Canton Ergo-Set (Test)

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Canton Ergo-Set – Boxenset für 4.900 Euro

Canton Ergo-SetOptisch zeitlos, akustisch auf der Höhe der Zeit:Die überarbeitete Ergo-Serie von Canton bringt Schwung ins Heimkino. 

Die Boxenserie Ergo zählt zu den Klassikern. Der deutsche Hersteller Canton baut sie seit Jahrzehnten und hat sie nun zum wiederholten Mal technisch überarbeitet. Gleich beibt die zeitlose Optik: Dank der gerundeten Kanten wirken die Boxen elegant, das Schutzgitter steckt in einer Nut und lässt sich abnehmen. Neu ist, dass sich die Fronten leicht nach vorn wölben, was den gefälligen Look unterstreicht.

Ausstattung und Technik

Das getestete Set besteht aus zwei Ergo 690 DC, den zweitgrößten Standboxen der Serie, dem Ergo 655 Center, zwei Ergo 620 für die Surrounds und dem Subwoofer Ergo AS 650 SC. Gleich nach dem Auspacken sicherte sich das Set die Bewunderung der Tester: Die perfekt verarbeitete Oberfläche aus dem afrikanischen Edelholz Wenge hat es uns angetan. Das fein gemaserte, dunkle Hartholz sieht nicht nur edel aus, es fühlt sich auch toll an.

Cantons Entwicklungsleiter Frank Göbl und seine Mannschaft sind bekannt dafür, dass sie sich für ihre Chassis immer wieder Verbesserungen einfallen lassen. So überarbeiteten sie erneut die Geometrie der Tief- und Mitteltöner-Membranen, um ihnen den letzten Rest an Materialresonanzen abzugewöhnen. Gerade bei Aluminium, das hier zum Einsatz kommt, erfordert das enormen Aufwand an Computersimulationen und praktischer Erprobung. 

Canton Ergo-Set
Raumresonanzen lassen sich am Canton-Woofer mit Hilfe des zweistufigen
"Room Compensation"-Filters ausgleichen.

Zudem verfeinerte Canton alle Chassis mit der so genannten Wave-Sicke. Diese Membran-Randaufhängung ist nicht, wie üblich, halbkreisförmig gestaltet; vielmehr hat sie einen S-förmigen Querschnitt, was einer präziseren Führung der Schwingeinheit und einem lineareren Verhalten über den gesamten Hubbereich dient. Die Kalotte des Hochtöners von Front, Center und Surround besteht ebenfalls aus Aluminium, hier in einer Legierung mit Mangan. Das erhöht die Festigkeit und soll so Membranresonanzen aus dem hörbaren Frequenzbereich nach oben wegschieben.

Die Frontboxen Ergo 690 DC sind echte Dreiwege-Konstruktionen. Ihr 18-Zentimeter-Mitteltöner sitzt ganz oben, direkt darunter kommt der Hochtöner, gefolgt von den beiden 20-Zentimeter-Tieftönern, die von einer großflächigen Bassreflex-Öffnung im Tiefbass unterstützt werden. Beim Center Ergo 655 sitzt der Hochtöner zwischen zwei 18-Zentimeter-Bass­chassis, von denen sich eines auch um mittlere Frequenzen kümmert, das andere nur um den Bassbereich. Der gleiche Tief­töner arbeitet als Solist in den Surrounds Ergo 620.

Canton Ergo-Set
Einziges Manko: Wer seitlich versetzt zum Center sitzt, bekommt wegen dessen
eingeschränkten Rundstrahlverhaltens nicht alle Töne mit.


Kompakt und unaufdringlich: Die Surrounds des Canton-Sets passen sogar ins Regal.

Tonqualität Surround

Ein fettes Gehäuse bekam das 30-Zentimeter-Chassis des Subwoofers (siehe Kasten). Daher lässt sich der Ergo AS 650 SC zwar nicht so gut verstecken, trumpft aber mit einer unteren Grenzfrequenz von 32 Hertz und einem satten Maximalpegel von 109,5 Dezibel auf. Zudem riss uns seine ungemein saubere und schnelle Wiedergabe mit: Bei jedem Tritt von "3 Doors Down"-Drum­mer Greg Upchurch auf die Bassdrum steht der Trommelschlag zwerchfellerschütternd mächtig, aber trotzdem präzise umrissen im Raum. Der Sub geht nahezu jeden Abhörpegel mit, ebenso wie das restliche Set, das die Hardrock-Band in Live-Lautstärke ebenso detailgetreu wiedergibt wie bei Zimmerpegel. Will heißen: Bevor dieses Set aufgibt, geht eher unser Verstärkerbolide, der nicht gerade schwachbrüstige Pioneer SC-LX 90, in die Knie.

Nach diesen Eindrücken fieberten wir dem Action-Heimkino entgegen – und wurden belohnt. So kommt der Blitzschlag zu Beginn von "Ratatouille" auf Blu-ray (PCM 5.1) knallhart und unverzerrt. Selbst wir zuckten zusammen, obwohl wir die Szene schon zigmal gesehen haben. Das folgende Schrotflinten-Geballer der alten Dame ertönt fast erschreckend glaubwürdig, und die Decke kracht so überzeugend herunter, dass uns der aufwirbelnde Staub schier in der Kehle kratzte.

Mit "Givin‘ it Up" von George Benson und Al Jarreau zeigen die Cantons ihre sanfte Seite und bringen selbst feinste Zwischentöne mit hoher De­tail­genauigkeit zu Gehör. Sie arbeiten die Feindynamik präzise aus Stimmen und Instrumenten heraus. Dabei bleiben sie locker und angenehm, ohne vor lauter Präzision leicht aggressive Töne anzuschlagen, wie manche Canton-Kombi in jüngster Zeit.

Trotz des nicht ganz linearen Frequenzgangs der Boxen – der Mitteltonbereich hat etwas weniger Pegel als Bässe und Höhen – treten keine störenden Verfärbungen auf. Sogar Männerstimmen, bei denen schon kleinere Verfälschungen schnell auffallen, ertönen natürlich und mit der richtigen Klangfarbe. Bei Filmdialogen glänzt die gute Sprachverständlichkeit. Das gilt allerdings nur in direkter Abstrahlrichtung; Heimkino-Fans, die seitlich sitzen, bekommen durch das eingeschränkte Rundstrahlverhalten des Centers weniger mittlere Töne mit.

 

Befriedigend: Durch die unterschiedliche Ansteuerung der Tieftöner ist das
Rundstrahlverhalten des Canton-Centers deutlich unsymmetrisch.
Im Mitteltonbereich gibt’strotzdem zu beiden Seiten hin Einbrüche.

Tonqualität Stereo

In Stereo beeindrucken die Cantons mit den gleichen Qualitäten wie im Mehrkanalbetrieb. Michael Ruffs "Speaking in Melodies" tönt dynamisch und luftig, Bassschläge stehen konturiert und kräftig im Raum. Dabei darf der Subwoofer ruhig Pause machen, die Frontboxen haben genug Basskraft. Auffallend präzise und stabil gelingt dem Set die räumliche Abbildung: Instrumente und Stimmen wirken geradezu dreidimensional und greifbar.



Das dunkle Echtholz-Finish in Wenge wirkt edel und ist zudem hervorragend verarbeitet.
Canton bietet die Boxen auch mit Kirschfurnier und schwarz lackiertem Esche-Furnier an.

 

Zusatzinfo: Subwoofer-Klang versus Design

Angesichts des voluminösen Canton-Subwoofers kommt unwillkürlich die Frage auf: Warum muss die Kiste so groß sein? Das hat handfeste, physikalische Gründe. Die untere Grenzfrequenz und der Maximalpegel eines Subwoofers hängen nicht ausschließlich von der Qualität des Tieftonchassis ab, sondern entscheidend auch vom Luftvolumen, in dem es arbeitet. Dieses Volumen wirkt wie eine Feder, auf der die Membran arbeitet. Je geringer das Volumen, desto steifer wird die Feder und setzt der Membran bei niedrigen Frequenzen immer höheren Widerstand entgegen. Folge: Die untere Grenzfrequenz verschiebt sich nach oben. Dieser unschöne Effekt ließe sich zwar über ein Chassis mit besonders schwerer Membran ausgleichen, doch dann stiegen die Produktionskosten. Zudem müsste der Tiefbass trotzdem stark angehoben werden, um eine tiefe untere Grenzfrequenz zu erreichen.

Das wiederum erhöht den Leistungsbedarf des Subwoofers massiv: Für eine Anhebung von zehn Dezibel, was einer Verdopplung der wahrgenommenen Lautstärke entspricht, braucht es sage und schreibe die zehnfache Verstärkerleis­tung. Damit steigen der technische Aufwand und die Kosten überproportional an. Es gibt zwar durchaus Subwoofer, die bei geringeren Maßen ähnliche Tiefton-Leistungen schaffen wie der Canton-Bass – sie kosten aber erheblich mehr.

 

 

 

Fazit

Cantons Boxen der Ergo-Serie sind echte Alleskönner, die Musik und Film zum puren Vergnügen machen. Sie verbinden hohe Dynamik mit lockerer Wiedergabe und ausgeprägter Detailtreue – eine seltene und daher reife Leistung.             

  

Technische Ausstattung und Bewertung 

 

 

Der Testbericht Canton Ergo-Set (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 4900 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2009 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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