BenQ W2700 (Test)

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Die beleuchtete Fernbedienung des BenQ W2700 ist zweckmäßig und handlich, wirkt allerdings nicht sonderlich hochwertig.

Der W2700 erhielt auch den begehrten EISA-Award

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Mit seinem 1.900 Euro günstigen Heimkino-Projektor der „CinePrime“-Serie geht BenQ neue Wege: Nach UHD und HDR standen beim neuen W2700 die originalen Kinofarben im Fokus der Entwickler.

UHD-Inhalte von der Bluray, Netflix, Amazon und iTunes bestehen nicht nur aus der höheren Auflösung. Für den qualitativen Unterschied zu Full-HD zeichnen vor allem der höhere HDR-Dynamikumfang und der DCI-P3-Kinofarbraum verantwortlich. Besagter Farbraum war bei früheren DLP-Projektoren meist nicht zu finden, sie transferierten alle Farben auf das sRGB-/SDR-Niveau.

Dies ändert sich mit dem brandneuen BenQ W2700, der erstmals in der DLP-Mittelklasse die UHD-Auflösung mit dem Kinofarbraum verbindet. Die 8 Millionen Bildpunkte werden, wie in dieser Preisklasse üblich, mittels einer optischen Pixelvervielfältigung erreicht.

Ausstattung & Praxis

Der BenQ W2700 basiert auf einem neuen Chassis, bei dessen Erscheinungsbild Wert auf ein elegantes und hochwertiges Äußeres gelegt wurde: Die oft in dieser Preisklasse glänzenden Plastikgehäuse sind einem satinierten Finish mit bronzefarben eloxierter Aluminiumfront gewichen.

Mit diesem Kleid fügt sich der W2700 gut in helle Wohnzimmer ein. Damit er auch in nicht allzu weitläufigen Räumen für große Bilder sorgen kann, hat man ihn mit einem Kurzdistanz-Objektiv ausgestattet, das die gängige Heimkino-Bildbreite von 2,5 Metern Breite schon aus einem Projektionsabstand von 2,8 bis 3,6 Metern erzeugen kann. Damit ist es möglich, den W2700 als Tischprojektor zu verwenden, statt ihn an der Decke zu montieren.

Schon aus der Fotografie wissen wir: Je höher die Auflösung des darzustellenden Bildes, desto höher sind die Ansprüche an die optischen Eigenschaften des Objektives. Dies ist bei Projektoren nicht anders und BenQ reagiert auf die steigenden Ansprüche durch die Verwendung eines Vollglas-Objektives, was in dieser DLP-Preisklasse ein Novum darstellt.

Das Objektiv des W2700 besteht aus 10 Glaselementen in 8 Gruppen. Eine Präzisionslinse im Brennpunkt (Nr.10) soll für eine besonders scharfe Abbildung sorgen.

Die Verbesserung gegenüber anderen Modellen ist sichtbar, doch Perfektion wird nicht erreicht: Unser Testexemplar zeigte leichte Blausäume.

Bei Letzterem können seine kurzen Projektionsabstände wiederum zum Nachteil werden, da er bei größeren Zimmern weiter in den Raum gehängt werden muss. Für diese DLP-Klasse typisch ist der unflexible Lens-Shift, er bietet nur eine vertikale Ausgleichsmöglichkeit der Deckenhöhe von 10 Prozent.

Die Anschlussseite ist elegant integriert und bietet eine Auswahl an modernen Schnittstellen, analoge Eingänge wie VGA sind verschwunden. Der Medienplayer kann Videodateien über die USB 3.0 Buchse wiedergeben. Damit ist man nicht zwingend auf externe Zuspieler angewiesen, wie das bei den meisten Heimkinoprojektoren der Fall ist.

So elegant sah noch kein Projektor von hinten aus: Neben zwei HDMI-Eingängen punktet die Anschlussseite des W2700 mit einem USB-Mediaplayer.

Wenig hat sich gegenüber den Vorgängern bei der Bedienung getan: Die Menüstruktur wirkt mit ihrer kleinen weißen Schrift auf schwarzem Grund und den BenQ-typischen violetten Überschiften ein wenig antiquiert und unübersichtlich, bietet aber eine große Auswahl an Optionen, die das Kalibrierer-Herz höherschlagen lässt. Die Fernbedienung ist gut strukturiert, zuverlässig in der Signalübertragung und im Dunklen beleuchtet.

Typisch für diese Preisklasse besteht der innere Aufbau aus einer herkömmlichen UHP-Lampenbeleuchtung, einem Farbrad und einem Single-Chip-DMD-Lichtweg. Ein Vollglasobjektiv soll die optische Schärfe auf ein neues Level heben, der verwendete Spiegelchip entstammt der neuesten Generation aus dem Hause Texas Instruments und weist keinen störenden Lichthof mehr auf.

Eine dynamische Iris erhöht den Dynamikumfang und unterstützt die HDR-Darstellung, die sich zudem auf der Signalebene dynamisch dem Film anpasst. Zu guter Letzt wird das RGBRGB-Farbrad durch einen zusätzlichen DCI-Filter unterstützt. Er kann vom Anwender bei UHD-Quellen auf Wunsch zugeschaltet werden. Kurzum, BenQs Neuer soll neben der UHD-Schärfe auch mehr Kontrast und bessere Farben liefern, als dies bislang in dieser Preisklasse der Fall war. Ob dem in der Praxis tatsächlich so ist, haben wir untersucht.

Mangels Lichtleistung ist es für einen Heimkinoprojektor schwierig, dem hohen Dynamikumfang von HDR-Quellen gerecht zu werden. Dies gilt besonders für die DLP-Mittelklasse mit ihrem limitierten Nativ-Kontrast. Um auch bei HDR eine optimale Balance zwischen Helligkeit, Durchzeichnung und Kontrast zu gewährleisten, hat man beim W2700 zwei Hilfsmittel integriert: Bisher in dieser Preisklasse einzigartig ist eine dynamische Pegelanpassung: Der Projektor ist in der Lage, die HDR10-Metadaten auszulesen, die auf jeder 4K-Blu-ray hinterlegt sind, und so sein HDR-Gamma vor Filmstart anzupassen.

Die Signalverarbeitung regelt das HDR-Gamma des Projektors in Abhängigkeit von den Metadaten, die bei HDR10-Blurays als Zusatzinformationen hinterlegt sind.

Auf optischer Ebene erhöht eine dynamische Blende den Dynamikumfang, indem sie in dunklen Szenen den Schwarzwert verbessert. Beide Maßnahmen zeigen ihre Wirkung: Der BenQ W2700 zeigt eine für diese Preisklasse beeindruckende HDR Perfomance.

Die dynamische Blende regelt den Lichtstrom in Abhängigkeit von der Bildhelligkeit und erhöht den Dynamik­umfang. Sehr helle und sehr dunkle Bildinhalte können so gleichzeitig dargestellt werden.

Licht und Farbe

In Anbetracht der Neuerungen fallen die technischen Daten des Herstellers überraschend konservativ aus: Die Lichtleistung des W2700 wird mit 2.000 Lumen bei einem Kontrastumfang von 30,000:1 angegeben. Beide Werte liegen unter dem vieler Konkurrenten. Doch erfahrene Heimkinofans wissen, dass Werksangaben in der Regel praxisfern ausfallen und selten als Qualitätsvergleich dienen. In Sachen Farben legt BenQ hingegen großen Wert darauf, die Farb-raumabdeckung des W2700 mit 95 Prozent zu beziffern, was einer vollständigen Kompatibilität gleichzusetzen ist und direkte Mitbewerber im DLP-Segment hinter sich lässt. Wie immer liegen bei Projektoren die Lichtleistung und der Kontrast im direkten Zusammenhang mit der Farbgenauigkeit, weshalb wir bei den realen Leistungsmerkmalen des W2700 differenzieren müssen.

Sage und schreibe 95 Prozent DCI-Farbraumabdeckung verspricht der Hersteller beim W2700, mehr als so mancher High-End-Projektor. Ermöglicht wird dies durch einen speziellen Farbfilter, der störende Gelbanteile aus dem Lampenspektrum filtert und so die Grund­farben Grün und Rot reiner und kräftiger erscheinen lässt.

Dank des DCI-Filters gelingt dem W2700 eine sehr gute Reproduktion nahezu aller Kinofarben.

Bei UHD-Premium-Material wie von der 4K-Blu-ray erscheinen die Farben im Heimkino erstmals so wie im Kino-Original. Doch die Reinheit der Farben wird mit einem Helligkeitsverlust von rund 50 Prozent erkauft, die verbleibende Lichtleistung limitiert den W2700 auf Bildbreiten unter 3 Meter. Zudem verlieren HDR-Spitzlichter an Strahlkraft.

Bei deaktiviertem DCI-Filter wird das Grün gelblicher, Rot entspricht aber weiterhin der Kinonorm.

Wer diesen Kompromiss zugunsten der Farben nicht eingehen will, kann den DCI-Filter deaktivieren. Auch ohne ihn gelingt dem Projektor eine nahezu vollständige Rotabdeckung und ein vorbildlich großer Farbraum, der nahezu alle Konkurrenten seiner Preisklasse hinter sich lässt.

Durch den originalen Kinofarbraum muss der Projektor die Farben nicht umrechnen / limitieren, wie dies bei herkömmlichen sRGB-Beamern der Fall ist.

Bei Full-HD-/SDR-Zuspielung bietet BenQs Neuer eine komplette Farbraumabdeckung, was ebenfalls keine Selbstverständlichkeit darstellt. Maximal erreicht der Testkandidat dabei eine Lichtleistung von 2.100 Lumen, allerdings mit einem Grünstich im Bild, der keine akkurate Farbreproduktion zulässt. Nach Aktivierung der hervorragend kalibrierten Werksmodi (dem Projektor liegt sogar ein entsprechendes Protokoll bei) verbleiben 1.200 bis 1.400 Lumen, was für einen Heimkinoprojektor immer noch einen guten Wert darstellt. In Sachen Nativ-Kontrast hat die neue Chip-Generation leider nicht zugelegt, er bewegt sich wie bei den Vorgängern zwischen 1.100:1 und 1.600:1. Durch die dynamische Blende wird der Dynamikumfang auf 4.000:1 bis 6.000:1 gesteigert, was sich in einer sicht-baren Verbesserung des Schwarzwertes äußert.

Ganz ohne Nebenwirkungen geht diese Steigerung allerdings nicht vonstatten, stellenweise konnten wir kurze Helligkeitssprünge wahrnehmen. Alternativ kann die dynamische Lampensteuerung aktiviert werden, die nahezu unsichtbar arbeitet, den Dynamikumfang aber auch nur auf 2.800:1 steigert. Eine Kombination beider Kontrasthelfer ist nicht möglich. Kalibriert mit aktivierter Blende und dem DLP-typischen hohen In-Bildkontrast (hier 320:1) gelingt dem BenQ W2700 eine perfekte Farbreproduktion mit ansprechender Bildtiefe und gutem Schwarzwert, wenn Letztere auch nicht auf dem Referenzlevel höherer Preisklassen liegt.

Der W2700 gehört nicht zu den Leisesten seiner Zunft, neben der Belüftung machen sich auch Geräusche durch das XPR-Shifting bemerktbar.

HDR-Wiedergabe

Spielt man dem W2700 UHD/HDR-Material mit originalem Kinofarbraum zu (UHD Premium), kommt seine 95-prozentige DCI-Abdeckung ins Spiel: Aktiviert man den entsprechenden Fiter im Bildmenü, so zeigt der Projektor tatsächlich alle Farben so, wie sie im Kino-Original erschienen. Die Vorteile betreffen vor allem Grün- und Rot-Töne sowie die sich daraus ergebenden Mischungen. Diese Farbpräzision verleiht dem W2700 einen Vorteil gegenüber anderen Modellen dieser Preisklasse, die so intensive Farben nicht darstellen können.

Die Farbenpracht geht allerdings auf Kosten der Lichtleistung, im Schnitt erreicht der W2700 nur 700 Lumen mit voller DCI-Abdeckung. In Kombination mit dem limitierten Kontrastumfang stellt der hohe Dynamikbedarf des HDR-Standards den Projektor vor eine große Herausforderung. Dank einer dynamischen Pegelanpassung gelingt dem W2700 die Darstellung überraschend gut: Der Lichtverlust des DCI-Filters sorgt für einen guten Schwarzwert, vor dem sich die Schattendetails gut abzeichnen. Für Bildbreiten bis 2,8 Meter reicht zudem die Lichtleistung, um eine ansprechende Dynamik zu gewährleisten. Lediglich Spitzlichter erscheinen nicht immer so strahlend, wie bei HDR beabsichtigt. Alles in allem ist die Darstellung ausgewogen plastisch, ohne dass Details im Dunklen verschwinden, und wartet mit nahezu perfekten Farben auf.

Schärfe & Videoverarbeitung

Zur Verbesserung der Schärfeabbildung setzt BenQ auf Hardware und Software: Ein in dieser Preisklasse seltenes Vollglasobjektiv soll die Detailschärfe von UHD-Quellen optisch fein aufgelöst auf die Leinwand bringen, während die Signalverarbeitung mit 24Hz-Kinofrequenz und zuschaltbarer Zwischenbildberechnung für eine optimale Bewegungsschärfe sorgen soll.

In unserem Test zeigt das Glasobjektiv eine gute Leistung: Die Randschärfe sorgt für gute Kontrastübergänge zwischen hellen und dunklen Bildelementen, was der Detailabbildung zu Gute kommt. Perfekt sind die Ergebnisse jedoch nicht, es verbleiben leichte Blausäume, die aus normalen Betrachtungsabständen aber nahezu unsichtbar bleiben.

In Sachen UHD-Auflösung zeigt sich eine sehr gute Detailabbildung dank des 4K-Pixel-shifts, gegenüber herkömmlichem Full-HD wird der Mehrwert im Direktvergleich sofort sichtbar. An die Detailtreue eines nativen 4K-Beamers kommt der W2700 naturgemäß nicht heran, doch die kosten auch mehr als das Doppelte. Die Zwischenbildberechnung erhöht die Bewegungsschärfe, war bei unserem Testexemplar allerdings auf eine Bildfrequenz von 60 Hz limitiert, wie sie vor allem bei Serien zum Einsatz kommt. Bei 24Hz-Spielfilmen und hiesigem 50Hz-TV-Material verursacht sie ein sogenanntes „Pull Down“-Ruckeln aufgrund der Frequenzanpassung. Vorbildlich ist die native 24p-Wiedergabe. Während viele DLP-Modelle hier ein störendes 60Hz-Pull-Down-Ruckeln aufweisen, zeigt der BenQ W2700 auch Kameraschwenks gleichmäßig und scharf in originaler Kinofrequenz und wird so vor allem den Ansprüchen von Puristen gerecht.        

                                                   

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Mehr Informationen: www.benq.de

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