Mit dem X1 feiert der erste Projektor von Nebula seine Test-Premiere in der audiovision. Entsprechend gespannt waren wir auf die Perfomance des 3.000 Euro teuren Newcomers.
Nebula ist kein unabhängiger Projektor- Hersteller, vielmehr ist die Marke Teil des chinesischen Technologie-Konglomerats Anker Innovations, die von der Powerbank über Kopfhörer bis hin zu Bluetooth-Speakern alle möglichen Elektronikprodukte im Portfolio haben.
Der 4K-Heimkino-Beamer X1 besitzt eine Stellfläche von gerade mal 28,2 x 24,5 Zentimeter und bringt 6,2 Kilo auf die Waage. Ein praktischer Transportgriff lässt sich bündig ins grau-schwarze Gehäuse absenken. Mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 153 Watt erweist er sich als genügsam für einen Lichtwerfer, der bis zu 3.500 Lumen ausgeben soll.
Ausstattung und Technik
Der Nebula X1 ist ein Ein-Chip-DLP-Projektor, der via XPR-Shift-Technologie Signale bis 3.840 x 2.160 Pixel sequenziell projiziert. Als Lichtquelle kommen leistungsstarke RGB-Laserdioden zum Einsatz, deren Lebensdauer vom Hersteller mit 30.000 Stunden beziffert werden. Sämtliche HDR-Technologien inklusive Dolby Vision und HDR10+ sind implementiert, die statischen Varianten HDR10 und HLG profitieren von einem dynamischen Tone-Mapping.
Für eine messerscharfe Abbildung sorgt das Vollglas-Objektiv mit 14 Elementen. Die Zwischenbildberechnung MEMC und lässt sich in vier Stufen regeln. Für das Feintuning der Farben stehen ein vollständiges 6-Achsen-Farbmanagement, RGB-Gain/Offset-Regler und ein 11-Punkte-Gamma/Graustufen-Equalizer zur Verfügung. Die ISF-Bildmodi „Tag“ und „Nacht“ lassen sich jedoch nicht weiter trimmen.
Das Betriebssystem Google TV bietet Zugriff auf Netflix und weitere Streamingdienste. Signalübertragungen vom Smartphone und Tablet sind via Google Cast und AirPlay möglich, auch 3D wird unterstützt (siehe Kasten). Ein 40-Watt-Soundsystem liefert überraschend guten Ton.
Mit dem kompakten Controller ist die Bedienung im dunklen Heimkino komfortabel, weil die Tastatur hintergrundbeleuchtet ist. Die drei Direktwahltasten für YouTube, Netflix und Prime Video sind ebenso praktisch wie die „Fokustaste“ ganz oben.


Installation und Bedienung
Für die Updates im Rahmen der Erstinstallation sollte der Nutzer etwas Zeit mitbringen, weil sie fast eine Stunde benötigen. Ist die erste Inbetriebnahme abgeschlossen, fährt der X1 innerhalb von 30 Sekunden hoch, hierbei richtet er das Bild selbstständig auf die Leinwand aus. Bildgröße, Lage und Schärfe werden automatisch eingestellt. Eine Korrektur ist nicht nötig, weil der Fokus bis zum Rand sitzt. Das 1,66-fache Zoomobjektiv gestattet es, eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Entfernung von 2,25 bis 3,75 Meter vollständig auszuleuchten. Hierfür sollte der Beamer auf Höhe der Leinwandunterkante platziert werden, da sein Offset exakt 100 Prozent beträgt. Mit der hintergrundbeleuchteten Tastatur lässt sich zügig durch das On-Screen-Menü navigieren.
Licht und Farbe
Der Bildmodus „Konferenz“ übertrifft die nominelle Maximalhelligkeit von 3.500 Lumen um 100 Lumen, allerdings ist das Bild zu Grün. Wir empfehlen „Film“ für SDR und „Nebula Master“ für HDR, weil diese Presets bereits in der Werkseinstellung präzise Farben erzeugen. Mit wenigen Anpassungen trimmen wir den Nebula X1 zur Perfektion, was Farbtemperatur, Farbraumabdeckung, Gamma und den Graustufenverlauf anbelangt. 0,4 DeltaE bestätigt die gute Performance.


Kalibriert verzeichnen wir satte 2.800 Lumen. Der statische Kontrast beträgt 1.400:1 (On/Off), 1.300:1 (In-Bild) und 250:1 (ANSI), dynamisch lässt er sich auf bis zu 12.260:1 steigern – inklusive eine Schwarzwertoptimierung von 2,0 auf 0,23 Lumen. Leider ist die Arbeitsweise der automatischen Lamellen-Blende in Form von typischen Pump-Effekten sichtbar. Wir lassen sie daher ausgeschaltet. Der Farbraum Rec.709 wird zu 100 Prozent abgedeckt, Rec.2020 mit 98 Prozent, was zu einer knackigen Farbdarstellung führt. Herausragend ist die gleichmäßige Ausleuchtung mit 96 Prozent.
Bildqualität
Der Nebula X1 projiziert sämtliche Bildsignale mit 60 Hz, was zu 3:2-Pulldownruckeln führt. Dem kann mit der Zwischenbildberechnung begegnet werden. Bereits auf „Niedrig“ bietet der Beamer angenehm flüssige Bewegungen. Der DLP-Regenbogen-Effekt ist selten zu sehen, weil die Laser schnell schalten, lediglich an kontrastreichen Kanten erkennen wir ihn ab und zu. Auf Nachtaufnahmen liegt ein leichter Grauschleier, der sich aber umgehend lichtet, sobald helle Spitzlichter erscheinen. Tageslichtszenen erstrahlen in vollem Glanz und profitieren von der hohen Lichtausbeute. Filme in Dolby Vision und HDR10+ sehen toll aus. Die Konzertaufnahmen in „Elvis“ sowie die Flugszenen in „Top Gun: Maverick“ sprühen nur so vor Detailreichtum, sind messerscharf und farbenfroh. Dank des dynamischen Tone-Mappings stehen 4K-Blu-rays in HDR10 wie „Sully“ und „West Side Story“ dem kaum nach. Von 0,0 bis 10.000 Nits werden alle Inhalte vollständig reproduziert.
Die 40-Watt-Lautsprecher können selbst größere Wohnzimmer gut beschallen. Männerstimmen tönen sonor und Frauenstimmen ohne Zischlaute. Auf Tiefbass oder einen Anflug von Surround-Sound muss man freilich verzichten.


Der Testbericht Nebula X1 (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 3.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der 4K-Projektor Nebula X1 punktet mit hoher Lichtleistung, prächtigen Farben, flexibler Aufstellung und vielen Streaming-Apps. Im Heimkino wäre allenfalls ein dunkleres Schwarz willkommen, auch könnte der Preis etwas niedriger ausfallen.
Michael B. Rehders

