Canton GLE-Set (Test)

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Canton ist einer der traditionsreichsten Lautsprecher-Hersteller in Deutschland. So findet die GLE-Lautsprecherserie schon seit den 1980er-Jahren den Weg in unzählige Wohnzimmer und Heimkinos. Laut Hersteller ist sie sogar eine der meistverkauften Boxenserien Europas. Umso gespannter waren wir, als die jüngste GLE-Inkarnation in der Redaktion eintraf.

Technik

Canton_GLE-Set_ProConAuf den ersten Blick wirkt die 2.700 Euro teure 5.1-Kombi etwas altbacken: Folierte Faltgehäuse – im Test in der neuen Trendfarbe Makassar – mit einer vorgesetzten in Schwarz oder Weiß lackierten Schallwand. Das hat man so oder ähnlich schon oft gesehen. Schweift der Blick jedoch genauer über den stattlichen Front-Standlautsprecher GLE 496, fallen pfiffige Details auf: So sucht man Öffnungen für die Befestigung der Bespannungen vergebens. Das ist modern und wird von vielen Herstellern gemacht. Allerdings meist mit Magneten, die aufwändig in die Schallwand versenkt werden müssen und oft keinen hundertprozentigen Sitz der Bespannung garantieren. Canton hingegen verlagert die Befestigungsöffnungen in die Ränder der Chassis, wo sie optisch verschwinden. Wer lieber ohne Bespannung hört, dem liefert die GLE 496 gleich den passenden Aufbewahrungsort für die Stoff-rahmen, nämlich die Rückseite der Lautsprecher, in der passende Öffnungen integriert sind.

Zugegeben, andere Hersteller bieten zu dem Preis dieses Canton-Sets auch schon mal Gehäuse mit Echtholz-Furnier. Aber in der Regel nicht das umfangreiche Technik-Paket, das die GLE-Serie offe-riert. So sind die Tief- und Mitteltöner aller Boxen mit einer speziell geformten Aluminium-Membran ausgerüstet, die erst weit oberhalb ihres Arbeitsbereiches in Verfärbungen verursachende Partialschwingungen aufbricht. Zudem gaben die Entwickler diesen Chassis die sogenannte Wave-Sicke mit auf den Weg. Diese Membran-Randaufhängung ist nicht wie üblich einfach halbkreisförmig gestaltet, sondern besitzt einen S-förmigen Querschnitt. Davon versprechen sich die Entwickler eine genauere Führung der Schwingeinheit sowie ein lineareres Verhalten über den gesamten Hubbereich. Bei der Kalotte des bei Front, Center und Surround gleichermaßen eingesetzten Hoch-töners kommt eine Membran aus Textilmaterial zum Einsatz, die mit einem Schwingspulenträger aus Aluminium verklebt ist.

Die Canton-Tieftöner kommen mit einem stabilen Kunststoff-Korb. Ihre Alu-Membran ist in einer sogenannten Wave-Sicke eingespannt.

Die Canton-Tieftöner kommen mit einem stabilen Kunststoff-Korb. Ihre Alu-Membran ist in einer sogenannten Wave-Sicke eingespannt.

Die GLE 496 gehören zu den seltener werdenden Dreiwege-Konstruktionen. Ihr 18-Zentimeter-Mitteltöner sitzt auf der Front oben. Direkt darunter fand der Hochtöner seinen Platz, dann folgen die beiden 20-Zentimeter-Tieftöner, die von einer großflächigen Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite im Tiefbass unterstützt werden. Beim GLE 456 Center nehmen zwei 16-Zentimeter-Bass-chassis den Hochtöner in die Mitte. Von ihnen ist nur einer auch für mittlere Frequenzen zuständig, der andere verarbeitet ausschließlich tiefe Frequenzen. Der gleiche Tieftöner, allerdings nur als Solist, arbeitet in den Surrounds GLE 426.

Der Subwoofer SUB 12.2 beherbergt nicht nur eine 30-Zentimeter-Membran, sondern gleich zwei. Die auf der Front weist einen Antrieb auf, die im Gehäuseboden integrierte nicht, sie arbeitet als Passivmembran (siehe folgenden Kasten).

Bei einem Bassreflexgehäuse (auch eines mit Passivmembran gehört zu diesem Typ) wird der Schall, den die Rückseite der Tieftöner-Membran in das Gehäuse abstrahlt, nicht vernichtet, sondern zur Unterstützung der Basswiedergabe genutzt. Die Luft im Inneren wirkt sozusagen als Feder, die Luft im Bassreflexrohr als Membran, deren Schwingungsverhalten über Länge und Durchmesser des Rohrs bestimmt wird. Eine solche Box ist preiswert zu bauen und kann sehr gut klingen, hat aber, insbesondere bei den sehr tiefen Frequenzen, die im Heimkino häufig wiedergegeben werden müssen, ihre Nachteile: So bewegt sich bei tiefen Tönen die Luft im Rohr so schnell, dass es zu Reibungsverlusten an den Wänden und zu Turbulenzen kommt. Das Ergebnis: hörbare Nebengeräusche. Luft ist zudem als Membranmaterial nicht sonderlich geeignet, denn sie arbeitet nicht linear: Je höher der Schalldruck, umso mehr wird sie komprimiert und produziert Verzerrungen.

Hier kommt die sogenannte Passivmembran ins Spiel, im Grunde ein Tieftöner ohne eigenen Antrieb. Sie ersetzt die Bassreflex-Öffnung samt Rohr. Ist die Passivmembran in Sachen Resonanzfrequenz und Gewicht geeignet abgestimmt, ergänzt sie die Wiedergabe der angetriebenen Schwingeinheit zu ganz tiefen Frequenzen hin, und zwar mit wesentlich weniger Nebengeräuschen und Verzerrungen als bei einem einfachen Rohr. Aber sie ist auch teurer in Entwicklung und Herstellung, weshalb sie nicht sehr häufig eingesetzt wird.

Canton integriert die Passivmembran des Subs in den Gehäuseboden, in der sogenannten Downfire-Anordnung.

Canton integriert die Passivmembran des Subs in den Gehäuseboden, in der sogenannten Downfire-Anordnung.

Tonqualität Surround

Mit seinen 200 Watt sorgt der integrierte Verstärker für einen Maximalpegel von satten 107 Dezibel. Zudem reicht der Sub mit seiner unteren Grenzfrequenz von 23,6 Hertz recht weit in den Basskeller.

Im wichtigen Mitteltonbereich weisen die Frequenzgänge nur wenig Unregelmäßigkeiten auf. Das Rundstrahlverhalten des Centers fällt wegen der unterschiedlichen Ansteuerung der Tieftöner hingegen nicht symmetrisch aus und sorgt für unterschiedlichen Klang links und rechts vom Platz auf der Lautsprecher-Achse. Die Impedanzen liegen allesamt in der Nähe von vier Ohm und entlocken so auch kleineren Mehrkanal-Receivern das Maximum an Leistung, ohne sie zu überfordern.

Keine Fragen über Foliengehäuse oder Technik-Details lassen die Cantons aufkommen, sobald sie ihre akustischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Dreht Ratte Remy zu Beginn von „Ratatouille“ seinen Pilz über dem Kaminrauch, kommt der Blitzeinschlag mit Wucht und impulsiv. Selbst wenn man die Szene kennt, fährt man zusammen. Auch das Schrotflinten-Geballer der alten Dame bringen die Cantons glaubwürdig und die Decke kracht nachdrücklich herunter.

Mit Actiongetöse sind die Fähigkeiten des GLE-Sets aber bei Weitem nicht ausgeschöpft: Beispielsweise „Givin´ it Up“ von George Benson und Al Jarreau beeindruckt mit hoher Detailgenauigkeit, bleibt aber angenehm locker und wird nie überpräsent, geschweige denn aggressiv. Faszinierend ist da die in Breiten- und Tiefenstaffelung weiträumige, aber trotzdem präzise räumliche Abbildung. Wie gelungen die Abstimmung der GLE-Boxen ist, zeigt sich insbesondere mit hochwertigen Live-Aufnahmen wie „They Can´t Take that Away from Me“ von der Blu-ray „Legends of Jazz“: Wunderschön natürlich stellt das Set die Stimme von Jane Monheit und die Gitarre von John Pizarelli vor die Zuhörer und lässt nichts von ihrer charakteristischen Färbung vermissen. Auch die Rhythmusgruppe aus Schlagzeug und Kontrabass bringt es mit Präzision und höchst einfühlsam.

Bei Stereo-Ton beeindrucken die Canton-Schallwandler mit den gleichen Qualitäten wie im Mehrkanal-Betrieb: Michael Ruffs „Speaking in Melodies“ tönte dynamisch und luftig, Bass-schläge standen konturiert und kräftig im Raum. Dabei durfte der Subwoofer ruhig deaktiviert bleiben, die GLE 496 schieben schon allein ein ordentliches Pfund an Bassenergie in den Raum. Marc Cohns Stimme ertönt bei „Walking in Memphis“ mit glaubwürdiger Klangfarbe und steht fest umrissen zwischen den Boxen. mino

Das neue GLE-Set von Canton kommt in einem klassischen Boxengewand und überzeugt durch penible Verarbeitung und pfiffige Detaillösungen.

Das neue GLE-Set von Canton kommt in einem klassischen Boxengewand und überzeugt durch penible Verarbeitung und pfiffige Detaillösungen.

Canton_GLE-Set_Wertung

Der Testbericht Canton GLE-Set (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 2700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Tradition hat etwas für sich, vor allem, wenn sie so frisch daherkommt, wie beim GLE-Set von Canton – und für eine derart rundum gelungene Vorstellung im Test sorgt.

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