Polk Audio Signature-Set (Test)

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Mit einer für Europa angepassten Neuauflage der Signature-Serie drängt der US-Hersteller Polk
Audio auf den deutschen Markt.

Amerikanische Boxenbauer tun sich erfahrungsgemäß schwer, europäische Kunden zu verstehen bzw. richtig einzuschätzen. Hörgeschmack und Gewohnheiten sind insbesondere in Deutschland oft konträr zu denen jenseits des Atlantiks. Das gilt auch für die optische Gestaltung, so bevorzugen hiesige Kunden eine zurückhaltendere, in der Regel sachlichere Optik als amerikanische.

Diesbezüglich waren die Möglichkeiten von Polk bei der hauseigenen Signature-Serie (Test in 11-2017) beschränkt, die für den europäischen Markt angepasst wurde und deshalb den Zusatz „E“ in der Bezeichnung erhielt. Man beließ es aber bei einer behutsamen Überarbeitung und stimmte die Serie akustisch auf den europäischen Geschmack neu ab, wobei ein renommierter deutscher Entwickler, dessen Name leider geheim bleiben soll, Hilfestellung leistete.

Technik

So waren wir auf das Signature E-Set durchaus gespannt, als es die Redaktion erreichte. Als Frontlautsprecher dienten zwei S55e, die mit zwei 16-Zentimeter-Tieftönern durchaus ansprechende und voluminöse Basswiedergabe erwarten lassen.

Nur wenige Bedien­elemente bringt der Polk-Sub mit. Immerhin besitzt er einen 12-Volt-Gleichspannungseingang zur Ferneinschaltung für Raumsteuerungssysteme.

Deren Membranen bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen, die mit Mica, also mineralischem Glimmer, versetzt sind. Der soll für eine erhöhte Steifigkeit der Membran und somit geringere Anfälligkeit für Resonanzen sorgen. Vierlagige Schwingspulen und Sicken aus langzeitstabilem Butylgummi unterstreichen den Qualitätsanspruch, den Polk an seine Chassis stellt. Ihnen lassen die Entwickler – wie übrigens allen Boxen des Sets – Bassreflexunterstützung nach Art des Hauses zukommen, nämlich über die sogenannte Power Port-Technik. Dafür montiert der Hersteller vor dem Rohr einen gekrümmten Kegel mit dessen Spitze genau in der Mitte der Öffnung. Der durch die Krümmung erst langsam, dann immer schneller zunehmende Durchmesser des Kegels sorgt zum einen dafür, dass etwaige Turbulenzen mehr und mehr gebremst werden, zum anderen für eine Umlenkung des Luftstroms um 90 Grad. Im Fall des S55e ist die Bassreflexöffnung im Gehäuseboden untergebracht, die Luft wird also aus der Senkrechten sanft in die Waagerechte umgelenkt. Auf diese Weise sollen laut Polk die gerade bei großen Pegeln üblichen Turbulenz-Geräusche herkömmlicher Bassreflexrohre deutlich vermindert und die unverzerrte Tiefton-Wiedergabe um drei Dezibel erhöht werden. Zur Realisierung des Power Ports ist ein speziell auf den jeweiligen Boxentyp zugeschnittenes Plastikteil nötig. Bei den S55e und beim Subwoofer HTS12 ist es am Boden angebracht, beim Center S35e und den Surrounds S15e an der Rückseite.

Die vom Hersteller Power Port genannte Bassreflexvariante macht durch einen mittig in der Öffnung angebrachten gekrümmten Kegel auf sich aufmerksam (hier der des Subwoofers).

Ab 2,5 Kilohertz übernimmt die 25-Millimeter-Hochtonkalotte die Schallabstrahlung. Ihre Membran besteht aus Terylene, einem Kunststoff, der nicht sonderlich steif ist, dafür aber eine hohe innere Dämpfung aufweist und so störende Resonanzen vermeidet. Laut Hersteller soll er bessere Eigenschaften aufweisen als das von vielen anderen verwendete Seiden-Gewebe. Die Membran soll bis 40 Kilohertz übertragen, was Messungen aus unserem Labor durchaus bestätigen konnten. Hochauflösende Aufnahmen mit Frequenzanteilen jenseits der 20 Kilohertz können sie also durchaus wiedergeben.

Der Center S35e kann mit insgesamt 6 Bass-chassis – jeweils 7,5 Zentimeter durchmessend –  aufwarten, je 3 links und rechts neben dem mittig angeordneten Hochtöner. Die Surrounds sind konventionelle Zweiweg-Regalboxen mit einem 13er-Chassis als Tieftöner.

Recht stämmig ist der mit einem 30-Zentimeter-Treiber ausgerüstete Subwoofer HTS12. Er bietet neben den per einstellbarem Tiefpass gefilterten Stereo-Eingängen auch eine LFE-Buchse, bei der die Filterung vom AV-Receiver übernommen wird. Die eingebaute Schaltendstufe leistet 200 Watt.

Tonqualität Surround

Das reicht dann für einen Maximalpegel von 106 Dezibel bei einer unteren Grenzfrequenz von 31 Hertz – damit muss er sich keinesfalls verstecken.

Das haben die anderen Boxen auch nicht nötig, ihre Frequenzgänge weisen nur eine minimale Senke im Mitteltonbereich auf und verlaufen sonst ohne gröbere Unregelmäßigkeiten. Der Center erfreut mit sehr ordentlichem Rundstrahlverhalten ohne größere Einbrüche im Mitteltonbereich. Er sorgt auch auf Plätzen abseits der Mitte für gute Sprachverständlichkeit. Das ist auch im Hörtest eine der positiven Eigenschaften des Sets, aber bei Weitem nicht die einzige: Es spielt sehr angenehm und niemals nervig. Zudem vermag es Emotionen glaubwürdig umzusetzen und kann auch dynamisch überzeugen. „Listen Up!“ von Omar Hakim beispielsweise gibt es knackig, basskräftig und mit glaubwürdiger Räumlichkeit wieder. Faszinierend auch, wie es die Live-Atmosphäre des Toto-Konzerts auf dem Jazz-Festival in Montreux 1991 einfängt und sich auch von Rock-Lautstärken nicht beeindrucken lässt.

Weit über den menschlichen Hörbereich, der bei jungen Menschen bis 20 Kilohertz reicht, strahlen die Hoch­töner der Signature E-Serie von Polk ab. Sie legen eine ganze Oktave drauf und arbeiten bis 40 Kilohertz. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, wozu das gut sein soll, wenn diese Signale niemand hört.

Der Polk-Hochtöner strahlt Frequenzen bis 40 Kilohertz problemlos ab.

Eine naheliegende Antwort ist: Schaffen die Hochtöner 40 Kilohertz, dann kommen sie bei 20 Kilohertz sicher bestens zurecht und produzieren wenig Verzerrungen. Auch der Schnelligkeit der Impulswiedergabe kommt diese Fähigkeit zugute. Derartige Hochtöner bieten einfach einen gewissen Sicherheitsspielraum.
Im Zeitalter von hochauflösendem Audio gibt es aber noch einen anderen Ansatz: Einige Akustik-Wissenschaftler vertreten die These, dass Menschen zwar einzelne Töne oberhalb von 20 Kilohertz nicht mehr wahrnehmen können, Obertöne von Klängen – und deren Abwesenheit – aber sehr wohl.
In diesem Punkt ist die Diskussion allerdings noch nicht abgeschlossen, denn die wissenschaftlichen Indizien für diese These sind noch rar gesät und nicht immer eindeutig. Auch weisen Kritiker nicht zu Unrecht darauf hin, dass es nur sehr wenige natürliche Klänge – geschweige denn Musik­instrumente – gibt, deren Klangspektrum nennenswerte Anteile oberhalb von 20 Kilohertz enthält. Hier ist wohl noch einiges Forschen notwendig.

Der Subwoofer macht seine Sache richtig gut: Der Abschleppwagen aus „Terminator – die Erlösung“ donnert kräftig über die Straße und macht den Robotern mit Schmackes den Garaus. Der Flugroboter unter der Brücke meldet sich auch an den Magenwänden mit Nachdruck, ebenso wie die zahlreichen Explosionen. Sicher gibt es Lautsprecher-Sets, die mehr Details herausarbeiten und auch dynamisch mehr bieten. Das Gesamtkonzept der Polk-Kombi – angenehmes Klangbild, prima Räumlichkeit, satter Bass – ist aber gelungen.

Tonqualität Stereo

Auch im Stereobetrieb können die S55e überzeugen, gerne auch ohne Subwoofer, den sie hier nicht wirklich benötigen. Der Bass kommt straff und kräftig. Auch eine wandnahe Aufstellung bläht ihn nicht ungebührlich auf. Verfärbungen konnten wir nicht vernehmen, Bonnie Raitts Stimme in „Nick of Time“ wirkt natürlich, mit Charakter und fest umrissen, die Instrumente spielen glaubwürdig an ihrer Seite.        

                

Der Testbericht Polk Audio Signature-Set (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 2150 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

81 sehr gut

Das Signature E-Set von Polk ist auch in Deutschland konkurrenzfähig. Das Gesamtpaket stimmt und macht lange Heimkino-Abende für überschaubares Geld zum Genuss.
Michael Nothnagel

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