Heco Elementa Set (Test)

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Heco hat den Namen einer neuen Lautsprecher-Serie, nämlich „Elementa“, nicht von ungefähr gewählt: Das Wort „Element“ kommt aus dem Lateinischen und heißt in seiner ursprüng-lichen Bedeutung Grundbestandteil. Die neuen Lautsprecher sollen also die Grundlage für guten Klang sein, erklärtermaßen für Filmton und Musik. Eine weitere Bedeutungsebene ergibt sich aus Design und Aufbau der Schallwandler: Die sind nämlich eher konventionell gestaltet.

Technik

Konventionell sollte man beim Elementa-Set aber keinesfalls mit mittelmäßig gleichsetzen, denn zum einen sind die Lautsprecher routiniert gefertigt und hochwertig verarbeitet. Nicht zuletzt durch die makellose Schleiflack-Lackierung und die fehlerfreie Kantenverarbeitung sind die Boxen eine Augenweide.

Um modern zu wirken, benutzt die Hifi-Branche oft englische Begriffe, um technische Features zu beschreiben. Ein solcher ist das Bi-Wiring, den man recht einfach (wenn auch etwas länger) als Zweifach-Verkabelung übersetzen kann. Es werden also statt einem zwei Lautsprecher-Kabel vom Verstärker zur Box geführt.

Mit Herausnahme der Brücken lassen sich bei einem Bi-Wiring-Anschlussterminal Bass- und Mittel-Hochtonbereich eines Lautsprechers getrennt ansteuern.

Dem liegt die Theorie zugrunde, dass der Gesamtklang sich verbessert, wenn die feinen, detailreichen Ströme der mittleren und hohen Frequenzen sich das Kabel nicht mit den großen Strömen für den Bass teilen müssen. Ein physikalischer Effekt, der für eine solche Kabeltrennung sprechen würde, ist allerdings nicht bekannt. Sprich, aus technischer Sicht ist es dem Signal egal, ob es über ein oder zwei Kabel geleitet wird, hohe Ströme niedriger Frequenz haben keinen messbaren Effekt auf kleinere Ströme des Mittel- und Hochtonbereichs. Trotzdem sind die speziellen Lautsprecher-Anschlussterminals, die für Bi-Wiring nötig sind, nicht ganz nutzlos: Weitaus effektiver lässt sich der Klang von Lautsprechern mit dem sogenannten Bi-Amping (Anschluss zweier Verstärker) verbessern. Denn dann müssen sich zwei komplett getrennte Verstärker jeweils ausschließlich um den Bassbereich sowie um den Mittel-Hochtonbereich kümmern, haben also eine einfachere Last zu bewältigen. Dies ist aber selbstredend mit einem erheblich höheren – auch finanziellen – Aufwand verbunden. Wer diesen scheut, kann es ja mal mit dem Bi-Wiring versuchen. Dem Klang schaden wird es sicherlich nicht.

Die Entwickler versahen alle Tief- und Mitteltonchassis mit Membranen aus sogenanntem Kraftpapier, einem Material, das aus Holzfasern mit Hilfe des sogenannten Sulfat-Verfahrens hergestellt wird und neben einer erhöhten Steifigkeit eine besonders gute innere Dämpfung aufweisen soll. So lassen sich störende Membranresonanzen wirkungsvoll reduzieren. Die Chassis sind außerdem mit einem Aluminium-Druckgusskorb ausgerüstet, dessen Streben strömungsoptimiert sind und deshalb dem Schall von der Membran-Rückseite kaum Widerstand entgegenbringen. Ihr Antrieb ist per Klippel-Messystem auf symmetrische, lineare und damit verzerrungsarme Arbeit optimiert. Weniger ein Technik- denn ein Design-Feature sind die Anschlussflansche der Chassis, die aus diamantgeschliffenem Aluminium bestehen. Je drei dieser Chassis mit Durchmessern von 17 Zentimetern integrierte Heco in die Front-Standlautsprecher Elementa 700. Eines davon ist oben auf der Front angebracht und arbeitet als reiner Mitteltöner zwischen 280 Hertz und 3,2 Kilohertz. Es hat ein eigenes, komplett geschlossenes Gehäuseabteil. Die beiden anderen 17er sind unterhalb des Hochtöners montiert und arbeiten gemeinsam auf ein Bassreflex-Gehäuse, dessen Öffnungen auf der Gehäuserückseite zu finden sind.

Auch der Anschlussflansch des zwischen Mittel- und Tieftönern angeordneten Hochtöners, einer 28-Millimeter-Kalotte, sind aus geschliffenem Alu gefertigt. Sie weisen eine flache Schallführung auf, die die Winkelabstrahlung hoher Frequenzen verbessern soll. Das in den Luftspalt applizierte Ferrofluoid sorgt durch die bessere Wärmeleitung von der Schwingspule zum Magneten für eine erhöhte Belastbarkeit des Chassis. Zudem sorgt es für eine Dämpfung der Grundresonanz und erleichtert somit der Frequenzweiche die Arbeit.

Die Surroundboxen Elementa 300 weisen die gleiche Chassis-Bestückung auf, besitzen allerdings nur je einen der 17-Zentimeter-Tieftöner. Die beiden Tiefmitteltöner des Elementa Center 30 sind mit 13 Zentimetern eine Nummer kleiner, der mittig montierte Hochöner ist aber der gleiche.

Per „Bass Extension“-Regler lässt sich beim Heco-Sub der Tiefbass bei etwa 40 Hertz um bis zu 6 Dezibel anheben.

Die beiden Chassis des Subwoofers Elementa Sub 3830A sind etwas unüblich zu beiden Seiten des Gehäuses untergebracht. So konnte die Front vergleichsweise schmal gehalten werden. Das wäre mit dem 30-Zentimeter-Chassis oder gar der 38-Zentimeter-Passivmembran nicht möglich. Als Antrieb dient eine 275-Watt-Digital-Endstufe, die Einstellmöglichkeiten umfassen Pegel, Trennfrequenz und Phase sowie eine „Bass Extension“ genannte Tiefbass-Anhebung bei 40 Hertz, die einen Regelbereich von sechs Dezibel umfasst.

Tonqualität Surround

Wirklich nötig ist das nicht, wie der mit der unteren Grenzfrequenz von 34 Hertz brauchbare Tiefgang dokumentiert. Auch der maximale Pegel von 105 Dezibel lässt den Sub 308A nicht als Kind von Traurigkeit dastehen.

Mit geringer Welligkeit und ausgeglichen verlaufen die Frequenzgänge von Front-, Center- und Surroundboxen. Alle drei weisen allerdings einen sanften Anstieg bei ganz hohen Frequenzen auf, der bei etwa 8 Kilohertz beginnt und bei 20 Kilohertz etwa 3 Dezibel mehr Pegel zeigt.

Im Test präsentiert sich das Heco-Set angenehm luftig und verfärbungsarm, ohne störende Bevorzugung oder Vernachlässigung einzelner Frequenzbereiche. Allenfalls klingt beispielsweise „Listen Up“ von Omar Hakim einen Tick seidiger und luftiger als gewohnt, was mit Sicherheit auf den leichten Höhenanstieg zwischen 8 und 20 Kilohertz zurückzuführen ist. Das stört aber keineswegs, sondern ist dem Genuss sogar förderlich, was zugegebener-maßen Geschmackssache ist. Die Dynamiksprünge in diesem spieltechnisch herausfordernden Stück gehen die Hecos ansatzlos mit und bringen beispielsweise Snare- und Beckenschläge temperamentvoll und impulsiv.

Der Subwoofer integriert sich sauber in den Gesamtklang. Er macht allenfalls mit knochentrockenem Nachdruck auf sich aufmerksam, den die Elementa 700 allein so nicht zu Gehör bringen. Mit augenzwinkernder Spielfreude beweist er das beispielsweise bei der Hubschrauberverfolgungsjagd aus „Sahara“, bei der die Explosionen die Magenwände zum Beben bringen.

Stimmen machen ebenfalls viel Spaß, wie Jane Monheit zusammen mit John Pizarelli an der Gitarre bei „They Can´t Take that Away From Me“ unter Beweis stellt, die Sängerin steht fest umrissen im Raum und performt mit den gewohnten Klangfarben. Wenn da und dort ein bisschen zu viel Wärme im Spiel ist, tut das dem Musikgenuss kaum Abbruch.

Tonqualität Stereo

Völlig problemlos kommen die beiden Elementa 700 im Stereo-Betrieb auch ohne Subwoofer-Unterstützung klar – kein Wunder bei vier 18-Zentimeter-Chassis, deren Gesamtfläche fast die eines 38-Zentimeter-Boliden erreicht. Bassdrums kommen jedenfalls knackig und wuchtig, Kontrabass majestätisch und klar. Da fehlt den Testern erst mal nichts. Der Mittel-Hochtoncharakter ist wie gehabt natürlich und luftig. Stimmen wie die von Bonnie Raitt bei ihrem „Nick Of Time“ stehen stabil im Raum, die Instrumente gruppieren sich in Breite und Tiefe gestaffelt um sie herum. So macht auch stundenlanges Musikhören Spaß.

Der Testbericht Heco Elementa Set (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 4150 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

84 sehr gut

Das Elementa-Set von Heco kann nicht nur mit den elementaren Lautsprecher-Tugenden – also neutralem, sauberem Klang und präziser, dreidimensionaler Räumlichkeit – aufwarten. Es glänzt auch mit hervorragender Verarbeitung und schicker, wenig aufdringlicher Optik.
Michael Nothnagel

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