HiFi- und Heimkino-Urgestein JBL bringt mit der Stage-2-Serie nach längerer Zeit wieder eine Lautsprecher-Baureihe im bezahlbaren Preissegment auf den Markt. Die durfte sich unsere Test-Finger natürlich nicht entgehen lassen.
Wer sich die Homepage von JBL anschaut, kommt zunächst einmal nicht auf die Idee, dass der amerikanische Traditionshersteller noch Heimkino-Lautsprecher in seinem Programm hat: Es wimmelt hier von Bluetooth-Boxen, Kopfhörern aller Couleur und jede Menge Aktionen für das junge Publikum. Erst wenn man zum Punkt „Home Audio“ navigiert und sich weiterklickt, entdeckt man in einer Palette von Lautsprecher-Serien auch die neue „Stage 2“-Baureihe – fast, als wollte JBL sie verstecken.
Das verwundert, ist es doch gerade die Lautsprechertechnik, die die Wurzeln des Unternehmens und eine Kernkompetenz darstellen. Unter Studio-Betreibern und Konzertveranstaltern hat JBL noch immer einen hervorragenden Ruf, wie auch bei vielen Fans ausgewachsener Heimkinos. Die HDI- und Studio-Serien erfreuen sich da einiger Beliebtheit. Corporate-Marketing geht manchmal seltsame Wege.
Um auch Heimkino-Fans mit kleinem Geldbeutel bedienen zu können, brachte der Hersteller vor einigen Monaten die Studio-2-Baureihe auf den Markt. In der von uns getesteten Atmos-Variante (5.1.2) schlägt das Set mit 3.400 Euro zu Buche. Bei den Gehäusen bescheiden sich die Amerikaner mit simplen, mit Holzdekor-Folie bezogenen mitteldichten Holzfaserplatten (MDF) in zwei Versionen: Die helle nennt JBL „Latte“ und bringt weiße Frontplatten mit, die dunkle Variante heißt „Espresso“ (offenbar waren die Namensgeber Kaffee-Fans) und hat schwarze Fronten. Hier wie dort stehen sie als Designelement etwas über.
Die Technik
Als Tieftöner setzt JBL bei den gut einen Meter hohen Frontlautsprechern Stage 260F, dem Center Stage 245F, den Surrounds Stage 250B und den Atmos-Boxen Stage 220H jeweils Tieftöner mit einer Zellulosemembran und markanten ringförmigen Prägungen ein – das soll offenbar an die legendären Studiomonitore erinnern, die Treiber mit ähnlicher Optik verbaut hatten. Die beiden Basstreiber der Frontboxen weisen einen Durchmesser von 16,5 Zentimeter auf und werden unterschiedlich angesteuert: Der untere bekommt nur Basssignale, der obere arbeitet bis 1,7 Kilohertz und übergibt dort an den Hochtöner. Die Standboxen haben jeweils eine Sockelplatte im Lieferumfang, die dafür sorgt, dass die gerade mal 30 Zentimeter breiten Boxen bei unsachgemäßer Behandlung, beispielsweise durch spielende Kinder, nicht gleich umkippen. Zum Unterbinden von Vibrationen versah der Hersteller die Sockelplatten zudem mit vier stabilen gummigedämpften Füßen, die auch gegen Spikes ausgetauscht werden können. Anschlussseitig weisen die Stage 260F eine weitere Besonderheit auf, bieten sie an ihrem Terminal doch nicht nur für sich selbst Anschluss, sondern auch für auf die Oberseite gestellte Atmos-Boxen. Deren Kabel finden auf der Rückseite oben Kontakt, wo passende Buchsen unter einer Gummiklappe versteckt warten.


Ein gutes Beispiel für eine solche Frequenzweiche ist die für den Center der Stage-2-Serie: Nur im Hochtonzweig setzt JBL hier einen verzerrungsarmen Folienkondensator ein, parallel zu den Tieftönern sind preiswertere Elkos geschaltet. An dieser Stelle spielt deren höherer Klirr keine große Rolle. Bei den Serienspulen für den Tieftönerzweig muss ein anderer Kompromiss eingegangen werden: Hier gilt es, die Wicklungszahl gering und den Drahtquerschnitt hoch zu halten, was meist nur mithilfe eines Metallkerns erzielt werden kann. Der erhöht zwar die Induktivität, kommt aber, wenn er zu klein ist, schnell in die Sättigung, was wieder die Verzerrungen verstärkt.
Das eingesetzte Kernmaterial spielt ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hier hört die Arbeit der Entwickler lange nicht auf, auch die Positionierung und Befestigung der Bauteile auf der Platine will bedacht sein, wie etliche andere Faktoren. Lautsprecher-Entwicklung ist und bleibt also Spezialisten-Arbeit.

Beim Center mit seinen vier 11,5-Zentimeter-Treibern gibt es eine ähnliche Arbeitsteilung wie bei den Frontboxen: Die beiden äußeren Chassis sind ausschließlich für den Frequenzkeller zuständig, während die beiden inneren breitbandig bis zum Hochtöner übertragen. Bei den Surrounds übernimmt ein 13-Zentimeter-Chassis die Tieftonarbeit, es übergibt bei 1,6 Kilohertz an den Hochtöner. Alle drei Typen arbeiten als Bassreflex-Konstruktion und tragen die dazu nötige Öffnung auf der Rückseite. Im Gegensatz dazu sind die Atmos-Boxen geschlossen und so angeschrägt, dass sie nach vorn zur Decke abstrahlen, wenn sie auf den Frontlautsprechern positioniert werden. Ihr Tieftöner durchmisst wie die des Centers 11,5 Zentimeter.
Beim bereits mehrfach erwähnten Hochtöner greift JBL jeweils auf das gleiche Chassis zurück, nämlich eine 25-Millimeter-Kalotte aus eloxiertem Aluminium, die in einem rechteckigen Hornvorsatz untergebracht ist. Hier sorgt zwar keine Druckkammer für eine dramatische Erhöhung des Wirkungsgrades wie bei einem echten Horntreiber, aber immerhin sorgt ein überarbeiteter Waveguide für eine gleichmäßige Raumabstrahlung des Mittelhochtonbereichs.
Der Subwoofer Stage 220P komplettiert das Heimkino-Set und fällt trotz seines 30-Zentimeter-Treibers recht kompakt aus. Seine Rückseite zieren zum einen zwei Bassreflexrohre, zum anderen das eher spartanische Anschluss- und Bedienfeld. Pegel und Tiefpass-Trennfrequenz lassen sich stufenlos regeln, die Phase dagegen nur schalten. Der Sub empfängt Signale ausschließlich über seinen LFE-Eingang, Möglichkeiten zur Raumanpassung bringt er ebenfalls nicht mit.
Tonqualität Surround
Trotz nicht sonderlich üppiger 250 Watt Verstärkerleistung überrascht der JBL-Subwoofer im Messlabor mit knackigen 104,5 Dezibel Maximalpegel. 35 Hertz untere Grenzfrequenz sind hingegen nicht rekordverdächtig, aber im Heimkino meist ausreichend. Die Frequenzgänge weisen nur unwesentliche Unregelmäßigkeiten auf, zudem reichen die Frequenzgänge der Frontboxen erstaunlich tief in den Basskeller. Das Rundstrahlverhalten des Centers zeigt kräftige Einbrüche bis etwa 2 Kilohertz. Ab da verläuft es gleichmäßig, ein klares Zeichen für die hervorragende Arbeit des HDR-Waveguides von JBL.

Vom ersten Ton an überzeugt das Set im Hörraum mit einem dynamischen, homogenen Klangbild, das sehr selbstverständlich und unangestrengt klingt. Egal, ob bei „Terminator – die Erlösung“ der Tankwagen mit Schmackes explodiert oder in „Ratatouille“ Ratte Remy glucksend durch die Pariser Abwasserrohre paddelt, das amerikanische Set überzeugt stets mit einer souveränen und dynamischen Spielweise. Selbst bei deftigen Pegeln mochte das Set nicht klein beigeben und fing erst spät an zu komprimieren – Hut ab!
Mehrkanal-Musik macht ebenfalls großen Spaß mit dieser JBL-Kombo, sie überzeugt bei „They Can´t Take that Away From Me“ von Jane Moneit und John Pizarelli mit sauberer, unverfärbter Stimmwiedergabe und stellt die Jazzband plastisch und präzise in den Raum. Soll es etwas rockiger sein, darf „Toto – Live At Montreux 1991“ in den Player wandern und gleich bei „Rosanna“ mit Dynamik, knackigem Bass und hoher Musikalität viel Freude bereiten. Dass dabei einige Details auf der Strecke bleiben, stört nicht weiter, angesichts der homogenen Spielweise und des überschaubaren Preises ist das verschmerzbar. Auch die Atmos-Boxen verrichten ihre Arbeit zufriedenstellend, sie lassen beispielsweise bei „Transformers: Age of Extinction“ die Trümmer recht glaubhaft von der Decke regnen, von vorn ist so gut wie nichts von ihnen zu vernehmen.
Tonqualität Stereo
Trotz ihrer vergleichsweise kleinen Tieftonchassis stellen die Stage 260F im Stereo-Betrieb einen erwachsenen und sauberen Bass in den Raum, was in dieser Betriebsart eine Subwoofer-Unterstützung überflüssig werden lässt. Auch bei Zweikanal-Versorgung liefern die JBLs ein ansprechend dynamisches, homogenes Klangbild, das sowohl mit knackigem Rock á la John Illsleys „Railway Tracks“ als auch bei sanfteren Klängen wie Michael Ruffs „Speaking in Melodies“ hervorragend zurechtkommt und dabei Stimmen und Instrumente mit bewundernswerter Leichtigkeit und punktgenau in den Raum stellt.

Der Testbericht JBL Stage 2 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 3.400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Das Stage-2-Set von JBL legt einen gelungenen Auftritt in unserem Mess-Labor hin: Eine gute Verarbeitung und ein angenehmer Klang sorgen für ein sehr gutes Testergebnis – und das zu einen verhältnismäßig günstigen Preis.
Michael Nothnagel

