Der neue Sim2 UltraNero 4 will mit 7.000 Lumen Lichtausbeute und optimierter HDR-Darstellung die Top-Modelle von JVC und Sony vom Beamer-Thron stoßen. Ob ihm das gelingt, klärt unser Test.
Große Leinwandbreiten und High Dynamic Range erfordern viel Licht, um ein begeisterndes Filmerlebnis zu schaffen. Der Projektor-Hersteller Sim2 aus Italien hat das erkannt und mit dem UltraNero 4 eine konsequente Weiterentwicklung des Nero 4S auf den Markt gebracht, der genau bei der visuellen Herausforderung ansetzt. Der Preis konnte um 6.000 auf nunmehr 29.000 Euro gesenkt werden. Verzichtet wurde dafür unter anderem auf das stylische Kristallglasgehäuse.
Mit einem Gewicht von 14,5 Kilo und einer Stellfläche von 48,5 x 43 Zentimetern ist der UltraNero 4 überraschend kompakt. Das Finish ist in Mattschwarz gehalten, um möglichst wenig Streulicht im Heimkino zu erzeugen. Mit einer Leistungsaufnahme von 419 Watt im hohen Laserlichtmodus ist er nicht gerade genügsam, aber mit einem Betriebsgeräusch von 30 Dezibel verblüffend leise.
Ausstattung und Technik
Der Sim2 UltraNero 4 ist ein Ein-Chip-DLP-Projektor mit 0,66 Zoll DMD (Digital Micromirror Device) von Texas Instruments, der eine native Auflösung von 2.716 x 1.528 Pixel besitzt. Wie üblich wird die UHD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) sequenziell mit der XPR-Pixelshift-Technologie erzeugt.
Das Herzstück ist eine langlebige Laser-Phosphor-Lichtquelle. Sim2 gibt eine Laufleistung von 20.000 Stunden an, bis sich die Lichtleistung halbiert hat. Wer jeden Tag einen Spielfilm schaut, erreicht diesen Wert erst nach rund 27 Jahren. Das Besondere am hier verbauten Phosphorrad ist, dass es nicht aus Aluminium (wie bei vielen Mitbewerbern), sondern aus Keramik besteht. Der mit Phosphor bedampfte Keramik-Teller ist hitzebeständiger und ermöglicht eine konsistentere Farbdarstellung über die gesamte Laufzeit des Projektors.
Die bemerkenswert hell hinterleuchtete Tastatur sorgt dafür, dass die große Fernbedienung in dunkler Umgebung bestens nutzbar ist. Die Beschriftung auf den einzelnen Tasten ist sehr gut zu lesen. Drei Speichertasten (F1, F2, F3) können frei belegt werden, was den direkten Zugriff auf häufig verwendete Features erleichtert, wie beispielsweise Fokus, Zoom und Perfect Fit.
Darüber hinaus ermöglicht es Sim2 als erster Anbieter, dass Nutzer nicht nur Anpassungen vornehmen können, die dann auf alle HDR-Filme gleichermaßen wirken. Vielmehr können Nutzer bei allen Filmen die Regler für Helligkeit, Kontrast und Farbe individuell konfigurieren. Zum Beispiel, um mehr Zeichnung in dunklen oder hellen Bereichen zu erhalten. Der UltraNero 4 übernimmt diese Einstellungen, speichert sie und ruft die Parameter selbstständig wieder auf, sobald Signale mit exakt denselben Nits erneut zugespielt werden. Filme wie „West Side Story“, die mit rund 1.000 Nits gemastert sind, werden fortan perfekt reproduziert (siehe Fotos unten).

Darüber hinaus wurde ein 8-Segmente-Farbrad verbaut (2x Rot, 2x Grün, 2x Blau, 2x Gelb), das 7.200 Umdrehungen pro Minute zur sequenziellen Farbdarstellung nutzt. Damit soll der Regenbogen-Effekt auf ein Minimum reduziert werden. Die Aufhängung des Farbrads besteht ebenfalls aus Keramik wegen der besseren Hitzebeständigkeit.
Sim2 hat den UltraNero 4 mit einem 1,66-fachen, motorischen Zoomobjektiv ausgestattet. Auch in diesem Fall ist die Halterung aus Keramik gefertigt, anstatt aus Kunststoff oder Alu. Das Lens-Shift beträgt +/- 25 Prozent horizontal und +/- 55 Prozent vertikal, das Projektionsverhältnis reicht von 1,26:1 bis 1,98:1 – das sind hervorragende Werte für einen DLP-Projektor. Hochvergütete TR-Linsen sollen ein messerscharfes Bild bis zum Rand gewährleisten. Zusätzlich sorgt eine ins Objektiv verbaute Lamellenblende dafür, dass das Streulicht im Korpus reduziert und der Kontrast verbessert wird.
Optimiertes HDR
Um High-Dynamic-Range-Inhalte bestmöglich auf der Leinwand abzubilden, kommt ein überarbeitetes dynamisches Tone-Mapping zum Einsatz. Die gesamte HDR-Signalkette im UltraNero 4 ist dafür optimiert. Sie besitzt individuelle PQ-Kurven (Perceptual Quantization), die von Sim2 selbst entwickelt wurden und die vom Nutzer weiter angepasst werden können (siehe Kasten auf der nächsten Doppelseite). Die Formate Dolby Vision und HDR10+ werden allerdings nicht unterstützt.
Sim2 hat im Projektor zudem eine dynamische Kontrastregelung implementiert. Diese ist im Bildmenü unter dem Reiter „Auto Adaptive Contrast“ zu finden und heißt „Dynamisches Schwarz“, allgemein auch als „Dynamic Black“ bekannt. Die Geschwindigkeit der Arbeitsweise, Stärke und Level lassen sich individuell einstellen, um Schwarzwert und Kontrastumfang im Bild zu verbessern.




Mit der F3-Taste der Fernbedienung rufen wir die Speicherbank auf, wählen das präferierte Format aus und der Wechsel von 16:9 auf 2,39:1 dauert nur einen Wimpernschlag. Hierbei geht keine Lichtausbeute verloren durch das größere Bild, weil die Darstellung allein auf dem Chip stattfindet und nicht durch das optische Zoom.
Der Nachteil gegenüber einer „echten“ Lens-Memory via Zoom ist, dass das Bild mit „Perfect Fit“ etwas an Auflösung einbüßt, weil die Verkleinerung rein digital erfolgt. In der Praxis waren diese Einbußen zu unserer Verblüffung allerdings kaum zu sehen – zumindest nicht auf unserer Leinwand.


Für die Farbanpassungen sind ein vollständiges Sechs-Achsen-CMS, RGB-Gain/Offset-Regler und alle relevanten Gamma-Presets implementiert. Warping bietet die Möglichkeit, das Bild exakt an eine Curved-Screen anzupassen.
Die verbauten Lautsprecher sind ein besserer Notbehelf, trotzdem reichen sie aus, um Räumlichkeiten mit bis zu 30 Quadratmetern zu beschallen. Darauf dürften aber die wenigsten angewiesen sein, denn wer sich einen Projektor wie den UltraNero4 zulegt, stellt ihm in der Regel ein ausgewachsenes Lautsprecherset zur Seite.
Dass Smartfunktionen und Apps fehlen, ist bei Projektoren dieser Preisklasse üblich, die fehlende Zwischenbildberechnung sorgt hingegen für Verwunderung und führt zu einem Punktabzug bei der „Bewegungsschärfe“. Dafür unterstützt der Projektor die 3D-Wiedergabe – und die kann sich sehen lassen (siehe Kasten nächste Doppelseite).
Installation und Bedienung
Geliefert wird der Sim2 UltraNero 4 in einem schlichten Karton mit Anti-Schock-Füllung. In unserem Fall war das hilfreich, weil die „Shockwatch“, die an der Verpackung angebracht ist, auf dem Transportweg ausgelöst wurde. Das ist unter anderem der Fall, wenn der Karton aus einer Höhe von mindestens 120 Zentimetern fällt. Zum Glück hat unser Testgerät diese Behandlung ohne Schaden überstanden.
20 Sekunden benötigt der Beamer nach dem Einschalten, bis er das zugespielte Bildsignal zeigt. Ebenso schnell fährt er nach dem Ausschalten herunter. Die Aufstellung in Waage ist angenehm leicht, weil die Standfüße sich zur Nivellierung herausdrehen lassen. Da der UltraNero 4 zentrisch abstrahlt, erhalten wir zunächst nur die Hälfte des Bildes auf unserer Leinwand, weil wir ihn auf Höhe der Unterkante der Leinwand platziert haben. Mit der Fernbedienung lässt sich das Bild nach oben verschieben, so dass es perfekt passt. Dank des 1,66-fachen Zooms kann eine 16:9-Leinwand aus einer Distanz von 3,15 bis 4,95 Meter komplett ausgefüllt werden. Alle Einstellungen erfolgen bequem mit der Fernbedienung.
Der Controller bietet drei Speicher, die frei zugewiesen werden können. Wir haben uns entschieden, die Tasten F1 bis F3 mit Zoom, Fokus und dem „Perfect Fit“-Menü zu belegen. Soll die Bildgröße oder die Schärfe angepasst werden, muss nicht umständlich durch das On-Screen-Display (OSD) navigiert werden, es reicht das Drücken einer der Speichertasten. Um das Seitenverhältnis eines Filmes von 16:9 (1,78:1) auf 2,39:1 auf unserer Cinemascope-Leinwand anzupassen, müssen wir bloß den entsprechenden Speicher F3 wählen. Praktisch finden wir zudem, dass der UltraNero 4 selbstständig auf den Bildmodus zugreift, den wir für HDTV, 3D und HDR angelegt haben. Das ist alles durchdacht und komfortabel gelöst.



Aufgrund der extrem hohen Helligkeit ist der UltraNero 4 wie geschaffen, um 3D-Inhalte zu projizieren. Hinter der 3D-Brille messen wir sagenhafte 1.500 Lumen. Mit 120 Hz ist kein Helligkeitsflackern vorhanden, Crosstalk-Effekte in Form von Geisterbildern und einen sichtbaren Regenbogen-Effekt gibt es nicht. In „Avatar: The Way Of Water“ tauchen wir richtig tief ein, dank der sensationellen räumlichen Staffelung und gelegentlicher Pop-out-Effekte. So strahlend hell haben wir bislang noch keinen 3D-Film erlebt. Das Bild besticht überdies mit seiner fantastischen Schärfe.


Licht und Farbe
Die höchste Lichtausbeute ermitteln wir mit 6.400 Lumen. Damit liegt unser Testsample rund neun Prozent unter der beworbenen Maximalhelligkeit. Wir schalten in den Bildmodus „Kino“ für die Kalibrierung. Es ist erfreulich, dass nur wenige Anpassungen nötig sind, um Farbraum, Gamma und den Graustufenverlauf zu optimieren. Wir nutzen das Preset „Gamma 2,4“ und der Farbtemperatur „D65“. Nun stellen wir im Farbraum-Menü das Weiß breitbandig und punktgenau ein. Das Gain-Offset-Menü lässt sich jetzt nur noch rudimentär nutzen. Wirkung zeigen allein die Offset-Regler. Die Gain-Regler sind wirkungslos, damit diese mit den Werten aus dem Farbraum-Menü nicht interagieren. Clever!
Das Resultat ist ein mustergültiger Graustufenverlauf mit durchschnittlich 0,6 DeltaE und einer Farbtemperatur von exakt 6.500 Kelvin. Der Farbraum Rec.709 wird erwartungsgemäß für einen Projektor in diesem Preissegment zu 100 Prozent abgedeckt. Positiv überrascht sind wir dabei über die Darstellung der Primär- und Sekundärfarben, weil wir für die Ausschöpfung der Maximalhelligkeit Brilliant Color mit in die Kalibrierung einbeziehen. Nominell sollen 93 Prozent des DCI-P3-Farbraums abgedeckt werden. Es gelingt uns sogar, diesen Wert auf 97 Prozent zu trimmen, indem wir die CMS-Regler gezielt hochziehen. Da schlummerte noch Potential in der Werkseinstellung.
Kontrast mit Bestmarke
Nach der Kalibrierung erhalten wir eine Lichtausbeute von 5.680 Lumen bei SDR und 6.080 Lumen bei HDR. Im Rahmen der Kalibrierung büßen wir damit lediglich 5 Prozent (HDR), respektive 12 Prozent (SDR) ein. Das sind vortreffliche Werte und bestätigen die guten Werkseinstellungen.
Die enorme Helligkeit reicht aus, um in einem optimierten Heimkinoraum Bildbreiten bis 7,60 Meter (HDTV) mit 16 Footlambert, beziehungsweise 5,60 Meter (HDR) mit 32 Footlambert zu beleuchten – oder im Wohnzimmer entsprechend kleinere Bildbreiten bei zunehmendem Umgebungslicht.
Der statische On/Off-Kontrast beträgt 1.244:1 und kann mit „Dynamic Black“ von 8.100:1 (Stellung 0) bis 11.200:1 (Stellung 3) gesteigert werden. Der ANSI-Kontrast erreicht mit 719:1 eine Bestmarke, die sogar oberhalb von unserer Bewertungsskala liegt. Der In-Bild-Kontrast erzielt mit 1-Prozent-ADL ebenfalls einen exzellenten Wert von 1.120:1. Das Ergebnis sind außerordentlich kontrastreiche helle Bilder, die ihresgleichen suchen. Der statische Schwarzwert schwächelt hingegen mit rund 4,89 Lumen. Dieser suboptimale Wert ist der hohen Lichtausbeute geschuldet und verbessert sich durch die Nutzung von „Dynamic Black“ auf anständige 0,54 Lumen.

HDR-Signale werden von 0,0 bis 10.000 Nits vom UltraNero 4 im Rahmen seiner Performance vom dynamischen Tone-Mapping reproduziert. Die Ausleuchtung und Color Uniformity sind mit 98 Prozent herausragend. Sämtliche messbaren Abweichungen fallen so gering aus, dass sie unterhalb der Wahrnehmungsschwelle von 10 Prozent liegen. Von der Mitte bis zum Rand gibt es daher weder einen Helligkeitsabfall noch eine sichtbare Farbverschiebung.
Bildqualität
Mit den ersten Lichtstrahlen sorgt der Sim2 UltraNero4 für ein echtes Wow-Erlebnis. So hell haben wir bislang noch nicht viele Heimkino-Projektoren mit korrekter Farbdarstellung erlebt. Überdies ist er mit 30 Dezibel erfreulich leise, die großen Lüfter erzeugen ein sonores, fast angenehmes Betriebsgeräusch. Alle zugespielten Inhalte werden originalgetreu und fehlerfrei mit 24, 50 und 60 Hz projiziert – so wie es Cineasten lieben. Der Regenbogen-Effekt ist selbst für unsere geschulten Augen nur ganz selten sichtbar. Lediglich an kontrastreichen Elementen können wir ihn ab und an als Farbblitzen wahrnehmen. Geringer haben wir ihn bislang bei keinem Ein-Chip-DLP-Projektor gesehen. Feinste Elemente sind bis zum Rand gestochen scharf. Testbilder überzeugen durchweg. So werden bei Zuspielung einer Grautreppe alle Abstufungen nahe Schwarz und Weiß vollständig reproduziert. Spielfilme, Live-Sport und TV-Serien erscheinen in HDTV sehr natürlich. Der UltraNero 4 skaliert alle Signale fehlerfrei auf seine maximale Auflösung. Allenfalls ein dunkleres Schwarz wünschen wir uns. Das können die Top-Projektoren von JVC und Sony besser.
Dafür punktet der Sim2 mit seiner extrem hohen Lichtausbeute: Er ist etwa doppelt so hell wie die japanische Konkurrenz. Vor allem HDR-Filme liefern eine Farbenpracht, wie auch wir sie nicht jeden Tag zu Gesicht bekommen. Das beinhaltet den fast vollständig abgedeckten Farbumfang des DCI-P3-Spektrums in Kombination mit über 6.000 Lumen. Auf unserer 3,20 Meter breiten Leinwand mit 0,81 Gain erleben wir „Elvis“ in HDR mit satten 270 Nits. Das sind 79 Footlambert! Der JVC DLA-NZ800 ist im Vergleich nicht mal halb so hell. Mit der Kombination von „Dynamic Black“ und leichten Anpassungen des dynamischen Tone-Mappings sehen mit dem UltraNero4 die Auftritte des King of Rock’n’Roll atemberaubend aus. Und in „Sully“ sind alle Elemente bis 10.000 Nits auf den Displays am Times Square vorhanden. In der jüngsten Musicalverfilmung von Stephen Spielbergs „West Side Story“ steht Maria am Abend auf der Feuertreppe. Sämtliche Stufen und Streben der Geländer sind zu sehen. Gleichzeitig strahlen die hinterleuchteten Fenster prachtvoll in verschiedenen Farben. Allerdings ist ein leichter Grauschleier erkennbar, obwohl „Dynamic Black“ aktiv ist.
Als Maria durchs Fenster in ihr Zimmer steigt, lichtet sich der Schleier schlagartig und die natürlichen Farben dominieren. Während des Songs „America“, der am Nachmittag mit großartig choreografierter Tanzeinlage auf der Straße stattfindet, läuft der Sim2 UltraNero 4 zur Hochform auf. Hier ist er in seinem Element. Die gelben Kleider der Frauen sehen großartig aus. Die dunklen Haare der Puertoricaner sind perfekt durchgezeichnet, und die sonnendurchfluteten Straßenschluchten beeindrucken nachhaltig. So muss HDR aussehen!




Der Testbericht Sim2 UltraNero 4 (Gesamtwertung: 96, Preis/UVP: 29.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Sim2 präsentiert mit dem UltraNero 4 einen außerordentlich lichtstarken 4K-Projektor mit langlebiger Laserlichtquelle, toller 3D-Performance und exzellenter HDR-Darstellung. Er eignet sich für helle Wohnzimmer wie XXL-Leinwände in dunklen Heimkinos – und landet locker in unserer Referenzklasse.
Michael B. Rehders

