Die Stewart Graymatte 70 wurde für alle Projektor-Technologien und Räumlichkeiten entwickelt. Wie gut ihre Abbildungsqualität bei diesem ambitionierten Ansatz ist, zeigt unser Test.
Die Stewart Graymatte 70 ist die erste Leinwand in unserem Testlabor, die sich für klassische Front-Projektoren und Laser-TVs gleichermaßen eignen soll. Denn sie reduziert im Restlicht-Wohnzimmer Laserspeckle wirkungsvoll und hält im dunklen Heimkino den Kontrast aufrecht – so zumindest das Versprechen des Herstellers. Optional gibt es die 6.500 Euro teure Graymatte 70 als schalldurchlässige Variante.
Als Rahmen haben wir den Balón Edge ausgewählt, der aus schmalen Aluminium-Profilen besteht, welche die Bildfläche nur einen Zentimeter umlaufend kaschieren. Der schmale Rahmen ist mit schwarzem „Velux“ bezogen. Hierbei handelt es sich um einen lichtschluckenden Stoff, der von 3M exklusiv für Stewart produziert wird. Dieser Rahmen ist mit jedem Bildwandtyp von Stewart konfigurierbar.
Für die Maßanfertigung der Kombination Balón Edge mit Graymatte 70 in 2,50 x 1,41 Meter (16:9) veranschlagt der Hersteller 6.500 Euro.


Während auf klassischen Vinyl-Folien das „bewegte Rauschen“ deutlich auffällt, wird es von der Stewart Graymatte 70 vollständig eliminiert. Dies liegt an der Beschaffenheit der Leinwandfolie mit ihrer „rauen“ Oberflächenstruktur, die Stewart der Haut von Haien nachempfunden hat. Hiervon profitieren alle Bildwerfer mit RGB-Laserlichtquelle, egal ob klassisch oder als Ultra kurzdistanz-Variante (Laser-TV).

Lieferung und Montage
Wie bei Stewart üblich kommt die Leinwand in einem mit Holzpaneelen ummantelten Karton. Zum Lieferumfang gehören das aufgerollte und gesondert verpackte Leinwandtuch, Steckprofile für den Rahmen, Verbindungsstücke, Wandhalter und das benötigte Montagematerial. Der Graymatte 70 wird bei der Herstellung ein Lavendelduft beigemischt, welcher ihr am Anfang den unverwechselbaren Charakter verleiht. Nach rund zwei Wochen löst sich diese Duftnote allerdings in Luft auf.
Die Montage ist ganz leicht: Die Aluminium- Profile werden mit den vier Verbindungswinkeln verschraubt. Danach wird der Rahmen auf die Graymatte 70 gelegt und das Leinwandtuch auf der Rückseite festgeknöpft (siehe Bilder). Zur Verstärkung des Balón Edge können zwei Streben zwischen den Längsprofilen verschraubt werden. Zum Schluss wird die Kaschierung aufgesteckt. Diese trägt auf der Rückseite rund acht Zentimeter auf, während die Leinwand auf der Vorderseite nur einen Zentimeter umlaufend kaschiert wird. Fix und fertig zusammengebaut kann die Leinwand bequem zu zweit an die Wand gehängt werden, da sie nur 14 Kilogramm wiegt.
Technik und Messungen
Die Graymatte 70 ist eine elastische Vinyl-Folie mit grauem Grundton, die auf den ersten Blick spiegelglatt erscheint. Erst bei näherer Betrachtung ist zu erkennen, dass eine mikroskopisch kleine Struktur vorhanden ist, die wie eine Raufasertapete anmutet. Negative Auswirkungen auf das Bild verzeichnen wir dadurch nicht. Die geschlossene Folie reproduziert die maximale Schärfe und Auflösung.
Den Leuchtdichtefaktor messen wir mit 0,61 Gain, was unterhalb der Herstellerangabe von 0,7 Peak-Gain liegt. Der Betrachtungskegel bleibt unter Winkel hingegen stabil. Bis 160 Grad ist die Ausleuchtung ohne Hotspot homogen. Das deckt sich mit dem Messchart von Stewart, der ab einem Winkel von 15 Grad exakt 0,6 Gain ausweist.





Die Farbreproduktion ist gut. Wir verzeichnen einen ganz leichten Blauüberschuss und Rotmangel, welche sich aus den Abweichungen von Blau (+ 2,7 Prozent) und Rot (- 2 Prozent) ergeben. Die Farbtemperatur der Folie beträgt unter Normlicht 6.943 Kelvin. Infolgedessen erzeugt sie eine etwas zu kühle Farbtemperatur mit einem leichten Blaufarbstich. Mit Hilfe der Gain-Offset-Regler des Projektors konnten wir diesen Wert auf 6.515 Kelvin verbessern, so dass sich wie gewünscht ein farbneutrales Bildergebnis einstellt.
Bildqualität
Um ihre beworbenen Allround-Fähigkeiten zu testen, lassen wir gleich drei Projektoren auf die Leinwand los. Zunächst wirft der Xgimi Horizon 20 Max (Test in der letzten Ausgabe) seine Bilder auf die Graymatte 70; und er stellt nach der Kalibrierung konsistente Farben dar. Das gefürchtete Laserspeckle, das alle aktuellen Beamer mit RGB-Laserlichtquellen erzeugen, wird von der Gray matte 70 vollständig unterdrückt (siehe Kasten).
Als zweiter Zuspieler ist der Laser-TV Hisense PT1 (Test in 11-2025) an der Reihe. Und auch bei dem Ultrakurzdistanz-Vertreter ist keinerlei Laserspeckle auf der Graymatte 70 auszumachen. Darüber hinaus wirkt die Leinwand dem Streulicht im Raum wirkungsvoll entgegen. Selbst bei leichtem Umgebungslicht hält die graue Stewart den Kontrast besser aufrecht als jede mattweiße Gain-1,0-Leinwand. Dunkle Szenen überzeugen folglich mit sattem Schwarz und optimaler Durchzeichnung. Natürlich sollte kein gleißendes Sonnenlicht in die Stube fallen, denn dagegen ist weder die Leinwand noch ein Heimkinoprojektor gewappnet.
Mit nativen 4K-Bildern spielt die Graymatte 70 eine weitere Stärke aus. So knallt der JVC DLANZ800 (Test in 11-2024) messerscharfe und strahlend helle Bilder auf die Folie. Selbst feinste Details in UHD-Pixelgröße werden darauf vollständig reproduziert. Die Leinwand dunkelt das Bild um 39 Prozent ab. Davon profitieren in der Mehrzahl lichtstarke Beamer. Besonders bei DLP-Projektoren wird der Schwarzwert so sichtbar verbessert.



Der Testbericht Stewart Graymatte 70 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 6.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Die Stewart Graymatte 70 ist für klassische Projektoren und Laser-TVs gleichermaßen zu empfehlen. Sie hält den Kontrast im Wohnzimmer und Heimkino aufrecht, unterdrückt Laserspeckle und ermöglicht einen breiten Betrachtungswinkel.
Michael B. Rehders

