Loewe Bild 5.65 OLED Set (Test)

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Fernseher von Loewe waren schon immer etwas ganz besonderes. Eine Tradition, die der Hersteller auch bei seinen ersten OLED-Modellen wie dem Bild 5.65 pflegt.

Mit seiner aktuellen Bild-Serie ist Loewe im TV-Bereich besser aufgestellt als je zuvor: Mehr als 20 Modelle stehen zur Auswahl, wobei es sich nicht bei allen um OLED-Fernseher handelt. Selbst innerhalb einer Modellreihe kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. So arbeiten die kleinen Brüder des Bild 5.65 OLED – der Bild 5.32, 5.40 sowie 5.48 – nach dem Flüssigkristall-Prinzip, während der 55-Zöller sowohl mit organischem als auch mit LC-Display angeboten wird. Anschließend kann der Käufer zwischen diversen Farbvarianten, Aufstelloptionen und teilweise sogar Soundbars wählen.

Mithilfe von Magneten lassen sich die Schnittstellen auf der Rückseite hinter einer Tür bzw. einer Abdeckung verstecken. Zusätzlich sind Kabelführungen vorhanden.

Die beiden OLED-TVs gibt es auch als Komplett-Sets in „Piano Schwarz“, bei denen man gegenüber der individuellen Konfiguration gut 100 Euro spart.

Fernseher sind heutzutage nicht einfach nur Fernseher. Vielmehr dienen sie in modernen Wohnungen auch als Dekorationselement und Statussymbol. Loewe setzt mit den modularen Bild-Modellen Maßstäbe. So kann der Käufer beim Bild 5 OLED zwischen den Farbvarianten „Eiche Silber“ und „Piano Schwarz“ wählen – die Option betrifft jedoch nur eine schmale Leiste unterhalb des Displays beziehungsweise den Rahmen der Soundbar. Letztere ist optional und kostet 450 Euro.

Nackte Tatsache: Der Grundpreis für den Loewe Bild 5 OLED liegt bei 3.490 (55 Zoll) respektive 5.490 Euro (65 Zoll). Standfuß und Co. werden separat angeboten.

Noch teurer wird es bei den Standfüßen: Während der normale Tischfuß (TS Plate) für faire 150 Euro in der Liste steht, schlägt die rund 1,4 Meter hohe Variante (FS Plate) mit 500 Euro zu Buche; beide lassen sich um 20 Grad nach links und rechts drehen, neigbar sind sie nicht.

Fast wie beim Auto-Kauf: Auf der Loewe-Webseite lässt sich der Bild 5 OLED individuell konfigurieren. Der Fernseher und das Zubehör sind jedoch nicht günstig.

Der einer Staffelei nachempfundene und 1,2 Meter hohe Floor Stand verleiht dem OLED-TV eine besonders elegante Optik. Diesen gibt es ausschließlich in Verbindung mit der eingangs erwähnten Soundbar, was den nicht gerade kleinen Preis von 1.000 Euro noch einmal um 450 Euro in die Höhe treibt. Dafür besteht das Gestell aus robustem Holz, wahlweise im warmen Naturton „Eiche Silber“ oder lackiert in „Eiche Schwarz“.

Auf (Eichen-)Holzbeinen: Der Floor Stand für 1.000 Euro (zuzüglich 450 Euro für die Soundbar) macht den Loewe Bild 5.65 OLED zu einem modernen Kunstwerk.

Alternativ kann der Fernseher an der Wand angebracht werden. Die neigbare Halterung kostet 60, die statische 70 Euro. Den kleinen Bruder Bild 5.55 OLED bekommt man auch mit einer in alle Richtungen beweglichen Wandhalterung (470 Euro). Auf Vesa-Gewinde verzichtet Loewe zugunsten des eigenen Zubehörs.

Optional erhältlich: Wem die Soundbar nicht zusagt, der findet bei Loewe auch vollwertige Lautsprecher sowie Subwoofer für ein noch besseres Klangerlebnis.

Ausstattung und Praxis

Im Fall des von uns getesteten Sets geht der Aufbau zu zweit mühelos von der Hand: Die Soundbar und der Bildschirm sind bereits miteinander verbunden, so dass bloß der Standfuß („TS Plate“) angeschraubt werden muss. Der 70 x 30 Zentimeter große Sockel aus massivem Metall ist drehbar und schlicht gehalten, wodurch er das elegante Design des Bild 5.65 unterstreicht. Loewes Markenzeichen darf aber natürlich nicht fehlen – die runde Status-Anzeige am unteren Gehäuse-Rahmen. Anders als beispielsweise das Klartext-Display des Metz-OLED (siehe audiovision 1-2017) meldet sie lediglich den Betriebszustand in Form einer weiß (Standby) oder grün leuchtenden Linie (eingeschaltet) zurück.

Bilder sprechen lassen: Ist das Einrichtungsmenü sehr textlastig gehalten, sieht die Startseite wesentlich ansprechender aus. Leider dauert der Startvorgang recht lange.

Abgesehen vom Netztrennschalter, welcher die Stromzufuhr komplett kappt, finden sich am Gerät selbst übrigens keinerlei Tasten. Die mitgelieferte Fernbedienung sollte man also besser nicht verlegen.

Schneidet alles mit: Die eingebaute 1.000-Gigabyte-Festplatte und „DR+“ heben die TV-Ausstattung auf ein neues Niveau. Aufnahmen sind flexibel programmierbar.

Das Erscheinungsbild des Signalgebers hat sich seit Loewes Ultra-HD-Debütanten Connect 55 UHD (Test in audiovision 3-2015) praktisch nicht verändert. Statt silbergrau sind die Metalloberfläche und das Tasten-Layout nun anthrazitfarben beziehungsweise schwarz. Extras wie eine integrierte Beleuchtung, ein Touchpad oder ein Bewegungssensor fehlen nach wie vor.

Im Smart-TV-Portal finden sich jetzt auch die Online-Videotheken Amazon Video und Netflix. Bei Letzterer handelt es sich aber nur um eine Verknüpfung zur Webseite.

Leider halten die Entwickler auch an der gewöhnungsbedürftigen Menüführung fest. Die Navigation erfolgt nämlich häufig über die Vorspul- sowie die Back-Taste, obwohl das Cursorfeld komfortabler wäre. Darüber hinaus dauert der Startvorgang mit rund 20 Sekunden recht lange und das Gerät bietet nur wenige Einstellmöglichkeiten in Bezug auf das Bild. So gibt es weder einen Regler zur Anpassung der Leuchtkraft noch einen Weißabgleich oder ein Farbmanagement. Dafür ist der 65-Zöller bereits ab Werk ordentlich abgestimmt, dazu später mehr. Merkwürdig finden wir die 3D-Format-Auswahl im erweiterten Bildmenü, zumal der Loewe-OLED – wie alle anderen aktuellen Modelle – keine Shutter-Technik respektive Polfilterscheibe besitzt.

Oberflächlich: Wie beim Bild halten sich auch die akustischen Einstellmöglichkeiten in Grenzen. Klanglich weiß die im Set enthaltene Soundbar dennoch zu gefallen.

Umso üppiger fällt die TV-Ausstattung aus: Als einer der wenigen Fernseher auf dem Markt verfügt der Bild 5.65 OLED über eine eingebaute Festplatte mit 1.000 Gigabyte Kapazität. Die „DR+“-Funktion zeichnet dabei permanent das TV-Programm auf, so dass der Zuschauer jederzeit (bis zu drei Stunden) zurückspulen und die seit dem Einschalten laufende Sendung nachträglich speichern kann – eine Art erweitertes Time-Shifting. Doch Vorsicht: Schaltet man davor um, geht der Mitschnitt unwiderruflich verloren.

Edle Erscheinung: Da die Schnittstellen abgedeckt sind und sich die Kabel unauffällig am Standfuß entlangführen lassen, sieht der Bild 5 OLED auch von hinten gut aus.

Die klassische Aufnahme über die Record-Taste oder den Jahre im Voraus programmierbaren Timer hingegen gelingt dank doppelter Empfangseinheit kanalübergreifend. Perfekt ergänzt wird der Twin-Tuner durch einen zweiten CI+ Slot; ganz zur Freude von Pay-TV-Kunden. Zur dauerhaften Archivierung lassen sich die Inhalte der internen auf eine USB-Festplatte exportieren.

Dezentes Markenzeichen: Loewe hat sich auf einem kleinen Clip am oberen rechten Displayrand verewigt. Der Bildschirm ist nur fünf Millimeter dick und wird von einem bronzefarbenen Rahmen eingefasst.

Mithilfe der Loewe App für Android (ab Version 5.0) und iOS (ab 8.0) sind die wichtigsten Features auch via Smartphone oder Tablet steuerbar. Zudem enthält diese eine digitale Programmzeitschrift.

Das geräteeigene App-Portal „MediaNet“ stammt wie bei den Vorgängern von der Hamburger Firma NetRange MMH. Allerdings wurde das Angebot an Videostreams vergrößert: Beschränkte sich die Auswahl bislang mehr oder weniger auf Maxdome und YouTube, stehen nun zusätzlich die beiden Marktführer Amazon Video sowie Netflix zur Verfügung oder besser gesagt zum Download bereit. Leider müssen Musikfreunde etwas kürzertreten und mit Deezer oder Webradios vorliebnehmen.

Empfehlenswerte Soundbar

Wer sich nicht für das Set entscheidet, der kann die Soundbar – wie im Kasten auf der vorigen Seite erwähnt – für rund 450 Euro dazubestellen. Damit ist sie zwar kein Schnäppchen, angesichts der Leistung aber durchaus eine Überlegung wert. Insbesondere TV-Fans dürften von der überragenden Sprachverständlichkeit sowie dem satten Brustton begeistert sein; man bekommt beinahe das Gefühl, als würde der Nachrichtenmoderator direkt im Raum stehen.

Apropos Raum: Im Tonmenü des Bild 5.65 OLED stehen zwei Surround-Modi zur Auswahl, wobei wir in Spielfilmen keinen entsprechenden Effekt feststellen können. Ungeachtet dessen sind die beiden 40-Watt-Lautsprecher in gewisser Weise Heimkino-tauglich. So treiben etwa die Stimmen der Orcs aus „Warcraft: The Beginning“ dem Zuschauer regelrecht einen Angstschauer über den Rücken.

Leider bleibt der Bass in den Kampfszenen auf der Strecke: Den auf die Rüstungen prallenden Schwertern und Hämmern fehlt es an Wumms. Daran ändert auch die Anpassung der Tiefen über die Toneinstellungen wenig – für TV-Ton-Verhältnisse ist das Ganze aber sehr gut. Zudem gestattet der integrierte 5.1-Mehrkanal-Decoder den Anschluss und die Ansteuerung eines vollständigen Boxensets samt Subwoofer – Loewe bietet passende Komponenten an.

Bildqualität

Inzwischen dürfte es kaum noch überraschen, dass die Displays der aktuellen OLED-Fernseher – Loewe mit eingeschlossen – aus dem Hause LG kommen. Nichtsdestotrotz gibt es Unterschiede bei der Bild-qualität, was vor allem der Software geschuldet ist. Genau hier legt der Bild 5.65 OLED ein paar Eigenheiten an den Tag. So stehen im Zuge der Installation nur die Betriebsarten „Home“, „Premium“ und „Shop“ zur Auswahl, die mit 9.600 bis 14.700 Kelvin zu kühl abgestimmt sind.

Wechselt man jedoch anschließend ins Bildmenü, findet sich dort zusätzlich der „Kino-Mode“. Dieser erscheint mit 6.470 Kelvin ausgesprochen neutral, obgleich unsere Messungen einen zu Grün hin verschobenen Weißpunkt offenbaren. Außerdem tanzen einzelne Orange- und dunkle Blautöne aus der Reihe, weshalb die Delta-E-Abweichungen unter dem Strich ein wenig größer ausfallen als bei den Mitbewerbern. Im Szenenvergleich auf Seite 34 schneiden die Kronacher dennoch hervorragend ab.

Sehr ungewöhnlich für einen organischen Fernseher und ein Manko des „Kino-Mode“ ist der eingeschränkte BT.709-Farbraum, zumal der Loewe im HDR-Betrieb das deutlich größere DCI-P3-Spektrum abdeckt.

Obwohl Loewe mit einer breiten HDR-Formatunterstützung prahlt, überkamen uns anfangs ernsthafte Zweifel. Denn offensichtlich nimmt nur der vierte HDMI-Eingang dynamikreiche Videos entgegen, während die Quelle an die restlichen drei Ports einzig SDR-Signale ausgibt. Der Unterschied ist nicht zu übersehen: Im HDR-Betrieb verdoppelt der Bild 5.65 OLED seine Leuchtkraft von knapp 315 (SDR) auf über 700 Candela – und das in allen drei HDR-Presets. Der Wert wird allerdings nur im Spitzlicht erreicht.

Zweiter im Bunde: Neben LG setzt jetzt auch Loewe auf das Dolby-Vision-Format, welches sich durch Verwendung dynamischer Metadaten von HDR-10 abhebt.

Wie bei OLED-Fernsehern üblich, schrumpft die Helligkeit bei wachsendem Weißanteil. So bleiben von den 743 Candela (zehn Prozent Weiß) des hellsten und gleichzeitig neutralsten HDR-Bildmodus „Dark“ im voll­flächigen Weiß gerade einmal 158 Candela übrig. In der Praxis sind derartige Aussteuerungen beziehungsweise APL-Werte (Average Picture Level) aber die Ausnahme.

Als einziger Online-Dienst offeriert Amazon Video ein Film- und Serienangebot mit erweitertem Dynamik­umfang. Die übrigen Apps sind leider nicht HDR-fähig.

Seine Stärken spielt der Loewe besonders in düsteren Filmszenen wie den Nachtaufnahmen der Ultra-HD-Blu-ray „Planet Erde II“ aus, die dank sattem Schwarz sowie Kontrastverhältnissen von 1.076:1 (Hellraum) bis 4.279:1 (ANSI) eine exzellente Plastizität und Tiefenwirkung erzielen. Jedoch wäre es nicht verkehrt, den Raum abzudunkeln. Das glänzende Panel begünstigt nämlich Reflexionen, die sich teilweise wie ein grauer Schleier über das Bild legen. Der Faszination über die brillanten Farben tut das keinen Abbruch. Abgesehen vom leicht eingeschränkten Grün deckt der Loewe-OLED das DCI-­P3-Spektrum standardmäßig sehr gut ab, wovon nicht bloß HDMI-Quellen, sondern ebenso via USB, Netzwerk und Internet zugespielte HDR-Inhalte profitieren.

Loewe treibt‘s bunt: Der OLED-TV deckt im Preset „HDR-10 Dark“ den maßgeblichen DCI-P3-Farbraum gut ab. Leider erscheint Magenta nicht ganz neutral.

Wer auch SDR-Videos mehr Brillanz verleihen möchte, dem empfehlen wir die „Image+ Active“-Schaltung: Wechselt man von der Voreinstellung „soft“ zu „normal“, erscheinen zumindest Grüntöne etwas satter, bei Rot ändert sich jedoch nichts. Erst die Presets „erweitert“ und „intensiv“ sorgen für einen in alle Richtungen vergrößerten Farbumfang – leider auf Kosten der Neutralität. Infolgedessen wirkt Cyan sichtbar dunkler, was zum Beispiel in den Bahamas-Szenen unseres Sehtest-Klassikers „Casino Royale“ sofort auffällt. Dafür erstrahlen Animationsfilme à la „Ich – Einfach unverbesserlich“ oder „Cars“ in neuem Glanz.

Abgekühlt: Auch wenn das Bild von der Seite weiterhin sehr brillant wirkt, verursacht die steigende Farbtemperatur einen Blaustich in hellen Nuancen und Grautönen.

Seitlich sitzende Zuschauer müssen keine großartigen Einbußen fürchten: Farben behalten ihre Intensität und Neutralität weitgehend bei. Ab einem Blickwinkel von 40 Grad mogelt sich allerdings ein leichter Blaustich ins Bild, der bei Weiß, Gelb sowie Cyan besonders hervortritt. Zudem geht die OLED-Leuchtkraft um etwa ein Viertel zurück. Von Hand anpassen kann man diese übrigens nicht – das Display regelt bei eingeschalteter „Autom. Dimmung“ selbstständig je nach Umgebungshelligkeit. Abends dunkelt die Funktion für unseren Geschmack etwas zu stark ab, weshalb wir sie lieber deaktivieren und so die volle Leistung erhalten.    

Im Großen und Ganzen ist der Bild 5.65 OLED farblich neutral abgestimmt, allerdings verpasst er aufgrund der Ausreißer bei Orange, Blau und Grau die volle Punktzahl.

Der Testbericht Loewe Bild 5.65 OLED Set (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 6000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Das modulare System macht den Loewe Bild 5.65 OLED zum echten TV-Highlight, auch wenn das Zubehör nicht gerade günstig ist. Dafür gibt es die erstklassige Ausstattung und die überzeugende Bildqualität serienmäßig – ebenso die große HDR-Vielfalt.
Martin Ratkovic

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