Sony KD-55XE9005 (Test)

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Je günstiger der Fernseher, desto uninteressanter ist er. Diesen Eindruck erweckte zumindest Sonys Roadshow, auf welcher die Modelle unterhalb der XE93-Reihe eher ein Schattendasein fristeten. Dabei hat der neue KD-55XE9005 seinem 700 Euro teureren Bruder (audiovision 4-2017) eine für LCD-TVs entscheidende Sache voraus.

Ausstattung und Praxis

tv_son_kd-55xe9005_pcSlim Backlight Drive heißt die in den Oberklässlern verbaute Hintergrundbeleuchtung, die zwar auf der Edge-LED-Technik basiert, allerdings die Vorzüge eines Full-LED-Panels garantiert. Beim XE90 sind die Dioden tatsächlich über die gesamte Bildfläche verteilt – und trotzdem bescheinigt ihm Sony einen geringeren Kontrast als dem XE93, was uns vermuten lässt, dass die Anzahl an Local-Dimming-Zonen nicht übermäßig hoch ist. Ob das wirklich zutrifft, erfahren Sie auf der nächsten Seite. Die „X-tended Dynamic Range (Pro)“-Schaltung kommt jedenfalls auch im günstigeren Modell zum Einsatz. Gleiches gilt für das farbbrillante Triluminos-Display.

Rutschfest: Dank der gummierten Oberfläche liegt die Sony-Fernbedienung sicher in der Hand. Einige Tasten fallen aber ziemlich kompakt aus, weshalb man sich hier nicht selten verdrückt.

Rutschfest: Dank der gummierten Oberfläche liegt die Sony-Fernbedienung sicher in der Hand. Einige Tasten fallen aber ziemlich kompakt aus, weshalb man sich hier nicht selten verdrückt.

Abstriche muss man bei der Signalverarbeitung hinnehmen. Denn anstelle des High-End-Prozessors „X1 Extreme“ werkelt im XE90 das ebenfalls neue, aber nicht ganz so leistungsstarke 4K-HDR-Modell. Das könnte auch einer der Gründe für die fehlende Dolby-Vision-Unterstützung sein. Der HLG-Standard zum Empfang künftiger TV-Sendungen in HDR-Qualität hingegen wird per Firmware-Update nachgerüstet. Unabhängig davon ermöglicht der integrierte Twin-Tuner die gleichzeitige Wiedergabe und Aufzeichnung zweier Sat-, Kabel- oder DVB-T2-Kanäle. In puncto Flexibilität bleibt der Sony dennoch hinter dem Panasonic mit TV-over-IP und doppeltem CI+ Slot zurück.

Dafür profitieren Smart-TV-Fans von einem größeren App-Angebot: Nicht bloß, dass das Android-Betriebsysstem bereits ab Werk zahlreiche Online-Dienste im Gepäck hat, sondern Googles Play Store erweitert die Auswahl wie bei kaum einem anderen Hersteller. Amazon Video, Netflix und YouTube streamen dabei sogar in UHD-Qualität – schnelles Internet vorausgesetzt. Beim Bedienkomfort sehen wir noch Verbesserungspotenzial. Zwar ist die Benutzeroberfläche ansprechend gestaltet, doch stören uns die teilweise längeren Reaktionszeiten. Außerdem sind die Menüs etwas verschachtelt.

Das Soundsystem scheint von den 85er-Modellen aus dem letzten Jahr zu stammen. Zumindest leisten die Lautsprecher ebenso zweimal 10 Watt und bringen Stimmen sauber zu Gehör; sie könnten aber mehr Dynamik sowie Tiefgang vertragen.

Bildqualität

Blausucht: Mit rund 7.000 Kelvin sind die Grautöne ab Werk etwas kühl abgestimmt. Mischfarben reproduziert der KD-55XE9005 im Großen und Ganzen originalgetreu.

Blausucht: Mit rund 7.000 Kelvin sind die Grautöne ab Werk etwas kühl abgestimmt. Mischfarben reproduziert der KD-55XE9005 im Großen und Ganzen originalgetreu.

Einzig der farblich beste Bildmodus wird von uns ausführlich gemessen, wobei die Suche beim Sony ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. Von den 12 Presets liefert „Cinema pro“ die neutralsten Farben. Die durchschnittlichen Delta-E-Abweichungen liegen bei 2,3, was trotz einzelner Ausrutscher (ausgerechnet bei Hauttönen) für eine sehr gute Bewertung reicht. Einen Abzug gibt es für die recht kühl eingestellte Farbtemperatur von rund 7.000 Kelvin. Abhilfe schafft das erweiterte Farbtemperatur-Menü: Senkt man den Regler „Blau Gain“ um sieben Stufen ab, landen Grautöne und Weiß exakt bei 6.500 Kelvin. Dieser kleine Eingriff macht auch deshalb Sinn, da sich der Blaustich aus leicht seitlicher Perspektive zu den Bildecken hin verstärkt. Zudem ist der Kontrastverlust des Full-LED-Displays schon bei Winkeln ab 20 Grad sichtbar.

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Doppelter Favorit: Im Preset „Cinema pro“ setzt der Sony KD-55XE9005 bei HDR etwas schwächere Spitzlichter, differenziert aber intensive Farbnuancen sauber und übersteuert auch helle Kontraste kaum.

Sonys günstigster Fernseher aus der 4K-HDR-Premium-Klasse bietet höhere Leuchtreserven als die untergeordneten Modelle wie zum Beispiel der 1.100 Euro teure KD-49XD8005 (audiovision 2-2017). Doch im farblich besten SDR-Preset „Cinema pro“ legt der 55-Zöller scheinbar nur leicht zu (380 statt 291 Candela im Vergleich zum 49-Zöller). Das liegt aber an der werksseitig stromsparenden Einstellung der Hintergrundbeleuchtung: Sobald man die dreistufige Schaltung „X-tended Dynamic Range“ aktiviert, steigert sich der XE90 auf satte 500 Candela (Average Picture Level von 25 Prozent). Im sonnendurchfluteten Wohnzimmer kann und sollte man also das entsprechende Untermenü aufsuchen (Bild / Erweiterte Einstellungen / Helligkeit / X-tended Dynamic Range) und dort die Leuchtkraft kräftig erhöhen, wobei im Zuge dessen der Stromverbrauch von rund 100 auf knapp 150 Watt ansteigt. Im Bildmodus „Cinema home“ ist die Funktion bereits auf mittlerer Stufe voreingestellt und ermöglicht mit erweiterten Farben (siehe CIE-Segel oben) nochmals eine leichte Steigerung auf 555 Candela. Für die SDR-Farbmessung haben wir aber den neutralen, am HDTV-Standard BT. 709 orientierten Modus „Cinema pro“ herangezogen.

Heller SDR-Bildmodus: Im Preset „Cinema home“ zeigt der Sony XE90 erweiterte Farben und erhöht mit der Schaltung „X-tended Dynamic Range“ die Leuchtdichte eines 25-Prozent-Weißbilds auf 555 Candela.

Heller SDR-Bildmodus: Im Preset „Cinema home“ zeigt der Sony XE90 erweiterte Farben und erhöht mit der Schaltung „X-tended Dynamic Range“ die Leuchtdichte eines 25-Prozent-Weißbilds auf 555 Candela.

Plakativ: Das HDR-Preset „Cinema pro“ zeigt Farben fast so stark erweitert wie der Modus „Cinema home“ und trifft Mischfarben etwas besser. Magenta driftet allerdings immer noch stark in Richtung Rot ab.

Plakativ: Das HDR-Preset „Cinema pro“ zeigt Farben fast so stark erweitert wie der Modus „Cinema home“ und trifft Mischfarben etwas besser. Magenta driftet allerdings immer noch stark in Richtung Rot ab.

Seltsam: Spielt man HDR-Signale zu, muss man den Schwarzwert auf 62 erhöhen und den Kontrast auf 78 absenken. Dann zeigt das Preset „Cinema pro“ eine vergleichbare Leuchtdichte von 550 Candela bei APL 25 Prozent. Das Menü „X-tended Dynamic Range“ wird wie bei SDR-Quellen erst mit dem Bildmodus „Cinema Home“ aktiviert und diesmal auf Stufe „Hoch“ eingestellt. Hier steigern sich Spitzlichter von 663 Candela im Preset „Cinema pro“ auf respektable 754 Candela. Aller­dings übersteuern nun intensiv gesättigte Farben und Magenta driftet noch stärker in Richtung Rot ab. Der Modus „Cinema pro“ bleibt deshalb die bessere Wahl für HDR-Filme, auch wenn der KD-55XE9005 bei Weitem nicht an den Bruder KD-55XE9305 aus audiovision 4-2017 herankommt. Dieser erzeugt gut doppelt so helle Spitzlichter, kostet aber auch rund 700 Euro mehr.

Auf den zentralen Sitzplätzen kann man jedoch eine tolle Bilddynamik genießen: Der ANSI-Kontrast erreicht erstklassige 2.138:1, ebenso überzeugt der niedrige Schwarzwert von 0,0185 Candela. Dies verdankt der XE90 seiner zuverlässig arbeitenden Local-Dimming-Schaltung. Störende Halos um helle Objekte treten in der Praxis nicht auf beziehungsweise sind nur für Beobachter erkennbar, die seitlich weit versetzt auf helle Schrifteinblendungen vor dunklem Hintergrund achten.

Kinofilme erscheinen mit rabenschwarzen Letterbox-Streifen, bestens ausdifferenzierten Details und intensiven Farbnuancen, auch in düsteren Szenen. Die saubere 24p-Darstellung im Motionflow-Preset „Echtes Kino“ sorgt allerdings für verschmierte Rasenflächen bei Fußballübertragungen. Im Modus „Standard“ oder im Anwendermenü steigert sich die Bewegungsschärfe ab der Glättungsstufe 2 deutlich, verändert jedoch den originalen Kinolook durch eingefügte Zwischenbilder. Wer sich daran stört, muss den Modus jedes Mal umstellen, da getrennte Regler für TV-Material und Kinofilme fehlen. Noch schärfere Sportszenen ermöglicht der zweistufige Regler „Klarheit“, wobei dieser die Leuchtkraft des Displays entweder um ein Drittel oder sogar um die Hälfte reduziert.

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Der Testbericht Sony KD-55XE9005 (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 06-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 gut

Einmal mehr holt sich Sony den Testsieg, wobei der Punktvorsprung denkbar knapp ausfällt. Der neue KD-55XE9005 besticht vor allem durch den satten Kontrast, wobei die Spitzenhelligkeit von rund 750 Candela ebenfalls beachtlich ist. Die Ausleuchtung könnte aber gleichmäßiger sein. Ein weiterer Kritikpunkt ist die recht träge Bedienung.
Martin Ratkovic, Udo Ratai

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