Harman/Kardon BDP 10 (Test)

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Harman/Kardon BDP 10 – Blu-ray-Player für 650 Euro

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €Mit einiger Verspätung reiht sich Harman/Kardon in die Hersteller von Blu-ray-Playern ein. Der Neuling BDP 10 passt perfekt zu den Produkten des Hauses, ist aber nicht ganz billig.

Harman/Kardon legte vor über 50 Jahren mit dem weltweit ersten UKW-Receiver den Grundstein für seine Erfolgsgeschichte. Bereits im Jahr 2000 brachten die Amerikaner ihren ersten 7.1-Receiver, den AVR 7000. Nun debütiert ein Blu-ray-Player – entwickelt in den USA, gefertigt in China.

Ausstattung

Design und Bedienung passen perfekt zu anderen Komponenten von Harman/Kardon, und darin dürfte für potenzielle Kunden der Hauptanreiz des BDP 10 liegen. Denn technisch bietet er nicht mehr als die halb so teure Konkurrenz von Panasonic, Sony & Co. Der Player hat einen HDMI 1.3a-Ausgang und spielt MP3-Musik, DivX-Videos und Fotos ab. Sie nimmt er von selbst gebrannten Scheiben ebenso entgegen wie per USB-Speicherstick. Über USB-Kartenleser (Multiformat) angeschlossene Speicherkarten erkannte er im Test nicht, ebenso wenig HD-Videos im AVCHD-Format.
Neben vergoldeten Buchsen, auch für HDMI oder USB, gibt es nur die Standard­anschlüsse, darunter die Netzwerkschnittstelle für BD-Live. Damit der Player Bonusmaterial entsprechender Discs aus dem Internet laden kann, benötigt er einen separaten USB-Stick mit mindestens einem Gigabyte, der die Daten speichert. In Sachen Video bietet der BDP 10 die 24p-Wiedergabe von Blu-ray-Filmen und eine ordentliche Filmmode-Erkennung für DVD, spart aber mit Videoreglern zur Bildeinstellung.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

Seltenheit: Die handliche Fernbedienung des BDP 10
bietet ein beleuchtetes Tastenfeld.

Bedienung

Im dunklen Heimkino gefällt die beleuchtete Fernbedienung, ebenso das dimmbare Display und die Buchsen für Infrarotempfänger und -sender auf der Rückseite. Dank ihnen darf der Harman/Kardon im Schrank verschwinden, die IR-Befehle empfängt er über einen separat erhältlichen Sensor. Die Ausgangsbuchse gibt zudem alle anderen empfangenen Infrarot-Befehle elektrisch aus, sodass sich ein weiteres Gerät über den BDP 10 fernsteuern lässt. Mit dieser praktischen Funktion kann man mehrere Komponenten in Reihe schalten und über einen einzigen IR-Sensor steuern.
Der Lademechanismus zieht die Disc nicht gerade leise ein, zudem vergeht viel Zeit bis zum Anspielen einer Blu-ray-Scheibe. Komfortabel sind der 128-fache Bildsuchlauf, die A/B-Repeatfunktion sowie die Status- und Audio-Tasten der Fernbedienung, die über Kapitel, Spielzeit, Sprache und Tonformat informieren. Im Bildschirmmenü findet man sich schnell zurecht. Einstellungen wie die Auflösung des YUY-Ausgangs werden direkt am Gerät umgeschaltet. Mediadateien zeigt der Player übersichtlich und bei Fotos inklusive Vorschaubildern an. Hochaufgelöste Fotos lädt er recht flott, dazu bietet er eine Diashow mit Überblendeffekten und bis zu fünf Musiktitel zur Untermalung. Ganz perfekt klappt die JPEG-Darstellung aber nicht, denn die horizontale Bildauflösung ist begrenzt.

Bildqualität Blu-ray

In der HDMI-Farbraumeinstellung RGB und YUV zeigt der Player unser Grautreppen-Testbild übersteuert an, schneidet also ultraschwarze und -weiße Bereiche ab. Ab Werk ist aber der x.v.Color-Modus voreingestellt, und die Darstellung im digitalen YUV-Farbraum klappt korrekt. So geht mit einem "Pluge"-Testbild die exakte Einstellung der Helligkeit leicht von der Hand. Dennoch wäre es wünschenswert, dass der BDP 10 auch im RGB-Modus den vollen Anzeigebereich ausgibt, zumal ihn der Mangel fünf Punkte kostet.
Damit der Harman/Kardon die originale Kino-Bildwiederholfrequenz von 24p ausgibt, müssen im Display-Setup der Menüpunkt "Filmmode" und die Auflösung "HDMI Auto" aktiviert sein. Dann ergeben sich wie bei "Ein Quantum Trost" oder "Twilight" ruckel­arme Bilder in perfekter Schärfe und mit flimmerfreiem Vollbild.
Ist der Player auf "HDMI Auto" eingestellt, so wechselt er bei HDTV-Material mit 50 oder 60 Hertz auf die 1080i-Ausgabe und überlässt damit dem angeschlossenen Display die Vollbildwandlung ins Format 1080p. Der Grund dafür zeigt sich, wenn man den BDP 10 zur 1080p-Ausgabe zwingt: Eine bewegungsadaptive Vollbildwandlung fehlt ihm nämlich, was geübte Augen an den gezackten und leicht flimmernden schrägen Kanten in bewegten Motiven erkennen. Viele aktuelle Displays und Projektoren beherrschen das De-Interlacing tatsächlich besser, weshalb die Einstellung des BDP 10 sinnvoll ist. Eigentlich sollte ein 650-Euro-Player die perfekte 1080p-Ausgabe aber selber können.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

Platz für Logos bietet das Anschlussfeld, das sich auf die nötigsten Buchsen beschränkt.
Eine Besonderheit des BDP 10 sind die IR-Remote-Ein- und Ausgänge zur
Fernsteuerung weiterer Komponenten über einen externen Sensor.

 

 

Bildqualität DVD

DVDs gibt der BDP 10 auch automatisch in 1080i aus, ebenfalls nicht ohne Grund. Im Format 1080/50p zeigt er statische Bilder nämlich mit leicht flimmernden vertikalen Strukturen. Das Up­scaling bis 1080p klappt zwar, die beste Bildqualität ergibt sich aber wiederum, wenn das angeschlossene Display die Halbbilder ins Vollbild wandelt.
Stabil und ohne Flimmern zeigt der Harman/Kardon Kinofilme von der DVD, ob mit oder ohne Vollbild-Marker. Nur die Skalierung gelingt anderen Playern noch feiner. Mit dem BDP 10 erscheint in "Sechs Tage, sieben Nächte" das fast senkrecht stehende Propellerblatt der Dehavilland Beaver leicht gezackt, während die Samsung-Player BD-P 1600 oder 3600 es völlig glatt darstellen. Auch fehlen dem Harman/Kardon Bildregler zur Feinanpassung des Bildes; viele Konkurrenten bieten sie bereits in preiswerteren Modellen an.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €
Übersichtlich: Das Menü führt komfortabel durch eine überschaubare Anzahl von Funktionen und Einstellungen.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €
Unschön: Von einem Player dieser Preisklasse darf man Menüs in korrektem Deutsch erwarten.

Tonqualität

Moderne HDMI-Receiver versorgt der BDP 10 mit Bitstream-HD-Ton. Die Varianten Dolby Digital Plus und Dolby TrueHD decodiert er intern und überträgt sie im 7.1-PCM-Format verlustfrei an ältere HDMI-Receiver. Von den DTS-Varianten Master Audio und High Resolution Audio erfasst er über PCM dagegen nur den DTS-Kern in datenreduzierter 5.1-Qualität. Die Stellung "PCM 7.1" benötigt er außerdem, wenn er weitere Zweikanal-Tonspuren von Bild-in-Bild-Features wiedergeben soll. Analogen Mehrkanalton bietet der Player nicht.
Beim Livetitel "The Hand That Feeds" von Nine Inch Nails (Dolby TrueHD) begeistert die höhere Präzision, Tiefbassdynamik und Hochtonauflösung des Bitstream-Tons gegenüber der normalen Dolby-Digital-Variante. Der intern decodierte PCM-Ton steht der Bitstream-Ausgabe aber nicht nach, wenn man seinen vier Dezibel leiseren Ton am Receiver auf gleiche Lautstärke anhebt.
Eine Besonderheit des BDP 10 besteht darin, dass er über seine S/P-DIF-Schnittstellen Dolby TrueHD nicht als konventionellen Dolby-Digitalton, sondern als neucodierten DTS-Ton ausgibt. Unglaublich, aber wahr: Die DTS-Neucodierung klingt dynamischer und in den Höhen feiner aufgelöst als die originale Dolby-Digital-Spur, die sich immer zusätzlich zu einem TrueHD-Track auf der Disc befindet. Dieser Akustik-Bonus ist freilich nur mit älteren AV-Receivern ohne HDMI-Schnittstelle von Bedeutung. Der analoge Stereoton via Cinch gefällt mit guten Messwerten bei Frequenzgang und Jitter, erreicht im Hörtest an guten AV-Receivern aber nicht die Qualität der optischen Toslink-Übertragung.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

Klassisch: Die runden Kanten und das aufgeräumte Design unterstreichen den
gediegenen Eindruck des Harman/Kardon BDP 10. Sogar der USB-Fronteingang
ist vergoldet. Über ihn spielt der Player Mediadaten ab, außerdem dient
ein USB-Stick bei Scheiben mit BD-Live als Speichermedium für Internet-Downloads.

Fazit

Harman/Kardons erster Blu-ray-Player liefert ein Top-Kinobild und bietet komfortables BD-Live. Die Player-Konkurrenz zu günstigeren Preisen mit schnelleren Laufwerksfunktionen oder moderneren Multimedia-Features ist jedoch groß.                  

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

 

 

Zusatzinfo: lauter Lüfter

Mit einer Breite von 44 Zentimetern passt der BDP 10 perfekt zu den anderen HiFi-Komponenten von Harman/Kardon. Unter der Haube sitzen vergleichsweise winzige Platinen im übergroßen Gehäuse; sie kommen mit knapp 20 Watt Strombedarf aus. Der eingebaute Lüfter muss deshalb selbst im Dauerbetrieb nur selten anlaufen und steht die meiste Zeit still. Wenn er aber im Hochsommer dann doch mal loslegt, zählt der BDP 10 nicht mehr zu den leisen Vertretern seiner Gattung, sondern rauscht hörbar lauter als die Konkurrenz.

Test Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

 

 

Technische Ausstattung und Bewertung

Test des Harman/Kardon BDP 10 - Blu-ray-Player für 650 €

 

 

Der Testbericht Harman/Kardon BDP 10 (Gesamtwertung: 78, Preis/UVP: 650 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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