In Hollywood kommen regelmäßig zwei Studios zur gleichen Zeit auf die gleiche Idee. Fast jedes Jahr lassen sich filmische Doppelgänger ausmachen, die bekanntesten dürften die Kometenkatastrophen "Armageddon" und "Deep Impact" bzw. die Vulkanausbrüche "Dante’s Peak" und "Volcano" sein. In beiden Fällen setzten sich die bekannteren Protagonisten – Bruce Willis und Pierce Brosnan – an der Kinokasse durch.
Bei den zeitgleich produzierten Schneewittchen-Filmen hingegen zog Julia Roberts gegen Kristen Stewart den Kürzeren. "Spieglein Spieglein" kam auf ein weltweites Einspiel von 162 Millionen, "Snow White & the Huntsman" spielte mit 394 Millionen Dollar mehr als das Doppelte ein. Zu Recht, denn es ist der bessere Film (Test in der nächsten audiovision). Für einen verregneten Sonntagnachmittag taugt "Spieglein Spieglein" aber allemal.
Für Märchen-Unkundige hier die Story der zumindest opulent bebilderten Neuinterpretation des Grimmschen Klassikers. Lange galt die böse Königin (Julia Roberts) als die Schönste im Land. Doch eines Tages verkündet der Zauberspiegel, dass ihre gerade 18 gewordene Stieftochter Schneewittchen (Lily Collins, Tochter von Sänger Phil) tausendmal schöner ist. Kurzerhand verbannt die böse Königin Schneewittchen in den Wald.
Im Gegensatz zur Bild- und Tonqualität enttäuschen die Extras. In "Ein Blick durch den Spiegel" (12:58) schwärmen Cast und Crew meist nur von Regisseur Tarsem Singh. "Ich glaube ich kann tanzen" (11:02) erklärt dem Zuschauer die Choreografie der finalen Musical-Nummer. Das animierte Märchenbuch, das den Film auf 28 Seiten nacherzählt, ist nett, wurde aber leider nur deutsch untertitelt.
Fazit: Die Neuinterpretation des Grimmschen Märchenklassikers ist optisch beeindruckend (ganz ohne 3D), doch vermögen die Darsteller nur bedingt die Story mit Leben zu füllen. Hier wäre mehr drin gewesen.
Bild: Schärfe und Detailzeichnung des 1,85:1-Transfers sind ausgezeichnet und formen zusammen mit sattem Schwarz und differenzierten Graustufen ein plastisches Seherlebnis. Bei den Farben setzte Regisseur Tarsem Singh auf kräftige Braun-, Gold- und Bronzetöne, die das Bild fast wie ein Gemälde aussehen lassen. Julia Roberts Prachtkleider leuchten in kräftigem Gelb und Rot. Hautfarben wirken aber oft etwas unnatürlich. Bisweilen zeigen CGI-Aufnahmen leichte Banding-Effekte (15:11).
Ton: Der pompöse Filmscore spielt wunderbar transparent, voluminös, dynamisch und plastisch. Auch Umgebungsgeräusche überzeugen mit Natürlichkeit und Räumlichkeit. Effekte wie bei einem Gewitter (33:23) oder den Angriffen des Waldungeheuers rumpeln mit viel Bass, starker Dynamik und guter Präzision im Heimkino.
Extras: "Ein Blick durch den Spiegel" (12:58), entfallene Szenen (6:18), "Ich glaube, ich kann tanzen" (11:02), "Prinz und Hündchen" (1:59), Spieglein Spieglein – Märchenbuch (6:19), Kinotrailer.
| Die Wertung | |
| Film | 4 von 6 Punkten |
| Bildqualität | 5 von 6 Punkten |
| Tonqualität | 5 von 6 Punkten |
| Bonusmaterial | 2 von 6 Punkten |
| Die technischen Daten | |
| Anbieter | Studiocanal |
| Originaltitel | Mirror Mirror |
| Laufzeit | 106 Minuten |
| FSK | ab 0 Jahren |
| Bildformat | 1,85:1 (1080/24p) |
| Ton Deutsch | DTS-HD Master Audio 5.1 |
| Ton Englisch | DTS-HD Master Audio 5.1 |
| BD-Live | nein |