Loewe We. See 65 OLED (Test)

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Ein 65-Zoll-OLED von Loewe für 2.700 Euro? Wer sich mit der Preisgestaltung des deutschen TV-Herstellers auskennt, kommt bei dieser Zahl schnell ins Grübeln. Der We. See 65 OLED ist damit sogar der günstigste Flachmann mit selbstleuchtenden Pixeln in unserem aktuellen Testfeld, zumindest wenn man nach der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers geht.

Bei We. by Loewe handelt es sich um die Schwestermarke des deutschen Traditionsunternehmens Loewe. Neben dem 65-Zöller sind Varianten in 48 Zoll für 1.700 Euro sowie ein 55-Zöller für 2.000 Euro erhältlich.

Ausgeliefert wird der Flat-TV auf einem drehbaren Tischfuß aus Metall. Eine Wandmontage ist mit jeder handelsüblichen Halterung möglich, die den VESA-Standard 300 x 200 Millimeter unterstützt. Loewe selbst bietet verschiedene Wand- und Aufstelllösungen an. Das Display des We. See 65 OLED basiert auf der neuesten V24-Generation von White-OLED-Panels aus dem Hause LG. Es ist nur wenige Millimeter dünn, der gesamte Fernseher kommt auf 6,8 Zentimeter, wodurch er kein superschlanker Flat-TV ist. Im Gegensatz zum teureren Loewe inspire 65 dr+ (Test in Ausgabe 9-2024) ist die Rückwand des We. See 65 OLED nicht lackiert und mit Stoff bezogen, sondern unlackiert und texturiert; die Kabelführung erfolgt seitlich. Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt sehr ordentlich. Loewe fertigt den OLED nicht am deutschen Stammsitz in Kronach, sondern beim Partner Hisense im slowenischen Velenje. Während bei den hierzulande gefertigten OLEDs bei jedem Fernseher ein individueller Farbabgleich erfolgt, wird bei den im Ausland produzierten Modellen ein statistischer Durchschnittswert angewendet.

Ausstattung und Praxis
Herzstück des 65-Zöllers ist das neue Chassis SL840 mit dem Betriebssystem os8 auf der Basis von VIDAA U7, das man von Hisense-Fernsehern kennt und durch enorme Performance glänzt. Der We. See 65 OLED läuft enorm schnell, Apps starten ohne Verzögerung, Menüwechsel kennen keine Pause. VIDAA setzt auf eine kachelförmige Anordnung und ermöglicht einen direkten Zugriff auf Apps, Fernsehsender und Filmhighlights. Personalisierbare Konten gestatten individuelle Programmvorschläge. Die Menüs mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund sehen schick aus. Streamer dürfen sich über eine Vielzahl an Apps freuen, an Bord sind unter anderem Netflix, Amazon Prime Video, Rakuten TV, HD+, Zattoo, Apple TV+, Disney+, Paramount+, DAZN und RTL+ (siehe auch App-Vergleich auf Seite 50). Wer Inhalte von einem Mobilgerät auf den Flachmann transportieren möchte, profitiert von Miracast, Apple AirPlay und Bluetooth. Über die für iOS und Android kostenlos erhältliche „VIDAA“-App kann man Multimedia-Dateien von einem Smartphone aus ebenfalls auf dem großen Display zum Leben erwecken, den TV-Apparat steuern und Apps starten.

Die Oberfläche ist klar gegliedert, die Verarbeitung top, den Tasten würde aber etwas mehr Struktur gut tun.

Schwarz und schick: Die VIDAA-Oberfläche mit dem Betriebssystem os8 ist optisch ansprechend und werkelt mit kurzen Reaktionszeiten.

HD+ an Bord: Über die integrierte App lässt sich der Empfang hochauflösender Privatsender per Satellit ein halbes Jahr lang kostenlos testen.

Loewe hat dem We. See 65 OLED gleich zwei Sprachassistenten spendiert: Amazon Alexa und VIDAA Voice. Vor der ersten Benutzung muss man in die „Einstellungen“ und hier ins „System“, um den Menüpunkt „Sprachdienst“ zu öffnen. Entscheidet man sich für Alexa, benötigt man ein Alexa-kompatibles Gerät wie einen Lautsprecher, um den Fernseher einzuschalten, Musik abzuspielen oder die Lautstärke mittels Stimme zu ändern. Damit dies gelingt, ist ein VIDAA-Konto erforderlich, das man direkt über den Flat-TV oder via Web-Browser einrichten kann.

Entscheidet man sich für VIDAA Voice, zeigt der 65-Zöller bei Bedarf alle verfügbaren Befehle an. Diese gruppiert der OLED in den Kategorien „TV-Programme suchen“, „Grundlegende TV-Steuerung“, „Timer“, „Sprachempfehlungen“, „Geräteeigenschaften öffnen“, „Audio-Menüführung“, „Mediensteuerung“ und „Browser“. Um VIDAA Voice im Test zu nutzen, müssen wir die Menü-Taste etwas länger gedrückt lassen, damit sich der Steuerstab und der TV koppeln. Anschließend steht der Sprachassistent nach einem Druck auf die Mikrofontaste zur Verfügung.

Sprachtalent: Mit VIDAA Voice und Amazon Alexa ermöglicht der We. See 65 OLED den Zugriff auf zwei praktische Sprachassistenten.

Von den vier HDMI-Ports unterstützen zwei alle 2.1-Spezifikationen mit Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR) und 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz. Dadurch eignet sich der Loewe auch gut für Gamer, die in der Vergangenheit nicht primär die bevorzugte Klientel des Kronacher Unternehmens waren.

Klassische TV-Zuschauer müssen einen Kompromiss eingehen. So verfügt der OLED zwar über Tuner für Kabel, Satellit und das digitale Antennenfernsehen DVB-T2. Jedoch sind die Empfänger jeweils nur als Single-Varianten verbaut. Bei Aufnahmen auf eine externe USB-Festplatte (eine interne Harddisk gibt es nicht) hat man deshalb keine freie Senderwahl beim Umschalten. Time-Shift, also zeitversetztes Fernsehen, ist aber möglich.

Die schwarze Fernbedienung besteht zwar nur aus Kunststoff, gehört jedoch zu den höherwertigeren ihrer Zunft (Abbildung auf Seite 45). Sie ist angenehm schwer, hervorragend verarbeitet und liegt durch die schlanke Bauweise bequem in der Hand. Die Tastenanordnung ist sinnvoll und intuitiv, für Netflix, Amazon Prime Video, Rakuten TV, YouTube und Deezer stehen ebenso wie für „Media“ (Zugriff auf USB-Geräte, Fritz!Box, Netzwerkfestplatte) Direktwahltasten zur Verfügung. Einziger Kritikpunkt: Alle Tastenoberflächen sind recht plan, es fehlt an Kontur. So kann es schon mal passieren, dass man im ersten Versuch die falsche Taste erwischt. Sprachbefehle verarbeitet der Loewe mittels VIDAA Voice und Amazon Alexa (siehe Kasten oben).

Bild- und Tonqualität
Wir starten unseren Bildcheck im „Standard“-Modus und holen über YouTube eine Dokumentation mit diversen ultrahochaufgelösten Naturwundern auf den Bildschirm. Sofort fällt die Farbenpracht des Displays ins Auge. Türkisblaues Meer und honiggelbe Traumstrände sind auf dem Flachmann ein Genuss. Palmen zeigen selbst aus luftiger Höhe einzelne Blätter, das Wasser funkelt und glitzert in den unterschiedlichsten Blautönen, und eine Wüstenlandschaft zeichnet mit höchster Präzision Kämme und Krater. Mit HLG, HDR10, HDR10+ und Dolby Vision unterstützt der Loewe eine breite Palette relevanter High-Dynamic-Range-Formate.

Nur Single-Tuner: Beim Thema TV-Empfang hat Loewe gespart. Während man eine Sendung auf USB-Festplatte aufzeichnet, hat man keine freie Senderwahl.

Netzwerker: Ins Internet eingebunden, kann der Loewe auf Dateien zugreifen, die beispielsweise auf einer Fritz!Box oder einer Netzwerkfestplatte schlummern.

Keine Handarbeit notwendig: Im SDR-Farbraum gefällt uns die Werkseinstellung im „Kino“-Modus. Die meisten Farben sind solide vorausgewählt.

Ausgewogen: Der Loewe zeigt im DCI-P3-Spektrum kaum Farbabweichungen. Voraussetzung ist, dass man den „Kino“-Modus auswählt.

Entsprechende Titel stellt der Loewe ausgesprochen kontrastreich dar. Wir ermitteln im „Dynamisch“-Modus eine Spitzenhelligkeit von 730 Candela. 520 sind es im „Standard“- und 550 im farblich besten „Kino“-Modus. Bei einem 50-prozentigen Weißanteil schafft der OLED noch 285 Candela, bauartbedingt reduziert sich die Leuchtkraft bei vollflächigem Weiß auf überschaubare 150 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 1.700:1 überdurchschnittlich gut aus.

Wir legen Ihnen die „Istanbul“-Dokumentation auf YouTube ans Herz. Faszinierend, wie der We. See den dunklen Beginn der wolkenverhangenen Metropole darstellt. Wolken, Wasser, Gebäude und Straßen werden in spektakulären Grautönen gezeigt. Das Bild ist – je nach Modus – ausgesprochen plastisch. Blickfänge sind kleine, hell erleuchtete Elemente wie die Straßenbeleuchtung auf der Brücke oder die Lichter an Fahrzeugen. Dieses Bild erzeugt einen Wow-Effekt! Während „HDR Dynamisch“ und „HDR Standard“ auf einen plakativeren Look setzen, nimmt der Modus „HDR Kino“ ein wenig Dynamik und farblichen Druck aus den Aufnahmen. Wer auf eine maximal authentische Optik steht, macht in diesem Setting alles richtig. Trotzdem sind die Videos nicht zu plan, Loewe spendiert dem Bild immer noch eine angenehme Tiefenwirkung.

Cinemascope-Balken sind auf dem Loewe brutal dunkel, Schwarz gehört dank OLED-Technik zur Königsdisziplin des We. See. Ruhige Bewegungen meistert der 65-Zöller ebenfalls mit Bravour. Im Test haben wir dazu die „Bewegungskompensation“ auf „Stark“ gestellt. Farben und Kontrast büßen auch bei seitlicher Betrachtung kaum etwas von ihrer Brillanz ein. Bei SDR-Inhalten lohnt es sich, den „HDR-Enhancer“ zu aktivieren. Dieser optimiert den Kontrast und die Tiefenwirkung spürbar, Farben werden satter.

Die Lautsprecher mit insgesamt sechs Treibern leisten zusammen 60 Watt, Dolby-Atmos-Sound wird unterstützt. Der 65-Zöller spielt angenehm luftig und klar auf, seine Akustikbühne fällt breit aus. Die tonale Klarheit kann hingegen nicht ganz mit der teurerer Loewe-Flachmänner mithalten. Aber egal ob Fußballspiel, Blockbuster oder Krimi: der We. See 65 untermalt jeden Inhalt souverän, und auch bei höheren Pegeln agiert der Apparat im Heimkino ausgewogen und weitgehend frei von unschönen Verzerrungen.

Der Testbericht Loewe We. See 65 OLED (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 2.700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2025 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

87 Sehr gut

Bildlich ist der We. See 65 OLED ein echter Loewe: Farben, Helligkeit, Schärfe, Schwarzdarstellung und Blickwinkelstabilität sind exzellent. Der preislich faire 65-Zöller arbeitet zudem super fl ott und punktet durch hohen Bedienkomfort, ein tolles App-Angebot und eine ordentliche Ausstattung. Auch akustisch vermag der Flachmann zu überzeugen.

Jochen Wieloch

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