Samsung 65Q70R (Test)

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Auch wenn die Oberfläche des Signalgebers nur wenige Tasten zieren, so hat man dank cleverer Doppelbelegung direkten Zugriff auf die meisten wichtigen Funktionen des 65-Zöllers.

Rein von der Typenbezeichnung her muss man den 1.800 Euro teuren 65Q70R ins untere Mittelfeld des Samsung-TV-Portfolios einstufen. Denn mit den Reihen Q95R, Q90R, Q85R und Q80R haben die Koreaner einige Geräte im höherpreisigen Regal zu bieten. Da überrascht es positiv, dass auch die Fernseher der Q70R-Serie mit direkter LED-Hintergrundbeleuchtung (Direct Full Array) produziert werden.

Nicht der flachste: Der QLED kommt ohne Beine auf eine Tiefe von 6,2 Zentimetern. Mit den Ständern wächst er auf 28,6 Zentimeter an.

Die Zahl der separat dimmbaren Zonen fällt mit 48 allerdings deutlich geringer aus als beim 65Q90R (Test in Ausgabe 4-2019) mit 480. Der Aufbau des 65-Zöllers ist angenehm schnell erledigt: Die Füße werden lediglich von unten ins Gehäuse gesteckt, fertig!

Ausstattung und Praxis

Im Gegensatz zu den teureren Geschwistermodellen verzichtet Samsung beim Q70R auf die externe Anschlussbox, die vier HDMI- und zwei USB-Ports sitzen ebenso wie der „CI+“-Slot und der digitale Audioausgang direkt am Gehäuserücken. Nicht gespart wurde glücklicherweise an den Tunern: Diese sind jeweils doppelt verbaut für Kabel, Satellit und DVB-T2. Aufnahmen und Time-Shift gelingen, wenn eine externe USB-Festplatte angedockt wird. Auch die weitere Ausstattung ist exzellent. So hat der Samsung die „HD+“-Plattform integriert, um insgesamt 23 private HD- und drei UHD-Sender empfangen zu können. Zusätzliche Hardware ist nicht erforderlich, die Inbetriebnahme ist extrem einfach, ein Konto muss nicht eingerichtet werden. Für ein halbes Jahr kann der Dienst kostenlos getestet werden.

Im Samsung 65Q70R werkelt der Quantum Processor 4K. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) sollen Bild, Ton und der Bedienkomfort optimiert werden. Apps lassen sich in der Tat sehr schnell starten, generell reagiert der Apparat flüssig und ohne störende Wartezeiten. Für die Anpassung von Helligkeit, Kontrast und Sound analysiert der Prozessor in Echtzeit das vorliegende Material. Dazu wählt er in jeder einzelnen Szene die passende Upscaling-Formel aus. Möglich macht das eine riesige Datenbank, in der Samsung die unterschiedlichsten Szenarien gespeichert hat. Alle Inhalte aus sämtlichen Quellen werden auf 4K-Niveau angehoben. Die künst­liche Intelligenz dient dazu, das jeweilige Eingangssignal möglichst verlustfrei umzuwandeln.

Skaliert alles auf 4K: Der Quantum Processor 4K von Samsung analysiert jede Filmsequenz und versucht, den besten Upscaling-Algorithmus zu finden.

Liegen Filmsequenzen in HD-Auflösung vor, sehen die Ergebnisse sehr gut aus. Ist der Sitzabstand nicht zu gering, erscheinen die Bilder knackig scharf, sauber konturiert und nahezu rauschfrei. Mit SD-Material stößt der Quantum Processor 4K jedoch an seine Grenzen, genau wie die Chips anderer Hersteller.Eine Daily Soap, ein Spielfilm oder eine Dokumentation, die nur in SD produziert wurden und lediglich in niedriger Auflösung ausgestrahlt werden, sehen einfach mau aus. Die Farben sind oft relativ blass, es fehlt an Schärfe und Plastizität. Von 4K-Niveau sind diese Sendungen auf dem Bildschirm meilenweit entfernt. Da kann auch der schnellste Prozessor nichts ausrichten.

AirPlay 2 erlaubt es, Fotos, Videos und Musik von Apple-Geräten auf den 65Q70R zu streamen. Als bisher einziger Hersteller hat Samsung die Apple TV App an Bord. Der Ambient Mode holt im ungenutzten Zustand wahlweise dekorative oder informative Elemente wie Kurznachrichten oder Wetterdaten auf den Bildschirm.
Zum ohnehin hohen Bedienkomfort trägt der Universal Guide bei. Dieser analysiert das Verhalten des Zuschauers und schlägt Inhalte aus dem Live-Programm und aus Streaming-Portalen vor, die den persönlichen Geschmack treffen könnten.

Großzügig: Abgesehen vom fehlenden Kopfhöreranschluss ist der 65Q70R gut bestückt. Das untermauern die Twin-Tuner für alle drei Empfangswege.

Praktisch: Hat man beispielsweise einen Netflix-Film angefangen, aber noch nicht zu Ende geschaut, so wird dieser in die Tizen-Oberfläche eingebettet. Bixby hilft effektiv dabei, den Fernseher per Sprache zu bedienen. So hat man via Stimme nicht nur Zugriff auf klassische Funktionen wie Lautstärke oder Sender, sondern kann auch gezielt nach Inhalten fahnden. Der Gaming-Modus reduziert Verzögerungen in flotten Spielen und optimiert die Bildsynchronisation Szene für Szene.

Ab auf die Festplatte: Die Twin-Tuner ermöglichen es, ein Programm per USB-Buchse aufzunehmen und parallel eine andere Sendung zu verfolgen.

Bild- und Tonqualität

Bei der Bildschirmhelligkeit übertrifft der 65Q70R seine Mitbewerber in diesem Testfeld locker. 710 Candela sind im „Film“-Modus drin. Im Vergleich zum 65Q90R ist das zwar überschaubar – der kommt auf mehr als 1.600 Candela – der kostet aber auch locker einen Tausender mehr. Je höher der Weißanteil im Bild wird, desto geringer ist die Leuchtkraft des Q70R. Ist die Hälfte des Panels in Weiß getaucht, schafft er noch 490, bei vollflächigem Weiß begnügt er sich mit 440 Candela. Nichts zu motzen gibt es bei den anderen Werten: Der ANSI-Kontrast fällt mit 950:1 sehr ordentlich aus, ausgezeichnete 6.458 Kelvin erreicht der QLED mit der ab Werk eingestellten Farbtemperatur „Warm2“. Schade ist nur, dass Samsung weiterhin auf das HDR-Format Dolby Vision verzichtet.

Der kann auch HDR: Im DCI-P3-Spektrum geht der Samsung lediglich bei Grün nicht ganz bis ans Limit, ansonsten überzeugt er auch hier.

Schon bei einer nachmittäglichen Telenovela im Ersten fällt auf: Das Bild des 65-Zöllers ist nicht nur ungemein scharf, sondern auch rauschfrei, kräftig und angenehm tief. Alle wesentlichen Parameter haben die Koreaner hier effektiv zusammengefügt. Der Modus „Natürlich“ ist dabei deutlich heller als „Standard“. Wer auf ein leuchtstarkes Bild steht, sollte zudem den intelligenten Modus deaktivieren. Dieser passt die Bildschirmhelligkeit automatisch an die Raumbedingungen an, für unseren Geschmack ist das Ergebnis jedoch oft zu dunkel.

Kräftig und natürlich: Bei der Messung der SDR-Farbwerte decken sich die Ergebnisse nahezu perfekt mit dem persönlichen Sehtest.

Lob verdient die Blickwinkelstabilität: Die ist ebenfalls besser als bei den anderen 65-Zöllern unseres Tesfelds. Sie liegt zwar nicht ganz auf OLED-Niveau, aber die Farben lassen sich viel Zeit, ehe sie von seitlicher Betrachtung aus spürbar verblassen. Den insgesamt gelungenen bildlichen Gesamteindruck rundet die homogene Ausleuchtung des Panels ab. Filmbalken sind schön dunkel und verzichten fast vollständig auf störende Hinterleuchtungen. Die relativ geringe Zahl der einzelnen Dimmingzonen führt jedoch zu dezenten Lichthöfen. Hier bleibt Samsungs Q90 die qualitative LCD-Referenz im eigenen Haus.

Hilfe kommt per Sprachbefehl: Der Samsung-Fernseher hat Bixby integriert und bietet darüber hinaus eine Alexa-Unterstützung an.

Bei hochauflösenden Luftaufnahmen der Nordsee zeigt der Q70 seine Fähigkeit, einzelne Farben ohne erkennbaren Treppenlook abzustufen. In kontrastreichen Passagen sind die teureren Samsung-QLEDs hier leicht überlegen. Im breiten Strand von Amrum erkennt man jeden einzelnen Fußabdruck. Lediglich der Leuchtturm im Büsumer Hafen beginnt unangenehm zu flirren. Die Kanten am Hochhaus sind hingegen sauber gezeichnet. Bewegungen gelingen generell ruhig und geschmeidig. Wenn man sich für das „Film“-Setup entscheidet, kann man sich zusätzliche Anpassungen am Menü sparen, hier haben die Ingenieure gute Arbeit geleistet.

Komfortables Setup: Der 65Q70R erkennt automatisch alle angeschlossenen Geräte, frühere Einstellungen synchronisiert er aus der Cloud.

Für den Ton zeichnet ein 2.1-System mit 40 Watt verantwortlich. Dolby Atmos für mehr Raumfülle kommt bei Samsung nicht zum Einsatz. Die Sprachverständlichkeit ist ausgezeichnet. Um das Bassfundament auf eine etwas solidere Basis zu stellen, sollte man „Verstärken“ aktivieren. Die tonale Räumlichkeit ist überschaubar, hier liefert LG mit seiner virtuellen 5.1-Option bessere Ergebnisse. Nach Möglichkeit sollte man als Zuschauer recht zentral vor dem 65-Zöller sitzen. Bei hohen Pegeln wird der 65Q70R leicht plärrig.

Der Testbericht Samsung 65Q70R (Gesamtwertung: 80, Preis/UVP: 1800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2020 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

80 sehr gut

Respekt, mit dem 65Q70R bietet Samsung einen exzellenten Fernseher zum fairen Preis-Leistungs-Verhältnis an. Farben, Schwarzdarstellung, Display-Ausleuchtung und Bedienkomfort sind überdurchschnittlich gut. Mit „HD+“, AirPlay 2 und der Apple TV App hat der 65-Zöller zudem drei nicht alltägliche Extras an Bord.
Jochen Wieloch

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