
Beim 65OLED903 vertraut Philips nicht nur auf die bildliche Power von organischen Leuchtdioden. Ein Soundsystem von B&W soll den TV auch in neue KlangsphÀren heben.
Ăsthetik spielt fĂŒr TV-Feinschmecker eine wichtige Rolle. Der 3.500 Euro teure Philips 65OLED903 befriedigt diesbezĂŒglich selbst höchste AnsprĂŒche. Das 5 Millimeter dĂŒnne Panel ist von einem Metallrahmen umgeben. Die feine Stoffbespannung lĂ€sst erahnen, dass sich hier eine Soundbar um den guten Ton kĂŒmmert. Beim Philips-OLED sorgt die renommierte Marke Bowers & Wilkins fĂŒr den Klang. Ansprechend wirken auch die beiden superschlanken MetallfĂŒĂe mit Gravur. Im Dunkeln entfacht der Flachmann dank dreiseitigem Ambilight ein wahres Farbenfeuerwerk an der Zimmerwand. Das attraktive Gesamtpaket des 65-Zöllers schraubt die Erwartungshaltung an den OLED auch beim Bild nach oben.

Ausstattung & Bedienbarkeit
Android 8.0 (Oreo) steht dem 903 gut zu Gesicht. MenĂŒwechsel, das Starten von Apps und Mediatheken oder der Zugriff auf TV-Aufnahmen gelingen flĂŒssig und verzögerungsfrei. Der Philips darf sich als echte Aufnahme-Maschine bezeichnen, da er dank Doppeltunern fĂŒr Kabel, Satellit und DVB-T2 nicht nur das Programm aufnehmen kann, das man gerade sieht. FlexibilitĂ€t bei der Senderauswahl heiĂt das Stichwort.

Komfortabel ist die Option, sich sÀmtliche Quellen in der rechten BildschirmhÀlfte einzublenden. Hier werden auch Inhalte-Lieferanten wie Google Play Filme & Serien, Netzwerk-Medien und die USB-Festplatte aufgelistet. Fotos vom USB-Stick lassen sich gut durchforsten, weil die Bilder nach ihrem Entstehungsdatum gruppiert werden. Das Streamen von Musik und Videos per Smartphone oder Tablet gelingt problemlos dank integriertem Chromecast.

Ambilight ist zwar mittlerweile bekannt, das Philips-Alleinstellungsmerkmal hat aber auch nach Jahren nichts von seiner Faszination eingebĂŒĂt. Diverse Modi lassen sich ĂŒber die Fernbedienung auswĂ€hlen, um die drei Lichtleisten im GehĂ€userĂŒcken je nach persönlichem Geschmack intensiver oder dezenter an Bild- oder Audio-Inhalte anzupassen. Das Lichterspektakel auf der Tapete vergröĂert nicht nur gefĂŒhlt den Bildschirm, sondern trĂ€gt tatsĂ€chlich zu einem fĂŒr die Augen entspannteren TV-Abend bei.

Der Hauptsteuerstab ist klar strukturiert, die Tasten haben einen exakten Druckpunkt. Praktisch ist die vollwertige QWERTZ-Tastatur auf der RĂŒckseite, um beispielsweise Filmtitel bei Net-flix oder Amazon Prime Video schneller eintippen zu können. Goggle Assistant wird vollstĂ€ndig unterstĂŒtzt und weiĂ alles zu Wetter, Verkehr, Börse und Co. aus dem Netz. Allerdings muss man dazu zur zweiten schmalen Metallfernbedienung greifen. Nur hier ist das Mikrofon integriert.

NatĂŒrlich hat der Philips einen klassischen EPG an Bord. Ein tolles Zusatz-Feature verbirgt sich unter der Taste âTop Picksâ. Per Vorschaubild sieht man hier sofort, was aktuell auf welchem TV-Sender lĂ€uft. Der Service ist ebenfalls fĂŒr Video-on-Demand-Inhalte verfĂŒgbar. Einen kleinen Minuspunkt bei der insgesamt sehr guten Ausstattung kassiert der Flat-TV lediglich fĂŒr sein fehlendes Dolby Vision. Die anderen HDR-Standards HDR10, HDR10+ und HLG werden hingegen unterstĂŒtzt.

Bild- und TonqualitÀt
Im tĂ€glichen TV-Betrieb fĂ€llt sofort auf: Der OLED903 hat ungemein krĂ€ftige Farben und ein leuchtendes Display. Wir bleiben bei der âNDR Talk Showâ hĂ€ngen. Selbst im âStandardâ-Modus knallt der hellblaue Hosenanzug von Gastgeberin Barbara Schöneberger. In den rötlich-braunen Ledersesseln kann man jede Naht erkennen. Die braune Wildlederjacke von Elyas MâBarek offenbart ihre strukturierte OberflĂ€che. Bei Nahaufnahmen der WasserglĂ€ser sieht man jeden Finger- und Lippenabdruck. Das Publikum sitzt zwar im abgedunkelten Bereich. Trotzdem springen hier die Maserungen in der HolzvertĂ€felung und kleinste Schattierungen an den WĂ€nden ins Auge. Gesichter wirken sehr natĂŒrlich, gesund koloriert und nicht zu blass.

Wenig ĂŒberraschend: Schwarz ist auf diesem OLED so dĂŒster wie Schuhcreme oder Teer. Ist der Raum komplett dunkel und der Bildschirm beim Start einer Blu-ray ebenfalls komplett schwarz, verschwindet der Philips im Zimmer. Streulicht? Fehlanzeige! Die Panel-Ausleuchtung ist perfekt. Bei groĂflĂ€chiger WeiĂdarstellung bĂŒĂt der 903 OLED-spezifisch zwar deutlich an Leuchtkraft ein. DafĂŒr fasziniert die detailreiche Darstellung.
HDR ist eine feine Sache, wenn man die Technik so beherrscht und umsetzt wie der Philips. Das liegt einerseits an der hohen Leuchtkraft des Panels. Im âFilmâ-Modus schafft das Display 884 Candela in Spitzlichtern. Bei 50-prozentigem WeiĂanteil reduziert sich der Wert auf 291, bei vollflĂ€chigem WeiĂ auf 163 Candela.

Insgesamt sieben Voreinstellungen sind hinterlegt, um dem HDR-Look eine persönliche Note zu geben. Hinzu kommen noch fĂŒnf Optionen ĂŒber âHDR Perfectâ, um die IntensitĂ€t zu variieren. âHDR-Filmâ, âISF Tagâ und âISF Nachtâ realisieren die natĂŒrlichsten Ergebnisse. âHDR-Lebendigâ ist jedoch ein echtes Erlebnis und nicht nur zu empfehlen, wenn die Sonne den Raum mit Licht durchflutet. Der UHD-Streifen âUnser Planetâ zeigt Eisberge von unten. Unglaublich schön, wie Algen das Eis unter Wasser grĂŒn und gelb zum Leuchten bringt. Da genieĂt man gerne mal die volle HDR-Power, weil so der einzigartige Effekt noch verstĂ€rkt wird. Empfehlenswert ist die Farbtemperatur âWarmâ: 6.717 Kelvin ab Werk sind zwar nicht perfekt, aber die kleine Abweichung lĂ€sst sich korrigieren. âNormalâ liegt mit 10.672 Kelvin deutlich daneben.

In der UHD-Blu-ray âUnser Planetâ zeigt die Totale eine Eislandschaft. Ein vermeintlich ödes Szenario. Trotzdem halten wir das Bild an. Denn die Filmsequenz erinnert an ein GemĂ€lde. Im groĂen Schneefeld glitzern kleine Eiskristalle so hell wie Spiegel. Die schneebedeckten Berge im Hintergrund sind weiĂ, grau, blau, ganz fein abgestuft von hell bis dunkel, aber stets sauber durchgezeichnet. Kleinste Stellen, wo der Wind gerade den Schnee aufwirbelt, erkennt man mit bloĂem Auge. Die Detailflut nimmt kein Ende: im Fell des EisbĂ€ren, in der Abbruchkante zwischen Schneefeld und Berg, in den vorĂŒberziehenden Wolken, im Gebirgszug auf der rechten Seite, wo Felsen durchschauen â es ist beeindruckend, mit welch ĂŒppig ausgestattetem Malkasten der 65-Zöller zu Werke geht.

Das Bild ist dabei extrem ruhig und souverĂ€n. Wir genieĂen die ĂberflĂŒge ĂŒber das zerklĂŒftete Packeis. Die Bewegungseinstellung steht auf âStandardâ, bei âGleichmĂ€Ăigâ steigert sich der Philips sogar noch eine Nuance. Die Kamera gleitet wie auf einem Luftkissenboot. Nicht mal Micro-Ruckler sind im kleinsten Ansatz zu erkennen. Chapeau! Eine andere positive Beobachtung bei unserem Trip ĂŒber das zum Teil vereiste Meer: Die Kontrastdarstellung zwischen den schneeweiĂen EisflĂ€chen und dem tiefschwarzen Meer gelingt dem OLED vorzĂŒglich, obwohl der gemessene ANSI-Kontrast von 940:1 keinen Spitzenwert darstellt.
Justiert man âHDR Perfectâ auf âAutomat.â, so kitzelt der Philips sogar noch sattere Konturen heraus als im Setting âMaximumâ. Das Meer im Vordergrund trennt sich messerscharf vom Himmel und den Bergen am weit entfernten Horizont ab.
FĂŒr den guten Ton sorgt ein 2.1-System von Bowers & Wilkins mit einer Ausgangsleistung von 50 Watt. Die Lautsprecher sind mit zwei Titankalotten-Hochtönern, zwei mittleren glasfaserverstĂ€rkten Kegeltreibern und zwei passiven Bassstrahl-Woofern ausgerĂŒstet. Philips geht es nicht ums Krachmachen, sondern um feine Töne und gute SprachverstĂ€ndlichkeit. Beides ist perfekt gelungen. Der Lautsprecher löst detailliert auf, Stimmen sind klar wie mit dem Skalpell herausgeschnitten.

Zum Test der musikalischen Eigenschaften suchen wir uns einige Konzertmitschnitte aus. Hier gefallen die schöne RĂ€umlichkeit und die exakte Herausarbeitung einzelner Instrumente. WĂ€hrend der Modus âOriginalâ den 65-Zöller etwas ausbremst, atmet er in âFilmâ und âMusikâ freier auf, Höhen kommen jetzt besser zur Geltung. BĂ€sse sind nicht brachial, aber das Tieftonfundament steht auf solider Basis. Beim maximal möglichen Pegel kann man problemlos die ZimmerlautstĂ€rke ĂŒberspringen, ohne dass der Philips unsauber aufspielt oder plĂ€rrig wirkt. Fazit: KĂ€ufer des OLED903 erhalten eine klangstarke Soundbar im Paket mit dazu.
Mit âPerfect Natural Realityâ steht eine Funktion zur VerfĂŒgung, um auch SDR-Material mit einem HDR-Effekt zu versehen. Dazu werden der Kontrast und der Helligkeitseindruck optimiert. Wir testen das Feature anhand der Doku âNamibia â The Spirit of Wildernessâ. Die Kontrastanhebung lĂ€sst sich in der Tat schrittweise (âMinimumâ, âMittelâ, âMaximumâ) anheben. Das fĂ€llt insbesondere bei hellen Objekten auf, die sich relativ wenig voneinander unterscheiden. Vorne Sand, in der Mitte braune Tiere, im Hintergrund sandfarbene Berge und fast weiĂer Himmel. Das Bild wirkt wie eine ebene FlĂ€che. Reizt man den Effekt voll aus, so grenzt der Philips einzelne Bereiche stĂ€rker voneinander ab. Nicht nur der Kontrast, sondern auch die PlastizitĂ€t der gesamten Aufnahme werden dadurch auf ein deutlich höheres Level gehoben.Â



Der Testbericht Philips 65OLED903 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 3500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2019 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.
AV-Fazit
Das Bild des 65OLED903 begeistert auf ganzer Linie. Satte Farben, krĂ€ftiges Schwarz, toller HDR-Eindruck und super weiche Bewegungen. Dank starkem Klang, Ambilight und hohem BedienÂkomfort lĂ€sst Philips praktisch keine WĂŒnsche offen.
Jochen Wieloch

