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    Jamo A 70-Set (Test)

    1. Juni 20085 Minuten Lesezeit

    Jamo A 70-Set – Boxenset für 3.690 Euro

    Jamo A 70 komplettOft bringt ein Spagat zwischen gutem Aussehen und gutem Klang Lautsprecher aus dem Gleichgewicht. Das A 70-Set von Jamo will das Gegenteil beweisen.

    Die neue A 70-Serie von Jamo besticht mit außergewöhnlicher Optik. Die Boxen bestehen aus stranggepresstem Aluminium-Rohr, Vorder- und Rückseite beschreiben Halbkreissegmente. Das wirkt sehr schwungvoll und elegant – und ist zudem akus­tisch von Vorteil: Dank der speziellen Form entstehen keine parallelen Wände, an denen sich ausgeprägte Hohlraumresonanzen bilden könnten.

    Technik

    Hinter den Abdeckungen sitzt eine weitere Spezialität dieser Serie: Koaxial-Lautsprecher, bei denen sich der Hochtöner im Zentrum eines Tieftöners befindet. Diese Bauweise ist aus dem Car-HiFi-Bereich bekannt oder eher berüchtigt, weil sie dort Einbauplatz und Montageaufwand spart. Dabei hat ein gut gemachtes Koax-Chassis akustisch durchaus Vorteile, denn die Schallquelle für tiefe und hohe Frequenzen ist deckungsgleich, was dem Rundstrahlverhalten besser bekommt als räumlich getrennt aufgebaute Konstruktionen. Allerdings stellt die Bauform die Entwickler auch vor einige Probleme: Der Hoch­töner sieht die Bassmembran, in deren Zentrum er sitzt, als Schallführung an, was häufig zu einem unebenen Frequenzgang durch Kantenreflexionen führt. Wenn die Bassmembran dann Bewegungen ausführt, ändert sich zu allem Überfluss der Frequenzgang des Hochtöners im Takt der Musik, und zwar umso stärker, je größer der Hub der Bassmembran ist.

    In allen drei Satelliten-Lautsprechertypen des A70-Sets kommt als Hochtöner ein Kalotten-Chassis mit einer 19-Millimeter-Membran zum Einsatz. Die beiden Tieftöner in den Frontboxen A 707 weisen einen Durchmesser von zehn Zentimetern auf, ihre Kollegen im Center A 70 CEN und den Surrounds A 70 sind nur neun Zentimeter groß. Sämtliche Boxen verfügen für die Anschlüsse leider nur über unkomfortable Federklemmen, die zudem nur Kabel mit geringem Querschnitt aufnehmen. Die Surrounds werden samt Wandhalterungen und Standfüßen geliefert, während für den Center ausschließlich die Wandmontage vorgesehen ist, ein Ständer liegt nicht bei. Ebenfalls ungewöhnlich ist der Subwoofer A 70 SUB aufgebaut: Sein 25-Zentimeter-Chassis sitzt an der Rückseite und besitzt keine Abdeckung. Weil die Anschlüsse bei diesem Sub im Boden stecken – ebenso wie die Regler für Phase und Trennfrequenz – legt Jamo spezielle Anschlusskabel für Strom und Ton mit Winkelsteckern bei.

    Jamo A 70 Gehäuse

    Schwungvolles Styling: Die Form der
    Gehäuse besteht aus Halbkreissegmenten.

    Tonqualität Surround

    Im Messlabor machten die Frontboxen einen ordentlichen Eindruck. Bis auf eine deutliche Anhebung bei 120 Hertz zeigte ihr Frequenzgang keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten. Der Anstieg bei den Höhen ab etwa zehn Kilohertz ist verzeihlich, denn er verursacht erfahrungsgemäß keine störenden Verfärbungen, sondern verleiht dem Klangbild mehr Strahlkraft. Bei Center und Surrounds verliefen die Frequenzgänge unregelmäßiger, der Center wies sogar eine deutliche Anhebung etwas unter einem Kilohertz auf, was zwar die Sprachverständlichkeit erhöht, Stimmen aber hörbar verfärbt. Sein Rundstrahldiagramm wiederum fiel exzellent aus, auch seitlich sitzende Zuhörer werden also gut versorgt.

    Jamo A 70 Rundstrahlverhalten
    Sehr gutes Rundstrahlverhalten dank dem Koax-Prinzip des
    Mittel/Hochtöners, die klanglichen Nachteile des Prinzips bleiben aber.

    Im Hörtest präsentierte sich das Jamo-Set als angenehmer, gutmütiger Begleiter, der nie unangenehm oder gar lästig wird. Besonders gut gelingt ihm die räumliche Abbildung. Die Jamos zeichnen Atmosphäre wie beim Einzug von Gandalf ins Auenland im ersten "Herr der Ringe"-Film stimmig und präzise, positionieren aber auch die direktionalen Effekte der Rennwagen aus "Cars" glaubwürdig. Dialoge ertönen gut verständlich, Michael Schumacher klingt bei seinem "Cars"-Gastauftritt zum Schluss allerdings erkennbar kehliger als normal. Besonders laut mögen es die Jamo-Boxen nicht, bei Action-Getöse à la "King Kong" geht ihnen verhältnismäßig schnell die Puste aus. Das liegt aber weniger am Subwoofer als am restlichen Ensemble: Trotz der relativ hohen Übergangsfrequenz von 120 Hertz zeigt sich das Set bei höheren Pegeln mit heftigen Bass- und Mittelton-Attacken schnell überfordert und produziert hörbare Verzerrungen. Dynamik-Wunder sollte man also nicht erwarten.

    Jamo A 70 Subwoofer
    Funktionell und auffällig: Der silberne Ring oben auf dem Subwoofer-Gehäuse leuchtet
    im Betrieb blau und dient als Pegelregler. Weitere Bedien­elemente und die Anschlüsse
    sitzen versteckt im Boden.

    Mehrkanal-Musik liegt den Jamos deutlich besser: "Givin‘ it up" von Al Jarreau und George Benson klingt entspannt und locker. Mit dem kräftigen Bass dieser Aufnahme kommt das Set dank des starken und präzisen Subwoofers gut zurecht und zeigt eine weit und tief gespannte, aber trotzdem präzise Raumabbildung. Kleinere Verfärbungen ergeben sich vor allem bei Jarreaus Stimme, sie wirken aber nicht störend.

    Im Preisklassen-Vergleich spielt die Reference IV-Kombi von Klipsch (Test in audiovision 12-07) ähnlich locker, aber dynamischer und mit weniger Verfärbungen. Zum P4-Set von Boston Acoustics (Test in audiovision 11-05) ist der Abstand weniger groß, aber auch diese Kombi spielte dynamischer und mit weniger Verfärbungen als die Jamos. Bei der räumlichen Abbildung hingegen liegt das Jamo-Set vorn, denn es wirkt luftiger und selbstverständlicher.

    Tonqualität Stereo

    Im Stereo-Betrieb gelingt ebenfalls eine weit gefasste Raumdarstellung, etwa bei "Crystal" von Friend ’n Fellow. Sängerin und Gitarre stehen recht plastisch im Raum, der Klang löst sich gut von den Lautsprechern. Verfärbungen gibt es kaum.

    Jamo A 70 Set
    Schlank und elegant: Die Aluminium-Säulen des Jamo A 70-Set wirken hochwertig,
    lediglich die fummeligen Federklemmanschlüsse wollen nicht recht dazu passen.

     

    Fazit

    Das A 70-Set von Jamo bietet außergewöhnliche Optik und ansprechende Verarbeitung. Es spielt bei Filmton und Musik angenehm, reißt allerdings in Sachen Maximallautstärke keine Bäume aus.

     

    Technische Ausstattung und Bewertung 

    Jamo A 70 Ste Tabelle

     

     

    Der Testbericht Jamo A 70-Set (Gesamtwertung: 69, Preis/UVP: 3690 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2008 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

    • Jamo A 70-Set (audiovision 6/2008)In den Warenkorb

      Jamo A 70-Set (audiovision 6/2008)

      PDF-Download €1,99

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