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    av-Test

    Pioneer SC-LX 58 (Test)

    15. Februar 20168 Minuten Lesezeit

    Seinen größeren Modellbrüdern SC-LX 78 und SC-LX-88 (Test in Ausgabe 12-2014) dürfte der SC-LX 58 ordentlich Konkurrenz machen: Denn mit 1.600 statt 2.000 respektive 2.600 Euro ist der 9.2-Receiver deutlich günstiger, ohne dass man allzu große Ausstattungseinbußen in Kauf nehmen muss. Zwar fehlt ihm unter anderem das Soundtuning in den AIR-Studios, doch bei Kernkompetenzen wie Endstufenanzahl, Tondecodern, Einmessautomatik und Multimedia steht der Luxus-Einsteiger den Spitzen-Modellen nicht nach.

    Ausstattung und Praxis

    pioneer-pcOptisch macht der in Schwarz und Silber erhält-liche 15 Kilogramm-Verstärker einiges her: Seine gebürstete Frontplatte wirkt hochwertig; mit abgerundeten Ecken, Zierringen um die Drehräder für Quelle und Lautstärke sowie einem großem Display schmeichelt er dem Auge. Im Vergleich zum Vorgänger SC-LX 57 wurde die Ausstattung mit Dolby Atmos, HDMI-2.0 sowie integriertem Bluetooth und beiliegendem WLAN-Dongle (kostete bisher extra) modernisiert. Herzstück des SC-LX 58 sind die Direct-FET-Transistoren, dank denen er deutlich weniger Strom verbraucht als die Mitbewerber  (siehe Kasten „Class-D-Endstufen: Kühl und kräftig“). Seine neun Endstufen befeuern das 5.1-Heimkino mit vier (5.2.4) und das 7.1-Kino mit zwei Höhenkanälen (7.2.2). Mehr geht leider nicht, denn der Pioneer lässt sich nicht per Vorverstärker-Ausgang und externer Stereo-Endstufe für das 7.1.4-Heimkino aufrüsten.

    Die Lautstärkewippe der lern­fähigen Fernbedienung ist zwar etwas klein geraten, dafür erstrahlt ein Großteil ihrer Tasten in edlem Rot.
    Die Lautstärkewippe der
    lern­fähigen Fernbedienung ist zwar etwas klein geraten, dafür erstrahlt ein Großteil ihrer Tasten
    in edlem Rot.

    Von dieser Einschränkung abgesehen, gibt es in Sachen Audio-Ausstattung nichts zu bemängeln. Für den guten Klang sorgt die MCACC-Pro-Einmessautomatik, die mit einzigartigen Merkmalen aufwartet. Sie optimiert den Frequenzgang auf drei Arten, wahlweise mit dem Ziel größtmöglicher Klangneutralität („All Ch. Adjust“), Links/Rechts-Gleichheit („Symmetry“) oder im „Front Align“-Modus auf das Timbre der Front-Lautsprecher hin. Exklusiv ist den SC-LX-Modellen die „Full Band Phase“-Korrektur der Gruppenlaufzeit vorbehalten, die sich insbesondere bei Drei- und Mehr-Wege-Lautsprechern auszahlt, deren Weichen oft Phasendrehungen in bestimmten Frequenzbereichen verursachen. Nicht zu verwechseln mit der„Phase Control+“-Funktion, welche die Tonspuren auf verpolte Bassanteile hin untersucht und per Verzögerung gegensteuert. Im Unterschied zu anderen Einmess-Systemen kann der Nutzer den Korrektur-Algorithmus mittels „Time Position“ beeinflussen und mit diversen Equalizern nachbessern. Das Arsenal erstreckt sich von einem 9-Band-Grafik-EQ über zwei 4-Band-EQs für die Subwoofer bis hin zum 3-Band-Notch-EQ samt sechsstufigem X-Curve-Filter.

    Die Einmessautomatik lässt sich vielfältig einstellen und liefert viele Infos wie hier den Schallfeldaufbau.
    Die Einmessautomatik lässt sich vielfältig einstellen und liefert viele Infos wie hier den Schallfeldaufbau.
    Beim Atmos-Boxensetup hat man die Wahl zwischen einer 5.1.4-, oder einer 7.1.2-Konfiguration.
    Beim Atmos-Boxensetup hat man die Wahl zwischen einer 5.1.4-, oder einer 7.1.2-Konfiguration.

    Video und Multimedia

    Die Funknetzwerkverbindung ist beim Pioneer mit dem beiliegenden USB-WLAN-Dongle zwar etwas komplizierter einzurichten als bei Receivern mit integrierten WLAN-Chips. Doch das macht der SC-LX58 mit seinen zahlreichen Extras wie AirPlay, aptX-Bluetooth, DLNA, HTC-Connect, HDMI-MHL, Spotify, Windows 8.1-Streaming und vTuner-Internetradio wett.

    Das Zweit-Menü: I Control AV5
    Früher lag gehobenen AV-Receivern häufig eine zweite Fernbedienung bei, mit denen man die Grundfunktionen steuern konnte. Gedacht war der Mini-Geber dazu, dass man den Verstärker mit Hilfe eines Infrarot-Empfängers im Nebenraum steuern konnte. Heute gelingt das bequemer und flexibler per Smartphone-App, die über das heimische WLAN-Netz eine Verbindung zum Receiver herstellt.

    Besonders viel Mühe bei der Handy-Steuerung hat sich Pioneer gegeben, dessen App „iControl AV5“ mehr kann, als nur den AV-Receiver und Blu-ray-Spieler einzuschalten. Mit Hilfe von fast zwei Dutzend Menü-Seiten lassen sich fast alle Funktionen des SC-LX 58 bedienen. Spielernaturen kommen auf ihre Kosten (siehe Bilder), doch auch im Alltag ist die App eine tolle Bereicherung: Die zum Teil in weit verzweigten Untermenüs versteckten Einstellungen lassen sich per App schneller und ohne auf den TV schauen zu müssen erreichen. Mit einer Fingerbewegung lassen sich sämtliche klangrelevanten Einstellungen wie EQ, Phase Control und X-Curve-Filter an- oder abschalten. Ein anderer Bildschirm liefert Details zu den ein- und ausgehenden Video- und Audio­signalen. Mit dem „Push-Player“ kann man Songs, die auf dem Telefon gespeichert sind, über den Receiver wiedergeben, ohne dass man die App verlassen muss. Die Lautstärkeregelung mittels großem Steuerrad lässt sich feinfühliger handhaben als über die Schieberegler anderer Apps. Trotz des großen Funktions­umfangs gelingt die Bedienung fast immer intuitiv; im Praxistest mit einem Android-Telefon verrichtete die auch für das größere Display eines iPad optimierte App zuverlässig und ohne störende Verzögerung ihren Dienst. Die Steuer-App macht Spaß und ist weit mehr als eine Zweitfernbedienung.

    Pioneer-App
    Neben Nützlichem wie den Klangeinstellungen (links) gefallen uns Spielereien wie der 3D-Balance-Regler (mittig), der durch Kippen des Handys bedient wird. Der Fingerwisch-EQ (rechts) wirkt auf alle Boxen.

    Auch in Sachen Video ist der Pioneer mit der Entgegennahme und Skalierung von 4K-Signalen bis 60 Hertz auf dem aktuellen Stand – nur der Kopierschutz HDCP 2.2 fehlt, der bleibt dem voraussichtlich im Herbst erscheinenden Nachfolger vorbehalten. Bei der Bedienung müssen wir das altbackene und verzögernd reagierende Bildschirmmenü kritisieren – da passt es gut, dass man aufs Menü dank vieler Fernbedienungs-Direkttasten und guter Smartphone-App nur selten angewiesen ist.

    Gut bestückt: Die Anschluss-Besonderheiten des SC-LX58 liegen in drei HDMI-Ausgängen, einem optischen Digitalausgang und einer vollständigen Vorverstärker-Ausgangsgruppe. Lediglich mit einem Phono-Eingang sowie analogem Mehrkanal-Eingang kann der Pioneer nicht dienen. Der Receiver versorgt maximal neun Boxen.
    Gut bestückt: Die Anschluss-Besonderheiten des SC-LX58 liegen in drei HDMI-Ausgängen, einem optischen Digitalausgang und einer vollständigen Vorverstärker-Ausgangsgruppe. Lediglich mit einem Phono-Eingang sowie analogem Mehrkanal-Eingang kann der Pioneer nicht dienen. Der Receiver versorgt maximal neun Boxen.

    Tonqualität Surround

    Pioneers kleinster SC-LX-Verstärker lässt sich bei der Leistung nicht lumpen und wuchtet knapp 900 Watt, die er im Siebenkanal-Modus an 4-Ohm-Boxen erreicht, in den Hörraum. Dabei begeistert die Vehemenz und Selbstverständlichkeit, mit der die Bässe erklingen: Tiefbassreiche Szenen wie die explodierende Gasflasche zu Beginn von „Casino Royale“ machen viel Spaß. Nicht minder eindrucksvoll ist die Musikwiedergabe. Selbst problematisch gemastertem Material wie der Dolby Tonspur eines „3 Doors Down“-Rock-Konzerts auf DVD entlockt der Pioneer mit seiner Bass-Phasenkorrektur einen kräftigen Klang, wie es die Mitbewerber oft nicht schaffen. Im Mittel-/Hochtonbereich musiziert er ausgewogen und luftig, auch wenn wir den Eindruck hatten, dass er nicht ganz so ausdifferenziert und bei gehobenen Pegeln etwas spitzer als seine teureren Brüder klingt.

    Im zweiten Hörtestdurchgang ergänzten wir das Boxenset um einen aktiven Subwoofer und überließen den Autopiloten das Ruder. Besonders der MCACC-Modus „All Ch Adjust“ überzeugte uns mit einem offeneren, aber nicht aufdringlichen Klang, zugleich harmonierten unsere neun Lautsprecher besser miteinander. Bei zugeschalteter „Group Delay“-Korrektur schälten sich, ohne dass sich die Tonalität änderte, plötzlich Feindetails heraus, die vorher kaum hörbar waren. Unser bevorzugter Hörmodus war deshalb stets „Direct“ statt „Pure Direct“, der auf die MCACC-Korrekturen verzichtet. Bei moderaten Lautstärken empfiehlt sich der Modus „Optimum Surround“, der Lautstärke-abhängig die Bässe und Surround-Pegel anhebt, während Modus „ALC“ mit einstellbarer Dynamik-Reduk-tion fürs ganz leise Hören gedacht ist. In stiller Umgebung machte sich der zeitweilig anspringende Lüfter bemerkbar, der aber nur aus nächster Nähe wahrnehmbar ist.   

    Class-D-Endstufen: Kühl und kräftig
    Pioneer setzt als einziger Hersteller auf Klasse-D-Verstärkertechnik, die er ab der SC-Reihe einsetzt. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff und wo liegen seine Vor- und Nachteile? Die Grafik zeigt den prinzipiellen Aufbau eines solchen Verstärkers:

    Das Audiosignal wird als Erstes dem Hochfrequenz-Modulator (1) zugeführt, der es in eine schnelle Abfolge aus Rechteck-Impulsen umformt. Anschließend verstärken Leistungstransistoren (2) das pulsweitenmodulierte HF-Signal auf die für die Lautsprecher benötigten Spannungen. Ein Tiefpassfilter (3) entfernt das HF-Träger­signal wieder, wodurch das Audiosignal übrig bleibt, mit dem die Lautsprecher (4) gefüttert werden.

    Doch warum geht man diesen Umweg und verstärkt das Signal nicht direkt? Durch den Trick nimmt die Verstärkerstufe nur die Zustände „an“ und „aus“ ein – daher bezeichnet man Classs-D-Amps auch als Schaltverstärker. Weil der Transistor in den „Aus“-Phasen keinen Strom braucht, fließt fast die gesamte Energie in die Signalverstärkung. Das bedeutet geringen Stromverbrauch, wenig Erwärmung und hohe Leistung.

    Dem Effizienzplus stehen Nachteile gegenüber, die Pioneer per Gegenmaßnahmen bekämpft: Durch die schnellen Schaltzeiten entstehen Radiowellen – wäre die Endstufensektion nicht mit einem Metall-Käfig und Filtern versehen, würden die Boxenkabel wie Antennen wirken und Funkstörungen verursachen. Das Filter wiederum kann abhängig von der Boxenimpedanz den Frequenzgang im Hochtonbereich ändern. Hörbar ist das aber normalerweise nicht, zumal man mit den Klangreglern gegensteuern kann. Der minimal gegenüber konventionellen Verstärkern erhöhte Klirrgrad lässt sich ebenfalls messtechnisch nachweisen, aber nicht wirklich hören.

    Prinzipschaltbild eines Class-D-Verstärkers mit Modulator (1), Verstärker (2), Filter (3) und Lautsprecher (4).
    Prinzipschaltbild eines Class-D-Verstärkers mit Modulator (1), Verstärker (2), Filter (3) und Lautsprecher (4).

    Gruppenlaufzeit-Korrektur: Vor der Einmessung (oben) kommen tiefe Frequenzen später beim Hörer an.
    Gruppenlaufzeit-Korrektur: Vor der Einmessung (oben) kommen tiefe Frequenzen später beim Hörer an.
    Bass-EQ: Die Einmessautomatik nimmt auch am Subwoofer Klangkorrekturen vor.
    Bass-EQ: Die Einmessautomatik nimmt auch am
    Subwoofer Klangkorrekturen vor.

    Tonqualität Stereo

    Unabhängig vom Eingang (HDMI, S/PDIF, Analog) überzeugt der Pioneer durch einen sauberen Stereo-Klang. Aufmerksame Musikhörer können den Sound abseits des EQs zudem mit den Audio-Einstellungen ihrem Geschmack anpassen: Beispielsweise führt die „DFilter“-Einstellung „Slow“ zu einem eher sanften Hochton, während „Sharp“ in Verbindung mit zugeschaltetem „Upsampling“ und „32-Bit Upscaling“ für eine glasklare, perlende Hochton-Durchzeichnung sorgt. fg    

    sc-lx58-s_FRONT_KLAPPE-ZU

    pioneer-wertung

    AuVi_AWARD-Highlight

    Der Testbericht Pioneer SC-LX 58 (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 1600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2015 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

    • PIONEER SC-LX 58 (audiovision 6/2015)In den Warenkorb

      PIONEER SC-LX 58 (audiovision 6/2015)

      PDF-Download €1,99

    AV-Fazit

    90 sehr gut

    Pioneers drittgrößter Receiver bietet reichlich Power, vielfältige Klangregler und einen kräftigen Sound – und muss sich hinter teureren Flaggschiffen diesbezüglich nicht verstecken. Lediglich in Sachen Ausstattung ist der SC-LX58 ohne 7.1.4-Aufrüstoption und ohne HDCP 2.2 sowie WLAN-Dongle-Lösung nicht optimal aufgestellt.

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