Optoma HD 91+ (Test)

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Die LED-Projektion des Vorgängers HD 91 war sehr langlebig und farb­intensiv, aber nicht besonders hell. Das soll sich jetzt ändern, was das Pluszeichen beim neuen Optoma HD 91+ symbolisiert.

Projektoren mit Laser-Technik wie Epsons 7.000-Euro-Flaggschiff EH-LS 10000 (audio­vision 6-2015) sollen bis zu 30.000 Stunden halten, die LED-Leuchtmittel des Optoma immerhin rund 20.000 Stunden – rund fünfmal länger als UHP-Lampen. So senkt die LED-Technik nebenbei die Betriebskosten. Da der HD 91+ mit 4.300 Euro deutlich mehr als sein weitgehend bau­gleicher Vorgänger (audiovision 3-2014) kostet, muss er sich auch mit den D-ILA- oder SXRD-Modellen von JVC und Sony vergleichen lassen. Optomas DLP-Flaggschiff setzt auf eine flexible Zoom-Optik mit Lens-Shift sowie einen erweiterten Farbraum.

Ausstattung und Praxis

Der HD 91+ erzeugt alle drei Grundfarben über Licht-emittierende Dioden (LEDs), während Projektoren mit Laser-Hybrid-Technik einen Teil der Farben indirekt über eine angeregte Phosphorschicht generieren. Dank der schnellen LED-Ansteuerung reduziert der Optoma zudem Regenbogen-Artefakte deutlich und halbiert den Stromverbrauch im Vergleich zu typischen Projektoren mit UHP-Lampen auf rund 130 Watt. 20 Jahre lang sollte er täglich einen Spielfilm zeigen und damit fast so haltbar wie ein LCD-Fernseher sein.

Komfortabel: Die kleine Fernbedienung des Optoma HD 91+ navigiert mit blau beleuchteten Tasten durch das Menü und bietet Direkttasten für alle wichtigen Funktionen.

Komfortabel: Die kleine Fernbedienung des Optoma HD 91+ navigiert mit blau beleuchteten Tasten durch das Menü und bietet Direkttasten für alle wichtigen Funktionen.

Die Installation gelingt dank 2D-Lens-Shift und 1,9-facher Zoom-Optik einfach: Zwei Rädchen verschieben das Bild horizontal und vertikal um zehn beziehungsweise 60 Prozent. Auch Zoom und Fokus werden von Hand verstellt. Dank der perfekten Konvergenz der Ein-Chip-Projektion und der randscharfen Optik überzeugt die Bildschärfe sowohl in Tele- als auch Weitwinkelstellung. Das solide Zoomobjektiv muss aber teuer bezahlt werden: Die Weitwinkel-Version HD 90 mit 1,25-fach-Zoom, die allerdings geringfügig dunkler projizieren dürfte, kostet nur 3.300 Euro.

Nach dem Einschalten starten die LED-Leuchtmittel prompt, begleitet vom angenehm leisen Lüfter. Etwas viel Zeit nimmt sich der Optoma, wenn die Videofrequenz oder das Bildformat wechseln. Die beleuchtete Fernbedienung bietet einen überzeugenden Mix aus Grundfunktionen sowie Spezialmenüs wie „Advanced“ oder „Pure Engine“ – hier finden sich die Bewegungsverbesserung „Pure Motion“ für Kinofilme, ein Farbmanagement sowie komplette Menüs für Gamma, RGB-Pegel oder Blanking. Auch in das 3D-Menü verzweigt eine Direkttaste, um den 3D-Effekt oder die 2D/3D-Simulation zu steuern. Ärgerlich ist, dass man für das 3D-Starterset mit einer Brille und einem Synchron-Sender 90 Euro extra bezahlen muss, jedes weitere Nasenfahrrad schlägt mit 80 Euro zu Buche.

Standardkost: Bis auf einen S-Video-Eingang stehen komplette Videoschnittstellen inklusive zweimal HDMI bereit. Die Hosiden-Buchse versorgt den separat erhältlichen 3D-Synchronsender.

Standardkost: Bis auf einen S-Video-Eingang stehen komplette Videoschnittstellen inklusive zweimal HDMI bereit. Die Hosiden-Buchse versorgt den separat erhältlichen 3D-Synchronsender.

Licht und Farbe

Beim Vorgänger fielen uns einige Schwächen der vorjustierten Bildmodi auf: Der HD 91 lieferte im farblich besten Bildmodus „Bezug“ lediglich 443 Lumen, was nur für rund zwei Meter Leinwandbreite reicht. Im Bildmodus „Kino“ steigert sich die Lichtausbeute auf 550 Lumen, was aber mit nicht ganz natürlichen Farben einhergeht.

Stark: Die hochwertige Zoom-Optik und die von Konvergenzfehlern befreite Ein-Chip-Projektion zeichnen auch feinste Testbildmuster messerscharf auf die Leinwand.

Stark: Die hochwertige Zoom-Optik und die von Konvergenzfehlern befreite Ein-Chip-Projektion zeichnen auch feinste Testbildmuster messerscharf auf die Leinwand.

Immerhin schafft der neue HD 91+ im farblich besten Bildmodus „Bezug“ rund 570 Lumen. Allerdings verschenkt er unnötig Punkte durch das hervorstechende Magenta sowie die abweichenden Delta-E-Werte bei Farben und Graustufen. Dabei hat der Projektor durchaus Potenzial: Wie beim Vorgänger ist das Preset „Kino“ heller, doch verhindern die noch stärker abweichenden Farben des damit verknüpften Farbmodus „DLP-C“ eine bessere Wertung. Schade, denn schon nach wenigen Modifikationen liefert das Preset hellere und farbneutralere Bilder.

Mehr Licht und bessere Farben

Beim Test von Fernsehern und Projektoren überprüfen wir alle ab Werk hinterlegten Bildmodi auf Farbfehler bei Grund- und Sekundärfarben sowie Graustufen. Nicht der hellste, sondern der farblich beste Anzeigemodus wird dann für die das Testresultat bestimmende Komplettmessung ausgewählt. Beim Optoma HD 91+ ist das (wie bei seinem Vorgänger) der Bildmodus „Bezug“, der aber trotz einer leichten Steigerung der Helligkeit lediglich auf 567 Lumen kommt.

Wir wissen aber seit dem letzten Optoma-Test, dass eigentlich mehr möglich ist. Deshalb haben wir diesmal den helleren Bildmodus „Kino“ genauer untersucht. Der Hersteller kombiniert damit leider den zu hellen Gammamodus „Video“ sowie den leicht erweiterten, aber mit unausgewogenen Farben verbundenen Farb­raum „DLP-C“. So ist dieser Modus nicht die beste Wahl, obwohl die Helligkeit sichtbar ansteigt und er 2,6 Meter breite Leinwände ausleuchtet.

Erst der Wechsel auf den Farbmodus „HDTV“ und den Gamma-Modus „Standard 2,2“ bringt die von uns erhoffte Wirkung: Die Lichtausbeute klettert auf 700 Lumen und selbst die Delta-E-Abweichungen der Mischfarben fallen deutlich geringer aus (siehe Grafik); etwas größere Ausreißer gibt es noch bei Blautönen und Magenta. Andere Farben und selbst Graustufen (inklusive Weiß) profitieren im Vergleich zum Bild­modus „Bezug“. Zur weiteren Feinabstimmung empfiehlt sich ein Ausflug in das PureColor-Menü. Dieses regelt gelbe Farbtöne stärker als andere, weshalb sich die in Stufe „3“ vorhandene leichte Betonung gelber Farben gut kompensieren lässt. Eine Optimierung für Bildtüftler eröffnet das Farbmanagement, über welches zum Beispiel das blaustichige Magenta korrigiert werden kann.

Eigentlich ist dieses Feintuning der Job des Herstellers. Deshalb sollte Optoma bei der Firmware nachbessern und den Kinomodus mit besseren Presets bei Farben und Gamma verknüpfen, damit sich die deutlich höhere Helligkeit dieses Bildmodus optimal nutzen lässt. Dies könnte aber kompliziert werden, da der Optoma derzeit je nach Auflösung der Bildquelle (SDTV oder HDTV) sowie abhägnig vom HDMI-Farbmodus der Quelle (RGB oder YUV) leicht abweichende Farb- und Kontrasteinstellungen liefert.

Verstecktes Potenzial: Selbst die beste Voreinstellung „Bezug“ (links) liefert noch relativ starke Farbabweichungen und ist mit 567 Lumen nicht sonderlich hell. Nach einigen Modifikationen liefert der Bildmodus „Kino“ (rechts) bessere Farben und steigert zugleich die Lichtausbeute auf rund 700 Lumen.

Verstecktes Potenzial: Selbst die beste Voreinstellung „Bezug“ (links) liefert noch relativ starke Farbabweichungen und ist mit 567 Lumen nicht sonderlich hell. Nach einigen Modifikationen liefert der Bildmodus „Kino“ (rechts) bessere Farben und steigert zugleich die Lichtausbeute auf rund 700 Lumen.

Beim Im-Bild-Kontrast erzielt Optoma ordent­liche Werte von 650:1 beziehungsweise 410:1 (EBU-Kontrast und Schachbrettmuster); weniger überzeugen kann der native Panel-Kontrast von maximal 1.100:1, weshalb blaugrünes Restlicht in den schwarzen Letterbox-Streifen stehen bleibt. Zum Vergleich: gute D-ILA- oder SXRD-Projektoren schaffen in dieser Disziplin das Zehnfache. Tricks wie das dynamische Absenken der Helligkeit mit „Dynamic Black“ helfen nur begrenzt, da hier die Bildhelligkeit schwankt und in düsteren Szenen stark abfällt. Auch die in zehn Stufen absenk­bare Lampenhelligkeit lässt zu wünschen übrig. Sie senkt Stromverbrauch und Lichtausbeute, nicht aber den Geräuschpegel: Der Lüfter ist im Bildmodus „Kino“ zwei Dezibel lauter als im Preset „Bezug“ oder bei 3D-Filmen. Hier wirken die Bilder bewegungsscharf, jedoch etwas dunkel. Die Farben erscheinen im Farbraum „Nativ“ sehr intensiv, natürlicher ist der Modus „HDTV“. Gut gefällt die aufladbare Brille, die durch angenehmen Tragekomfort und saubere Kanaltrennung besticht.

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Schärfe und Videoverarbeitung

Die Videoverarbeitung des HD 91+ schwächelt bei Halbbildvideos (576i und 1080i) ein wenig. Mit 1080p-Material begeistert dagegen seine grandios scharfe DLP-Projektion: Details von unserem Sehtest-Klassiker „Casino Royale“ meißelt er messerscharf auf die Leinwand. Nur den Ultra-Detail-Modus „HD+“ sollte man meiden, da er in der totalen Einstellung des belebten Markusplatzes Säume erzeugt und Feinheiten für unseren Geschmack zu plakativ anschärft. In bewegten Szenen überzeugt die saubere 24-Hertz-Darstellung mit leicht verwischten Kanten, die sich per Pure-Motion-Technik wahlweise leicht, mittel oder stark glätten lassen. Bei TV-Material mit 50 oder 60 Bewegtphasen pro Sekunde greift Optomas Schaltung allerdings nicht, weshalb die Konkurrenz von Epson, JVC und Sony etwas schärfer über ein Fußballfeld schwenkt. Auch beim Bildkontrast offenbart der LED-DLP trotz des sehr ordentlichen Im-Bild-Kontrasts Schwächen: Düstere Gruselstreifen wie „Krabat“ entwickeln wegen des blaugrünen Restlichts keine optimale Tiefe und sehen etwas flach auf der Leinwand aus. Dagegen kommen Fantasy-Fans auf ihre Kosten, wenn der Optoma HD 91+ die Außerirdischen in „Avatar“ im stark erweiterten Farbmodus „Nativ“ bunter zur Geltung bringt als andere Projektoren.

 

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Der Testbericht Optoma HD 91+ (Gesamtwertung: 71, Preis/UVP: 4300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2015 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

71 gut

Im Vergleich zum Vorgänger liefert der Optoma HD 91+ hellere Bilder und überzeugt durch seine farbintensive sowie langlebige LED-Projektion. Die scharfen Bilder leiden allerdings unter schwachen Kontrasten und Voreinstellungen. Das kostet unnötigerweise wertvolle Punkte.
Udo Ratai

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