Arcam AVR 400 (Test)

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Arcam AVR 400 – AV-Receiver für 2.200 Euro

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €Mit ihrem dritten AV-Receiver setzen die englischen Spezialisten von Arcam auf Klang und gute Bedienung, ohne jedoch auf moderne HDMI- und Netzwerktechnik zu verzichten.

Arcams neuer Receiver ist 3D-kompatibel und bringt einen Audio Return Channel (ARC) mit. Das in England entwickelte Produkt kommt zum vergleichsweise moderaten Preis von 2.200 Euro und hebt sich mit seinem puristischen Konzept erfreulich von manch überladenem Konkurrenten ab. 

Ausstattung und Technik

Der AVR 400 verarbeitet alle Hochbit-Tonformate von Dolby und DTS und bereitet mit Neo:6 Zweikanal-Quellen auf bis zu sechs Kanäle auf, spart sich aber Formate mit Höhen- und Deckenkanälen wie Dolby ProLogic IIz. Klangpuristen nutzen die Surround-Back-Kanäle für das Bi-Amping der Frontboxen oder schalten per Taste "Direkt" auf eine exzellente Stereowiedergabe um.

Die Klangregelung für Höhen und Bässe lässt sich für jeden Eingang speichern. Mit der automatischen Einmessung der Boxen ist eine Equalizer-Funktion verbunden. An Bord ist auch Dolby Volume, das Pegelunterschiede verschiedener Quellen ausgleichen soll. Wie beim großen Bruder AVR 600 (audiovision 08-2009) kümmert sich eine Jitterreduktion von Wolfson um die Klangverbesserung digitaler Quellen.

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 € 

Die Fernbedienung leuchtet bläulich und führt
durch übersichtliche Menüs.

Dank neuem Faroudja-Prozessor klappt die Skalierung und Vollbildwandlung sehr gut. Allerdings muss man für jeden Eingang den Bildmodus von "Auto" auf "Film" umstellen, damit Kinofilme flimmerfrei in 1080p erscheinen. Auch TV-Material sieht in diesem Modus einwandfrei aus. Dazu gibt es gut einstellbare Bildregler inklusive Detailschärfe, die bei 3D aber nicht wirken. Der analoge YUV-Eingang kann für verschiedene RGB-Signale konfiguriert werden, einen manuellem Lip-Sync gibt es ebenfalls. Vermisst haben wir eine HDMI-Weiterschaltung im Standby – im Leerlauf braten 74 Watt vor sich hin, damit der TV über HDMI versorgt wird.

In Sachen Multimedia empfängt der Arcam Internetradio, holt sich MP3-Files oder Flac-Dateien per DLNA-Netzwerk oder den USB-Anschluss, der leider auf der Rückseite sitzt. Das komplett abschaltbare Display liefert gut lesbare Informationen, das aufgeräumte, allerdings rein englischsprachige Menü zeigt die jeweils nächsten erreichbaren Funktionen an und erklärt sie.


Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €
Gut bestückt: Der AVR 400 bietet sieben Paar Lautsprecherbuchsen sowie
Ein- und Ausgänge für 7.1-Ton. DLNA-Netzwerk für Musik und Internetradio,
ein USB-Anschluss für Audiodateien oder neue Firmware sowie Tuner für
FM-, AM- und DAB-Empfang sind schon eingebaut. Nur ein Phono-Eingang fehlt
Musik-Puristen zum vollkommenen Glück.

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €
Kraft in Hülle und Fülle: Der große Ringkerntrafo versorgt 200-Watt-Leistungstransistoren,
die in Reih und Glied am zentralen Kühlkörper sitzen. Zwei Lüfter sind erforderlich, um die
bei Volllast entstehende Abwärme abzuführen. 

 

 

Tonqualität Surround

Mit 100 bis 133 Watt im Mehrkanalbetrieb erreicht der AVR 400 das Niveau des AVR 600, im Stereo-Betrieb übertrifft er ihn mit 204 Watt sogar deutlich. Dafür braucht er aber Ventilatoren zur Kühlung und wird bei Volllast sehr heiß.

Im Hörtest trifft der Receiver auf den SC-LX 90 von Pioneer. Beide sollen im Bass gefordert werden und laufen deshalb ohne Sub. Beim Livekonzert von "3 Doors Down" kommt so der Tiefbass aber im Vergleich zum LX 90 mit genialer Phase-Control-Schaltung bei den Frontboxen nicht voll an. Das Gleiche passiert mit Steely Dan in Dolby Digital oder mit HD-Bitstreamton. In puncto Dynamik, Auflösung und Räumlichkeit überzeugt der Arcam dagegen auf ganzer Linie. Das zeigt der Vergleich zum Pioneer ohne die trickreiche Phase-Control-Schaltung, der nun nur noch eine Nuance mehr Wucht und Lockerheit im Tiefbass entfacht.

Weniger Phasenprobleme im Bass gibt es auch, wenn man im Setup alle Boxen groß definiert. Doch dann spielt die Raumakustik nicht immer mit, vor allem wenn die Distanz zu den rückwärtigen Boxen kürzer als zu den Frontboxen ist. Richtig gut funktioniert beim Arcam dagegen ein Setup mit Subwoofer. In diesem Fall überträgt der Arcam den LFE-Kanal und die Bassanteile der klein definierten Boxen korrekt an den Subwoofer und klingt ähnlich souverän, räumlich und basskräftig wie der Pioneer.

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 € 
Logisch und übersichtlich: Das gelungene Layout und gut lesbare Menüschriften
sorgen für eine sehr einfache Bedienung des Arcam AVR 400.

 

Tonqualität Stereo

Bei "Silver and Gold" von Gospel Messengers begeistert die präzise Abbildung von Gesang und Klavier. Auch Diana Krall mit Jazz-Band liefern bei "I’m An Errand Girl For Rhythm" eine mitreißend präzise und natürliche Vorstellung, Feinauflösung und Dynamik spielen auf den Punkt. Selbst bei brachialen Pegeln gehen Übersicht und Kontrolle nie verloren. Insgesamt klingt der optische Digitalton eine Spur dezenter, der HDMI-Ton etwas dynamischer.

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €

Edel und aufgeräumt: Der Arcam AVR 400 gefällt in Optik und Bedienung
durch sein klares Konzept, verzichtet aber auf Drehregler für Quelle und Lautstärke.

 

Zusatzinfo: Auto Setup beim Arcam AVR 400

Die automatische Einmessung erfolgt etwas grob, denn die Distanzen zu den Boxen lassen sich nur in 30-Zentimeter-Sprüngen anpassen. Dafür erfolgt der Pegelabgleich recht genau in 0,5-Dezibel-Schritten. Die Einmess-Automatik jus­tiert auf Wunsch Pegel, Distanzen und Tiefpassfrequenz aller sieben Kanäle automatisch. Schließlich analysiert der AVR 400 noch die Frequenzgänge aller Boxen am Hörplatz und programmiert einen Equalizer, der die schlimmsten Raumresonanzen oder Pegelfehler der Lautsprecher korrigiert. Was und wie genau geregelt wird, zeigt der Arcam aber im OSD-Menü nicht an; manuelle Korrekturen erlaubt er nicht.

 

Die Ergebnisse des Auto Setup passen ganz gut bei den Pegeleinstellungen, allerdings erkannte der AVR 400 nicht, dass der Center 20 Zentimeter näher als die Frontboxen postiert war. In diesem Fall macht es Sinn, die Boxen passend zum 30-Zentimeter-Raster des Arcam zu verrücken. Die automatisch gemessene Tiefpassfrequenz lag bei allen Boxen bei 40 Hertz, wird also wohl für kleine Surroundboxen und große Frontlautsprecher nicht unterschiedlich eingestellt. Die manuelle Einstellung der Tiefpassfrequenz und der Boxen-Größe liefert hier bessere Ergebnisse. Die automatische Linearisierung durch den Equalizer führte in unserem Hörraum zu einer angenehm homogenen und tonal sehr neutralen Mittel-/Hochtonwiedergabe über alle Kanäle. Das Klangbild wirkte unaufdringlich, aber auch ein wenig dezent, weil die Bass- und Grundtonenergie der Frontboxen etwas stärker als gewünscht reduziert wurde. Im Zweifel empfehlen wir, den Equalizer abzuschalten und die Raumakustik durch geeignetes Room-Tuning zu verbessern.

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €
Auto-Setup mit Einmessung: Pegel, Distanz und Frequenzgang ermittelt der
Arcam AVR 400 ür alle Lautsprecher automatisch. Die Distanzschritte von 30 Zentimetern
fallen allerdings zu grob aus.

 

Fazit

Hinter der edlen Optik des Arcam AVR 400 steckt ein gut bedienbarer und puristischer AV-Receiver mit fantastischer Dynamik und natürlichem Klang. Probleme gibt es mit dem Bassmanagement, allerdings nur bei einem Setup ohne Subwoofer.
 

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Arcam AVR 400 - AV-Receiver für 2.200 €

 

 

Der Testbericht Arcam AVR 400 (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 2200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2011 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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