Noch vor dem Marktstart konnten wir Samsungs neues OLED-Flaggschiff in unserem Messlabor testen. Beim 77-Zöller setzen die Koreaner erstmals auf ein mattes OLED-Display.
âDie Schutzfolie muss noch ab!â, ist der erste Gedanke, als der Samsung GQ77S95D in unserem Testraum steht. Doch da ist nichts, was sich vom Display abziehen lieĂe. Denn dies ist der erste OLED mit einem matten Bildschirm. So matt wie manche Displays von Computer monitoren. Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Dieses 4K-Panel (8K gibt es vom Hersteller auch in 2024 nur bei LCD) spiegelt trotz seiner GröĂe erstaunlich wenig. Auftreffendes Licht wird förmlich geschluckt. Möglich macht dies eine spezielle Kontrastschicht mit starker Mattierung. Wie sich dies auf die BildqualitĂ€t und vor allem auf die Darstellung von Schwarz und von Farben auswirkt, klĂ€ren wir spĂ€ter im Test.
Samsung verspricht, dass das neue Display mit Hartbeschichtung und spezieller OberflĂ€chenstruktur bei der Helligkeit 20 Prozent gegenĂŒber dem VorgĂ€ngermodell zulegen soll. Mit gerade mal 1,1 Zentimeter fĂ€llt das OLED-Display mit schicker Metallblende erstaunlich schlank aus. Auch weil die Koreaner die AnschlĂŒsse des Apparats in der bereits seit mehreren Jahren bekannten One Connect Box ausgelagert haben. Diese kann man weiter weg aufstellen oder auf der RĂŒckseite des massiven MetallfuĂes platzieren. Die VESA-Norm 400 x 300 Millimeter erlaubt die Wandmontage.
Der S95D ist nicht nur in 77 Zoll fĂŒr 5.200 Euro, sondern auch als 55-Zöller fĂŒr 2.800 und als 65-Zöller fĂŒr 3.700 Euro ab April zu haben. Allen GröĂen gemein: Samsung vertraut zusĂ€tzlich zu den selbstleuchtenden Pixeln auf winzig kleine Quantum Dots, bei denen im Vergleich zu herkömmlichen Filtern weniger Licht verloren geht, was eine gröĂere Helligkeitsausbeute ermöglicht. Bei den Flat-TVs der Koreaner sind die roten, grĂŒnen und blauen Pixel (im Gegensatz zu klassischen OLED-Panels gibt es keine weiĂen Pixel) dreieckig angeordnet.
Wenige Tasten: Durch die Mehrfachbelegung gehört der Samsung-Steuerstab zu den puristischsten und ĂŒbersichtlichsten am Markt. Er liegt durch seine kompakte Bauweise ausgezeichnet in der Hand und wird wahlweise durch Sonnenenergie oder Kunstlicht geladen. Zudem besteht die Möglichkeit, die Fernbedienung per USB mit Energie zu versorgen.



Unter den âempfohlenen Inhaltenâ wird eine Liste der von Samsung TV Plus vorgeschlagenen KanĂ€le aufgefĂŒhrt mit den beliebtesten Sendern. Die Streaming-Plattform erfordert keinen Samsung Account. Hat man sich jedoch ein Konto eingerichtet, besteht unter anderem die Möglichkeit, Streams zu pausieren, KanĂ€le zu bearbeite, Erinnerungen einzurichten und Watchlists zu erstellen. Ein bestehender Samsung Account eignet sich fĂŒr alle diese Features. Sender, fĂŒr die man sich thematisch nicht interessiert, kann man aus Samsung TV Plus löschen. Ein ĂŒbersichtlicher ProgrammfĂŒhrer fĂŒhrt alle KanĂ€le optisch ansprechend auf. Der Streaming-Dienst lĂ€uft auch auf Smartphones und Tablets von Samsung, auf denen mindestens Android 8.0 installiert ist.

Ausstattung und Praxis
Alle Bild- und Tonsignale landen zunĂ€chst in der One Connect Box und werden dann ĂŒber ein silbernes Kabel zum 77-Zöller transportiert. Mitgeliefert werden ein 25 Zentimeter kurzes und ein 2,50 Meter langes Kabel. Alle vier HDMI-Ports unterstĂŒtzen den Standard 2.1 mit VRR (Variable Refresh Rate), ALLM (Auto Low Latency Mode) und 4K-Wiedergabe bei 120 Hertz. Gamer profitieren zudem von AMD FreeSync und Nvidia G-Sync. Die TV-Tuner fĂŒr Kabel, Satellit und DVB-T2 sind als Twin-Tuner verbaut. So ist man nicht gezwungen, die Sendung, die man per USB-Festplatte aufnimmt, mangels Umschalt-Option auch zu schauen. Time-Shift beherrscht der Koreaner ebenfalls. Als Prozessor ist der Neural Quantum 4K AI Gen2 mit KI-UnterstĂŒtzung und 20 neuronalen Netzwerken verbaut.
An der Optik der Tizen-OberflĂ€che hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum etwas geĂ€ndert. Mittig in waagerechter Anordnung findet man eine App-Auswahl und den Streaming-Dienst Samsung TV Plus (siehe Kasten nĂ€chste Doppelseite), darunter listet der Flachmann neben Spielen auch Filme, Serien und personalisierte Empfehlungen aus Mediatheken und Streaming-Portalen auf. Links in senkrechter Anordnung hat man Zugriff auf personalisierbare Nutzerkonten, eine Suchfunktion (etwa fĂŒr Serien oder bestimmte Inhalte), den Ambient-Modus, Daily+ und Spiele.
Hinter dem Ambient-Modus verstecken sich ansprechende Werke von KĂŒnstlern und Designern, Cinemagramme (Fotos und Videos in einer kontinuierlichen Schleife) sowie Inhalte zum Entspannen, die das XXL-Display in ungenutzten TV-Pausen verschönern. Daily+ gibt unter anderem eine Ăbersicht ĂŒber alle zu Hause eingebundenen Smart-Home-GerĂ€te und erlaubt das Erstellen von Routinen, um mehrere GerĂ€te miteinander zu verknĂŒpfen und mit Tipp- oder Sprachbefehlen zu steuern. AuĂerdem kann man beispielsweise sein Smartphone klingeln lassen, um es zu orten.
Unter dem MenĂŒeintrag âWorkspaceâ kann der S95D auch aus der Ferne auf einen Windows-PC oder Mac zugreifen und erlaubt dank Microsoft 365 flexible BĂŒro-Arbeiten. Interessant fĂŒr Smart-Home-Freunde: Der OLED gestattet es, Philips-Hue-Lampen synchron zum Bildschirminhalt heller oder dunkler leuchten zu lassen â eine Art abgespecktes Ambilight von Philips-TVs. Der eigene Spielebereich umfasst unter anderem die Streaming-Dienste von Xbox, Nvidia GeForce Now, Luna und Utomik. Spiele lassen sich detailliert nach Genres wie Familie, Rennspiel, Sport, Action, Abenteuer, Shooter, Puzzle oder Strategie durchsuchen, Samsung gestattet bei 4K-Auflösung SpielspaĂ mit bis zu 144 Hertz.
Die MenĂŒs des Flachmanns erlauben eine intuitive Bedienung. Im Live-Bild kann man ĂŒber ein horizontal eingeblendetes schmales MenĂŒ praktische Schnelleinstellungen vornehmen und Film-, Spiel- wie Tonmodus Ă€ndern oder Helligkeit bzw. Kontrast anpassen, Farbton und Farbraum modifizieren oder den Sleep-Timer stellen. Die Fernbedienung ist kompakt, wird ĂŒber Sonnen- bzw. Kunstlicht oder per USB-Kabel geladen und kommt durch Doppelbelegung mit wenigen Tasten aus. Dadurch ist etwas Einarbeitungszeit notwendig, um das Bedienkonzept zu verinnerlichen.
Zudem erlauben es die Koreaner ĂŒber die âSmartThingsâ-App, das Mobiltelefon fĂŒr Spiele auf dem Flat-TV als virtuellen Game-Controller zu benutzen, was den SpielspaĂ deutlich erhöht. Den Ambient-Modus kann man ĂŒber die App komfortabel steuern. Eine Vorschau der zur VerfĂŒgung stehenden Motive erhĂ€lt man direkt auf dem Smartphone. Zudem lassen sich Licht- und Tonsensor fĂŒr automatische Anpassungen auf dem Flachmann aktivieren. Super finden wir die neue âKamerafreigabeâ. FĂŒr FitnessĂŒbungen beispielsweise muss man so nicht mehr eine USB-Kamera anschlieĂen, sondern kann auch ganz unkompliziert die im Smartphone integrierte Kamera verwenden.




Als Sprachassistenten stehen Alexa und Bixby zur VerfĂŒgung, Google Assistant wurde von Samsung hingegen gestrichen. Der leistungsstarke Mediaplayer erlaubt die Darstellung von Fotos und Videos in 360-Grad-Ansicht. Wer gerne streamt, darf sich ĂŒber ein riesiges App-Angebot freuen. Hierzu zĂ€hlen unter anderem HD+, Magenta TV, Rakuten TV, RTL+, Paramount+, Waipu.TV, DAZN, Zattoo, Joyn, Apple TV+, WOW, Disney+, Amazon Prime Video und Netflix. Möchte man zwei Inhalte parallel darstellen, nutzt man den âMulti Viewâ-Modus. So kann man Internet-Inhalte wie YouTube, Smartphone, PC oder Mac sowie USB- oder Mobilkamera wahlweise in zwei identisch groĂen Fenstern nebeneinander oder in unterschiedlichen GröĂen auf dem TV-Display darstellen. Dank âTap Viewâ koppeln sich Smartphones mittels NFC (Near Field Communication), wenn man den Rahmen des Fernsehers mit dem Mobiltelefon berĂŒhrt. Zum Streamen beherrscht der Samsung neben Apple AirPlay 2 natĂŒrlich auch Blue tooth.
400 Nits leuchtstÀrker
Die erste gute Nachricht gleich zu Beginn unseres Bildchecks: Samsung hĂ€lt Wort! Der S95D ist deutlich heller als sein VorgĂ€nger. Beim S95C (Test in Ausgabe 8-2023) hatten wir in der Spitze 1.303 Candela gemessen, im âFilmmakerâ-Mode kam der Flachmann auf 1.242 Candela. Der neue 77-Zöller packt hier noch mal deutlich was drauf. So knackt er im âDynamischâ- und im âStandardâ-Setting die 1.700-Candela-Marke, und im âFilmmakerâ-Modus schafft er stolze 1.662 Candela. Bei 50-prozentigem WeiĂanteil liefert er 498 Candela. Und wĂ€hrend herkömmliche OLEDs bei vollflĂ€chigem WeiĂ in der Vergangenheit oft unter 200 Candela rutschten, liefert der S95D mit Quantum Dots noch immer beachtliche 334 Candela. Der ANSI-Kontrast liegt bei einem ĂŒberdurchschnittlichen Wert von 3.800:1.
Das mit einer speziellen Mattierung ĂŒberzogene Display ist gerade in hellen Wohnzimmern eine optimale Wahl und ein qualitativer XXL-Schritt nach vorne. Denn störende Lichtquellen und Reflexionen, die auf glĂ€nzenden OLED-Bildschirmen den TV-Genuss mitunter deutlich beeintrĂ€chtigen, werden vom S95D weitgehend geschluckt. Schwarz erscheint tagsĂŒber auf glĂ€nzenden OLEDs zwar noch eine Nuance dunkler und Bilder sind eine Winzigkeit rĂ€umlicher â doch im TV-Alltag ĂŒberwiegen die Vorteile der matten OberflĂ€che.
Die BlickwinkelstabilitĂ€t des 77-Zöllers ist bravourös, Farben trifft er im SDR- und im HDR-Farbraum maximal prĂ€zise, und die Bewegungsdarstellung verdient sich mit ausgezeichneter Geschmeidigkeit ebenfalls Bestnoten. Die Skaliereigenschaften sind ebenfalls spitze, HD-Inhalte wie die Blu-ray âDeutschland von obenâ protzen mit enormer SchĂ€rfe, toller Brillanz, sauberer Kantendarstellung und kraftvollen Farben. Die Detailverliebtheit ist klasse, âStandardâ ist hierbei ein schöner Kompromiss aus dem plakativen âDynamischâ- und dem etwas puristischeren âFilmmakerâ-Modus, der allerdings farblich die erste Wahl ist. Das fehlende Dolby Vision, das zu einem Punktabzug bei HDR fĂŒhrt, bildet die einzige LĂŒcke in der ansonsten riesigen Ausstattungsliste des Flachmanns. Durch den bereits erwĂ€hnten dreieckigen Pixelaufbau des Panels können unter bestimmten Voraussetzungen und extrem geringem Sitzabstand (unter einem Meter) dezente FarbsĂ€ume an den Kanten von Texten sichtbar werden â in der TV-Praxis ist dies jedoch kein Thema.
KrÀftiger Klang
Beim Sound ĂŒberrascht uns der superflache OLED ebenfalls positiv: Das 4.2.2-Kanalsystem mit 70 Watt und Dolby Atmos klingt angenehm warm, spielt breit und voluminös sowie lebendig auf. Selbst BĂ€sse sind erkennbar, sodass man nicht zwingend in eine Soundbar investieren muss. Falls man dies tut: Dank âQ-Symphonyâ geben Flat-TV und Soundbar den Ton parallel und damit noch kraftvoller wieder. Höhen arbeitet der S95D sauber und akzentuiert heraus. Wie beim Bild bietet der Samsung auch beim Ton diverse Helfer mit KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), um klanglich noch mehr herauszukitzeln. Der aktive SprachverstĂ€rker beispielsweise hebt die ohnehin schon gute Deutlichkeit von Stimmen bei Bedarf an.





Der Testbericht Samsung GQ77S95D (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 5.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2024 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.
AV-Fazit
Mit dem GQ77S95D setzt Samsung beim Thema Display-Entspiegelung MaĂstĂ€be. Dank hoher Panel-Helligkeit, prĂ€ziser Farben, exzellenter Schwarzdarstellung, ĂŒppiger Ausstattung und gutem Klang gehört der OLED zu den Top-TVs in 2024.
Jochen Wieloch

