Boston Reflection-Set (Test)

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Boston Reflection-Set – 5.1-Boxenset für 3.400 Euro

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 €Boston Acoustics will mit der Reflection-Boxenserie schickes Design und hochwertige Technik unter einen Hut bringen. Audiovision fand heraus, wie gut das Ergebnis klingt.    

Seit Boston Acoustics nicht mehr an der amerikanischen Ostküste beheimatet ist, sondern der D&M Holding angehört (unter deren Dach sich auch Denon und Marantz befinden), hat sich das Profil des Lautsprecher-Herstellers geschärft. Ursprünglich wollten die amerikanischen Gründer jedes Marktsegment bedienen, doch das jetzige Management konzentriert sich lieber auf Lautsprecher, die neben hochwertiger Technik vor allem eines aufweisen müssen: ein eigenständiges Design. Und das ist den Entwicklern bei der neuen Reflection-Serie gut gelungen.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 Euro
Ungewöhnlicher Hochtöner: Die Membran weist eine Vertiefung auf,
die sie in der Mitte fixiert. Dadurch kann nur der Außenbereich
schwingen, was störende Resonanzen verschiebt.

Technik

Die Frontlautsprecher kommen schlank und hoch aufgeschossen daher. Auch ihre abgerundeten Kanten, der stabilisierende Sockel und die schwarze Hochglanz-Lackierung heben sie wohltuend vom Kistenlook ab. Das Hauptproblem, aus solch
schmalen Säulengehäusen einen kräftigen Bass zu kitzeln, lösten die Amerikaner recht einfach: Sie pflanzten gleich vier Tieftonchassis mit je 10 Zentimetern Durchmesser auf die Front der Box. Zusammen bringen sie es immerhin auf die Fläche eines 20-Zentimeter-Chassis, eine Größe, die eine ordentliche Basswiedergabe verspricht. Als Mem-branmaterial wählte der Hersteller für die Chassis den Verbundwerkstoff FCCM, der aus Copolymer (Kunstoff, der sich aus mehreren Polymerstoffen zusammensetzt) und darin eingebetteten Keramik-fasern besteht. Zwei Tieftöner sind nur für tiefe Töne zuständig, die anderen übertragen auch den Mitteltonbereich und übergeben bei 2 Kilohertz an den Hochtöner.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 Euro
Bostons Subwoofer bringt alles mit, was man im Heimkino braucht:
Regler für Trennfrequenz, Pegel und Phase sind ebenso an Bord
wie ein ungefilterter, getrennter Eingang für LFE-Signale.

Der hat’s ebenfalls in sich, worauf bereits seine ungewöhnliche Form hindeutet: Seine 28 Millimeter-Membran weist in der Mitte eine Vertiefung auf. Die soll nicht den gefürchteten Kalotten­drückern den Wind aus den Segeln nehmen, sondern fixiert die Membran in der Mitte, damit sie nur in ihrem Außenbereich schwingen kann. So lassen sich wirkungsvoll störende Resonanzen nach oben außerhalb des hörbaren Frequenzbereiches schieben. Dieser Hochtöner kommt auch beim Center RS 223 und den Surroundboxen RS 260 zum Einsatz. Deren Tieftöner stattete der Hersteller mit dem gleichen Membranmaterial aus, die beiden Tieftöner des Centers sind je 8 Zentimeter groß, der des RS 260 kommt auf 16 Zentimeter.
Auch beim Subwoofer RPS 1000 ließen sich die Boston-Entwickler etwas Besonderes einfallen: Er gehört zur seltenen Spezies der Passivmembran-Lautsprecher (siehe Technik-Kasten unten). Auch die drei Membranen des RPS 1000 bestehen aus FCCM. Für den nötigen Antrieb sorgt eine Endstufe mit 500 Watt Leistung, was für satte Lautstärken locker ausreicht.

 

Technik: Passivmembran

Damit ein Lautsprecher im Tieftonbereich Schall abstrahlen kann, muss er in ein Gehäuse eingebaut sein, das die Vorder- und Rückseite seiner Membran strikt trennt. Sonst kommt es zum akustischen Kurzschluss, bei dem der Schall, der von der Vorderseite der Membran erzeugt wird, von dem der Rückseite gleich wieder ausgelöscht wird. Um den rückseitigen Schall ins hörbare Ergebnis der Box einfließen zu lassen, wurde die Bassreflexbox erfunden: Bei ihr ergibt sich aus dem Innenvolumen des Gehäuses sowie Länge und Durchmesser eines Rohres eine Hohlraum-Resonanz, die das Chassis bis zu einer bestimmten Frequenz unterstützt. Unterhalb davon verliert das Bassreflexrohr schnell seine Wirkung, es strahlt keinen Schall mehr ab, sondern erzeugt zunehmend Luftbewegungen, die bei hohen Pegeln durch Turbulenzen als Störgeräusch hörbar werden können. Kluge Köpfe setzen deshalb statt des Bassreflexrohres eine weitere Membran ins Gehäuse, die über keinen eigenen Antrieb verfügt (deshalb Passiv-Membran), sondern vom Schall innerhalb der Box in Schwingungen versetzt wird. Stimmt man diese Membran in Größe und Resonanzfrequenz sauber ab, so unterstützt sie das aktive Chassis im Bassbereich erheblich. Der Boston-Subwoofer RPS 1000 bekam sogar zwei solcher Passiv-Membranen spendiert, sie sind jeweils nicht viel kleiner als ihr vom Verstärker angetriebenes Pendant. Das ergibt durchaus Sinn, schließlich sind die Passiv-Strahler für die ganz tiefen Frequenzen zuständig. Um diese adäquat wiedergeben zu können, ist viel Membranfläche notwendig.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 Euro

Zwei Passiv-Membranen: Der Boston-Subwoofer umgeht die
Nebenwirkungen von Bassreflexrohren.

 

Tonqualität Surround

Das beweist der Subwoofer im Messlabor mit seinen 104 Dezibel Maximalschalldruck eindrucksvoll. Auch durch seine untere Grenzfrequenz von 25 Hertz hebt er sich von der Masse ab. Die Frequenzgänge der restlichen Boxen verlaufen recht ruhig, zeigen aber alle einen gewissen "Loudness"-Charakter: Bässe und Höhen sind im Vergleich zu den mittleren Tönen angehoben. Auffällig ist zudem, dass die kleinste Box, der Center, am lautesten tönt. Die Frontlautsprecher spielen um vier Dezibel leiser und erreichen nicht einmal 80 Dezibel Empfindlichkeit. Dank Pegeleinstellung am Receiver ist dieser Unterschied kein großes Problem, erfordert aber viel Verstärkerleistung für echte Heimkino-Pegel. Schwachbrüstige Receiver der 400-Euro-Klasse scheiden als Antrieb aus.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 €

Der Center von Boston zeigt nicht nur für seine
querliegende Bauweise, sondern auch absolut gesehen
ein vorzügliches Rundstrahlverhalten ohne
nennenswerte Mittelton-Einschnürungen.

Trotz der bei den Messungen festgestellten Bass- und Höhenbetonung spielt das Set im Hörtest neutral auf. Die bei zu viel Höhen besonders kritische DVD "Away From The Sun" von Three Doors Down (DTS) klingt zwar frischer als gewohnt, aber keinesfalls nervig. Allenfalls die Stimme von Leadsänger Brad Arnold rückt etwas mehr in den Hintergrund als sonst. Auch die räumliche Wiedergabe des Boston-Sets kann mit guter Ortbarkeit und angenehmen Einhüllungseffekten von hinten überzeugen. Selbst in Sachen Dynamik – bei Lautsprechern mit kleinen Tieftönern immer ein kritischer Punkt – muss sich das Set nicht verstecken, wie es bei "Terminator – Die Erlösung" (DTS-HD Master Audio) unter Beweis stellt. Besonders der Subwoofer kann mit seiner knackigen wie lebendigen Spielweise und seiner nahtlosen Integration in den Gesamtklang punkten. Auch hier bringt Bostons Reflection-Set einen Raumklang wie aus einem Guss.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 €
Sauber verarbeitet präsentieren sich die Boston-Boxen
den Augen des Betrachters. Dank magnetischer
Halterung benötigen die Frontbespannungen keine
unschönen Öffnungen in den Lautsprecher-Fronten.

Tonqualität Stereo

Großen Spaß macht das Set auch bei "Jazz at the Pawnshop", wo es frisch und lebendig wirkt und dem Klang eine große Weiträumigkeit verleiht. Männerstimmen wie die von Michael Ruff in seinem "Speaking in Melodies" wirken allerdings manchmal etwas farblos und rücken leicht in den Hintergrund. Dieser Effekt ist aber nur beim genauen Hinhören wahrnehmbar und vermiest das Musikhören selbst über längere Zeit nicht.

 

Fazit

Wegen des geringen Wirkungsgrades der Frontboxen benötigt das Boston-Set einen potenten Verstärker. Doch mit genügend Leistung im Rücken liefert das 3.400 Euro teure Set einen luftigen und herrlich räumlichen Klang. Daran ist auch der kräftige Subwoofer mit seinem sauberen Punch nicht ganz unschuldig.

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 €

 

Technische Ausstattung und Bewertung 

Boston Reflection-Set - 5.1-Boxenset für 3.400 €

 

 

Der Testbericht Boston Reflection-Set (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 3400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2010 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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