B & W CM S2-SET (Test)

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Wenn Hightech sich mit Musikalität vereint, kommt das Ergebnis oft aus England – von Bowers & Wilkins. Die runderneuerte CM S2-Serie stellt das unter Beweis.

Kaum ein Hersteller auf dem Weltmarkt geht das Thema Lautsprecher so intensiv und umfassend an wie Bowers & Wilkins aus Worthing an der englischen Kanalküste: Egal ob die akribische Entwicklung, der intensive Austausch mit den Tonstudios oder das am Puls der Zeit agierende Produktmanagement, überall spielen die Briten in der ersten Liga. Bei dieser schon über lange Jahre konsequent durchgehaltenen Firmenphilosophie ist es dann auch kein Wunder, dass das 1965 gegründete Unternehmen weltweit als eine der ersten Adressen in Sachen Lautsprecherbau gilt.

BuW-Gesamtset

Das CM S2-Set von Bowers & Wilkins bietet Hightech in klassischer und hochwertiger Verpackung. Front, Center und Surround sind in schwarzem und weißem Lack sowie in „Rosenut“-Furnier erhältlich, der Sub nur in Schwarz und Weiß.

Technik

Für die Tester von audiovision ist nicht zuletzt dies ein Grund, warum sie auf die Begutachtung eines Boxensets von B&W immer besonders gespannt sind. Da bekommen wir technische Finessen zu Gesicht, die auch für uns keineswegs alltäglich sind.

Zunächst geht der prüfende Blick quasi automatisch auf die Front der Standboxen CM8 S2: Aha, eine Dreiweg-Konstruktion mit dem berühmten sickenlosen Mitteltöner, den die Engländer schon seit vielen Lautsprecher-Generationen immer wieder überarbeitet und verfeinert haben. Die Wiedergabequalitäten dieses FST-Chassis sind mittler­weile legendär, seine aus Kevlar-Gewebe gefertigte Membran weist zwar ebenfalls Resonanzen auf, diese sind allerdings erheblich kontrollierter als bei anderen Bauweisen und Materialien. Ursprünglich stammt dieses Chassis übrigens aus den Top-Lautsprecherserien des Herstellers und wanderte per Technologie-Transfer mittlerweile sogar in merklich preiswertere Boxenserien.

Die Hochpass-Kondensatoren in den Frequenzweichen der CM S2-Serie sind hochwertige und teure Exemplare des deutschen Herstellers Mundorf.

Die Hochpass-Kondensatoren in den Frequenzweichen der CM S2-Serie sind hochwertige und teure Exemplare des deutschen Herstellers Mundorf.

Ähnliches gilt übrigens auch für den Hochtöner der CM-Serie: Nein, er besteht nicht aus Diamant, hat dafür aber eine Aluminium-Kalotte, deren Membran-Resonanz die Entwickler mit Hilfe eines Versteifungs-Ringes auf der Innenseite auf 38 kHz anheben konnten, was weit außerhalb des Hörbereichs liegt und daher keinen Einfluss auf den Klang hat. Von der Nautilus-Serie hingegen hat der Treiber das Rohr an seiner Rückseite, das den Schall, den die Kalotte ins Gehäuse hineinstrahlt, nahezu vollständig absorbieren soll.

Der Hochtöner der CM S2-Serie ist aufwändig gefertigt. Schall von der Rückseite seiner Kalottenmembran wird in ein sich verjüngendes Rohr geleitet und dort absorbiert.

Der Hochtöner der CM S2-Serie ist aufwändig gefertigt. Schall von der Rückseite seiner Kalottenmembran wird in ein sich verjüngendes Rohr geleitet und dort absorbiert.

Die Tieftöner sind dagegen eher konventionell aufgebaut: Die vom Center CM Centre S2 und von den Surrounds CM1 S2 besitzen Membranen aus Kevlar-Gewebe, weil sie bis in den Mitteltonbereich arbeiten müssen. Die Basschassis der CM8 S2 sind nur für den Tieftonbereich zuständig, ihre Schwingeinheiten als Sandwich aus Kevlar und Papier gefertigt.

Der 25-Zentimeter-Treiber des Subwoofers ASW 10CM S2 verfügt ebenfalls über eine solche Membran und wird von einer Endstufe mit 500 Watt angetrieben. Neben Einstellreglern für Pegel und Trennfrequenz kann er mit zwei Equalizer-Schaltern aufwarten, über die man seinen Klang an Aufstellung und Raumakustik anpassen kann.

Die Entwickler von Bowers & Wilkins setzen so wenig Frequenzweichen-Bauteile wie möglich ein, da ihrer Meinung nach jedes zusätzliche Element im Signalweg den Klang mindert. Deshalb verwenden die Engländer für die Ankopplung des Hochtöners Filter erster Ordnung, also Frequenzweichen mit nur einem Element. Die dabei auftretenden weiträumigen Überlappungen der Arbeitsbereiche von Mittel- und Hochtöner nehmen die Engländer dabei in Kauf, weil sie die dabei entstehenden Interferenzen – die größere Schwankungen im Frequenzgang mit sich bringen – für klanglich nicht so schädlich halten wie Beeinträchtigungen durch weitere Frequenzweichen-Bauteile. Die Abstimmung eines Lautsprechers wird dadurch aber nicht einfacher, denn es gilt, die unvermeidlichen Interferenzen so zu gestalten, dass sie sich über die unterschiedlichen Abstrahlwinkel so gegenseitig ausgleichen, dass die in den Raum abgestrahlte Gesamtenergie möglichst gleichmäßig über die Frequenz ist.

Sparsamkeit kann man den Entwicklern wegen ihrer puristischen Bauweise übrigens nicht vorwerfen: Sie verwenden für die Hochpässe in den Weichen der CM S2-Serie Kondensatoren von Mundorf aus der Evo SilberGoldÖl-Serie, von denen einer schnell einmal das Zwanzigfache kostet wie ein herkömmlicher Folienkondensator.

Tonqualität Surround

Mit seiner unteren Grenzfrequenz von 26 Hertz und dem Maximalschalldruck von 107 Dezibel machte der als geschlossene Konstruktion arbeitende Sub im Messlabor eine ausgezeichnete Figur. Etwas zickig gaben sich hingegen die Frontboxen CM8 S2, deren Frequenzgang im Mittel- und Hochtonbereich nicht unbeachtliche Schwankungen zeigte. Hier überlappen sich die Übertragungsbereiche von Mitteltöner und Hochtonkalotte, was zu Interferenzen und damit zu Anhebungen und Einbrüchen führt. Den Klang beeinträchtigt dies nicht unbedingt, weil sich diese Schwankungen über den gesamten Abstrahlwinkel ändern und sich häufig ausmitteln. Deutlich zahmer, wenn auch nicht vorbildlich linear, gaben sich Center und Surrounds. An allzu schwachbrüstige Verstärker sollte man das Set lieber nicht anschließen, die Frontboxen haben bei 133 Hertz ein Impedanz-Minimum von 2,2 Ohm, benötigen im Bass also ordentlich Strom.

Damit beschickt, bereitet die Kombi von B&W dann aber auch wahrlich Vergnügen. Leise Heim­kino-Töne wie die Ankunft von Gandalf im Auenland aus dem ersten „Herr der Ringe“-Teil zeichnet die Kombi fein, luftig und mit viel Atmosphäre. Besonders die lockere, selbstverständliche Räumlichkeit beeindruckt. Souverän gibt sich das Set auch mit kräftigerer Kost, sei es nun das „Minenfeld“ aus „Ice Age – jetzt taut‘s“ oder die Baustellen-szene in „Casino Royale“, beides absolvieren die britischen Schallwandler selbst bei hoher Lautstärke dynamisch, räumlich und glaubwürdig, die Gasflasche explodiert nachdrücklich und magen­erschütternd.

Mit seiner Liebe zu Musik hält das Set nicht hinter dem Berg, „Listen Up!“ von Omar Hakim beispielsweise erklingt fantastisch fein aufgelöst, schön durchhörbar und mit fein abgestufter Dynamik. Jane Monheit zelebriert über die B&W-Kombi zusammen mit John Pizarelli ihr „They Can´t Take That Away From Me“ regelrecht, ihre Spielfreude springt direkt auf die Zuhörer über. Dass die Stimme von Monheit dabei Präsenzen etwas vermissen lässt, verzeiht das geneigte Publikum da gerne.

Tonqualität Stereo

Mit einem Paar C8 S2 lässt sich auf einen Subwoofer locker verzichten: So kracht beispielsweise bei Michael Ruffs „Speaking in Melodies“ die Bass­drum mit Schwung in den Hörraum, ohne ungebührliches Nachschwingen. Stimmen wie die von Joanne Shaw Talyor bei ihrem „Lose Myself To Loving You“ waren präzise ortbar. Die C8 S2 positioniert sie deutlich hinter sich.

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Der Testbericht B & W CM S2-SET (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 4800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

88 sehr gut

Auf Bowers & Wilkins ist Verlass: Mit High Tech und Feinarbeit bei der Abstimmung präsentieren die Engländer mit der CM S2-Serie ein extrem wohlklingendes Lautsprecherset, das auch längeres Hören zu ermüdungsfreiem Spaß werden lässt.
Michael Nothnagel

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