JVC DLA-HD 750 (Test)

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JVC DLA-HD 750 – Projektor für 6.000 Euro

Der luxuriöse D-ILA-Projektor HD 750 von JVC hat alles, was das ultimative Heimkinobild braucht: ordentlich Licht, satten Kontrast und natürliche Farben.

Sie gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen: der JVC DLA-HD 350 für 4.000 Euro, getes­tet in der letzten Ausgabe, und der DLA-HD 750 für 6.000 Euro, den wir uns diesmal vornehmen. Auch bei der Gesamtwertung gibt es kaum Unterschiede, gerade mal einen Punkt mehr ergattert der HD 750.
Stellt sich die Frage: Warum sollte man 2.000 Euro mehr für den 750er ausgeben, wenn der Qualitätszuwachs so gering ausfällt. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Zur Erinnerung: Zu den Vorzügen des 350ers gehören große Lichtreserven und ein beeindruckender Maximalkontrast von über 20.000:1, den der Projektor ohne Tricks wie geregelte Blenden oder variable Gamma-Kurven schafft. Allerdings stellten wir beim Test im letzten Heft einen zu großen Farbraum mit synthetischen Grundfarben fest, und der Schachbrett-Kontrast nach ANSI-Norm gelang ihm nur passabel.
Gerade in Sachen Farben hat der teurere 750er mehr zu bieten, da er zusätzlich ein interessantes Farbmanagement und sogar eine Bild-Zertifizierung von THX mitbringt (siehe Kasten rechts). Wer im Heimkino also Wert auf den gewissen Extrakick legt, sollte sich den HD 750 näher anschauen.

Ausstattung

Der einzige äußerlich sichtbare Unterschied zwischen den beiden Projektoren sitzt auf der linken Seite, denn der 750 bringt einen VGA-Eingang mit, der beim 350er fehlt. Ansonsten wirken die technischen Daten fast wie bei Zwillingen – nur die Helligkeit soll beim teureren Projektor laut JVC um zehn Prozent niedriger liegen, der Maximalkontrast hingegen noch weiter steigen. Beide Beamer verfügen über eine komplett motorisierte Optik, die große Freiheiten in Sachen Aufstellung ermöglicht: Dank Lens-Shift klappt die horizontale und vertikale Bildverschiebung praktisch ohne Schärfeverlust. Hinzu kommt ein riesiges zweifaches Zoom.
Der entscheidende Ausstattungsunterschied liegt jedoch im kompletten Farbmanagement, das die Entwickler dem 750er spendierten. Es erlaubt die Korrektur der Farben Rot, Gelb, Grün, Cyan, Blau und Magenta in Bezug auf Helligkeit, Farbsättigung und Farbort, wodurch sich kleinere Farbräume abbilden lassen. Dazu kommt der erwähnte THX-Modus, in dem alle erweiterten Bild­einstellungen automatisch gesperrt werden. Das weckt Hoffnungen: Schließlich sehen wir Tester in der manuellen Farb­raumkorrektur eher einen Notbehelf. Wir freuen uns zwar, wenn ein Projektor sie mitbringt, wissen aber auch, dass es sich dabei um ein sehr komplexes System handelt, das nur Experten mit Farbmessgeräten korrekt handhaben können.

Perfekt: Der Projektor nimmt alle relevanten Video- und PC-Signale entgegen.
Der YUV-Eingang akzeptiert via Adapterkabel auch Scart-RGB-Signale.

Menü und Bedienung

Das Speichern der Bildeinstellungen funktioniert logisch. Zum Sichern stehen acht Speicher bereit, die alle Bildparameter enthalten. Der Lampenmodus (normal/hoch) und Projektionseigenschaften wie Fokus, Zoom oder Lens-Shift lassen sich leider nicht sichern, auch merkt sich der JVC bei gleicher Voreinstellung keine separaten Bildwerte pro Eingang. In der Summe überzeugt das Menü durch einen guten Aufbau, alle Parameter sind sinnvoll bezeichnet. Die Bedienung gerät gelegentlich umständlich, weil das Menü manchmal verzögert reagiert und sich beispielsweise die Videoeingänge nicht per Liste, sondern nur durch wiederholten Druck auf die Input-Taste aufrufen lassen.

 

Steuerzentrale: Die Fernbedienung ist komplett beleuchtet und bietet viele Direkttasten – nur leider nicht für die Eingangswahl.

Farbtreue

Wie viele moderne Heimkino-Beamer bietet der JVC eine Reihe von Voreinstellungen, die aufgrund ihrer Namen glaubwürdige Farben verheißen: "Kino 1", "Kino 2" und "natürlich". Beim HD 750 kommt noch die Einstellung "THX" hinzu. THX verspricht eine originalgetreue Wiedergabe des Films aus dem Stand, ohne dass man einen anstrengenden Einstellmarathon hinter sich bringen muss (was wir im Detail davon halten, erfahren Sie im Kasten auf der nächsten Seite). Während alle anderen Voreinstellungen einen stark erweiterten Farbraum aufweisen, geriet er im THX-Modus zu eng – mit der Folge, dass Grün- und Rottöne bei ordnungsgemäßer Sättigungseinstellung ein wenig blasser wirken als vorgesehen. Im Direktvergleich zum HD 350 mit seinen plakativen Rot- und Grüntönen fällt das besonders auf. Wir griffen daher zu einem kleinen Trick und erhöhten die Sättigung etwas – die leicht gedämpften, aber natürlichen Farben des HD 750 ziehen wir vor.
Alles in allem bietet der Projektor eine gute Farbtreue, vor allem bei hoher Lampenleistung. Mit gedimmter Lampe schleicht sich ein leichter Grünstich ins Bild, der Hautfarben zwar nicht direkt verfärbt, aber doch etwas saft- und kraftlos aussehen lässt. Die Graustufenwiedergabe erreicht nicht ganz die Perfektion, die wir am HD 350 lobten. Verschiedene Graustufen weisen leichte Farbabweichungen auf, die aber nur in Schwarz-Weiß-Filmen auffallen. Aber Achtung: Die Farbwiedergabe des HD 750 hängt stark von den HDMI-Übertragungsarten ab. Mit YUV-matrizierten HDMI-Signalen stellt er keine Ultraschwarz-/Ultraweiß-Bereiche dar, die für die exakte und bequeme Helligkeits- und Kontrasteinstellung mit Testscheiben wichtig sind. Keinerlei Probleme ergeben sich dagegen mit RGB-codierten HDMI-Signalen. Bei der Anschaffung eines Blu-ray-Spielers sollten Sie also darauf achten, dass sich die HDMI-Ausgabe entsprechend umschalten lässt.

Hilft gegen Fehler: Die digitale Konvergenzkorrektur arbeitet in Ein-Pixel-Schritten. Die kleinen Farbsäume an unserem Testmuster bewegten sich unterhalb dieser Größen­ordnung und lassen sich damit nicht beheben.

Ein heikles Kapitel bei LCD- und D-ILA-Projektoren sind Farbwolken (Shading), die sich mit der Zeit verschlimmern können, wie unsere Langzeit-Erfahrungen mit dem D-ILA-Projektor JVC HD-1 belegen. Unser Muster des HD 750 zeigte bei der Wiedergabe eines weißen Bildes an der rechten oberen Bildecke eine leichte türkise Einfärbung. Unser Testexemplar des HD 350 wies hingegen keine wahrnehmbaren Einfärbungen auf.

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Licht und Kontrast

Wie von JVC versprochen, toppt der HD 750 mit einem Maximalkontrast zwischen 27.000:1 und 37:000:1 die Leistungen des HD 350. Selbst innerhalb eines Bildes erreicht der Projektor Kontrastumfänge von über 9.000:1. Damit gehört er zusammen mit dem HD 350 und dem Pioneer KRF-9000, der ebenfalls auf der D-ILA Technik von JVC aufbaut, zu den kontraststärksten Heimkinoprojektoren. Die Lichtleistung des 750er liegt etwas geringer als beim 350er, reicht aber für eine 2,3 Meter breite Bildwand bei gedrosselter und eine 2,8 Meter breite Bildwand bei voller Lampenleistung. Wie beim HD 350 empfehlen wir, den Blendenregler (Taste "Lens Ap.") in Stellung 0 zu belassen.
 

Bildqualität Standardsignale

Die Videoverarbeitung lässt mit digitalen PAL-Sig­nalen (HDMI-576i) kaum Wünsche offen. Der Scaler wertet die Bildinformationen von der DVD perfekt aus, Helligkeits- und Farbdetails landen sauber und unbedämpft auf der Bildwand. Wie es sich für einen hochklassigen Projektor gehört, lässt sich der Overscan abschalten. Der Vollbildwandler, der wie beim 350er auf dem Reon-VX-Chip von HQV beruht, bekommt Stolperfallen wie die Liegestühle in "Sechs Tage, sieben Nächte" (Kapitel 5) und nach kurzem Stocken sogar den feingemaser­ten Lattenzaun in "Space Cowboys" (Ka­pitel 8) sauber hin. Auch TV-Halbbilder gelingen perfekt, ohne dass man das De-Interlacing umschalten müsste. Das Filmbild überzeugt mit hoher Brillanz und glaubwürdigen Farben. Selbst im hellen Lampenmodus und ohne Blendeneinsatz ist die Tiefenwirkung stark: Düstere Szenen wie die Minen Morias aus "Herr der Ringe – die Gefährten" erscheinen satt und dreidimensional, auch die Cinemascope-Balken verschwinden in unserem schwarzen Testkino. Das letzte Quäntchen Bildtiefe im dunklen Heimkino verschenkt der Projektor wegen seiner Gammakurve von 2,2 – die im THX-Modus nicht einstellbar ist. Nach unserer Erfahrung bescheren kontrastreichere Gammakurven (2,4-2,6) noch mehr Filmatmosphäre.

Bildqualität HDTV

Scharf und knackig erscheinen HDTV-Testbilder auf der Leinwand. Konvergenzfehler, die sich in Farbsäumen äußern, treten zwar auf, aber sie sind kleiner als ein Bildpunkt und damit nicht der Rede wert. Auf die digitale Konvergenzkorrektur, die das Bild pro Farbkanal in Ein-Pixel-Schritten verschiebt, konnten wir verzichten. Selbst kleinste Bildstrukturen in Testbildern zeigt der HD 750 mit nur minimaler Einfärbung und einem moderaten Kontrastverlust. Noch besser können das derzeit nur Einchip-DLP-Projektoren, die mit ihrem simpleren optischen Aufbau von Haus aus eine sehr scharfe Abbildung beherrschen.
Bei solch guten Voraussetzungen machen sich selbst bildverwöhnte Tester voll Vorfreude an den praktischen Sehtest. Und der HD 750 enttäuscht nicht. Mit "Casino Royale" legt er in jeder Lebenslage ein souveränes und höchst filmisch wirkendes Bild hin. Sowohl die gleißend hellen Tropenaufnahmen als auch die düsteren Nachtszenen des Bond-Streifens zeigt er detailliert und kontrastreich – fantastisch! Auch die Letterbox-Balken des 21:9-Films fallen dank des hohen Kontrasts im dunklen Raum kaum auf. Die Bewegungsdarstellung mit 24p-Sig­nalen wirkt natürlich, schnelle Objekte bewegen sich ohne Stottern. In Sachen Bewegungsschärfe übertrifft der HD 750 aktuelle LCD-Projektoren wie den Panasonic PT-AE 3000 oder den Mitsubishi HC6000, kommt jedoch nicht an Sonys VW-80 heran, der für seine Bewegungsschärfe allerdings mit niedriger Lichtleistung bezahlt.

 Durchdacht: Eine motorisierte Abdeckung schützt die Optik vor Staub und Schmutz, wenn der Beamer ausgeschaltet ist.

 

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Fazit

Der JVC DLA-HD 750 ist ein toller Projektor mit ordentlicher Helligkeit, guten Farben ab Werk und einem herausragenden Kontrast. Wenn Sie zu den High-End-Cineasten zählen und viel Wert auf natürliche Farben legen, dürften sich die 2.000 Euro Preisunterschied zum 350er durchaus lohnen, denn Farben gelingen dem "Großen" eindeutig besser. Noch ein Wort zum Shading: Nach unserer Erfahrung hängen diese störenden Farbwolken stark von Serienstreuungen und Alterung ab, was generelle Aussagen schwierig macht.  

Technische Ausstattung und Bewertung 

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Zusatz-Info: THX-Logo bei Projektoren und Fernsehern

Anlässlich des Tests des JVC-Projektors hakten wir bei THX genauer nach, was es mit dem Logo bei Projektoren und Fernsehern auf sich hat. Antworten gab uns Graham McKenna, Senior Manager für internationales Marketing bei THX.

audiovision: Was hat man als Besitzer eines Projektors mit THX von dem Gütesiegel?
Die "THX Display Certification" ist dazu gedacht, mehr Qualität in die Herstellung von Displays zu bringen. Unabhängig von der Marke, der Technologie und dem Preis soll das THX-Logo ein Zeichen dafür sein, dass der gekaufte Projektor oder Fernseher so entwickelt und getestet wurde, dass er den höchs­ten Industriestandards für Qualität entspricht.
Jeder THX-zertifizierte Projektor oder Flachbild-Fernseher besitzt einen THX Movie-Modus. Mit ihm lassen sich professionelle Einstellungen wiederspiegeln, also solche, die auch  Filmproduzenten, das Mastering oder Post-Production-Studios verwenden würden. Kino-Atmosphäre gleich nach dem Auspacken ist hier das Motto. Erreicht wird das durch die richtige Einstellung von Gamma, Helligkeit, Farbtemperatur und anderen Optionen für Filme von DVD, Blu-ray und von den Fernsehsendern. Unserer Meinung nach ist der THX Movie-Modus die derzeit beste Voreinstellung, um Filme anzusehen.
 

Fürs Generieren von Testbildern setzt THX unter anderem auf einen Testbildgenerator von Quantum Data, wie auch AV T.O.P. Messtechnik GmbH.

audiovision: Was kann man aus technischer Sicht von einem THX-Projektor erwarten?
Kunden können akkurate Farben, hohen Kontrast und artefakt-freie Signalverarbeitung erwarten. Aus unserer Sicht kommt gerade der JVC-Projektor DLA-HD 750 bei Schwarzpegel und Farbtreue so nah an die Perfektion, wie man es derzeit von einem Heimkino-Projektor erwarten kann.
Die THX-Zertifizierung deckt etwa 400 Prüfpunkte innerhalb knapp 30 verschiedener Tests ab. Die Tests sind unterteilt in Gerätequalität und Signalverarbeitungsqualität, wir betrachten also sowohl die generelle Bildqualität als auch die Video­verarbeitung. Den Anfang macht die korrekte Farbabstimmung und dann arbeiten wir uns über Kontrast und Helligkeit zu den vorhandenen Standard-Einstellungen durch. Die Tests in Bezug auf die Videosignalverarbeitung finden zum Schluss statt. Unsere Tests zur Gerätequalität wurden in Anlehnung an die Richtlinien der SMPTE, VESA und ANSI entwickelt und schließen die Analyse von Helligkeit, Kontrast, Gamma, Farben und der maximalen Auflösung ein. Die Grenzwerte für gute Videosignalverarbeitung und ordentliche Leistungen wurden von THX definiert. Tatsächlich haben wir auch eigene Test­methoden und Testbilder entwickelt, um die Artefakte des De-Interlacings (beispielsweise Jaggies) festzunageln.

Blick ins Display-Labor von THX: Hier werden viele Kriterien von Displays und Projektoren überprüft. Unter anderem mit THX-Testbildern.

audiovision: An wie vielen Zertifizierungen arbeiten Sie gerade und gibt es auch bei anderen Herstellern im Display-Bereich entsprechende THX-Siegel?
Es sind fast 30 THX-zertifizierte Flachbildschirme und Projektoren auf dem Markt. Neue Geräte werden auf der CES 2009 präsentiert. Zusätzlich zu JVC haben wir uns auch mit Panasonic, Runco und LG zusammengetan, um THX-zertifizierte Plasmas für den US-Markt zu entwickeln, und wir arbeiten mit Sharp zusammen, um High-End LCDs für Japan zu zertifizieren. Für das Jahr 2009 hoffen wir, THX-zertifizierte Flachbildschirme auf dem europäischen Markt vorstellen zu können.

audiovision: Welche Signalarten werden überprüft?
Digital HDMI und analoge Komponenten (YPrPb) in den Auflösungen 1080i, 1080p, 720p, 576p, 480p, 480i und 576i.

audiovision: Gibt es Pläne für verschiedene Zertifizierungs-Stufen bei Displays und Projektoren?
Im Augenblick nicht.

Florian Friedrich beim Besuch von THX in San Raphael im nördlichen Kalifornien, wo auch die Displaytests durchgeführt werden.

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Der Testbericht JVC DLA-HD 750 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 6000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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