Sony VPL-VW260ES (Test)

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Gut für Vergleiche: Zahlreiche Direkttasten der Fernbdienung ermöglichen das schnelle Umschalten zwischen wichtigen Bildfunktionen. Für die „Reality Creation“ stellt Sony eine Demo-Funktion bereit.

Sonys 4K-Projektoren werfen seit Jahren ultrascharfe Bilder auf die Leinwand. Doch erst seit Kurzem bietet der Hersteller ein Modell für 5.000 Euro an. Nicht nur deshalb hat der VPL-VW260 das Zeug zum Überflieger.

Es ist fast sechs Jahre her, da enterte Sony mit dem 18.800 Euro teuren 4K-Debütanten VPL-VW1000ES die Heimkinos gut betuchter Kunden. Erst ein Jahr später zogen die Japaner mit einem Flachbild-TV in UHD-Auflösung nach, dem 25.000 Euro teuren KD-84X9005. Was dann geschah, ist bekannt: Die Preise der flugs in Massenproduktion gefertigten UHD-TVs purzelten, während Sonys 4K-Projektoren über Jahre konkurrenzlos dastanden. Die 10.000-Euro-Marke wurde erst mit dem VPL-VW500ES geknackt (audiovision 1-2014), 7.000 Euro waren es ein Jahr später beim VW300 (audiovision 1-2015).

Letzten Herbst hat Sony auf die neuen UHD-DLPs mit XPR-Shifting-Technik reagiert. Die Ein-Chip-Konkurrenten kosten zwar teilweise nur halb so viel wie Sonys 5.000 Euro teurer 4K-Einsteiger VW260ES, kämpfen aber mit HDR-Kinderkrankheiten und Bildruckeln.

Ausstattung und Praxis

Selten hat sich ein Design über einen so langen Zeitraum gehalten. Doch das spricht eher für den neuen VPL-VW260, der offensichtlich mit ähnlich hochkarätiger Technik wie seine deutlich teureren Vorgänger bestückt ist. Den 4K-Projektor gibt es wie bisher in Schwarz oder Weiß, also eine dunkle Variante für das Heimkino und die helle für das Wohnzimmer. Hier hängt der elegante Projektor dank der edel mattierten Oberfläche recht unauffällig an der Decke, wobei das überstehende Gehäuse die Kabel und Anschlüsse gut verdeckt. Die eingesetzte Lampe ist mit 225 Watt nominal etwas schwächer ausgelegt als die 280 Watt starke Lampe des doppelt so teuren VW550ES (Test in audiovision 3-2017), liefert aber ähnlich helle Bilder. Sie soll im Eco-Modus bis zu 6.000 Stunden lang halten.

Zweimal HDMI mit HDR und HDCP 2.2: Das Anschluss-Terminal ist mit zwei gleichwertigen HDMI-Eingängen bestückt, während viele XPR-DLPs nur einen HDR-kompatiblen Anschluss bieten. Zudem unterstützt der Sony VPL-VW260ES dank verbesserter HDMI-Bandbreite jetzt auch HDR-Videos mit 50/60p sowie 4K-Clips bis maximal 12 Bit.

Leider nennt uns Sony auch auf Nachfrage keine Zahl für den Betrieb mit voller Leistung, zumal die Ersatzlampe vom Typ LMP-H220 mit 370 Euro zu Buche schlägt. Für die batteriebetriebene 3D-Brille TDG-BT500A muss man 60 Euro investieren.

 

Den warmen Luftstrom saugen Sonys Ventilatoren von hinten sowie um das Objektiv herum an und wälzen ihn über große Austrittsöffnungen effektiv nach vorne um. Das Geräusch ist dabei im Eco-Modus besonders leise (25,4 Dezibel), bleibt aber auch bei voller Lampenleistung zurückhaltend sowie tonal unauffällig (31,6 Dezibel). Für Flexibilität sorgen der große Zoomfaktor von 2,06:1 (Projektionsverhältnis 1,38:1 bis 2,83:1) sowie die weite Bildverschiebung (vertikal von minus 80 bis plus 85 Prozent, je 33 Prozent zu den Seiten). Alle Einstellungen inklusive Fokus erfolgen motorisch, wobei man im Funktionsmenü dazu entweder ein grünes Gittertestbild oder ein eigenes Bild („Testmuster Aus“) einblenden kann. Wir bevorzugen letztere Variante, da sich die Schärfe mithilfe von UHD-Testbildern noch eine Spur präziser justieren lässt.

Darüber hinaus haben wir die Bildverbesserungsschaltung „Reality Creation“ aufgesucht: Sie analysiert auch beim VW260 Inhalte objektbasiert auf Größe sowie Bewegung und schärft bevorzugt feine Motive an. Filmkorn oder Videorauschen in Flächen sollen davon weitgehend verschont bleiben. Nebenwirkung der Einstellungen in den Untermenüs „Auflösung“ und „Rauschfilter“ können leichte Einfärbungen an feinen Mustern sein, die sich allerdings minimieren lassen.

Projektoren wie der JVC DLA-X5900 oder Optoma UHD65 (Test in audiovision 1-2018) können UHD-Clips mit 24, 25 und 30 Hertz Bildrate entruckeln. Das gelingt dem Sony VW260 (ebenso wie dem teureren Bruder VW550) leider nicht. Spielen wir unseren Sehtest-Klassiker „Casino Royale“ über den Samsung UBD-K8500 in UHD-Auflösung zu, steht deshalb zunächst allein die Motionflow-Funktion „Impuls“ zur Verfügung. Sie bewirkt allerdings wenig: Bewegte Konturen verwischen zwar bei Kino- und TV-Material eine Spur schwächer, doch geht die Helligkeit im Eco-Modus von knapp 1.000 auf 715 Lumen zurück. Im Vergleich zeigt JVCs „Clear Motion Drive“ Sportübertragungen etwas bewegungsschärfer; und das ohne Lichtverlust.

Famos: Die Stadtansicht von San Francisco wirkt sehr detailscharf, obwohl sich pro RGB-Farbe 8,8 Millionen Pixel auf den drei winzigen 0,74-Zoll-Chips drängeln.

Um alle Motionflow-Funktionen zu nutzen, muss man dem Sony den Film beziehungsweise das Video in Full-HD oder noch niedriger Auflösung zuspielen. Dann stehen das Preset „True Cinema“ für eine original­getreue 24p-Rekonstruktion von NTSC-Filmen sowie die Zwischenbildmodi „Schwach glätten“ und „Stark glätten“ zur Auswahl. Diese sorgen allerdings für einen ziemlich starken TV-Look, weshalb wir uns für Kinofilme eine dezentere Stufe gewünscht hätten.

Einfärbungen in Ultra-HD-Mustern lassen sich mit vorsichtigen Einstellungen im Menü „Realismus“ reduzieren. Bei natürlichen Bildern stören sie nicht mehr.

Native Linienpaare und Muster in UHD-Test­bildern zeigen einen kleinen Kontrastverlust sowie leichte Einfärbungen. Letztere gehen bei reduzierten Einstellungen der Schaltung „Reality Creation“ in den Untermenüs „Auflösung“ und „Rauschfilter“ deutlich zurück. Mit Fotos oder natürlichen Bildvorlagen sieht man solche Einfärbungen jedoch fast nie, sondern gelegentlich rote Säume an hellen Motivkanten aufgrund der (justierbaren) Konvergenzproblematik. Aber auch diese Fehler sind minimal und stören im Vergleich weit weniger als etwa DLP-Farbblitzer der Ein-Chip-Konkurrenz. Auch die Homogenität und Rauschfreiheit von Sonys SXRD-Projektion überzeugen.

Im Vergleich zu UHD-Fernsehern löst Sonys 4K-Projektor nach dem DCI-Standard der Hollywood-Studios seitlich 256 Pixel mehr auf; also 4.096 x 2.160 statt 3.840 x 2.160 Bildpunkte. Das Seitenverhältnis erhöht sich folglich von 1,78:1 (16:9) auf 1,89:1 (17:9).

Komplettes Farbmanagement: Farbton, Sättigung und Helligkeit lassen sich für die RGB-Grundfarben sowie die Mischfarben Gelb, Cyan und Magenta optimieren.

Spielt man Cinemascope-Streifen mit den bekannten Letterbox-Balken im 21:9-Format zu, skaliert das Gerät mit der Bildformatfunktion „2,35:1 Zoom“ ein größeres sowie knapp sieben Prozent helleres 21:9-Bild in voller Breite auf das größere 4K-Panel. Cineasten werden sich darüber freuen, müssen aber gegebenenfalls Zoom und Fokus von Hand an die Leinwand anpassen. Anders als beim nach wie vor produzierten VPL-VW550ES stehen keine Bildpositionsspeicher (Picture Position Memory) für eine automatische Formatanpassung bereit. Sie findet sich hingegen beim neuen, 7.000 Euro teuren VPL-VW360, der den VW320 ablöst. Auch die gut funktionierende Auto-Kalibrierung sowie die dynamische Iris hat dieser an Bord, während sie dem Einstiegsmodell VPL-VW260ES fehlen.

Bereit für künftiges UHD-TV: Per Metadaten erkennt der VW260 die HDR-Version automatisch. Er erlaubt aber auch eine manuelle Einstellung auf HDR-10 oder HLG.

Die zahlreichen Direkttasten der Fernbedienung ermöglichen effektive Bildvergleiche. Ihre Beleuchtung ist immer noch etwas schummrig, leuchtet jetzt aber statt in Dunkelblau warmweiß. Eine echte Verbesserung betrifft die HDMI-Eingänge: Sie nehmen jetzt auch HDR-Signale bis 4K/60p entgegen, da die Bandbreite im Vergleich zum VW320 von 8 auf 13,5 Gigabit pro Sekunde erhöht wurde (maximal 4K/60p mit 12 Bit).

Licht und Farbe

Das ist kein Zufall, sondern dem Einsatz erlesener Komponenten und einer akkurat optimierten Lampe zu verdanken: Die farbneutralen Presets „Referenz“ und „Benutzer“ stellen auch die höchste Helligkeit von rund 1.300 beziehungsweise 1.000 Lumen zur Verfügung. Andere Bildmodi wie „TV Hell“ oder „Kino Hell“ liefern nicht nur zu kühle und weniger präzise Farben, sie sind auch gut zehn Prozent dunkler. Deshalb stellt das farbneutrale Preset „Referenz“ zugleich den höchsten nativen Bildkontrast bereit: Bei sehr guten Werten von rund 12.000:1 erscheinen Weltall-Szenen mit sattem Schwarz und funkelnden Sternen, weshalb wir eine Iris nicht wirklich vermissen. Und auch die hohen Kontrastwerte von 460:1 (ANSI-Schachbrettmuster) beziehungsweise 1.080:1 (EBU-Testbild) sorgen dafür, dass der VPL-VW260ES jede Investition in ein dunkel getünchtes Heimkino mit knackigen Bildern auf der Leinwand belohnt.

Natürliche Mischfarben: Bis auf wenige Ausreißer trifft der VPL-VW260 alle Nuancen sehr genau. Die Farbtemperatur optimieren Tüftler im entsprechenden Menü.

Im Bereich von Grün über Gelb bis Rot sind die Farben im CIE-Segel nach oben rechts hin leicht erweitert und wirken deshalb knackig und frisch. Wer möchte, kann diesen Effekt im Expertenmenü verstärken: Hier sorgen die Modi „Farbraum 1“ und „Farbraum 3“ für noch intensivere, aber nicht unnatürliche Nuancen. Das am stärksten erweiterte Preset „Farbraum 2“ übertreibt, andererseits erscheinen Animationsfilme dann besonders bunt.

Schärfe und Videoverarbeitung

Die HDMI-Eingänge verarbeiten Videosignale ab 480p/576p und fügen 1080i-Halbbilder aus dem Sat-Receiver zu flimmerfreien, scharfen Vollbildern zusammen. Bei leicht verrauschten Blu-ray-Filmen wie unserem betagten Sehtest-Klassiker „Casino Royale“ liefert Sonys (im Menü „Realismus“ versteckte) Schärfefilterung „Reality Creation“ überzeugende Ergebnisse: Bonds gemusterte Krawatte tritt kontrastreicher hervor, ohne das Filmkorn im Hintergrund des schummrigen Hotelzimmers übermäßig anzuschärfen.

Vorsicht: Die im HDR-Betrieb ebenfalls verfügbare Funktion „Kontrastverstärkung“ lässt die Sonne heller leuchten, doch Strukturen in den dunklen Felsen verschwinden.

Sonys Motionflow-Schaltung wandelt optional Kino-Trailer mit 60 Hertz in eine originale 24p-Darstellung um oder fügt Zwischenbilder ein. Die Bewegungsschärfe bei Sportübertragungen wird in den dunkleren Modi „Kombination“ oder „Impuls“ allerdings kaum gesteigert und für Ultra-HD-Quellen steht leider gar keine Zwischenbildberechnung zur Verfügung. „Motionflow“ ist also ein starkes Tool für Full-HD-Kinofilme, das sich auch bei 3D-Streifen aktivieren lässt.

Eine Voraussetzung für die glaubwürdige Darstellung von HDR-Inhalten bringt der Sony VPL-VW260ES schon aufgrund seines hohen nativen Kontrasts von rund 12.000:1 mit. Zum Vergleich: Heutige XPR-DLPs liefern oft zehnmal schwächere Werte und liegen (im Gegensatz zu den besten Full-HD-DLPs) derzeit auch beim Im-Bild-Kontrast zurück. Folglich bildet der Sony im HDR-Preset „Referenz“ helle und dunkle Kontraste des Testbilds gut ab, sofern man im Funktionsmenü den erweiterten HDMI-Eingangsbereich aktiviert. Mit unseren Ultra-HD-Testbildern und Filmsequenzen überzeugen die Werkseinstellungen bereits. Ja nach Geschmack und HDR-Film darf man den Regler „Kontrast (HDR)“ leicht anheben, um eine hellere Gamma-Charakteristik zu erreichen. In sehr hellen Szenen riskiert man dann allerdings leichtes Clipping.

Sinnvolle Anpassung: Der Wechsel auf das HDMI-Signalformat „Verbess. Format“ steigert mit manchen HDR-Quellen die Differenzierung dunkler Nuancen.

Nur bei der Farbwiedergabe des DCI-P3-Spektrums muss der VW260 passen und verfehlt die Vorgabe insbesondere bei Grün und Cyan deutlich.

Eingeschränkt: Hinsichtlich der Farbachse Grün und Cyan übertrifft der VW260 den HDTV-Standard BT.709 kaum. Auch Rot verfehlt die DCI-P3-Vorgabe leicht.

Das leicht eingeschränkte Rot kompensiert der Projektor im Bildmodus „Referenz“ mit einer überzogenen Farbsättigung. Wer sich daran stört, wechselt auf einen der beiden „Kino Film“-Presets, die rote Nuancen dezenter und etwas natürlicher reproduzieren.

Gute HDR-Gene: Die Helligkeit und Kontraststärke der SXRD-Projektion sind Voraussetzung für dynamikreiche Bilder, hier in einer HDR-Sequenz aus „Lucy“.

Sollten es die Platzverhältnisse zulassen, empfehlen wir, den Sony in der schärferen und helleren Projektion bei maximalem Weitwinkel zu betreiben. Dann reicht trotz der Konvergenzproblematik der Detailkontrast bei Fotos an XPR-DLP-Modelle wie den BenQ X12000 heran (audiovision 11-2017), Farbverläufe wirken sogar feiner.

4K und HDR

Bekanntlich lösen Flachbildschirme Details nahezu verlustfrei und sehr kontrastreich auf. Doch um alle Feinheiten bester Ultra-HD-Videos auf einem 65- oder 75-Zoll-TV erkennen zu können, müsste man sehr nahe an das Display heranrücken (Faustformel: Bildbreite mal zwei). Deshalb ermöglicht Sonys 4K-Projektion schon aufgrund des Größenunterschieds ein völlig anderes Heimkino-Erlebnis.

Vollständiges Feedback: Sonys Informations-Menü meldet neben der Auflösung auch die Bildrate, das Farbformat und die aktuell eingestellte HDR-Version zurück.

Auf unserer 2,6 Meter breiten Leinwand entdeckt das Auge in einer Stadtansicht von San Francisco feinste Details bis in weite Ferne oder erlebt die cineastische Tiefenwirkung einer lichtstarken Kameraoptik in voller Plastizität. Aus ästhetischer Sicht ist die Bildwirkung einer derart großen Ultra-HD- respektive 4K-Projektion ein Quantensprung.

Fußballszene in Ultra-HD-Qualität: Die hohe Bildauflösung macht einen großen Unterschied aus, da man jeden einzelnen Spieler auch in der Totalen klar erkennt.

Auch das für Projektoren bisher oft heikle Thema HDR hat Sony gut in den Griff bekommen. Bei Zuspielung über den Ultra-HD-Blu-ray-Player Samsung UBD-K8500 wechselt der VPL-VW260 automatisch auf gut abgestimmt

Keine Zwischenbildberechnung für UHD: Fast alle hier angezeigten Motionflow-Funktionen sind nur auf Quellen bis maximal Full-HD-Auflösung anwendbar.

e Presets, sofern man im HDMI-Funktionsmenü von „Standardformat“ auf „Verbess. Format“ umschaltet.

Nach einer leichten Anhebung des Reglers „Kontrast (HDR)“ gelingt dem Sony beim Sci-Fi-Blockbuster „Lucy“ eine ausreichend helle sowie auch in dunklen Bereichen nuancierte HDR-Projektion. Unsere Messungen im DCI-P3-Spektrum offenbaren allerdings eine spürbare Einschränkung bei den Farben Grün und Cyan.        

 

Der Testbericht Sony VPL-VW260ES (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 5000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Der neue Sony VPL-VW260ES könnte der seit Langem wichtigste 4K-Projektor der Japaner sein. Denn zum Kurs von 5.000 Euro ist er für viele Heimkino-Fans in greifbare Nähe gerückt. Neben guten HDTV-Farben und toller Detailschärfe bringt er viel Helligkeit und einen hohen Kontrast für HDR mit. Leider lassen sich UHD-Clips nicht entruckeln.
Udo Ratai

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