LG OLED55C6D (Test)

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Ganze 1.000 Euro weniger kostet der OLED 55 C6 D im Vergleich zum gleich großen E6 (Test des 65-Zöllers in audiovision 8-2016). Auf das extravagante „Picture-on-Glass“-Design sowie das eine oder andere Komfort-Feature muss man zwar verzichten, wem es aber um die Technik an sich geht, der kommt auf seine Kosten. Tiefstes Schwarz, satte Farben und ein breiter Blickwinkel gehören nämlich auch hier zum Standard.

Ausstattung und Praxis

lg_oled55c6d_proconOptisch erinnert der C6 an die vorherige Generation; genauer gesagt an den 55 EG 9209 (Test in audiovision 4-2016). Bis auf die dunklere Farbgebung und die verkleinerten Lüftungsschlitze auf der Rückseite scheinen die Gehäuse sogar identisch zu sein, wirken allerdings immer noch modern. Ein Design-Highlight ist dabei die transparente Acrylglas-Leiste, die das dezent gebogene Display regelrecht über dem Stand-sockel schweben lässt. Alternativ kann das Gerät an einer Wand angebracht werden (Vesa 400 x 200 mm). Für Freunde der flachen Bauart haben die Südkoreaner übrigens den 500 Euro günstigeren B6 im Angebot. Als Bilddiagonalen stehen ebenfalls 55 und 65 Zoll zur Auswahl.

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Von den Flaggschiffen der E6- und G6-Serie unterscheiden sich die neuen Einsteiger-Modelle nicht nur optisch, sondern auch technisch. So fehlen ihnen etwa der Twin-Tuner, ein vierter HDMI-Eingang und der eingebaute Subwoofer (dazu später mehr). Nichtsdestotrotz wurde das Innenleben einer umfassenden Frischzellenkur unterzogen. Schließlich erfüllt der C6 (ebenso wie sein flacher Bruder) im Gegensatz zum Vorgänger die strengen „Ultra HD Premium“-Anforderungen der UHD-Alliance. Ferner punktet er mit der „Dolby Vision“-Zertifizierung, die eine besonders originalgetreue Filmwiedergabe gewährleistet – wie vom Produzenten vorgesehen. Zu guter Letzt beherrscht das Gerät selbstverständlich den offenen HDR-10–Standard. Als Quellen für dynamikreiche 4K-Videos dienen neben HDMI-Zuspielern der interne Media-player sowie Streaming-Portale. Mit einem Abonnement von Amazon Instant Video oder Netflix ist es allerdings nicht getan: Um die Filme und Serien in entsprechender Qualität sehen zu können, benötigt man eine schnelle Internetverbindung.

Leicht modifiziert: Die Tastenbelegung der 2016er Magic-Remote-Fernbedienung wurde an webOS 3.0 angepasst und kann nun auch Settop-Boxen steuern. Leider wurde die Infotaste gestrichen.

Leicht modifiziert: Die Tastenbelegung der 2016er Magic-Remote-Fernbedienung wurde an webOS 3.0 angepasst und kann nun auch Settop-Boxen steuern. Leider wurde die Infotaste gestrichen.

Hauchdünn: Das gewölbte OLED-Display ist gerade einmal fünf Millimeter dick und sorgt für ein modernes, elegantes Design. Die Technik steckt im unteren Teil des Fernsehers.

Hauchdünn: Das gewölbte OLED-Display ist gerade einmal fünf Millimeter dick und sorgt für ein modernes, elegantes Design. Die Technik steckt im unteren Teil des Fernsehers.

Anders als der Vorgänger trägt der C6 wieder das „Sound Designed by Harman Kardon“-Siegel und bietet zudem eine Kopfhörerbuchse. Tiefe Töne kommen aufgrund des eingeschränkten Resonanzraums zwar immer noch nicht optimal zur Geltung, trotzdem klingen die Boxen (bis zu einem gewissen Schallpegel) recht sauber und dynamisch.

Neu in Version 3.0 von webOS sind die Funktionen „Magic Zoom“ zum Vergrößern von Bildausschnitten und „Magic Mobile“ zum Spiegeln des Smartphone-Displays.

Neu in Version 3.0 von webOS sind die Funktionen „Magic Zoom“ zum Vergrößern von Bildausschnitten und „Magic Mobile“ zum Spiegeln des Smartphone-Displays.

Mit einer Klappe: Die Magic Remote kann neben dem Fernseher auf Wunsch auch andere Geräte im Heimkino wie Blu-ray-Player oder Settop-Boxen steuern.

Mit einer Klappe: Die Magic Remote kann neben dem Fernseher auf Wunsch auch andere Geräte im Heimkino wie Blu-ray-Player oder Settop-Boxen steuern.

Nichts verpassen: Während des Stöberns im Programmführer laufen Bild und Ton in einem kleinen Fenster oben links weiter. Hier sind auch Aufnahmen planbar.

Nichts verpassen: Während des Stöberns im Programmführer laufen Bild und Ton in einem kleinen Fenster oben links weiter. Hier sind auch Aufnahmen planbar.

Bildqualität

Die natürlichsten Bilder für TV-Abende bietet das Preset „isf Experte (Dunkler Raum)“: Es verbindet akkurate Farben gemäß HDTV-Standard (Farbumfang „Normal“) und neutrale Graustufen mit einer Farbtemperatur von 6.440 Kelvin. Im Modus „isf Experte (Heller Raum)“ aktiviert der LG den erweiterten Farbumfang „Breit“ mit stärker gesättigtem Rot und Grün. Damit will LG dem Ausgrauen unter starkem Auflicht begegnen. Die geringsten Delta-E-Abweichungen zeigt aber erstere Variante. Bei maximaler OLED-Helligkeit schafft der Fernseher 314 Candela im zehnprozentigen Messfenster (SDR). Ein vollflächiges Weißbild, wie es bei einem Skirennen im Schnee auftaucht, bleibt aber OLED-typisch selbst im HDR-Modus mit 133 Candela deutlich dunkler. Erst bei geringen Average Picture Leveln sowie in Spitzlichtern legt der OLED-TV im Preset „HDR Hell“ deutlich zu und schafft bis zu 712 Candela, erfüllt dann also die „Ultra HD Premium“-Spezifikationen (siehe Kasten „Stärken und Schwächen der HDR-Bildmodi“).

Mit einem durchschnittlichen Delta-E-Wert von 1,8 erreicht die Natürlichkeit der Farben Top-Niveau. Auch die Farbtemperatur im Weißbild überzeugt, nur dunklere Graustufen driften leicht in Richtung Gelb ab.

Mit einem durchschnittlichen Delta-E-Wert von 1,8 erreicht die Natürlichkeit der Farben Top-Niveau. Auch die Farbtemperatur im Weißbild überzeugt, nur dunklere Graustufen driften leicht in Richtung Gelb ab.

Jetzt wieder mit Miniklinke: Anders als der Vorgänger EG 9209 bietet der C6 einen Anschluss für Kopfhörer. Der vierte HDMI-Eingang und der Doppel-Tuner bleiben den teureren Modellen vorbehalten.

Jetzt wieder mit Miniklinke: Anders als der Vorgänger EG 9209 bietet der C6 einen Anschluss für Kopfhörer. Der vierte HDMI-Eingang und der Doppel-Tuner bleiben den teureren Modellen vorbehalten.

Mit Durchblick: Durch das transparente Acrylglas-Element scheint der Bildschirm über dem Standsockel zu schweben. Das Design wirkt modern, lässt allerdings auf die angeschlossenen Kabel blicken.

Mit Durchblick: Durch das transparente Acrylglas-Element scheint der Bildschirm über dem Standsockel zu schweben. Das Design wirkt modern, lässt allerdings auf die angeschlossenen Kabel blicken.

Bekanntlich einigte sich die UHD-Alliance auf etwas niedrigere Mindestanforderungen für OLED-TVs. Anstatt 1.000 Candela wie bei LCD-TVs reicht den OLED-Displays schon eine Maximalhelligkeit von 540 Candela für die Erfüllung des Ultra-HD-Premium-Standards, wobei zum Ausgleich der Schwarzwert mit 0,0005 Candela deutlich dunkler als bei der LCD-Konkurrenz (0,05 Candela) ausfallen muss.

Spielt man dem LG OLED 55 C6 D HDR-Inhalte zu, aktiviert er ab Werk zunächst das Preset „HDR Hell“. Mit einem kleinen Zehn-Prozent-Fenster vor schwarzem Grund übertrifft der Südkoreaner die Ultra-HD-Premium-Hürde locker und schafft eine beachtliche Leuchtdichte von 712 Candela. Wachsen Flächenanteile im Bild weiter an (Average Picture Level), geht die Leuchtdichte auf 451 Candela (APL 25 Prozent) sowie schließlich im Vollbild (APL 100 Prozent) sogar auf bescheidene 141 Candela zurück. Zudem ist die Farbtemperatur mit 11.400 Kelvin zu kühl voreingestellt, noch kühler erscheint das Preset „HDR Lebhaft“. Doch der dritte Bildmodus „HDR Standard“ trifft den D65-Punkt exakt. Auch die HDR-Farbdarstellung liefert einen gegenüber HDTV deutlich erweiterten Farbraum sowie akkurate Farben nahe am DCI-P3-Standard (siehe CIE-Segel).

Etwas dunkler, aber farbecht: Der voreingestellte Bildmodus „HDR Hell“ liefert ebenso wie „HDR Lebhaft“ zu kühle Farben. „HDR Standard“ (Bild) trifft dagegen die DCI-Norm sowie den D65-Punkt exakt.

Etwas dunkler, aber farbecht: Der voreingestellte Bildmodus „HDR Hell“ liefert ebenso wie „HDR Lebhaft“ zu kühle Farben. „HDR Standard“ (Bild) trifft dagegen die DCI-Norm sowie den D65-Punkt exakt.

Szenenabhängige Helligkeit: Spitzlichter in dunklen Szenen leuchten bis zu 630 Candela hell. Das schafft der LG OLED 55 C6 D aber in dieser großflächig hellen HDR-Szene am Strand nicht ebenso gut.

Szenenabhängige Helligkeit: Spitzlichter in dunklen Szenen leuchten bis zu 630 Candela hell. Das schafft der LG OLED 55 C6 D aber in dieser großflächig hellen HDR-Szene am Strand nicht ebenso gut.

Unter der natürlichen Farbdarstellung im Bildmodus „HDR Standard“ leidet allerdings die maximale Leuchtdichte leicht: Im kleinen Zehn-Prozent-Fenster übertrifft der LG OLED 55 C6 D die Norm mit 630 Candela klar. Wachsen helle Flächen auf 25 Prozent an, sind es nur noch 412 Candela. Und im vollen Weißbild bleiben bei korrekter Farbtemperatur lediglich 133 Candela übrig; kein Vergleich zur LCD-Konkurrenz wie dem 880 Candela hellen Panasonic TX-65 DXW 904 mit Ultra-HD-Premium-Zertifikat (audiovision 3-2016).

Folglich zeigt der LG unsere großflächig helle HDR-Strandszene mit viel weißer Gischt kaum heller als normale SDR-Clips (siehe Screenshot). Das unterstreicht auch der Vergleich zum farblich besten SDR-Preset „isf Experte (Dunkler Raum)“, das im vollen Weißbild mit 121 Candela kaum dunkler ist. Es handelt sich aber keineswegs um eine Mogelpackung. Denn in HDR-Szenen mit kleinräumigen Weißflächen oder hellen Spitzlichtern (APL zehn Prozent) verdoppelt der LG die Helligkeit im eben genannten Modus von 314 auf 630 Candela im Preset „HDR Standard“. Auch die intensiveren Farben, die feinen 10-Bit-Grauabstufungen sowie die gesteigerte Detail- und Schärfewirkung durch leuchtstarke Reflexe macht in vielen HDR-Szenen einen großen Unterschied aus.

LGs Content Store ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Hier finden sich zahlreiche kostenlose Apps sowie Filme aus dem Angebot diverser Streaming-Dienste.

LGs Content Store ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Hier finden sich zahlreiche kostenlose Apps sowie Filme aus dem Angebot diverser Streaming-Dienste.

YouTube in Ultra-HD-Qualität: Wer auch bei Online-Clips nicht auf Auflösung verzichten möchte, braucht lediglich eine schnelle Breitband-Internetverbindung.

YouTube in Ultra-HD-Qualität: Wer auch bei Online-Clips nicht auf Auflösung verzichten möchte, braucht lediglich eine schnelle Breitband-Internetverbindung.

Zukunftssicher: Wie seine teureren Brüder unterstützt auch der LG OLED 55 C6 D den Dolby-Vision-Standard. Entsprechende Videos werden automatisch erkannt.

Zukunftssicher: Wie seine teureren Brüder unterstützt auch der LG OLED 55 C6 D den Dolby-Vision-Standard. Entsprechende Videos werden automatisch erkannt.

Verschmierte Konturen bei Sportübertragungen vermeidet die TruMotion-Einstellung „Klar“,  beseitigt allerdings auch den 24p-Look von Kinostreifen. Im Benutzermodus kann man die Bewegungsschärfe von TV-Material zehnstufig regeln (Funktion „Schärfen“) sowie separat die Kinoglättung deaktivieren (Funktion „Entruckeln“); dann aber ruckeln Filme mit 60 Hertz. Eine originalgetreue 24p-Darstellung ist nur ohne TruMotion möglich. Leider verschmieren dabei wieder Sportsendungen, was in der Praxis ein häufiges Umschalten der TruMotion-Funktion erfordert.

Zu den Stärken des C6 zählen der gute Hellraumkontrast (2.000:1) sowie unendlich dunkles Schwarz am Abend. Das dokumentieren die heraus-ragenden Kontrast- und Schwarzwerte von 2.180:1 (ANSI) beziehungsweise 0,001 Candela. Diese Qualitäten begeistern in HDR-Streifen wie „The Expendables 3“ schon vor dem eigentlichen Filmstart: Die farbigen FBI-Warnungen, der Lionsgate-Vorspann mit funkelnden Sternen in Löwenform oder die weiß strahlende Schrifteinblendung vor tiefstem Schwarz wirken ungemein plastisch. Kein Halo wie bei manchen Local-Dimming-LCD-TVs weicht die Umrisse funkelnder Spitzlichter auf. Ganz dunkle Konturen werden aber erst sichtbar, wenn man den Helligkeitsregler leicht anhebt (siehe auch „Ideale Einstellungen“). Weitere Stärken des LG-OLEDs sind die grandiose Detailschärfe sowie die gute Homogenität und Blickwinkelstabilität. Die kann der Zuschauer in der Bildmitte am besten genießen, während zur Seite hin insbesondere gelbe Farben zunehmend in Richtung Grün driften. Etwas grob wirkt die Skalierung eines Schärfesweeps.

High-End-HDR-Produktionen nach Dolby-Vision-Standard oder in echter UHD-Auflösung abgetastete Filmstreifen wie „Lucy“ kitzeln noch feinere Details sowie besonders intensive Farben hervor (Näheres dazu im Szenenvergleich auf Seite 43). So beeindruckt LGs leicht gewölbtes OLED-Hochglanzpanel noch mehr und lässt in den dynamikreichen dunklen Szenen den begrenzten Punch in großflächig hellen Bildern verschmerzen.   mr/ur

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AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht LG OLED55C6D (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 4500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Optisch lehnt sich der OLED 55 C6 D an das gelungene Design des Vorgängers an, jedoch spendiert LG ihm neue Technik-Highlights wie Dolby Vision und Ultra-HD-Premium. Zudem lässt das gebogene Display Spitzlichter in düsteren Szenen deutlich imposanter strahlen. Lob verdienen zudem die natür­lichen Farben und der weite Blickwinkel.

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