Kein anderer Hersteller benennt seine TV-Geräte so konsequent nach dem Alphabet wie Sony: Da sich bei der Modellpflege nur der letzte Buchstabe ändert, erkennen Kaufinteressenten auf Anhieb die neue Generation. Doch welche Vorzüge bietet der X85C im Vergleich zum Vorgänger?
Ausstattung und Praxis
Die Unterschiede zwischen dem früheren Ultra-HD-Einsteiger KD-55 X 8505 B (Test in audiovision 9-2014) und seinem Nachfolger sind größer als erwartet. Äußerlich fällt auf, dass die unauffälligen Stummelfüße durch einen dezent geschwungenen Standbügel ersetzt wurden. Ferner gehören keine 3D-Brillen mehr zum Lieferumfang, was andererseits einer der Gründe für den gefallenen Gerätepreis sein dürfte – zumal das aktuelle Modell die teurere Shutter- statt Polfilter-Technik nutzt. Einen entscheidenden Fortschritt bringt der X1-4K-Prozessor, der auch in Sonys TV-Flaggschiff KD-75 X 9405 C (Test in audiovision 8-2015) seinen Dienst verrichtet. Dieser sorgt zusammen mit der „X-Reality Pro“-Technologie, dem Triluminos-Display sowie dem „Dynamic Contrast Enhancer“ für mehr Klarheit, Farbe und Kontrast. HDR-fähig ist der 4K-Sprössling im Gegensatz zu den großen Brüdern der X93C- und X94C-Serie jedoch nicht. Ungeachtet dessen stehen im Menü erweiterte Farbräume zur Auswahl (siehe Kasten). Einen riesigen Sprung macht Sony bei der Motionflow-XR-Bewegungsverbesserung; ihre Bildrate wurde von 200 auf 800 Hertz gesteigert.
Beim Bedienkonzept besteht trotz des Android-Betriebssystems noch Verbesserungspotenzial. Unsere Kritik gilt insbesondere der Erstinstallation, die sich als echte Geduldsprobe entpuppt: Während man die Dauer der trägen TV-Sendersuche anhand eines Fortschrittsbalkens wenigstens abschätzen kann, erfolgt das Firmware-Update ohne Statusanzeige – das gesamte Prozedere nahm bei uns fast zwei Stunden in Anspruch. Die für Sommer angekündigte Aktualisierung zum Freischalten des USB-Recorders und des UHD-Angebots von Amazon Instant Video steht übrigens immer noch aus. Lob verdient der Google Play Store, der unzählige Smart-TV-Apps zum Download bereitstellt – hier ist für fast jeden Geschmack etwas dabei, nur Skype fehlt leider. Der Mediaplayer glänzt mit einer breiten Formatunterstützung, doch müssen zur Wiedergabe von Fotos, Videos und Liedern unterschiedliche Anwendungen genutzt werden.
Akustisch legt der X85C einen passablen Auftritt hin: Die nach unten abstrahlenden Zehn-Watt-Lautsprecher bringen Stimmen sauber zu Gehör, lassen aber etwas Tiefe und Dynamik vermissen. Hier hilft der optionale Subwoofer SWF-BR 100.
Bildqualität
Zwar hat Sony die Anzahl an Bildmodi im Vergleich zu älteren Modellen merklich reduziert, zwölf Stück sind aber immer noch zu viel des Guten. Schließlich kommt für anspruchsvolle Zuschauer bloß „Cinema pro“ infrage: Das Preset zeichnet sich durch einen angenehmen Schärfeeindruck sowie naturgetreue Farben aus, wobei die etwas zu kühle Abstimmung von rund 7.000 Kelvin einen leichten Blaustich in weißen beziehungsweise hellen Bereichen hervorruft. Wer es intensiver mag, kann die Farbbrillanz in drei Stufen erhöhen und so zum Beispiel Zeichentrick- oder Animationsstreifen einen knalligen Look verleihen – dahinter steckt das eingangs erwähnte Triluminos-Display mit Quantum-Dot-Technologie.
Die neuen Sony-Fernseher suggerieren dem Anwender in dieser Hinsicht eine besonders hohe Zukunftssicherheit, zumal in den erweiterten Bildeinstellungen neben dem werksseitig eingestellten Farbraum „sRGB/BT.709“ auch „DCI“ und „BT.2020“ auswählbar sind. Selbst bei DCI werden alle Farben sichtbar verstärkt. Die Auswahl macht also nur dann Sinn, wenn auch die Quelle im entsprechenden Standard gemastert ist. Heißt: Heutige HD-Videos wirken damit übersättigt. Die Ultra-HD-Blu-ray könnte den Durchbruch bringen.
An sonnigen Tagen beziehungsweise unter ungünstigen Lichtverhältnissen ist der Modus „Foto-Anwender“ die bessere Wahl. Dieser schafft gegenüber „Cinema pro“ eine höhere Leuchtdichte von 367 statt 307 Candela pro Quadratmeter bei ähnlich neutralen Farben. Dennoch bleibt der X85C auch im hellsten Preset „Brillant“ (400 Candela) weit hinter dem großen Bruder zurück. Weitere Schwächen zeigen sich bei der Vollbildwandlung im Tuner-Betrieb sowie der Differenzierung düsterer Filmszenen mangels Local-Dimming. Die Kontrastwerte selbst liegen mit 1.296:1 (EBU-Im-Bild) respektive 469:1 (ANSI) aber auf sehr gutem Niveau.
Der Testbericht Sony KD-55 X 8505 C (Gesamtwertung: 79, Preis/UVP: 1800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2015 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Trotz des günstigsten Preises landet Sony in unserem Test auf dem dritten Platz – alle Achtung. Lob verdient der KD-55 X 8505 C für seine brillanten, bei Bedarf erweiterbaren Farben sowie die exzellente Kontrastdarstellung. An der Bildschirmausleuchtung müssen die Japaner noch etwas feilen.
Martin Ratkovic, Udo Ratai, Florian Friedrich