Sony PlayStation 4 Pro (Test)

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„Die stärkste Konsole der Welt“ – so preist Sony die neue PS4 Pro auf seiner Webseite an. Für Spiele mag das zutreffen (siehe Kasten „Die Spiele: mehr Leistung, bessere Grafik“), für Filme aber nicht. Denn im Gegensatz zu Microsofts Xbox One S (Test in audiovision 10-2016) spielt die PS4 Pro keine Ultra-HD-Blu-ray-Scheiben ab. 4K-Inhalte kommen lediglich per Stream in Form von Amazon Video und Netflix auf den Schirm. Dazu schleppt sie einige Altlasten des Vormodells mit sich rum.

Ausstattung & Technik

playstation4pro_proconVor exakt drei Jahren stand die PS4 auf unserem Prüfstand (Ausgabe 1-2014) und war zum Marktstart mehr schlecht als recht für den multimedialen Einsatz gerüstet. So fehlten ein Medien-Player und Netzwerk-Funktionen genauso wie die CD-Unterstützung, Foto-Wiedergabe oder das 4K-Upscaling – an natives UHD war damals noch gar nicht zu denken. All das resultierte in mageren 61 Punkten und einem denkbar knappen „befriedigend“.

Die PS4 Pro steht auf Anhieb deutlich besser da: UHD-Videotechnik mit HDCP 2.2 und HDR, Streaming in UHD-Auflösung, 4K-Upscaling, ein Medien-Player sowie eine 1-Terabyte-Festplatte gehören jetzt zur Grundausstattung. CDs verweigert das Slot-in-Laufwerk aber noch immer. Dass die Pro-Konsole keine UHD-Blu-rays abspielt, dürfte Heimkino-Enthusiasten allerdings noch mehr verärgern. Über die Gründe kann man nur spekulieren, was wir uns an dieser Stelle aber verkneifen.

Das Hauptmenü wirkt aufgrund der verschachtelten Kacheln unübersichtlich.

Das Hauptmenü wirkt aufgrund der verschachtelten Kacheln unübersichtlich.

In Sachen Konnektivität verfügt die PS4 Pro über drei USB-3.1-Ports, die nicht nur den dazugehörigen Controller, sondern jetzt auch externe Festplatten und USB-Stifte erkennen; allerdings nur im FAT32-Format. Neben LAN-Anschluss samt DLNA gelingt das Datei-Streaming auch über WLAN (2,4 oder 5 GHz) sowie Bluetooth. Ton gibt die Konsole unter anderem über die Toslink-Buchse aus. Der HDMI-Ausgang versteht sich auf Bitstream-Formate und reicht HD-Ton samt Dolby Atmos und DTS:X an den Receiver oder die Soundbar weiter; auf Wunsch wandelt die PS4 Pro Ton nach PCM.

Beim Video-Streaming via Apps werden als Neuerungen die 4K-Auflösung sowie HDR unterstützt, abhängig vom Angebot aber erst nach künftigen Firmware-Updates. Amazon Video, Netflix und Maxdome gehören ebenso zu den zahlreichen Apps wie YouTube und Dailymotion. Dazu gesellt sich natürlich Sonys Playstation Store.

Nur mit dem Nötigsten bestückt: Zu einem HDMI-Ausgang gesellen sich drei (zwei davon vorne) USB-3.1-Schnittstellen sowie Buchsen für Digitalton (Toslink), Ethernet und ein AUX-Port. WLAN und Bluetooth sind integriert.

Nur mit dem Nötigsten bestückt: Zu einem HDMI-Ausgang gesellen sich drei (zwei davon vorne) USB-3.1-Schnittstellen sowie Buchsen für Digitalton (Toslink), Ethernet und ein AUX-Port. WLAN und Bluetooth sind integriert.

Praxis & Bedienung

Die Steuerung der PS4 Pro über den beiliegenden Controller bedarf etwas Eingewöhnung, klappt mit der Zeit aber halbwegs ordentlich. Alternativ kann die Bedienung auch über Sonys Playstation-App via Smartphone oder Tablet erfolgen. Eine PS4-Fernbedienung hat Sony nur in den USA auf den Markt gebracht. Der Multimedia-Geber der PS3 lässt sich leider nicht verwenden. Im Test stellte unser Panasonic-Fernseher über die „Viera Link“-Funktion ebenfalls Kontakt zur Konsole her, die sich in Folge mit der TV-Fernbedienung steuern ließ – sehr praktisch. Hierfür muss man bei der PS4 Pro die „HDMI-Geräteverbindung“ aktivieren. Das Info-menü verrät bei Disc-Wiedergabe nur wenig, darunter den Videocodec und das Tonformat. Im Gegensatz zur Playstation 3 schweigt sie sich aber über Datenraten und Bildauflösung aus.

Über das gut versteckte Optionsmenü kann man das Audio-Ausgabeformat bestimmen.

Über das gut versteckte Optionsmenü kann man das Audio-Ausgabeformat bestimmen.

YouTube-Videos flimmern mit bis zu 4K-Auflösung und nativer Bildwechselfrequenz über den Bildschirm.

YouTube-Videos flimmern mit bis zu 4K-Auflösung und nativer Bildwechselfrequenz über den Bildschirm.

Das Laufwerk agiert recht leise, Einlese- und Positionierungsgeräusche sind aber deutlich hörbar. Der Lüfter macht in erster Linie beim Zocken durch lautes Rotieren auf sich aufmerksam. 2D- und 3D-Blu-rays liest das Slot-in-Laufwerk in 30 Sekunden ein, bei Discs mit komplexen Java-Menüs kann es schon mal bis zu einer Minute dauern. Der via App installierbare Medien-Player ist bei der Akzeptanz von Foto-, Audio-, und Videoformaten recht wählerisch, den aktuellen HEVC-Videocodec (H.265) verweigert er ebenso wie das gute, alte WAV-Format.

Zwar macht die PS4 Pro auch als Multimedia-Zentrale eine gute Figur, ihre Stärken liegen aber eindeutig im Spielebereich. Im Vergleich zur Standard- und Slim-Variante wurde die CPU von 1,6 auf 2,1 GHz hochgetaktet, beim Grafikprozessor kommen 36 statt 18 Com­pute Units mit 911-MHz-Taktfrequenz zum Einsatz. Dazu steht 1 GB zusätzlicher DRAM zur Verfügung.

Das Mehr an Leistung sorgt in der Regel für reduziertes Kantenflimmern, eine stabilere Bildrate und eine insgesamt feinere Auflösung. Auch Zocker mit einem Full-HD-Fernseher profitieren von der gesteigerten Rechen­leistung. Voraussetzung für die Wieder­gabe mit 4K-Auflösung und HDR ist, dass das jeweilige Spiel entsprechend optimiert wurde. Zum Testzeitpunkt (Ende November 2016) unterstützten knapp 50 Titel die neuen Funktionen, meist nach einem kostenlosen Update.

Die Entwickler entscheiden selbst, wie sie die System-Ressourcen nutzen: Während „Uncharted 4“ sowohl 4K als auch HDR bietet, setzt „FIFA 17“ nur auf die höhere Auflösung. Auch ältere Spiele (u.a. „Mittelerde: Mordors Schatten“, „InFamous: Second Son“) und einige Download-Titel wurden aktualisiert. 2017 sollen alle neuen Spiele von Sony (u.a. „Horizon: Zero Dawn“, „Days Gone“) Pro-Unterstützung bieten.

Native UHD-Auflösung gibt die PS4 Pro in der Regel nicht aus, stattdessen kommt ein Upscaling-Verfahren namens „Checkerboard“ zum Einsatz. Grundsätzlich liefert die PS4 Pro am 4K-TV ein sichtbar besseres Bild als im Full-HD-Betrieb. Der HDR-Effekt hängt dagegen sehr von der Leuchtkraft des Displays ab, entsprechend potente Flatscreens sorgen dann ebenfalls für einen Zugewinn an Bildqualität.

Ausführlichere Informationen über die Spiele-Performance der PS4 Pro erfahren Sie auch in unserem Schwestermagazin M!Games und auf www.maniac.de.

Noch hübscher: Das optisch eh schon imposante „Uncharted 4“ legt auf der PS4 Pro durch 4K-Auflösung und HDR-Einsatz an grafischer Qualität zu.

Noch hübscher: Das optisch eh schon imposante „Uncharted 4“ legt auf der PS4 Pro durch 4K-Auflösung und HDR-Einsatz an grafischer Qualität zu.

Bildqualität Blu-ray und DVD

Die Blu-ray-Wiedergabe ist makellos, die Konsole zeichnet selbst ultraschwarze wie ultraweiße Bereiche durch und bringt feinste Details sauber auf den Bildschirm. Im Menü kann man für die RGB-Farbübertragung den Wertebereich des HDMI-Signals (Automatisch, Begrenzt, Voll) wählen; auch Deep Color, HDR und die HDCP-Ausgabe lassen sich manuell aktivieren. Die PS4 Pro rechnet Bilder stets auf die eingestellte Ausgabeauflösung hoch, zur Wahl stehen 720p, 1080i, 1080p sowie 2160p (YUV420 oder RGB); die Option „Automatisch“ passt die Auflösung der des Fernsehers selbstständig an. Die 4K-Vollbildwandlung von Interlaced-Bildern (576i) auf DVD gelingt der Konsole nicht immer flimmerfrei, wie unser Testklassiker „Sechs Tage, sieben Nächte“ einmal mehr vor Augen führte. Blu-rays skalierte die PS4 Pro dagegen einwandfrei auf 4K.

YouTube-Videos spielt die Konsole in 4K und mit nativer Bildwechselfrequenz ab, aber ohne HDR. Die Amazon-App verweigert neben HDR außer-dem die 4K-Auflösung – ein Firmware-Update soll das beheben. Auf einen Video-Equalizer zur manuellen Bild-Justage verzichtet Sony nach wie vor, was etliche Punkte kostet. Auf Audio-seite sind Klangregler gleichfalls Fehlanzeige, die Dynamik-Reduktion greift nur bei PCM-Tonausgabe. ao/sg

sony-ps4pro-seitlich

playstation4pro_wertung

Der Testbericht Sony PlayStation 4 Pro (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

73 gut

Sieht man vom fehlenden UHD-Blu-ray-Laufwerk ab, macht Sonys PS4 Pro auch im Heimkino eine gute Figur. Künftige Updates dürften das 4K-Streaming inklusive HDR verbessern. Auch eine breitere Dateiformat-Unterstützung wäre wünschenswert.

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