Pioneer SC-LX59 (Test)

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Die Namensnähe des SC-LX 59 zum Flaggschiff SC-LX 89 (Test in audiovision 1-2016) kommt nicht von ungefähr: Wie dieser bringt der 1.700 Euro teure Bolide neun Endstufen-Kanäle, Dolby Atmos, DTS:X (das Firmware-Update soll bis Ende April erscheinen) sowie ein 11.2-Kanalprocessing mit.

Ausstattung und Technik

Pioneer_SC-LX59_pcIm Vergleich zum Flaggschiff muss der SC-LX59 auf einen Plattenspieler-Eingang verzichten. Trotzdem kann sich niemand über einen Mangel an Anschlüssen beschweren: Immerhin bringt er Buchsen für 11 Lautsprecher und sogar 13 Vorverstärker-Ausgänge mit. Dank 8 HDCP-2.2-fähigen HDMI-Eingängen ist er auch für große Anlagen ausreichend bestückt. Von seinen 3 HDMI-Ausgängen lässt sich einer sogar für die „HD-Zone“ genannte Nebenzone verwenden. Daneben gibt es noch zwei weitere Zonen, von denen eine neben den Audio-Cinchausgängen einen FBAS-Videoausgang mitbringt. Zudem lassen sich allen drei Zonen Lautsprecher-Ausgänge und Endstufen zuordnen – natürlich unter Verzicht auf die entsprechende Anzahl an Kanälen in der Hauptzone.

Die fluoreszierend beschichteten Tasten der Pioneer-Fernbedienung sind teilweise zu klein geraten. Ihre Anordnung hingegen macht Sinn.

Die fluoreszierend beschichteten Tasten der Pioneer-Fernbedienung sind teilweise zu klein geraten. Ihre Anordnung hingegen macht Sinn.

Die Endstufentechnik legt Pioneer seit Längerem als Schaltverstärker aus, die einen erheblich besseren Wirkungsgrad aufweist als herkömmliche Linear-Leistungsstufen. Damit fällt es natürlich leichter, viele Hochleistungs-Endstufen auf engstem Raum unterzubringen, weil diese Technik weniger Abwärme produziert. Pioneer setzt dafür spezielle FET-Transistoren ein, die ohne Anschlussbeinchen direkt auf die Platine gelötet werden und so ihre Wärme besonders gut entsorgen können.

Als Einmess-System bringt der SC-LX 59 das bewährte MCACC Pro mit. Die Justage von Pegeln und Verzögerungszeiten erledigte das System im Test sehr genau. Darüber hinaus kann die Automatik auch die Frequenzgänge aller Lautsprecher optimieren und Raumresonanzen durch passende Filter besänftigen. Ein Alleinstellungsmerkmal hat Pioneer mit seiner „Full Band Phase Control“, die etwaige Gruppenlaufzeitfehler der angeschlossenen Lautsprecher analysiert und korrigiert. Nur im Bassbereich, da aber sehr effektiv, wirkt die „Phase Control +“, die prinzipielle Probleme beim Mastering des LFE-Kanals korrigiert (siehe Kasten Seite 46).

Die leider nicht immer ganz verzögerungsfrei reagierenden Bedienmenüs des Pioneer sind auf den ersten Blick übersichtlich, aber aus unserer Sicht nicht immer logisch aufgebaut. Die Tasten der Fernbedienung sind fluoreszierend beschichtet und glimmen im Dunkeln. Sie sind nicht zu zahlreich und auch sinnvoll angeordnet, aller-dings für den ein oder anderen Zeitgenossen vermutlich etwas klein. Wer will, kann den Receiver über die kostenlos für iOS und Android angebotene App bedienen, die mit ihren übersichtlichen Menüseiten und der einfachen Bedienung überzeugt.

Video und Multimedia

Dank Apple Airplay, HTC connect und DLNA kann der Pioneer mit so gut wie allen Musikspendern im Netz kommunizieren und deren Daten in hörbare Töne umsetzen. Auch DSD-Dateien gibt er – wenn auch nur in Stereo – wieder. Und selbst über Blue-tooth nimmt er Kontakt mit Mobiltelefonen oder Tablets auf. Der Empfang von Internet-Radio ist dank vTuner-Software kein Problem. Mit Spotify ist auch der populärste Streaming-Dienst an Bord.

Sogar ein 4K-Video-Upscaling gaben die Entwickler dem SC-LX 59 mit auf den Weg. Zudem lassen sich etliche Bildparameter wie Ausgabe-Auflösung und Schwarzpegel einstellen.

Besonders üppig fällt die Ausgangs-Sektion des Pioneer aus: Er bietet insgesamt elf Lautsprechern Anschluss. Vorverstärker-Ausgänge sind sogar 13 vorhanden. Die beiden Antennen am oberen Rand sorgen für WLAN- und Bluetooth-Verbindungen. Alle HDMI-Anschlüsse sind dank HDCP 2.2 fit für Ultra-HD-Inhalte.

Besonders üppig fällt die Ausgangs-Sektion des Pioneer aus: Er bietet insgesamt elf Lautsprechern Anschluss. Vorverstärker-Ausgänge sind sogar 13 vorhanden. Die beiden Antennen am oberen Rand sorgen für WLAN- und Bluetooth-Verbindungen. Alle HDMI-Anschlüsse sind dank HDCP 2.2 fit für Ultra-HD-Inhalte.

Tonqualität Surround

Im Messlabor erwies sich der Pioneer als Kraftprotz: Mit 7 x 113 Watt an sechs Ohm steht er schon gut im Futter. Er steigerte sich zu niedrigeren Kanalzahlen kontinuierlich auf bis zu 228 Watt pro Kanal im Stereobetrieb. Damit bietet er sich für Lautsprecher-Sets mit geringerem Wirkungsgrad wie das NuVero-140-Set von Nubert geradezu an, das er mit genügend Leistung auch für satte Lautstärken versorgen kann.

Sorgen machen, dass es ihm dafür an Feinauflösung fehlt, muss man sich aber nicht: Denn der SC-LX59 trumpft mit einem homogenen, präzisen und trotzdem entspannten Klangbild auf. Es verbreitet nicht nur im ersten Eindruck Wohlgefühl, sondern weiß auch nach längerem Hören durch seinen auch bei höheren Pegeln geringen Stressfaktor zu gefallen. Schön wahrnehmen lässt sich das mit „Givin´ it up“ von George Benson und Al Jarreau (DTS), wo der Pioneer nicht nur die Klangfarben von Stimmen und Instrumenten mit Hingabe präsentiert, sondern auch die Emotionen in der Musik glaubhaft ins Heimkino transportiert. Geht es zu wie in der Abschleppwagenszene aus „Terminator: Die Erlösung“ (Dolby TrueHD), ist der SC-LX 59 erst recht in seinem Element. Er geht auch satte Pegel problemlos mit und schiebt die tiefen Töne mit Wucht und Präzision in den Hörraum.

Statt mit der Fernbedienung lässt sich der SC-LX 59 auch per Smartphone- und Tablet-App steuern.

Statt mit der Fernbedienung lässt sich der SC-LX 59 auch per Smartphone- und Tablet-App steuern.

Einmal mehr zeigte die Phasenkontroll-Technik dabei ihren Wert. War sie aktiv, wirkt manch anderer Receiver regelrecht schwachbrüstig – natürlich nur bei auf „Large“ gestellten Frontlautsprechern und deaktiviertem Subwoofer-Kanal. Denn der SC-LX 59 addiert die tiefen Frequenzen ohne Verluste durch laufzeitbedingte Kammfiltereffekte. Auch die über den gesamten Frequenzbereich wirksame „Fullband Phase“-Korrektur, deren Werte bei der Einmessung ermittelt wurden, funktionierte wieder prächtig und stabilisierte die räumliche Abbildung. Die Frequenzgang-Korrek-turen der Einmess-Automatik hielten sich dank des akustisch optimierten Hörraums sinnvollerweise in engen Grenzen und änderten den Klang nur subtil.

Das MCACC Pro-Einmess-System von Pioneer bietet mit der „Full Band Phase Control“ die Korrekturmöglichkeit von (fast immer vorhandenen) Gruppenlaufzeit-Fehlern bei Lautsprechern: Die Frequenzweichen in passiven Mehrwege-Boxen haben die Nebenwirkung, dass sie das Audiosignal abhängig von der Tonhöhe unter­schiedlich verzögern.

Im Extremfall erreicht den Hörer der tieffrequente Anteil eines Bassdrum-Kicks erst später als das knallige Anschlagsgeräusch – das Instrument klingt verwaschen und unpräzise. Die Schaltung wirkt dem entgegen, indem sie bei der Einmessung das zeitliche Eintreffen unterschiedlicher Frequenzen analysiert und anschließend mit Digitalfiltern die „schnelleren“ Frequenzanteile entsprechend verzögert. Das macht den Klang präziser und sorgt für eine stabilere räumliche Wiedergabe.

Mit „Auto Phase Control+“ sorgt der Pioneer zudem für die laufzeitkorrigierte Addition aller Bassanteile. Dies ist bei Anlagen ohne Subwoofer hilfreich, denn dort werden sämtliche Bassanteile auf die mit „Large“ eingestellten Boxen gelenkt. Der LFE wird technisch bedingt nämlich häufig mit einer gewissen Zeitverzögerung zu den Hauptsignalen aufgenommen. Wird er diesen wieder zugemischt, entstehen Kamm­filter-Effekte, die den Basspegel reduzieren. Die Pioneer-Schaltung überwacht die Laufzeit-Relationen von LFE und Hauptkanälen und gleicht sie einander an, so dass jederzeit eine optimale Basswiedergabe gewährleistet ist.

Die „Nachhall-Anzeige“ des MCACC-Einmess-Systems zeigt den Aufbau des Schallfeldes eines Kanals in Abhängigkeit von Zeit und Frequenz. An den auseinanderdriftenden Bündeln bzw. der Höhe eines Graphs (Y-Achse) erkennt man, dass die Frequenzen verschieden laut schallen.

Die „Nachhall-Anzeige“ des MCACC-Einmess-Systems zeigt den Aufbau des Schallfeldes eines Kanals in Abhängigkeit von Zeit und Frequenz. An den auseinanderdriftenden Bündeln bzw. der Höhe eines Graphs (Y-Achse) erkennt man, dass die Frequenzen verschieden laut schallen.

Tonqualität Stereo

Auch für Freunde von Stereo-Musik ist der Pioneer zu empfehlen: Adeles „Hello“ spielt er gefühlvoll und mit einer faszinierenden räumlichen Staffelung. Zudem beleuchtet er das Klanggeschehen so genau, dass die Kompression, die bei der Aufnahme des Stückes – wie heutzutage leider üblich – eingesetzt wurde, deutlich hörbar ist. Ganz anders hört sich die Sache bei der älteren Aufnahme „Tiden Bara Gar“ von Therese Juel an, hier stimmen auch die dynamischen Verhältnisse besser. Stimmen und Instrumente ertönen einfach natürlicher.       mino

Pioneer-SC-LX59-Front

Pioneer_SC-LX59_Wertung

AuVi_AWARD-Highlight

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Der Testbericht Pioneer SC-LX59 (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 1700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2016 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

91 sehr gut

Pioneers drittgrößter Receiver bietet viel Leistung, vielfältige Klangregler und einen kräftigen Sound – und ist im Gegensatz zum Vorgänger mit HDCP 2.2 und integriertem WLAN auf der Höhe der Zeit.

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