LG 75SM9000 (Test)

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Immer wieder eine Freude: Die LG-Fernbedienung mit Gyrosensor dient auch als Mauszeiger. Sie liegt perfekt in der Hand und erlaubt ein optimales Handling. 

Direkte LED-Hintergrundbeleuchtung, dazu erstmals Apple AirPlay und HomeKit-Unterstützung: LG will beim 75SM9000PLA zeigen, dass sich der Konzern nicht nur auf das Thema OLED-TVs konzentriert.

Keine Frage, in den vergangenen Jahren hat LG seinen Schwerpunkt erfolgreich auf die OLED-Technik gelegt. Trotzdem: Kampflos wollen die Koreaner das Segment mit hochwertigen LCD-Fernsehern nicht der Konkurrenz überlassen. Beim neuen, 3.000 Euro teuren 75SM9000PLA mit NanoCell-Technologie verspricht LG Bildoptimierungen wie einen größeren Blickwinkel und eine präzisere Reproduktion von Farben. Zum Einsatz kommt keine Edge-, sondern eine höherwertige Full-Array-LED-Hintergrundbeleuchtung. Diese gleichmäßig über das Panel verteilten Dimming-Zonen minimieren Lichtlecks und sorgen in der Regel für eine präzisere Ausleuchtung und satteres Schwarz. LG setzt zur Verbesserung der Farbreinheit sogenannte Nano-partikel ein.

Diese sollen durch die Absorption überflüssiger und unerwünschter Wellenlängen unreine Farben verfeinern und so für die Darstellung kräftigerer Farben sorgen. Der 75-Zöller wird auf einem geschwungenen Metallfuß montiert. Die Rückwand besteht aus leichtem Blech. Bauartbedingt kann der 75SM9000PLA mit superdünnen OLED-Fernsehern nicht konkurrieren. Das Panel kommt auf eine Tiefe von knapp 7 Zentimeter. Für die Wandmontage wird die VESA-Norm 600 x 400 unterstützt. Ein 2.2-Soundsystem mit 40 Watt, das dank Dolby Atmos eine räumliche Wiedergabe ermöglicht, zeichnet für den Ton verantwortlich.

Fuß im Halbkreis: Zur Montage muss der 75-Zöller hingelegt werden. Die Unterseite des Ständers ist stellenweise gummiert, damit sie auch auf empfindlichen Oberflächen keine Kratzer hinterlässt.

Ausstattung & Praxis

Die Ausstattung des 75-Zoll-Boliden ist exzellent. Alle drei TV-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 sind doppelt verbaut, um beim Aufnehmen einer Sendung auf eine USB-Platte gleichzeitig ein anderes Programm schauen zu können. Als Sprachassistenten stehen sowohl Google Assistant als auch Amazon Alexa parat. Das jüngste Software-Update hat dafür gesorgt, dass der LG zu Apple AirPlay 2 kompatibel ist.

Übersichtlich: Doppeltuner thronen an der Rückseite, links lässt sich in den „CI+“-Slot ein Modul für Bezahlfernsehen einstecken.

Nach Samsung hat auch LG ab sofort AirPlay 2 in seine Fernseher integriert. Der Dienst ist auf allen 2019er-TV-Modellen mit künstlicher Intelligenz und Alpha-Prozessoren der zweiten Generation verfügbar. AirPlay 2 erlaubt es, Inhalte von einem iPhone, iPad oder Mac direkt über den Fernseher wiederzugeben. Dazu gehören auch Dolby-Vision-Inhalte. Ebenso lassen sich Filme und Serien aus der Apple-TV-App oder anderen Video-Apps abspielen sowie Fotos direkt auf dem Fernseher betrachten. Apple Podcasts, Apple Music, Tracks aus der Bibliothek und auch Streaming-Dienste können sowohl über den 75SM9000 als auch über andere AirPlay 2-kompatible Lautsprecher abgespielt werden. Im Gegensatz zu den neuen Samsung-Fernsehern hat LG die Apple-TV-App nicht auf dem Apparat installiert.

AirPlay an Bord: Ist der LG mit dem Internet verbunden – drahtlos oder per WLAN – kann die AirPlay-Funktion sofort genutzt werden.

Eine spezielle Einrichtung, um AirPlay 2 nutzen zu können, ist nicht erforderlich. Im Haus-Dashboard taucht das AirPlay-Symbol auf. Flat-TV und Zuspieler wie iPad oder iPhone müssen lediglich in dasselbe Netzwerk eingebunden sein.

Und Action: Musik, Filme aus iTunes oder Fotos, die auf dem iPhone oder iPad schlummern, kann man jetzt per Fingertipp ganz bequem auf den großen TV-Bildschirm transportieren.

Startet man auf dem Mobil­gerät die entsprechende Anwendung und tippt auf das AirPlay-Symbol, so wird der Fernseher von LG automatisch gefunden. Ein Tipp genügt, und schon haben sich die beiden Geräte gekoppelt.

Code beim ersten Mal: In den Einstellungen legt man bei Bedarf fest, dass der Fernseher nur bei der ersten AirPlay-Kopplung einen Code anfordert.

Außerdem wird ab sofort HomeKit, Apples Smart-Home-System, unterstützt. Der 75SM9000PLA lässt sich zur Home-App hinzufügen, über die grundlegende TV-Funktionen wie An- und Ausschalten, Lautstärke oder Signalquelle gesteuert werden können. Zusammen mit anderen -Accessoires kann der Fernseher zudem in HomeKit-Szenen oder -Automationen eingebunden werden.

App-Einrichtung: Um die Gratis-App „LG TV Plus“ nutzen zu können, muss man einmalig auf dem Mobilgerät die vom Fernseher angezeigte achtstellige Zahlenkolonne eintippen.

Als bewährte Benutzeroberfläche ist webOS 4.5 installiert. Die Kacheln mit Apps, Quellen, dem leistungsstarken Mediaplayer oder der Bilder-galerie lassen sich flexibel hinzufügen oder entfernen, der Bedienkomfort ist hoch. Das neue Haus-Dashboard informiert auf einen Blick über alle verfügbaren Geräte – seien es per Bluetooth gekoppelte Smartphones, über HDMI angeschlossene Blu-ray-Player, USB-Festplatten oder Medienserver.

Multitasking: Wer sich zwischen Mobilgerät und Fernseher nicht entscheiden will, kann die Smartphone-Oberfläche ins Live-TV-Bild einblenden und beide Bildschirme verfolgen.

 

Im Gegensatz zu den in dieser Größe mehr als doppelt so teureren OLEDs werkelt im 75-Zöller nicht LGs Alpha9-Prozessor der zweiten Generation, sondern der kleinere Alpha7-Prozessor der zweiten Generation. Entsprechend ist das Arbeitstempo etwas geringer, insgesamt stimmt aber die Performance. Über ein ausstehendes Software-Update werden Bildwiederholraten in UHD-Auflösung von bis zu 120 Bildern pro Sekunde (fps) auch per HDMI-Standard 2.1 möglich sein.

WebOS 4.5: Auf dieser Oberfläche hat man jederzeit alles im Blick – Apps, Anschlüsse und die Anwendungen, die man sich in die Kachel-Leiste einblenden lässt.

Künstliche Intelligenz spielt beim 75SM9000 ebenfalls eine Rolle. Über den Deep-Learning-Algorithmus analysiert der Prozessor die Bewegtbilder und optimiert Schärfe, Details, Klarheit und Helligkeit durch die Anpassung an Millionen von erlernten Inhalten. Wie gut das gelingt, klären wir im Bildcheck.

Sender aus dem Netz: Ob Sport, Politik, Talk oder Nachrichten – „LG Channels“ fischt Dutzende TV-Sender aus dem Netz und macht sie frei zugänglich.

Film-, Serien- und Sportfans dürfen sich über das umfangreiche App-Angebot freuen. Unter anderem sind die Anwendungen von DAZN, Max-dome, Diveo, YouTube, Google Play Filme, meinVOD, MySpass, Sky Ticket, Videociety, Videoload, Zattoo und YouTube Kids abrufbar. Netflix, RakutenTV und Amazon Prime Video liefern UHD-Futter und sind über eigene Tasten auf der ergonomischen Fernbedienung erreichbar, die als Mauszeiger frei in der Luft verwendet werden kann. Das Spiele-Portfolio ist ebenfalls groß, wer auf Musik-Streaming steht, muss sich mit Deezer und Spotify begnügen.

Bild- und Tonqualität

Positive Überraschung: Der LG ist erstaunlich hell. Im Modus „Lebhaft“ knackt er die 1.000-Candela-Marke, 997 Candela sind es in Spitzlichtern im Set-up „technicolor Experte“, 950 im minimal besser voreingestellten „Kino“-Modus. Auf 626 Candela kommt der 75-Zöller dann bei 50-prozentigem Weißanteil, einen komplett weißen Himmel stellt er mit 480 Candela dar. Die Farbtemperatur „Warm 2“ liegt mit 6.637 Candela nicht weit von der optimalen Vorgabe entfernt. Zu den unterstützten HDR-Standards zählen HLG, Dolby Vision und HDR10.

Streaming ganz simpel: Ob Fotos, Musik oder auch Videos – alle Mediadateien lassen sich vom Smartphone oder Tablet auf den 75-Zöller transportieren.

Von der Schwarzdarstellung des LG sind wir überaus angetan. Wir agieren hier freilich nicht auf OLED-Niveau, aber für einen LCD kann das Gerät überzeugen. Filmbalken sind sehr dunkel und gleichmäßig ausgeleuchtet, nur bei seitlicher Betrachtung hellen sie auf. Der Schwarzwert sollte auf „Niedrig“ stehen. Bei hellen Einblendungen, etwa bei weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund, offenbart der Apparat dezente Lichthöfe. Zudem erkennt das geschulte Auge bei speziellen bildschirmfüllenden Grautönen dezente vertikale Balken. Ansonsten leistet die direkte Hintergrundbeleuchtung gute Arbeit. Bei SDR-Material empfehlen wir den Bildmodus „isf Experte (Dunkler Raum)“, bei einer Blu-ray wie „Deutschland von oben“ ist auch der Bildmodus „HDR-Effekt“ eine Alternative, die die Farben aufpeppt und den Kontrast deutlich erhöht.

Fast perfekt: Lediglich bei Grün und Gelb reizt der LG das DCI-P3-Spektrum für HDR-Darstellungen nicht komplett aus, die anderen Farben sind stimmig.

Ob „Al-Bild“ eingeschaltet ist oder nicht – so soll die optimale Auflösung des Inhalts von einem Algorithmus eingestellt werden – spielt keine Rolle. Die Unterschiede muss man – wenn überhaupt – mit der Lupe suchen. Besonders geschmeidige Bewegungen gelingen mit „TruMotion“ auf „Flüssig“. Auch bei Fußball fasziniert der LG durch seine hohe Detail-auflösung und die gute Plastizität. Der „Sport“-Modus überdreht es farblich, „Lebhaft“ eignet sich für die „Sportschau“ im Freien, ansonsten fährt man mit „Standard“ am besten. Das gilt auch für Talkshows, Nachrichten und Spielfilme, in denen der LG mit satten Farben und feinster Auflösung begeistert. An seine Grenzen stößt der Prozessor lediglich bei TV-Material in SD-Auflösung: Hier mangelt es trotz künstlicher Intelligenz an Schärfe und Tiefe. Die Blickwinkelstabilität ist ordentlich – erst ab etwa 40 Grad jenseits der Mittelachse nimmt die Bildqualität spürbar ab, Farben beginnen zu verblassen.

Mehr als solide: Das Farbsetup im SDR-Bereich ist minimal unpräziser als bei den OLEDs von LG, im TV-Alltag gefällt jedoch die sehr natürliche Abstimmung.

Lob erntet der XXL-Fernseher für seine klare Sprachverständlichkeit. „Al-Ton“ erzeugt eine ordentliche virtuelle 5.1-Sound-Kulisse, ohne jedoch den Zuschauer akustisch überzeugend zu umhüllen. Musik fehlt es an Dynamik und Wärme, die Bässe sind überschaubar. Dolby-Atmos-Titel arbeiten Effekte mit guter Plastizität heraus. 

Der Testbericht LG 75SM9000 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 3000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

83 sehr gut

LG kann auch LCD: Der 75SM9000PLA liefert ein harmonisches Bild mit kräftigen Farben, gutem Schwarz und hoher Helligkeit. Zum hohen Bedien­komfort tragen Apple AirPlay 2, Amazon Alexa und Google Assistant bei. Ein echtes Highlight im Segment der richtig großen LCD-Fernseher.
Jochen Wieloch

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