Muss es Samsungs Flaggschiff-OLED S95F sein oder reicht auch der darunter angesiedelte 90F? Wir haben den 3.200 Euro teuren 65-Zöller im Test, der sich zwischen den Größen 42, 48, 55, 77 und 83 Zoll einreiht. Für die ebenfalls beliebte Bildschirmdiagonale 55 Zoll werden 2.400 Euro fällig, der 83-Zöller schlägt mit 7.200 Euro zu Buche.
Das QD-OLED-Panel ist gerade mal 4 Millimeter dünn, inklusive Anschlüssen kommt der Flachmann auf überschaubare 4 Zentimeter. Für die Wandmontage eignet sich jede Halterung, die die VESA-Norm 300 x 200 Millimeter unterstützt. Gegenüber dem S95F sparen die Japaner bei den Materialien. Denn die beiden Füße sind aus Kunststoff und werden lediglich mit einer Plastikplatte abgedeckt. Das wirkt schlicht, wer jedoch nicht weiß, dass Samsung hier auf Metall verzichtet, kann dies optisch fast nicht erkennen. Im Gegensatz zum S95F muss der S90F zudem ohne ein mattes Display auskommen.
Ausstattung und Praxis
In Sachen Features ist dieser OLED praktisch ohne Defizite. Das fängt bei den Anschlüssen an. So sind die TV-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 als Twin-Varianten verbaut. Alle vier HDMI-Ports machen Gamern das Leben leicht, da sie den 2.1-Standard mit Variable Refresh Rate (VRR) und Auto Low Latency Mode (ALLM) unterstützen. 4K-Inhalte können mit bis zu 144 Hertz wiedergegeben werden. Zur Reduzierung von Bildruckeln und Bildrissen (Tearing) beim Zocken ist der Flachmann für kompatible Grafikkarten FreeSync Premium Pro-zertifiziert. Dank „AI Auto Game“-Mode erkennt der Samsung das Genre und nimmt entsprechende Einstellungen automatisch vor. Über die „Game Bar“ kann man alle relevanten Spiele-Einstellungen schnell anpassen. Hier stehen unter anderem die Ultra-Wide-Formate 21:9 und 32:9 zur Auswahl. Spiele für Cloud-Gaming ohne Konsole stellt der „Gaming Hub“ zur Verfügung.
Der kompakte Steuerstab der Koreaner benötigt durch Mehrfachbelegungen nur wenige Tasten.


Am komfortabelsten ist es, das „Daily Board“ über die „SmartThings“-App nach eigenen Vorlieben zu konfigurieren. So kann man festlegen, welche Widgets (Wetter, Notiz, Samsung TV Plus, Musik, SmartThings: Status des Hauses und Tipps) in welcher Reihenfolge auf dem Bildschirm erscheinen. Zudem gibt es diverse Hintergründe zur Auswahl. Über Sprachbefehle wie „Hintergrundbild ändern in Blüte“, „Mehr über das Wetter-Widget anzeigen“ oder „Neue Notiz hinzufügen“ lässt sich der Info-Dienst komfortabel per Stimme steuern. Bei mehr als fünf dargestellten Widgets werden diese in einer automatischen Schleife (Zeitspanne ist einstellbar) auf das TV-Panel geholt.

Für ein flottes Bedientempo sorgt der Neural Quantum 4K AI Gen3 Prozessor. Mit Hilfe von 128 neuronalen Netzwerken skaliert der Samsung niedrig aufgelöstere Inhalte bestmöglich auf 4K hoch. Im Vergleich zum Vorgänger-Prozessor versprechen die Koreaner eine um 17 Prozent schnellere CPU und 6,4-fach bessere neuronale AI-Netzwerke. Wie viele seiner Kollegen analysiert der GQ65S90F jede Szene und versucht, bei Bedarf die Helligkeit für möglichst kontrastreiche Bilder zu steigern. Der „Real Depth Enhancer“ will den Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund erhöhen, um die Tiefenwirkung zu verbessern. Der „Color Booster Pro“ kümmert sich um die Intensivierung von Farben, und mit dem „AI Motion Enhancer Pro“ sollen bewegte Objekte und Texte geglättet werden. Mit „Auto HDR Remastering Pro“ will der OLED den Qualitätsunterschied zwischen SDR- und HDR-Inhalten anpassen. Der Prozessor ist zudem dazu in der Lage, helles Tages- oder Umgebungslicht zu erkennen und die Sichtbarkeit in dunklen Szenen automatisch zu verbessern.
Als Betriebssystem werkelt im 65-Zöller One UI Tizen, für das Samsung sieben Jahre lang kostenlose Upgrades verspricht. Die übersichtliche Oberfläche zieren Apps und personalisierte Programmempfehlungen. Das Streaming-Angebot fällt üppig aus. Über Samsung TV Plus hat man ohne Anmeldung Zugriff auf Hunderte TV-Sender aus unterschiedlichsten Sparten. Außerdem stehen unter anderem HD+, WOW, Joyn, Apple TV+, Disney+, Netflix, Amazon Prime Video und RTL+ zum Abruf bereit (siehe auch App-Vergleich auf Seite 46). Pfiffig ist das neue Feature „Daily Board“, was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie im Kasten rechts.
Als Sprachassistenten unterstützt der S90F neben Bixby auch Amazon Alexa. Die Bedienung erfolgt über den bekannten Solar-Steuerstab mit wenigen Tasten und Mehrfachbelegung. Geladen wird dieser neben Sonnen- und Kunstlicht optional via USB-C-Anschluss. Gelegentlich wünscht man sich, dass der Samsung auf Steuerbefehle etwas flotter reagiert. Im „MultiView“-Modus lassen sich zwei Quellen parallel darstellen, unter anderem USB- und Smartphone-Kamera, Live-TV, YouTube, Internet, PC oder Mac.
Freunde multimedialer Möglichkeiten sollten sich unbedingt die Gratis-App „SmartThings“ auf ihr Apple- oder Android-Gerät herunterladen. So kann man den 65-Zöller nicht nur via Mobilgerät steuern, sondern auch Suchanfragen und Apps starten, Bild- und Tonanpassungen vornehmen, Inhalte spiegeln und den OLED sogar kalibrieren. Außerdem lässt sich das Smartphone als Mikrofon verwenden, um die neue Karaoke-Funktion zu testen. Auch der Ambient-Modus, der den S90F mit diversen Hintergründen verschönert oder informativer gestaltet, steht auf diesem Weg zur Verfügung.
Neu in diesem 2025er-Modelljahr ist die KI-Taste auf der Fernbedienung. Mit „Click to Search“ ruft man Hintergrundinformationen zu TV-Sendungen im Fernsehen oder via Mediathek auf und darf sich über Vorschläge zu ähnlichen Inhalten freuen. Für die kabellose Kommunikation mit Mobilgeräten beherrscht der Flachmann neben Apple AirPlay 2 auch Miracast und Bluetooth 5.3.




Bild- und Tonqualität
Die Kombination aus OLED- und Quantum-Dot-Technik garantiert beim Samsung satte und leuchtende Farben. Nicht nur in der Messung, sondern auch in der Praxis. Hier empfehlen wir fast immer den „Filmmaker“-Modus. Jetzt genießt man als Zuschauer natürliche Farben, feinste Übergänge und präzise Helligkeitsabstufungen. Knalliger, schärfer und plastischer geht es im „Standard“-Setting zu. Hier kann man die Farbintensität gerne etwas reduzieren. Der GQ65S90F punktet durch hervorragende Skaliereigenschaften. Ob HD-Sender oder Blu-ray, der optische Unterschied zu nativem 4K-Material fällt relativ gering aus. Auch hier überzeugen die Schärfe und die Raumtiefe.
Natürlich interessiert uns beim S90F, ob dieser im Vergleich zum Vorgänger bei der Helligkeit eine Schippe draufpacken konnte. Zwischen 1.030 und 1.070 Candela schaffte der GQ65S90D in den Modi „Dynamisch“, „Filmmaker“ und „Standard“ in der Spitze (Test in Ausgabe 5-2024). Der S90F hat hier erheblich mehr zu bieten. Mit 1.401 Candela ermitteln wir im „Filmmaker“-Modus die größte Helligkeit. 420 Candela sind es bei einem Weißanteil von 50 Prozent, 290 Candela bei vollflächigem Weiß. Im „Dynamisch“-Modus kommen wir auf knapp 1.300 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 2.650:1 überdurchschnittlich aus.
Schade, dass Samsung noch immer mit Dolby Vision auf Kriegsfuß steht, dafür werden alle anderen HDR-Formate wie HLG, HDR10 und HDR10+ Adaptive unterstützt. Die Power des Displays im Zusammenspiel mit der Farbkraft ist enorm. Frontal und auch von der Seite, denn Farben bleichen kaum aus. Das Display ist nicht so gut entspiegelt wie die hauseigenen Matt-Versionen, aber Licht-Reflexionen werden trotzdem wirkungsvoll gemindert. Dadurch ist der Flachmann auch für helle Räume mit vielen Fenstern und Lampen bestens geeignet. Pluspunkte kassiert der Koreaner zudem für seine ruhige und souveräne Bewegungsdarstellung.
Wie erwartet, erweckt der OLED schwarze Inhalte ohne Aufhellungen um helle Objekte zum Leben. In Nachtszenen ist der Samsung zudem in der Lage, Details in düsteren Passagen kontrastreich und präzise herauszuarbeiten.
Nichts Neues gibt es beim Ton: Das 2.1-System mit 40 Watt und Dolby Atmos kennen wir bezüglich seiner Chassis-Bestückung vom Vorgänger. Klanglich setzt Samsung ebenfalls auf Künstliche Intelligenz, um beispielsweise Stimmen effektiv hervorzuheben. Das räumliche Volumen kann sich hören lassen, die Klangfülle gefällt. Auch wenn man die Zimmerlautstärke verlässt, spielt der GQ65S90F sauber und klar akzentuiert. Bei Bedarf führt er eine automatische Klangeinmessung durch.




Der Testbericht Samsung GQ65S90F (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 3.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Ob für perfektionistische Heimkinofans oder leidenschaftliche Gamer: Der GQ65S90F ist ein hochwertiger Allround-OLED mit toller Spitzenhelligkeit, überzeugender Entspiegelung und einem hohen Bedienkomfort.
Jochen Wieloch

