Adam GTC-Set (Test)

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Der 1999 gegründete Lautsprecher-Hersteller ADAM machte sich schnell einen Namen im Studiosektor. Doch die Abhör-Monitore aus Berlin stehen nicht nur in Aufnahmestudios, denn seit einigen Jahren fertigt man auch Boxen für den Hifi- und Heimkino-Markt. Nach eigenen Angaben mit den gleichen Klangmaßstäben wie fürs Studio.

Für das Kino zu Hause bietet der Berliner Hersteller derzeit nur eine Boxen-Serie namens Grand Theatre an. Die Entwickler gestalteten die Schallwandler eher funktional, um nicht zu sagen schlicht. Was zur Folge haben dürfte, dass dieses 5.1-Set in normalen Wohnräumen eher selten die Duldung der besseren Hälfte findet. Zumal die schwarz folierte Oberfläche (die Schallwände sind mattschwarz lackiert) zwar vorbildlich verarbeitet ist, ihre Optik aber nur absolute Technik-Fans zu begeistern weiß.

Technik

Adam_GTC-Set_PCIm Produktportfolio wird die Grand Theatre-Serie auch unter dem Punkt „Installation“ geführt. Zudem halten sich die GTC77, die als Front und Center fungieren, sowie die GTC55 für Surround nicht an übliche Lautsprecher-Formfaktoren. So muss die GTC77 erhöht aufgestellt werden, damit ihr Hochtöner die Ohrhöhe des Publikums erreicht. Besser wird sie in die Rauminstallation integriert, zum Beispiel hinter einer schalldurchlässigen Leinwand und bündig mit der Rückwand.

Apropos Hochtöner: Als einer von wenigen Herstellern setzt ADAM auf so genannte Air Motion Transformer, eine pfiffige, aber in der Umsetzung nicht unkomplizierte Lösung (siehe Kasten „Der X-Art-Hochtöner“). Auch die Tieftöner (und im Falle der GTC77 die Mitteltöner) bringen eine eher exotische Membran mit. Nicht von der Form her, diese ist annähernd konisch, wie man das von vielen anderen Chassis kennt. Ihr Material, verwobene Streifen einer Mischung aus Kohle-Glasfaser, die auf der Rückseite eine Schicht des besonders leichten und steifen Schaums „Rohacell“ erhalten, ist allerdings echtes High Tech.

ADAM setzt bei allen seinen Lautsprechern Hochtöner nach dem „Air Motion Transformer“-Prinzip ein. Dieses vom deutschen Physiker Oskar Heil erdachte und 1969 patentierte Prinzip basiert auf einer wie eine Ziehharmonika gefalteten und mit längs dieser Falten angeordneten Leiterbahnen versehenen Folie. Vor und hinter der Folie angeordnete Magnete erzeugen ein starkes Magnetfeld. Durchfließt nun ein Wechselstrom die Leiterbahnen, bewegen sich die Falten der Membran im Takt des Signals. Die Tonerzeugung dieses Lautsprechertyps beruht auf der Luft, die durch die Bewegung zwischen den Falten erzeugt wird. Dies geschieht effektiv, eine geringe Bewegung der Falten erzeugt eine große Luftbewegung. Diese Übersetzung beträgt bei den X-Art-Hochtönern von ADAM vier zu eins.

So einfach dieses Prinzip scheint, so komplex ist es, daraus gute Lautsprecher zu machen. Denn für die Eigenschaften sind viele Faktoren entscheidend, u.a. die Eigenschaften der Folie, Form und Größe der Falten, Anordnung und Stärke der Magnete. Hat man das aber im Griff, ist diese Hoch­töner-Art herkömmlichen Bauweisen überlegen. So ist die schallerzeugende Fläche größer als bei einem Kalottenhochtöner, bei ADAM um den Faktor zweieinhalb. Daher sind größere Maximalpegel zu erwarten. Die Schallaustrittsöffnung ist vergleichbar mit der einer normalen Kalotte, was die Rundstrahl-Charakteristik vergleichbar macht. Durch die Faltung wird zudem die Membran in viele kleine Bereiche unterteilt, störende Partialschwingungen im hörbaren Bereich werden damit äußerst unwahrscheinlich.

Links: Die ziehharmonikaförmig gefaltete Folienmembran des X-Art-Hochtöners presst Luft effektiv aus den Falten heraus beziehungsweise saugt sie an. Geringe Folienbewegungen werden so in große Luftbewegungen umgesetzt. Das rechte Foto zeigt, um wie viel größer als eine 25-Millimeter-Kalotte die X-Art-Folie ist.

Links: Die ziehharmonikaförmig gefaltete Folienmembran des X-Art-Hochtöners presst Luft effektiv aus den Falten heraus beziehungsweise saugt sie an. Geringe Folienbewegungen werden so in große Luftbewegungen umgesetzt. Das rechte Foto zeigt, um wie viel größer als eine 25-Millimeter-Kalotte die X-Art-Folie ist.

So groß die GTC77 auch ist, sie lässt sich vertikal wie horizontal betreiben. Zu diesem Zweck montierten die Berliner die Mittel-Hochtoneinheit und den oberen der beiden Tieftöner jeweils auf einer gleich großen, quadratischen Holzplatte, die sich mit dem Entfernen von nur vier Schrauben aus der Box lösen lässt. Zum liegenden Betrieb wandert der Tieftöner nach außen, die Mittel-Hochtoneinheit um 90 Grad gedreht – Hochtöner nach oben – in die Mitte. Um sie auf oder unter einen normalen Fernseher zu legen, ist die GTC77 ein wenig groß, aber unter eine Leinwand passt sie problemlos.

Den Anschlüssen des Subwoofers GTC Sub merkt man die Studio-Herkunft an: Neben Cinch-Anschlüssen gibt es auch symmetrische XLR-Buchsen, und zwar jeweils Stereo-Eingänge und Satelliten-Ausgänge, denen auf Wunsch ein Hochpass-Filter zugeschaltet werden kann. Das 31-Zentimeter-Chassis – es sitzt zusammen mit der großen Bassreflexöffnung auf der Front des Sub – wird von einem 200-Watt-Digitalverstärker befeuert.

Erkennbar aus dem Profilager kommt der ADAM-Sub: Zusätzlich zu den üblichen Cinch-Anschlüssen bringt er auch noch symmetrische XLR-Buchsen mit.

Erkennbar aus dem Profilager kommt der ADAM-Sub: Zusätzlich zu den üblichen Cinch-Anschlüssen bringt er auch noch symmetrische XLR-Buchsen mit.

Tonqualität Surround

Beim Blick auf die Frequenzgänge verwundert der unter 250 Hertz abfallende Bass-bereich. Das ist aber gewollt, denn werden die Boxen bestimmungsgemäß verwendet, also nahe der Rückwand installiert oder gar in diese eingebaut, gleicht der durch diese Wand resultierende Bass-Anstieg den Abfall wieder aus. Ansonsten verlaufen die Frequenzgänge linear. Der Sub gliedert sich mit seiner Grenzfrequenz von 29 Hertz und dem Maximalpegel von 108 Dezibel nahtlos ins positive Bild ein.

Der erste Eindruck im Hörraum bei moderatem Pegel ist: unauffällig. Nichts, was die Aufmerksamkeit auf die Wiedergabe-Gerätschaft zieht. Da singen Sänger, musizieren Instrumentalisten – es spielen aber nicht in erster Linie Boxen. Besonders eindrucksvoll gelingt dem Set das mit natürlichen Instrumenten, wie der klanglich hervorragenden Einspielung von Aaron Coplands „Appalachian Spring“ der San Francisco Symphony. Die stellt das Set präzise, natürlich und dynamisch in den Raum.

Geht es elektrisch-moderner wie mit „Away from The Sun“ der US-Kultrocker 3 Doors Down zu, offenbaren die GTCs, dass sie auch das volle Brett fahren können. Das ADAM-Set stellt eine tolle Live-Atmosphäre in den Raum, die so in die Magengrube zielt, wie das gute Rockmusik nun mal tut. Die Truppe um Sänger Brad Arnold kommt so kantig und raubeinig rüber, wie sich das der Aufnahmetechniker vorgestellt hat. Eindrucksvoll ist auch, wie nahtlos sich der Subwoofer in das Klangbild einfügt. Noch erstaunlicher ist, mit welch enormem Pegel das Set ohne Kompressions-erscheinungen oder gar Verzerrungen zu spielen vermag.

Das gilt auch bei Filmen, denn dieses Set schüttelt echten Kino-Pegel aus dem Ärmel. Hier kann zudem der Sub zeigen, was in ihm steckt: Die wabernden Tiefstbässe, wenn beim vierten „Terminator“ der Flugdroide den Abschleppwagen auf der Brücke überfliegt, lassen die Bauchdecke flattern. Die Dialoge lassen sich von solchem Krawall nicht beeinträchtigen und bleiben stets verständlich. Toll auch, wie das Set die entspannte Atmosphäre beim Einritt von Gandalf ins Auenland zu Beginn des ersten „Herrn der Ringe“-Teils in den Raum zeichnet.

Tonqualität Stereo

Stereo-Musik macht mit den ADAM-Boxen ebenfalls Spaß: Inga Rumpfs Jazz-Klassiker „You Go to My Head“ interpretieren sie mit feiner Zurückhaltung, selbstverständlicher Dynamikentfaltung und großer Selbstverständlichkeit. Sängerin und Orchester stellen sie im Raum präzise und stabil auf: Auch hier tritt die Musik in den Vordergrund, die Boxen nehmen sich nicht so wichtig. mino

Als Lautsprecher für Festinstallationen outen sich die ADAM-Boxen mit ihrer einfachen Folienoberfläche und funktionsorientierten Formgebung. Verarbeitet sind sie allerdings exzellent.

Als Lautsprecher für
Festinstallationen outen sich die ADAM-Boxen mit ihrer einfachen Folienoberfläche und funktionsorientierten Formgebung. Verarbeitet sind sie allerdings exzellent.

Adam_GTC-Set_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

AuVi_AWARD-Referenz

Der Testbericht Adam GTC-SET (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 5500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2014 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

92 sehr gut

Wer das ADAM-Set professionell in sein Heimkino integriert, wird mit einer umwerfenden Klang­qualität belohnt, die das Set in unsere Referenzklasse hievt. In einer klassischen Wohnzimmer-Aufstellung fühlt sich die 5.1-Kombi klanglich und optisch hingegen nicht ganz so wohl.

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