Panasonic TX-75EXW784 (Test)

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Panasonic macht preisbewussten Heimkino-Freunden ein Angebot, das sie nicht ablehnen können: Der neue TX-75EXW784 bietet richtig  viel Bild für relativ wenig Geld.

prosconsVor wenigen Jahren waren Bildriesen ab 70 Zoll ein Luxusgut, lag der Preis doch nicht selten im fünfstelligen Bereich. Davon ist der TX-75EXW784 zum Glück weit entfernt. Zwar kostet er mit 4.500 Euro fast dreimal so viel wie sein kleiner Bruder, besitzt dafür allerdings ein 189 Zentimeter großes Display und unterstützt im Gegensatz zu aktuellen UHD-Projektoren sogar echtes HDR. Bei der Vorgänger-Serie DXW784 reichten die Diagonalen übrigens bloß bis 65 Zoll. Stellt der Bolide also eine komplette Neuentwicklung dar?

Ausstattung und Praxis

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Standfest: Der wuchtige Fuß hält das 189 Zentimeter große und 54 Kilogramm schwere Display fest an seinem Platz. Er lässt sich aber weder drehen noch in der Höhe verstellen.

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Bis auf die etwas dunklere Farbgebung unterscheidet sich der griffige Signalgeber nicht von dem der früheren Panasonic-Fernseher.

Meist unterscheiden sich die Fernseher innerhalb einer Modellreihe einzig in ihrer Größe. Panasonics neue Mittelklässler weisen jedoch zusätzlich ein paar verschiedene Ausstattungsmerkmale auf. So verfügen nur die beiden kleinsten TV-Geräte (50 und 58 Zoll) über einen dreh- sowie höhenverstellbaren Standfuß, während sich der 65-Zöller immerhin noch auf die Drehfunktion beschränkt. Der 75er ist leider völlig unbeweglich – vor allem angesichts des hohen Gewichts von 54 Kilogramm, wobei der  Fuß weitere achteinhalb Kilo auf die Waage bringt, finden wir das schon ein wenig schade.

Dafür bietet der Bolide überraschenderweise eine bessere Blickwinkelstabilität, obwohl die technischen Daten identisch sind. Hier ist die Rede von einem Cinema-Display mit Local-Dimming und 2.400 Hertz Backlight Motion Rate; anders als beim Vorgänger kommt in allen EXW784 ein klassisches Edge-LED-Hintergrundlicht zum Einsatz. Nichtsdestotrotz versprechen sie mithilfe des neuen „Studio Colour HCX2“-Prozessors eine höhere Bildqualität.

Zur Freude von 3D-Fans hält Panasonic an der dreidimensionalen Filmdarstellung fest, wobei die aktiven Shutter-Brillen extra gekauft werden müssen. UHD-Blu-rays gibt der Fernseher ebenfalls originalgetreu wieder. Heißt: Mit vollen 3.840 x 2.160 Pixeln, erweiterten Farben und gesteigertem Dynamikumfang. Er setzt hier ausschließlich auf das offene HDR-10–Format, beherrscht aber auch HLG für künftige TV-Übertragungen in HDR-Qualität.

Der integrierte Tuner deckt gleich vier Empfangswege ab: Satellit, Kabel, DVB-T2 und Netzwerk (TV-over-IP). Ein zusätzliches Unterhaltungsangebot eröffnet die „Apps“-Taste auf der Fernbedienung. Im Smart-TV-Portal finden sich neben der Aufnahmeplanung, der Multi-Window-Funktion zur gleichzeitigen Darstellung zweier Signalquellen und den TV-Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender auch zahlreiche Streaming-Dienste sowie der Web-Browser.

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Gefundenes Fressen: Panasonic unterstützt den HLG-Standard für HDR-Übertragungen via Satellit. Zu sehen bekommt man sie derzeit jedoch nur auf Demokanälen.

Das eingebaute Audiosystem spielt relativ laut und bietet eine gute Sprachverständlichkeit. Angesichts der Bildgröße fällt der Bass etwas mager aus.

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Für alles gerüstet: Panasonic spendiert dem EXW784 unter anderem vier HDMI-Eingänge sowie einen Quattro-Tuner mit TV-over-IP-Funktion und zwei CI+ Slots.

Bildqualität

Wie beim kleinen Bruder sind die Presets „Dynamisch“ sowie „Benutzer“ und „Normal“ mit rund  13.900 respektive 9.000 Kelvin blaustichig voreingestellt und zeigen erweiterte Farben. Letzteres trifft auch auf den Bildmodus „Kino“ zu, der jedoch mit 7.500 Kelvin ein wesentlich natürlicheres Bild zeigt. Neutrale Graustufen bei 6.350 Kelvin sowie akkurate Farben nach HDTV-Standard bringt aber am Ende nur „True Cinema“. Damit gelingt auch ohne isf-Kalibrierung eine ausgezeichnete Farbreproduktion. Im Unterschied zum 58-Zöller fallen ANSI-Kontrast und Schwarzwert kaum schwächer aus, doch die Blickwinkelstabilität zeigt sich erfreulicherweise stark verbessert. 

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Breiteres Spektrum: Standardmäßig ist die Farbskala „Rec. 709“ aktiv. Im HDR-Betrieb wechselt der Panasonic automatisch auf das stark erweiterte Preset „Rec. 2020“.

Scheinbar teilen sich TX-75EXW784 und sein kleiner Bruder TX-58 vergleichbare Technik, etwa das „Super Bright Panel“ mit „Wide Colour Spectrum“. In den verschiedenen Bildmodi erreicht der TX-75 tatsächlich eine ähnliche Bildqualität und liegt auch bei der Leuchtkraft im HDR-Modus auf vergleichbarem Niveau. Doch die große Schwäche des kleineren Modells, nämlich der eingeschränkte Blickwinkel, wandelt der 75-Zöller offensichtlich in eine Stärke um. Das gilt sowohl für Helligkeit und Kontrast als auch für die Farbreinheit. Zur Verdeutlichung messen wir dazu nicht nur alle Farben unter Winkeln von null bis 80 Grad, sondern auch die Farbcharakteristik im CIE-Diagramm unter 45 Grad. Hier wird auf einen Blick erkennbar, wie stark alle Farben gegenüber dem HDTV-Standard driften oder ausbleichen. Zusätzlich dokumentieren wir den Helligkeitsverlust im Weißbild.

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Von null bis 80 Grad: Der TX-75EXW784 bewahrt aus seitlicher Perspektive die Helligkeit gut (oben), während sie beim 58-Zöller deutlich stärker nachlässt.

Auf Achse und im besten Preset „True Cinema“ erreichen beide TVs in der Backlight-Einstellung „20“ nahezu identische Leuchtdichten von 123 Candela (TX-58) beziehungsweise 117 Candela (TX-75). Unter 45 Grad bricht jedoch die Helligkeit des 58-Zöllers auf 35 Candela ein (28 Prozent), während der große Bruder 62 Candela respektive 53 Prozent der Lichtstärke behält. Auch die Farben blassen weniger stark aus und wirken noch einigermaßen gesättigt. Das liegt daran, dass der Farbraum weniger eingeschränkt wird (siehe CIE-Diagramme unter 45 Grad). In diesem Punkt glaubt man fast, TV-Geräte aus zwei verschiedenen Serien vor sich zu haben. Wir können nur den TX-75 uneingeschränkt empfehlen, wenn viele Familienmitglieder auf der großen Couch den TV-Abend genießen wollen.

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75-Zöller unter 45 Grad: Der Farbraum verkleinert sich leicht, Farben wirken aber keineswegs entsättigt und die Leuchtdichte bleibt mit 53 Prozent recht hoch.

Oft haben wir allerdings festgestellt: Je besser das seitliche Einblickverhalten, desto schlechter ist in der Regel der Kontrast. Doch der TX-75 fällt in dieser Hinsicht kaum hinter den TX-58 zurück. Der ANSI-Kontrast sinkt geringfügig von 1.728:1 auf 1.548:1; nur der Schwarzwert steigt leicht von 0,05 auf 0,07 Candela an. In vielen Fällen überwiegen jedoch die Vorteile des guten Blickwinkels und machen den großen TX-75 zum Geheimtipp aus Panasonics EXW784-Serie.

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58-Zöller unter 45 Grad: Hier wird der Farbraum stärker eingeschränkt und Farben bleichen deutlich aus. Ferner sinkt die Helligkeit auf magere 28 Prozent.

Das kommt auch HDR-Inhalten zugute, da etwa Spitzlichter zu den Ecken hin kaum nachlassen sowie Farben für seitlich sitzende Zuschauer rein und intensiv bleiben. Auch wenn der TX-75EXW784 nicht die Ultra-HD-Premium-Anforderung von mindestens 1.000 Candela erfüllt, beeindrucken helle HDR-Szenen schon aufgrund der schieren Panelgröße. Die Leuchtdichte liegt im neutralen HDR-Preset „True Cinema“ je nach Weißanteil zwischen 489 und 519 Candela (APL zehn bis 100 Prozent). Maximal 570 Candela sind es im HDR-Bildmodus „Kino“, der bis auf eine kühlere Farbtemperatur ebenfalls kräftige und natürliche Farben beisteuert. Helle Reflexe auf Stirn und Nase von Gesichtern übersteuern aber stärker als bei „True Cinema“.

Alle fünf Bildmodi des Panasonic stehen auch mit HDR-Quellen zur Verfügung. Die drei Presets „Dynamisch“, „Benutzer“ und „Normal“ sind aber zu blaustichig und aufgrund der Gamma-Charakteristik nicht brauchbar. Empfehlenswert bleiben „Kino“ sowie „True Cinema“.

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Plakativ: Mit HDR-Quellen wechselt der Panasonic auf das Preset „Kino“ mit der Farbskala „Rec.2020“. Graustufen und Weiß zeigen einen leichten Blaustich.

Spielt man dem TX-75EXW784 HDR-Inhalte über einen Ultra-HD-Blu-ray-Player zu, wird der Bild­modus „Kino“ mit der Gammafunktion „HDR (PQ)“ aktiviert. Das Kürzel steht für „Perceptual Quantizer“ und beschreibt die nichtlineare Anpassung von HDR-Kamerainhalten auf das menschliche Auge. Via Satellit wechselt der Fernseher mit dem „SES UHD Demo Channel“ auf die Gammafunktion „HDR (HLG)“, was er per Info-Taste zurückmeldet. HLG steht für „Hybrid Log-Gamma“ und soll bei der HDR-Distribution über Satellit eine gute Bildqualität sowohl für UHD-TVs mit SDR wie auch mit HDR liefern.

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Bester HDR-Modus: „True Cinema“ verbessert die Farbtemperatur auf neutrale 6.250 Kelvin. Auch die Gamma-Charakteristik gefällt uns noch etwas besser.

Wir empfehlen den Wechsel auf das Preset „True Cinema“, da es Graustufen und Weiß bei 6.250 statt 7.350 Kelvin neutraler abbildet (siehe DCI-P3-Diagramme oben) sowie helle Kontraste weniger übersteuert. Mit anspruchsvollen HDR-Szenen von Ultra-HD-Blu-ray zeigt der Panasonic einen Sonnenuntergang am Meer mit starkem Gegenlicht etwas schwächer als das Top-Modell DXW904 (audiovision 3-2016). Die dunklen Felsen saufen leicht ab und die Sonne könnte noch etwas stärker strahlen. In einer großflächig hellen Szene vom Deutschen Bundestag muss man dagegen den Kontrast eher absenken: Das Himmelblau bleicht im Kontrast-Preset „100“ bereits leicht aus. Absenken auf Werte von rund „85“ intensiviert die Farben deutlich.

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Helle HDR-Szene: Bei voller Kontrasteinstellung wirkt der Himmel fast weiß (links), leichtes Absenken verbessert die Farbdarstellung und Differenzierung sichtbar.

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Auf den zweiten Blick fällt eine Eigenheit des Panasonic-Displays auf, die den Bildrand betrifft: Zu allen Seiten endet die Darstellung auf den letzten ein bis zwei Millimetern mit einem dunkleren Rahmen. Dort werden alle bewegten Bild-inhalte weiter angezeigt, aber eben mit halber Leuchtkraft. Der Abschluss erscheint deshalb nicht scharf, sondern seltsam gebrochen, was den einen oder anderen Betrachter auf Dauer stören könnte. Lob verdient hingegen Panasonics „Intelligent Frame Creation“, da sie den Anwender nicht bevormundet und getrennte Regler für TV-Bilder  („Blur-Reduktion“) und Kinofilme („Film Smooth“) anbietet. Man kann also je nach Geschmack Kinofilme nur leicht glätten oder im originalen 24p-Modus belassen. Unabhängig davon lassen sich Sportsendungen auf höchster Stufe der Blur-Reduktion in guter Bewegungsschärfe genießen. Die Schaltung „Clear Motion“ erhöht sie zwar nochmals leicht, kostet aber knapp zwanzig Prozent an Helligkeit und verstärkt rote Säume an kontrastreichen Motivkanten.

bewertung

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Der Testbericht Panasonic TX-75EXW784 (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 4.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 06-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 gut

Für opulente 75 Zoll muss man zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, erhält jedoch ein attraktives Gesamtpaket. Vor allem besticht der Panasonic TX-75EXW784 durch die Ausstattung und einfache Bedienung. Im Vergleich zum TX-58 fehlt ihm ein Drehfuß, dafür ist die Blickwinkelstabilität besser. Udo Ratai/Martin Ratkovic

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