Flat-TV-Kenner wissen: Die G-Serie steht bei LG traditionell für hochwertigste OLED-Geräte. Auch in diesem Modelljahrgang bilden die Apparate die Speerspitze der Fernseher mit selbstleuchtenden Pixeln und leistungsstarken Mikrolinsen- Panels. Hierüber thront nur die M4-Reihe mit kabelloser Video- und Audioübertragung. Der von uns getestete 65G49LS hat einen Listenpreis von 4.000 Euro, wurde zum Testzeitpunkt von LG über die eigene Homepage aber für gut die Hälfte angeboten. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim 55-Zöller: Statt der regulären 2.800 Euro wollte LG für diesen Flachmann nur 1.750 Euro haben. Zusätzlich gibt es den G4 in 77, 83 und riesigen 97 Zoll. Nur beim 97-Zöller muss man auf die spezielle Mikrolinsen-Technik verzichten.
Besonders gut macht sich der G4 ob seiner superflachen Bauweise von gerade mal 2,4 Zentimeter beim 65-Zöller inklusive Anschlüssen an der Wand. Nicht umsonst steht das „G“ im Produktnamen für „Gallery Design“. Lobenswert: Wer sich das Modell in 55 oder 65 Zoll zulegt, muss einen passenden Standfuß nicht mehr separat erwerben. Hört der Flachmann auf die Produktbezeichnung „LS“, so wird der Apparat mit Standfuß ausgeliefert. Den „LW“-Modellen liegt hingegen eine Wandhalterung bei. Preislich machen die Koreaner dabei keinen Unterschied. Unser Testkandidat glänzt durch vorzügliche Verarbeitung, einen massiven Fuß und Rahmen aus Metall sowie ein äußerst dünnes Display, das kaum dicker als einen Zentimeter ist. Auf das Panel gewährt LG eine fünfjährige Garantie.
Ausstattung & Bedienung
Einen leistungsstärkeren Prozessor als den Alpha 11 hat LG bisher nicht verbaut (siehe Kasten). Dieser trägt zum hohen Arbeitstempo und Bedienkomfort des Betriebssystems webOS 24 bei. Über die Startseite genießt man den Zugriff auf nahezu alle wichtigen Streaming-Apps und die nützlichen Karten aus den Rubriken „Home-Office“, „Spiele“, „Musik“, „Startseiten-Hub“, „Sport“ und „Barrierefreiheit“. Diese lassen sich individuell positionieren.
Empfehlenswert ist das Anlegen eigener Benutzerkonten, damit jedes Familienmitglied von personalisierten Programmvorschlägen profitiert. Wer unentschlossen ist, welche Inhalte er konsumieren möchte, kann im „Multi View“-Modus zwei Fenster parallel darstellen und zwischen Quellen wie Live-Fernsehen, YouTube, Smartphone-Spiegelung, Kamera, Webbrowser und AirPlay hin- und herwechseln. Zum Streamen eignen sich neben dem Apple-eigenen Übertragungsstandard auch Miracast, Chromecast und Bluetooth. Ausgesprochen funktional ist zudem die für iOS und Android kostenlos erhältliche App „ThinQ“. Diese holt unter anderem die Smartphone-Kamera auf das TV-Display (praktisch zum Beispiel für Fitness-Apps), erlaubt das Steuern des 65-Zöllers, ermöglicht das Streamen von Fotos, Musik und Videos und das schnelle Starten von Apps. Extrem zügig werkelt der Mediaplayer, der beliebige Fotos und Videos in 360-Grad-Ansicht darstellen kann.
Dank integriertem Mauszeiger eignet sich die schwarze Fernbedienung perfekt zum Navigieren durch Menüs.

Flott und intuitiv: Ob praktische Anwendungen, Spiele, Musik, Features für das Home-Office oder Apps – die Startseite von webOS 24 gefällt.

Streaming-Paradies: LG Channels holt diverse Kanäle und Bewegtbildinhalte kostenlos auf den 65-Zöller. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Technologie „Dynamic Tone Mapping Pro“ hat die Aufgabe, die räumliche Plastizität zu verbessern. Sie sorgt dafür, dass Details besser zur Geltung kommen. Zu diesem Zweck wird das Bild in Blöcke eingeteilt und jeder einzelne in Echtzeit analysiert. Im Anschluss folgt die Feinjustierung von Helligkeit und Kontrast, um eine präzise HDR-Optimierung zu liefern.
Als Spitzen-OLED werkelt das Display im 65G49LS mit winzig kleinen Linsen. Diese Mikrolinsen sind gerade mal 6 Mikrometer groß. Auf ein Pixel kommen rund 5.000 Mikrolinsen. Auf diese Weise sollen Lichtreflexionen zwischen den Pixeln und der Beschichtung verringert werden. Die Folge: Das Licht wird mit höherer Intensität an die Paneloberfläche geführt, um die Maximalhelligkeit zu steigern. Die aktuelle Micro Lens Array- Technik MLA+ arbeitet mit optimierter Linsenstruktur und einer präziseren Ansteuerung der einzelnen Pixel.

KI an Bord: Mittels Künstlicher Intelligenz optimiert der OLED65G49LS nicht nur die Bildqualität, sondern auch die akustischen Eigenschaften.
Zum perfekten Handling des 65G49LS tragen neben webOS 24 zwei zusätzliche Komponenten bei: die ausgereifte Fernbedienung mit integriertem Mauszeiger und die Möglichkeit der Sprachsteuerung. Amazon Alexa reagiert direkt über ein im Flat-TV verbautes Mikrofon. Sollte bei der Bedienung doch mal ein Problem auftreten, hilft in vielen Fällen der integrierte Chatbot. Für dessen Premiere hat LG mehr als 700.000 Kundenanrufe ausgewertet. Mit dem „Sport-Alarm“ und der „Stets bereit“-Funktion verfügt der 65-Zöller zudem über zwei Alleinstellungsmerkmale. Letztere verschönert das TV-Display bei Bedarf mit Motiven und Bildschirmhintergründen aus diversen Rubriken.
TV-Programme empfängt der Apparat über Twin-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2. USB-Aufnahmen und Time-Shift sind möglich. Alle vier HDMI-Ports unterstützen den 2.1-Standard mit Variable Refresh Rate (VRR bis zu 144 Hertz), Auto Low Latency Mode (ALLM) und 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz. Zudem ist der Fernseher kompatibel zu G-Sync (Nvidia) und FreeSync (AMD). Das Game Dashboard erlaubt das blitzschnelle Anpassen wichtiger Spiele-Parameter.
Bildqualität
Kann der 65G49LS im Vergleich zum schon sehr guten und hellen Vorgänger 65G39LA (Test in Ausgabe 3-2024) noch eine Schippe draufpacken? Klare Antwort: Ja, kann er! Der neue OLED schraubt seine Spitzenhelligkeit auf stolze 1.763 Candela im „Lebhaft“-Modus hoch. Beim G39LA war bei maximal 1.555 Candela Schluss, und zwar im „Filmmaker“-Setting, das sich als leuchtstärkster Modus entpuppte. In diesem schafft der G49LS etwas mehr als 1.400 Candela. Bei einem Weißanteil von 50 Prozent leuchtet er noch mit 451 Candela, bei vollflächigem Weiß mit 217 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 15.400:1 überragend aus. Was natürlich daran liegt, dass der OLED brutal sattes Schwarz ohne kleinste Aufhellungen darstellt und durch ein extrem homogen ausgeleuchtetes Panel punktet, sowohl bei frontaler wie seitlicher Draufsicht. Auch bei Farben begeistert der LG durch seine ausgezeichnete Blickwinkelstabilität.

„Filmmaker“-Profi : In diesem Setting stimmt im SDR-Farbraum alles. Die Koreaner haben ihren OLED ab Werk perfekt voreingestellt.

HDR-Rakete: Auch im DCI-P3-Spektrum hat der LG alles im Griff. Alle sieben Messpunkte sitzen super präzise, der 65G49LS hat keine Problemstelle.

Ohne Kompromisse: Twin-Tuner, USB-Aufnahme und HDMI 2.1 – beim OLED65G49LS von LG muss man bei der Ausstattung keine Einbußen hinnehmen.

Erste Hilfe: LG hat nicht nur einen praktischen Chatbot integriert, sondern auch Tipps und nützliche Seh- und Hörfunktionen.
Zu den unterstützten HDR-Formaten zählen HLG, HDR10 sowie Dolby Vision, nur HDR10+ fehlt. Ist der Menüpunkt „Energiesparen“ deaktiviert, schießt der Koreaner ein echtes Farbenfeuerwerk mit brachialer Schärfe und toller Plastizität ab. In Naturdokumentationen begeistert der Flachmann mit einer riesigen Fülle an Farbtönen und feinsten, nicht erkennbaren Übergängen. Details werden exakt herausgearbeitet und Konturen präzise gezeichnet. Eine der vielen Stärken des TV-Boliden: Auch in düsteren Actionstreifen gibt sich dieser enorm auskunftsfreudig. Dunkler Asphalt glänzt im Regen, die strukturierte Oberfläche wird lebhaft zur Schau gestellt, und ein dezenter Ölfilm schimmert im Licht der Straßenlaterne. Kamerafahrten könnten geschmeidiger nicht sein, wenn sich der Zuschauer dies in den Einstellungen so wünscht.
Tonqualität
Überzeugend sind auch die tonalen Eigenschaften des Flachmanns, ist er doch mit einem 60 Watt starken 4.2-Kanal-System inklusive Dolby-Atmos-Unterstützung ausgestattet und kann virtuellen 11.1.2-Klang erzeugen. Die klangliche Fülle in diesem Setup ist top, jedoch reduziert sich in der Voreinstellung „AI-Ton Pro“ die Reinheit der Wiedergabe ein wenig. Stimmen reproduziert der LG unangestrengt, sodass man Schauspielern und Nachrichtensprechern mühelos folgen kann. Höhere Pegel sind ohne Verzerrungen möglich.
Akustischen Feinschliff nimmt man über die automatische Akustik-Anpassung mittels Mikrofon der Fernbedienung vor. Der G49LS erfasst dann in Eigenregie Besonderheiten im Raum wie reflektierende Wände oder Teppiche, die viel Schall schlucken, und versucht dies auszugleichen. Auch das klappte im Test überraschend gut.
Der Testbericht LG OLED65G49LS (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 4.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Super hell, super schwarz, super bunt und super flott: Der OLED65G49LS ist ein Fernseher der Superlative. LG kitzelt aus dem MLA-Panel das Maximum an Bildqualität heraus, auch klanglich kann sich der 65-Zöller hören lassen. Im Zusammenspiel mit der üppigen Ausstattung holt sich der Flachmann den Testsieg.
Jochen Wieloch