Denon DHT-S516H (Test)

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Denon hat derzeit 3 Soundbars im Programm. Die DHT-S516H bildet die Mitte und ist mit 700 Euro auch preislich im Mittelfeld angesiedelt. Zum Paket gehört ein externer Subwoofer, der dem vergleichsweise zierlichen
Tonbalken zu Klang weit jenseits von Mittelmaß verhelfen soll. Ob das klappt?

Soundbars verkaufen sich wie warme Semmeln, für 2019 erwartet die Gesellschaft für Unterhaltungselektronik erstmals über 1 Million verkaufte Exemplare in Deutschland – eine Steigerung von knapp 15 Prozent gegenüber 2018. Kein Wunder, dass hier jeder Hersteller mit Audio-Expertise ein Stück vom Kuchen abhaben möchte.

Der 31 x 17 x 33 Zentimeter große und 6,6 Kilo schwere Sub kommuniziert per Funk mit der Soundbar.

Denon ist dieses Jahr mit zwei neuen Klang­riegeln am Start, der DHT-S716H für 900 Euro sowie der kleineren und hier getesteten DHT-S516H für 700 Euro; seit gut einem Jahr gibt es zudem die 280 Euro günstige Einsteiger-Bar DHT-S316. Für die aufgerufenen 700 Euro erhält der Käufer aber nicht nur eine Soundbar, sondern bekommt auch einen, mit 17 x 31 x 33 Zentimeter nicht übermäßig großen Subwoofer. Auch der Riegel selbst kommt mit seinen 101,8 x 7,3 x 10,4 Zentimetern (BxHxT) vergleichsweise zierlich daher, was klanglich zu tonalen Verfärbungen im Grundton führen kann; zudem könnte ein Frequenzloch zwischen Bar und Subwoofer entstehen. Die Frontabdeckungen beider Geräte lassen sich mit etwas Geschick (und Kraft) abnehmen, dahinter verbergen sich bei der S516H auf jeder Seite ein Hochtöner sowie ein ovales Mittelton-Chassis. Der 6,6 Kilo schwere Woofer wurde mit zwei Chassis von rund 12,5 Zentimetern Durchmesser bestückt, die durch ein Bassreflex-Rohr auf der Rückseite unterstützt werden. Im Duo ergibt das ein 2.1-Kanalsystem. Eine Erweiterung mit Surround-Boxen zu einem 4.1-Set ist nicht möglich, bei der größeren Schwester S716H hingegen schon.

Decoder & Klangprogramme

3D-Sound mit Atmos und DTS:X ist demnach nicht vorgesehen, entsprechend fehlen auch die relevanten Decoder. Doch auch unkomprimierter HD-Ton gehört nicht zum Repertoire der Bar, an Bord sind Dolby Digital, Dolby Digital Plus und DTS.

Links und rechts im Gehäuse sorgen je ein Hoch- sowie ein Mitteltöner für guten Ton.

Der durchwegs frontale Einbau der Chassis verrät, dass bei der Konstruktion Surround-Sound nicht im Vordergrund stand. Um der Bar trotzdem räumlichen Sound zu entlocken, setzt der Klang­riegel wie mittlerweile fast alle Vertreter seiner Zunft auf DSP-Power, die mit psycho-akustischen Klangkniffen Sound räumlicher schallen lassen sollen. Zur Auswahl stehen die Programme „Music“ und „Movie“, einen neutralen Standard-Modus gibt es hingegen nicht. Der „Night Mode“ lässt sich auf beide Klangprogramme anwenden, er senkt Bässe ab und hebt Dialoge an, um Mitbewohner nicht zu stören. Ebenfalls zuschaltbar ist Denons Dialog Enhancer, der Stimmen besser hörbar macht. Für das individuelle Klangtuning stehen Regler für Bass und Höhen bereit. Zudem darf man den Lautstärkepegel des Subwoofer-Kanals separat einstellen. Auf eine Einmess-Automatik verzichtet die Denon-Bar.

Ausstattung & Praxis

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Plastikgehäuses: Zu einem HDMI-Eingang gesellt sich ein HDMI-Ausgang samt Audio-Return-Channel (ARC) für Ton, der vom TV angeliefert wird; die aktuelle eARC-Variante für HD-Ton ist nicht an Bord, wird aufgrund fehlender HD-Ton-Decoder aber auch nicht benötigt. Alle HDMI-Terminals schleifen 4K/60p-Signale durch und beherrschen HDCP 2.2 und HDR10, aber nicht Dolby Vision; Letzteres gibt es nur bei der S716H. Alternativ kann via Toslink und Koax zugespielt werden, analog über 3,5-mm-Klinke. Gestreamt wird über WLAN oder Ethernet von einem NAS oder PC aus.

Viel Zubehör: Denon legt der Soundbar nicht nur ein HDMI- und optisches Kabel bei, es gibt auch Leiter für Klinke und Netzwerk sowie einen Infrarot-Sender, der IR-Signale zum Fernseher „überbrückt“, sofern die Soundbar den IR-Empfänger des TVs verdecken sollte.

Auch darf man einen USB-Stick bzw. eine Festplatte mit Musikdateien direkt an die Bar stöpseln, unterstützt werden auch Hi-Res-Dateien in den Formaten FLAC, WAV, ALAC und DSD. Drahtlos gelangt Musik per Bluetooth (A2DP) und AirPlay in den Riegel. Über die HEOS-App stehen zudem kostenpflichtige Musikdienste wie Amazon Music, Deezer, Napster und Spotify sowie das freie Webradio TuneIn bereit.

Schon beim Auspacken fiel uns auf, dass eine Fernbedienung fehlt. Dachten wir zuerst, der Geber unseres Testmusters würde noch in der Denon-Zentrale liegen, so brachte ein Blick ins Handbuch die Klärung: Eine Fernbedienung gehört nicht zum Lieferumfang. Damit ist der Nutzer auf die HEOS-App (für iOS und Android) angewiesen, denn auch an der Bar selbst gibt es bis auf eine Lautstärkeregelung keine weiteren Bedientasten.

Nur über die HEOS-App gelangt man zu Funktionen wie der Eingangswahl, den Klangprogrammen oder dem Equalizer.

Die Installation der Bar via HEOS-App lief zwar über einen Umweg, aber ohne Probleme ab. Da unser Netzwerk nach einem Passwort verlangte, musste die Bar zuerst physisch mittels beigelegtem Audio-Kabel mit unserem iPad (Kopfhörer-Buchse) verbunden werden. Nach Passworteingabe klappte schließlich die Kommunikation. Die HEOS-App geleitet den Nutzer zielsicher durch die Erstinstallation. Praktisch: Bei HDMI-Verbindung darf man die Lautstärke der Bar über die TV-Fernbedienung regeln.
Neben dem Zugriff auf die Klangprogramme und den Equalizer bietet die App auch 7 Musikdienste sowie zahlreiche Multiroom-und Streaming-Funktionen.

Im Verbund mit einem Amazon- oder Google-Lautsprecher kann die Bar mit den Sprachdiensten Alexa und Google Assistant kommunizieren. Eine klassische Fernbedienung gehört leider nicht zum Lieferumfang. Ein Onscreen-Menü oder Display gibt es auch nicht, an der Bar selbst informieren farbige Lichter über den Betriebszustand.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite: Zu einem HDMI-Eingang samt ARC gesellen sich ein HDMI-Ausgang sowie eine Koax- und Toslink-Buchse. Analog geht es via 3,5-mm-Klinke in die Bar. Fürs Streaming sind Ethernet und WLAN (2,4 GHz, 5 GHz) dabei. Ein USB-Port rundet die Konnektivität ab.

Tonqualität

Im Hörtest spielte der zierliche Balken überraschend erwachsen, auch dank des Woofers, der trotz seines geringen Volumens ordentlich Druck machte. Natürlich reicht der kompakte Brüllwürfel nicht abgrundtief in der Basskeller, trotzdem lieferte er souverän das nötige Fundament für explosive Filmabende.

Barocke Musik dröselte der Riegel sauber auf und verschluckte keine Instrumente, die räumlich jedoch recht nahe beieinander saßen. Mit Dokumentationen war Sprache bei frontaler Sitzposition sehr gut verständlich, aus stark seitlichen Hörwinkeln klang der Riegel hingegen weniger neutral und dumpfer. Der dreistufige „Dialog Enhancer“ machte seinem Namen alle Ehre, allerdings litten darunter Neutralität und Räumlichkeit des Sounds. Dank seiner angenehmen Abstimmung blieben Härten dem Klang auch bei lauten Pegeln fern, die der Riegel zu stemmen vermag. Die „Night“-Funktion kappte zuverlässig Bässe und Dynamikspitzen fürs Leisehören.

Bei Dolby-Atmos-Trailern tönte es vorne groß und dreidimensional mit gut 3 Metern Breite. Effekte hatten Körper und spielten realistisch, auch der „Powerful Bass“ im „Amaze“-Clip drang mit beachtlicher Wucht aus dem kleinen Gehäuse. In Sachen Surround-Sound muss man hingegen Abstriche machen, hier gab es seitlich des Hörplatzes kaum etwas zu hören. Dank der großen, luftigen Klangbühne vorne fällt dieses Manko aber weniger stark ins Gewicht, als man glauben könnte.

Dank ihrer luftigen und großen Klangbühne sowie ausgewogenen Abstimmung lässt sich Stereo-Musik besonders gut auf der S516H hören. Der Subwoofer lieferte auch hier druckvolle Beats, die Soundbars ohne externen Basswürfel in der Regel vermissen lassen.

Der Testbericht Denon DHT-S516H (Gesamtwertung: 68, Preis/UVP: 700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2020 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

72 gut

Denons DHT-S516H klingt dank Subwoofer erwachsener, als es der zierliche Riegel vermuten lässt. Mit HEOS ist die Bar beim Streaming top, ein Wermutstropfen ist die fehlende Fernbedienung.
Andreas Oswald

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