Eine Studie der globalen Managementberatung Oliver Wyman, einem Unternehmen von Marsh, und der Branchenorganisation GFU Consumer & Home Electronics zeigt: Gesundheitstechnologien sind im Alltag von Verbrauchern angekommen und nehmen in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung zu. 90 Prozent der weltweit Befragten besitzen laut der Erhebung „Health Tech in Bloom? From Wellbeing to Longevity“ mindestens ein Gerät, das die persönliche Gesundheit unterstützt. Mehr als jeder vierte Befragte hat sogar fünf oder mehr Health-Tech-Geräte. Am stärksten verbreitet sind Wearables, allen voran Smartwatches. Ebenfalls sehr beliebt sind intelligente Waagen, Fitnessarmbänder und Blutdruck-Messgeräte. In China wird solche Gesundheitstechnik am häufigsten genutzt: Sieben von zehn Personen (70 Prozent) besitzen fünf oder mehr Geräte. In Deutschland ist dies bei einem Drittel (33 Prozent) der Fall. Für die Studie wurden rund 4.000 Personen in sechs Ländern – neben Deutschland und China auch in Brasilien, Indien, Südkorea und den USA – befragt. In Deutschland nahmen rund 1.000 Personen an der repräsentativen Umfrage teil.
In Deutschland und Brasilien gaben überdurchschnittlich viele Menschen an, gestresst zu sein (72 Prozent). Deutlich niedriger liegt der empfundene Stresspegel in China (55 Prozent) und den USA (56 Prozent). Den Kauf eines neuen Health-Tech-Gerätes binnen eines Jahres plant die überwiegende Mehrheit in China (95 Prozent) und Indien (91 Prozent). In Deutschland (58 Prozent) und den USA (55 Prozent) sind es noch etwas mehr als die Hälfte. Zudem planen drei Viertel der weltweit Befragten, mindestens ein Gerät innerhalb der nächsten zwölf Monate zu ersetzen.
Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 lagen die Ausgaben für persönliche Gesundheitsziele pro Person in den betrachteten Ländern bei im Schnitt 400 Euro jährlich. Ein Viertel der Ausgaben entfällt auf Health-Tech-Geräte, darüber hinaus stehen auch Apps, Abos für Fitnessstudios, Nahrungsergänzungsmittel oder Spa-Behandlungen hoch im Kurs – medizinische Operationen und Behandlungen wurden nicht abgefragt. Die Ausgabenmuster für den Health-Tech-Bereich weisen auf einen stabilen und wachsenden Markt hin. Dies zeigt, dass das Segment einen wichtigen Baustein in einem bereits bestehenden und wachsenden Ökosystem darstellt und nicht als kurzfristiger Trend zu werten ist.
Bei den Pro-Kopf-Ausgaben liegt Deutschland mit 390 Euro an zweiter Position, dicht gefolgt von den USA (360 Euro) und Brasilien (330 Euro), aber deutlich hinter China (600 Euro). Durch ein Abo etwa für persönliche Gesundheitstipps oder umfassende Datenanalyse ergänzen vor allem Befragte in China und Indien (55 beziehungsweise 54 Prozent) einen Gerätekauf und führen damit den Abo-Trend an. Deutschland liegt hier im Mittelfeld (24 Prozent). Etwa die Hälfte der Verbraucher in den internationalen Schlüsselmärkten (49 Prozent) gaben an, ihre Ausgaben für persönliche Gesundheit aufstocken zu wollen. Indien erweist sich dabei mit 73 Prozent als Wachstumsmarkt.
Nach der Motivation für einen Health-Tech-Einsatz gefragt, gibt mehr als die Hälfte (55 Prozent) der weltweit Befragten an, ihre Gesundheit im Blick zu behalten, sich gut und gesund zu fühlen und ein langes und gesundes Leben führen zu wollen, was den aktuellen Longevity-Trend widerspiegelt. Beim Blick auf die einzelnen Länder sind deutliche Unterschiede zu beobachten. Besonders ausgeprägt ist der Longevity-Aspekt in den USA und China – das zweitwichtigste Ziel nach der Optimierung der eigenen Leistungsfähigkeit. In Deutschland und in Südkorea geht es den Befragten vor allem darum, sich gut und gesund zu fühlen. In Indien dagegen ist das Hauptanliegen, sich vor Umwelteinflüssen zu schützen, während in Brasilien und China das Augenmerk besonders darauf liegt, die eigene Gesundheit zu erhalten.
„Health-Tech ist weltweit ein fester Bestandteil des Alltags der Menschen. In den kommenden Jahren wird die Bedeutung dieser Geräte noch weiter zunehmen. Die Konsumenten zeigen sich zunehmend aufgeschlossen für weitere Angebote der Anbieter und planen künftig höhere Investitionen. Dabei ist die Nutzerfreundlichkeit von Geräten und Anwendungen immer wichtiger und damit zum Kaufkriterium. Eine Herausforderung ergibt sich insbesondere für jene, die parallel verschiedene Health-Tech-Geräte im Einsatz haben.“
Carine Chardon
Geschäftsführerin der GFU Consumer & Home Electronics
„Die Hersteller von Health-Tech-Produkten übernehmen eine wichtige Rolle dabei, das in der Studie festgestellte weltweit hohe Stresslevel zu senken. Ergänzende Abomodelle können durch personalisierte Analysen und Empfehlungen dazu beitragen, die ohnehin steigende Zahlungsbereitschaft noch einmal zu erhöhen und Kunden zu binden. Grundsätzlich gilt es für die Branche zu beachten, dass sich die individuellen Gründe für den Gerätekauf in den einzelnen Ländern unterscheiden. Für den Markterfolg ist damit auch eine zielgerichtete Ansprache entscheidend.“
Martin Schulte
Partner und globaler Leiter des Bereiches Consumer Durables bei Oliver Wyman
