerationen der VW-Serie. Doch der Schein trügt, denn der VPL-VW760 verwendet vollwertige 18-GBps-Schnittstellen, so dass er auch bei 50/60Hz-Frequenzen die volle Farbtiefe und Farbauflösung verarbeiten kann.

Damit zeigt er gerade bei Videospielen weniger Farb­reduktionen und Banding-Artefakte als die kleineren 4K-Brüder. Durch die volldigitale Helligkeitserzeugung wird dennoch nicht die volle Farbtiefe erreicht, auch der VW760 hat hier und da den Hang zu Farb­reduktionen. Ein nicht minderer Gewinn in der Bildqualität wird durch die nun 4k-taugliche Zwischenbild­berechnung „Motion Flow“ erzielt. Endlich kommt man nicht nur bei Standbildern, sondern auch in Bewegungen in den vollen UHD-Genuss.

Das von den kleinen Brüdern geerbte Kunststoff-Objektiv war durch seine Serienstreuung nicht selten Ziel von Kritik unter High-Endern und Befürchtungen wurden laut, dass Sony es nahezu unverändert nun auch im VW760 verbaut. Doch nach bisheriger Serienanalyse scheinen diese Bedenken unbegründet, es gewährleistet eine hohe optische Schärfe und einen hohen In-Bild-Kontrast. Hoffen wir, dass auch bei kommenden Chargen die gute Qualitätskontrolle beibehalten wird.

Allein ein neues Äußeres kann den Aufpreis zu den immer günstiger werdenden 4K-Brüdern nicht rechtfertigen, worin steckt nun die revolutionäre Neuerung? Die Antwort liegt in der Lichtquelle: Denn der VPL-VW760 lässt die herkömmliche UHP-Lampe mit all ihren Nachteilen hinter sich und erzeugt stattdessen alle Farben auf der Leinwand aus einer Kombination aus zahlreichen blauen Laserdioden, die einen gelben Phosphor zum Leuchten anregen. Diese Technik hat sich in den letzten Jahren im Professional-Bereich durchgesetzt und bringt mehrere Vorteile mit sich: Die hohe Lichtausbeute von fast 2.000 Lumen bleibt über einen erheblich längeren Zeitraum erhalten, selbst nach einer Nutzung von 20.000 Stunden verbleiben noch 50 Prozent Resthelligkeit. Über einen Austausch der Lichtquelle muss man sich selbst als Vielgucker also keine Gedanken machen, was langfristig einen Teil des Mehrpreises einspart. Neben der gesteigerten Lichtausbeute ist die Laserlichtquelle auch in der Lage, reinere Farben, wie sie vom UHD-Premium-Standard vorausgesetzt werden, zu erzeugen und so dem Kino-Original näher zu kommen. Ein Dimming ersetzt die träge mechanische adaptive Iris der Vorgänger und erhöht den Dynamikumfang nun ohne Nebenwirkungen in Echtzeit. Und schließlich lässt sich die gewünschte Lichtausbeute vom Anwender jetzt in 100 Stufen perfekt regeln, während die UHP-Brüder lediglich einen Eco-Modus bieten.

Wie bei einem Lampen-Projektor erzeugt das Laser-Modul weißes Licht, das in seine Grundfarben aufgeteilt wird. In dem Modul befinden sich blaue Laserdioden, deren Spektrum durch gelb emittierenden Phosphor ergänzt wird. Es handelt sich sozusagen um eine Laser-Phosphor-Hybrid-Technologie. Die Lichtausbeute dieses Systems ist hoch, die Lebensdauer beläuft sich auf ca. 20.000 Stunden), was 10.000 bis 15.000 Spielfilmen entspricht. Selbst bei täglichem Filmkonsum ist erst nach über 20 Jahren mit einem Ausfall zu rechnen.

Neben der neuen Lichtquelle wurden weitere Kritikpunkte der anderen VW-Modelle beseitigt: So verfügt der VPL-VW760 über einen HDMI-Chipsatz mit voller 18GBit/s-Durchsatzrate und kann so auch die volle HDR-Farbtiefe und HDR-Farbauflösung bei 60Hz-Videofrequenz annehmen. Und schließlich wurden die Wünsche vieler High-End-Kunden endlich erhört, denn die 120-Hz-Zwischenbildberechnung „MotionFlow“ ist nun in der Lage, auch bei voller UHD-Auflösung aktiv zu werden. Alles andere wäre auch schwer vermittelbar, denn im TV-Bereich sind diese Ausstattungsmerkmale von Sony bereits im niedrigen vierstelligen Preisbereich zu bekommen.

Auf den restlichen Luxus der Vorgängermodelle muss selbstredend auch nicht verzichtet werden: Ein voll motorisiertes Objektiv mit LensMemory ist ebenso an Bord, wie seitlich getarnte Anschlüsse und leise Belüftung, die je nach gewählter Helligkeit sogar leiser ausfällt (22 dB) als bei den UHP-Lampenbrüdern.

Licht und Farbe

In 4K Zeiten haben wir es mit zwei Farbstandards zu tun: SDR mit dem herkömmlichen HDTV-Farbraum und UHD Premium mit originalem Kino (DCI P3) Farbraum. Je nach Zuspielung muss der VW760 richtig vorkonfiguriert sein: Der Speicher „Referenz“ setzt den Farbraum auf BT709 und die Farbtemperatur auf D65/6500K, Letztere ist ab Werk sehr gut abgestimmt und bedarf nur kleiner Korrekturen. Beim Farbraum hat das BT709-Preset einen Hang zur Übersättigung in Grün und Blau, den Perfektionisten per Color-Management (der VW760 hat derer gleich zwei) problemlos korrigieren können. Kalibriert verbleiben von den 2.000 Lumen rund 1.750 Lumen, was den VW760 zu einem besonders lichtstarken (und dank Laser Langzeit-stabilen) Beamer macht. 

Selbst bei sehr großen Leinwänden überzeugt der 760er mit ansprechender Helligkeit und hoher Detailschärfe.

Der native Panelkontrast bewegt sich zwischen 13.000:1 und 20.000:1 (je nach Zoom) und sorgt für einen sehr hohen In-Bild-Kontrast, der durch das vergütete Objektiv sich auch im ANSI-Schachbrett auf rund 400:1 beläuft. Aktiviert man noch zusätzlich das dynamische Laser-Dimming, so wird der Schwarzwert weiter verbessert und der Dynamikumfang auf reale 80.000:1 gesteigert. Bei Voll-Schwarzblenden schalten die Laser auf Wunsch auch komplett aus und sorgen für absolute Dunkelheit, allerdings nur solange wirklich kein einziger Pixel Bildinformation vorhanden ist.

Schärfe & Videoverarbeitung

Mit herkömmlichem Full-HD-Material (2 Megapixel) ist ein 4K-Projektor wie der VPL-VW760 eigentlich unterfordert, muss er doch zu jedem überspielten Bildpixel gleich drei hinzurechnen. Diese komplexe Aufgabe übernimmt der Sony Skalieralgorithmus „Reality Creation“, der in seiner Arbeitsweise (Schärfe / Rauschen) vom Anwender beeinflusst werden kann. Übertreibt man es hier nicht, zeigt der VW760 bei guten Full-HD-Quellen einen Detailreichtum auf der Leinwand, der beinahe schon echtes 4K-Feeling verbreitet.

Der hohe Dynamikumfang erlaubt das HDR-typische Zusammenspiel aus Spitzlichtern und Schatten. Die Funktion „Weiche Übergänge“ hilft dabei, die Farbtiefe zu verbessern und Banding-Artefakte zu verringern.

Selbst bei Bildbreiten jenseits der 3 Meter lässt die Schärfe keine Wünsche offen. Die in zwei Stufen regelbare Zwischenbildberechnung „MotionFlow“ arbeitet ebenfalls auf Referenzniveau und erhält im niedrigen Modus auch den originalen Filmlook, indem sie in schnellen Bewegungen rechtzeitig abschaltet. Bei Sportübertragungen mit 50 und 60 Hz profitiert der VW760 von seiner extrem schnellen Panelreaktionszeit, auch schnelle Kameraschwenks behalten eine hohe Schärfe. In der Praxis erscheinen nicht nur Nahaufnahmen UHD-scharf, sondern auch sich bewegende Hintergründe, was vor allem bei schnellen Sportarten den Realismus sichtlich steigert.

Das MotionFlow lässt sich nun auch bei 4K-Zuspielung aktivieren und verbessert die Bewegungsschärfe deutlich.

4K-HDR-Wiedergabe

Als Höhepunkt kommen wir zur UHD-Premium-Wiedergabe mit 4K-Auflösung, DCI-P3-Farbraum und HDR10: Hier läuft der VW760 zur Hochform auf und lässt seine kleinen Brüder hinter sich.  Das hierfür zu empfehlende Preset heißt „Kino Film 2“, bei dem die automatische HDR-Erkennung und der Farbraum „BT2020“ aktiviert werden sollten. Unsere Messung zeigt, dass die Laserlichtquelle in Sachen DCI-Farbraum ganze Arbeit leistet. Ohne jeglichen Filter und Lichtverlust werden über 92 Prozent aller Farben abgedeckt, lediglich in Grün zeigt er eine minimale Schwäche, die aber für das bloße Auge kaum zu erkennen ist. Besonders bei bunten Filmen und Spielen bietet sich dem Betrachter eine Farbenpracht, die man so im Heimkino bisher nicht kannte. Die optische 4K-Bildschärfe war bei unseren Tests trotz des „kleinen Objektives“ bis in den Randbereiche hervorragend, leidet aber bei starker Ausnutzung des Telebereichs / Lens-Shifts.

Kaum ein anderer Projektor kann so eine natürliche Schärfe, Farbenpracht, Helligkeit und Kontrast vereinen, wie der Sony VPL-VW760.

Oft diskutiert wird der digitale Konvergenzabgleich ab Werk, der in hochauflösenden Test-Mustern farbige Interferenzmuster erzeugt, im Filmbetrieb ist von derlei Artefakten jedoch nichts zu sehen. In unserem Direktvergleich kann es der VW760 sogar mit seinem großen Bruder VW5000 in Sachen Schärfe aufnehmen.

Konvergenz und optische Schärfe unterliegen beim VPL-VW760 vorbildlichen Toleranzen.

Dank der neuesten Prozessor-Generation lässt sich auch bei UHD-Zuspielung endlich „Motionflow“ zuschalten und sorgt für eine bessere Bewegungsschärfe durch Interpolation von Zwischenbildern. In der Praxis gelingt dies auch sehr gut, nur selten bringen komplexe Kameraschwenks die Frame Interpolation aus dem Tritt, was sich in kurzen Rucklern oder Artefakten äußert.

Bei Testbildern zeigen sich Spuren der digitalen Konvergenzkorrektur, im regulären Filmbetrieb ist davon aber in der Regel nichts zu sehen.

Bleibt die HDR-Umsetzung, die bei Beamern bislang nie ganz einfach war: Mit dem „Kontrast (HDR)“-Regler des Bildmenüs lässt sich der gewünschte Maximalpegel einstellen: Ab Werk ist der VW760 auf 4.000 Nits justiert, wir empfehlen eine Erhöhung des Reglers auf 70 bis 80, was eine HDR-Signalnutzung bis 1.000 Nits ermöglicht. Mehr ist bei Projektoren wegen der begrenzten Lichtleistung nicht zu empfehlen. Technisch Erfahrene können mit der „Contrast Enhancer“-Funktion dem VPL-VW760 eine dynamische HDR-Darstellung beibringen. Dies erfordert aber einen präzisen Abgleich der Pegel, was viele Händler als zusätzlichen Kalibrierservice „HDR Tuning“ beim Kauf anbieten.

Mit Hilfe des Kontrast (HDR)-Reglers lässt sich der Pegelbereich genau justieren. Wir empfehlen 1.000 Nits als Clippingrenze.

Sind die Konfigurationshürden genommen, zeigt sich auf der Leinwand eine UHD-Premium- Qualität, die man in dieser Form bislang nur vom weitaus teureren VPL-VW5000 kannte. Auch bei großen Bildbreiten von 3 bis 4 Meter bietet der VPL-VW760 ausreichende Helligkeitsreserven für HDR-Highlights, unter dem Einsatz des adaptiven Laserdimmings gesellt sich ein sehr guter Schwarzwert dazu. Alles in allem gelingt dem VW760 als einem der ersten Beamer auf den Markt ein nahezu perfektes UHD-Premium-Erlebnis, gerade die helle und zugleich intensive Farbenpracht mit hoher Tiefenwirkung macht eine Faszination aus, die man bei anderen Beamern so bisher nicht geboten bekommt. Besonders atmosphärische Filme wie z.B. „Bladerunner“ profitieren von diesen zusätzlichen Stilmitteln aus „Licht und Schatten“ ungemein, man fühlt sich fast wie live dabei.

Mit 4K-Auflösung, authentischem Kino-Farbraum (DCI P3) und voller HDR-Ausnutzung bei mindestes 10-Bit-Farbtiefe steht das UHD-Premium-Logo für die derzeit bestmögliche Bildqualität, die man sich nach Hause holen kann. Es findet sich unter anderem auf vielen UHD-Blu-rays.

Auf 4K-Discs wie „Kingsman“ findet sich das Ultra-HD-Premium-Logo (unten rechts).

Doch die Kombination aus hoher Helligkeit und reinem Farbraum ist für herkömmliche Lampen-Beamer nahezu unmöglich, zu groß ist der Lichtverlust durch notwendige Farbfilter. Durch die Laser-Lichtquelle ist es Sony nun erstmals gelungen, über 90 Prozent des DCI-Farbraumes ohne jegliche nachträgliche Filterung zu ermöglichen und somit eine Lichtausbeute von 1800 Lumen bei voller Sättigung zu erzielen. Zusammen mit der nativen 4K-Auflösung, dem hohen Kontrast und der dynamischen Lichtregelung handelt es sich beim VPL-VW760 um einen nahezu vollwertigen UHD-Premium-Projektor, auch wenn Sony ihn damit nicht bewirbt.

Im Heimkino-Alltag spielen alle oben ermittelten Eigenschaften harmonisch so zusammen, dass der Sony VW760 in nahezu allen Lebenslagen das beste Großbild liefert, das man sich derzeit nach Hause holen kann.     

  

Der Testbericht Sony VPL-VW760ES (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 15000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

95 sehr gut

Der Sony VPL-VW760 bietet dank seiner nativen 4K-Auflösung, der HDR-Wiedergabe und der Laser-Lichtquelle die derzeit bestmögliche UHD-Qualität, die man sich ins Heimkino holen kann. Die einzige echte Schwäche ist der mit 15.000 Euro nicht gerade kleine Preis.
Ekki Schmitt

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