Philips 55OLED855 (Test)

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Philips stellt mit dem 2.300 Euro teuren 55OLED855 den teuersten OLED-55-Zöller in unserem Testfeld. Der Apparat überzeugt durch ein fast rahmenloses Display, eine hochwertige Metall­optik sowie einen zentralen Standfuß aus dunklem Chrom, der schwenkbar ist. Darüber hinaus punktet die neue Fernbedienung mit beleuchteten Tasten und einer edlen Rückseite sowie Seiten, die mit schottischem Murhead-Leder überzogen sind. Zu den Besonderheiten des 855 gehören unter anderem das dreiseitige Ambilight, die Unterstützung von DTS Play-Fi und die P5 AI Perfect Picture Engine. Zudem unterstützt der 55-Zöller Dolby Vision und Dolby Atmos und hat ein 50 Watt starkes Soundsystem an Bord.

 

 

Ein Hauch von Luxus: Die neue Fernbedienung von Philips ist auf der Rückseite und an den Seiten in Leder gehüllt. Die Haptik ist dadurch exzellent. Die Tasten auf der Oberseite sind sehr logisch angeordnet und auch beleuchtet, um sich im Dunkeln auf Anhieb zurechtfinden zu können.

Ausstattung und Praxis
Ausstattungstechnisch offenbart die Rückseite des Philips eine kleine Enttäuschung: Obwohl der OLED in der gehobenen Preisklasse agiert, findet man hier lediglich Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2. Für TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte bedeutet das eingeschränkte Flexibilität, muss man doch den Sender schauen, den man aufnimmt. Auch beim Thema HDMI hält sich der OLED855 zurück: Die vier Buchsen unterstützen den Standard 2.0 ohne Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) und 4K mit 120 Hertz.
Das war es aber auch an schlechten Nachrichten. Der Android-Fernseher (Version 9.0) reagiert zügig und ist einfachst zu bedienen. Das liegt an der übersichtlichen und plausiblen Tastenanordnung und der durchdachten Menüstruktur mit der blitzschnellen Möglichkeit, unter anderem zwischen Quellen, Apps und Aufnahmen hin- und herzuwechseln.

Abgesehen vom fehlenden Apple TV fällt das App-Angebot mit Disney+, DAZN, Amazon Prime Video, Google Play Music, Spotify, Deezer und Tidal ausgesprochen üppig aus (mehr auf Seite 48). Ein Alleinstellungsmerkmal ist das auch nach vielen Jahren immer noch faszinierende Ambilight – eine hinter dem Flat-TV angebrachte Beleuchtung, die die gestrichene Wand bzw. Tapete auf unterschiedlichste Weise illuminiert, dadurch das TV-Erlebnis flächenmäßig vergrößert und zudem für eine spürbare Entspannung der Augen sorgt.
Wer gerne streamt, kann neben der Gratis-App „Philips TV Remote“ (Kasten nächste Seite) auch Bluetooth 4.2, Chromecast oder Miracast nutzen. AirPlay 2 ist im Philips-Kosmos noch nicht angekommen. Der komfortable Media-Player greift Dateien von USB-Sticks, Festplatten oder aus dem Heimnetzwerk ab. Sprachbefehle über Google Assistant schickt man über die Fernbedienung zum OLED. Zudem ist der 55-Zöller in der Lage, über Alexa-kompatible Geräte gesteuert zu werden.

DTS Play-Fi: Philips ist der erste TV-Hersteller, der das Feature für drahtlose Audiosysteme in Fernseher wie den 55OLED855 integriert.

An Bord des OLED werkelt der neue P5-Prozessor der 4. Generation mit Künstlicher Intelligenz. Dieser setzt auf neuronale Netzwerke und Maschinenlernen, um Millionen von Testvideos für die bestmögliche Bildqualität zu analysieren. Die Clips sind Teil einer firmeneigenen Datenbank, die von Philips und TP Vision in den vergangenen 30 Jahren angelegt wurde. Die KI-Software ordnet alle Inhalte den fünf Kategorien „Landschaft & Natur“, „Hauttöne“, „Sport & Bewegung“, „Schwarz & Kontrast“ sowie „Animation“ zu und versucht, die optimale Balance zwischen Quellsignal, Farbe, Kontrast, Bewegung und Schärfe zu erzielen.
Als erster TV-Hersteller hat Philips auch im 55OLED855 DTS Play-Fi integriert. So lassen sich Flat-TVs, Soundbars, Lautsprecher und mobile Geräte nahtlos für eine millisekundengenaue Musikwiedergabe miteinander betreiben. Kompatible Boxen können drahtlos mit dem 55-Zöller gekoppelt werden und fungieren als Surround-Lautsprecher.

Bild- und Tonqualität
Wir legen los mit der Netflix-Naturdoku „Iceland – On Top of the World“ und sind mehr als positiv überrascht: Die Landschaftsaufnahme direkt zu Beginn mit Wasser, Eis, Bergen und Himmel ist knackscharf, vollkommen rauschfrei und wunderbar plastisch. Das muss UHD-Auflösung sein! Ist es aber nicht. Der Clip liegt lediglich in HD vor, wird aber hervorragend hochskaliert. Entscheidet man sich für das Setting „AI“ statt des „Film“-Modus, so entsteht ein völlig neuer optischer Eindruck: Das Bild ist heller, farbenfroher, tiefer, der vorher recht graue Himmel arbeitet jetzt einzelne Wolken heraus. Uns gefällt der Film mit Künstlicher Intelligenz deutlich besser, wobei die Farbreproduktion nicht mehr so authentisch wie mit „Film“ ist. Auf jeden Fall sollte man diese Variante ausprobieren.

Präzise: Im DCI-P3-Spektrum für HDR-Darstellungen leistet sich der Philips keine Schwäche. Beim roten Messpunkt mussten wir ein wenig per Hand nachjustieren.

Mehr als solide: Nur bei den roten und blauen Mischfarben zeigt der OLED dezente Abweichungen, ansonsten erfüllt er alle Zielvorgaben problemlos.

Besonders realistisch sieht das Ergebnis mit der Farbtemperatur „Warm“ aus, 6.577 Kelvin sind ein nahezu idealer Wert. Das trifft auch auf den hohen ANSI-Kontrast mit 2.000:1 zu. In Spitzlichtern erreicht der Philips im „Film“-Modus bis zu 730 Candela, mehr als in der Einstellung „ISF Tag“ (690 Candela). Nur die beiden ISF-Einstellungen erlauben es jedoch, auf die Farbsteuerung für einzelne Farbtöne zuzugreifen. Aber auch mit „Film“ kommen wir hier mit minimalem Feintuning zu einem tollen Ergebnis. Erhöht sich der Weißanteil auf 50 bzw. 100 Prozent, rauscht die Helligkeit auf 273 bzw. 157 Candela deutlich nach unten.

Die Themen Schwarzdarstellung und Blickwinkelstabilität können wir schnell abarbeiten: beide beherrscht der 55OLED855 auf höchstem Niveau. Damit das auch auf Bewegungen zutrifft, muss man die Bewegungseinstellung auf „Gleichmäßig“ stellen.

Streamen und anpassen: Die App „Philips TV Remote“ erlaubt den Zugriff auf Medien, Apps und Spiele sowie auf die Steuerung des Fernsehers.

Mehr Komfort: Zum Starten von Applikationen oder zum Verändern der Ambilight-Einstellungen kann man sich den Griff zur Fernbedienung sparen.

Smartphone-affine Zuschauer sollten sich unbedingt die Gratis-App „Philips TV Remote“ herunterladen. So lassen sich bequem Fotos, Videos und Musik vom Mobiltelefon, Mediaserver oder Desktop-PC auf den 55OLED855 streamen. Zudem können blitzschnell Apps direkt über das Smartphone auf der Oberfläche des 55-Zöllers geöffnet werden. Natürlich fungiert die Philips-App auch als Fernbedienung, um Sender und Quellen zu wechseln, Aufnahmen zu starten oder den Startbildschirm aufzurufen. Wer gerne spielt, kann über die Applikation zudem direkt das „TV SpieleCenter“ öffnen und umfangreiche Ambilight-Einstellungen vornehmen. Über die App hat man unter anderem Zugriff auf Effekte, Farben, Helligkeit und Sättigung.

Noch HDMI 2.0: Beim OLED vertraut Philips auf den
älteren Standard, bei künftigen Geräten sollen aber schon bald HDMI 2.1-Buchsen verbaut werden.

Hier fehlt etwas: Für eine unverbindliche Preisempfehlung von 2.300 Euro dürfte man erwarten, dass Twin- und nicht nur Single-Tuner zum Einsatz kommen.

Mit der Unterstützung von HLG, HDR10, HDR10+ und Dolby Vision ist der OLED für das Anzeigen von kontrastreichen Inhalten bestens aufgestellt. Auch SDR-Inhalte lassen sich über die anpassbare „Perfect Natural Reality“ mit mehr Kontrast und modifizierter Helligkeit darstellen. Speziell Dolby-Vision-Titel wie „Project Power“ auf Netflix begeistern durch extrem satte Farben, feinste Schattierungen, atemberaubende Lichteffekte und diffizile Reflexionen, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität auflösen. Dank „HDR AI“, „HDR – Persönlich“, „HDR – Lebendig“, „Dolby Vision Hell“, „Dolby Vision Dunkel“ sowie „HDR Spiel“ lässt sich das Bild mit deutlichen Unterschieden an die eigenen Vorstellungen anpassen. Durch Deaktivieren des Lichtsensors können Sie die Helligkeit des Panels übrigens zusätzlich erhöhen. Um die Bildschärfe bei Linien und Kanten noch ein wenig zu verbessern, sollten Sie die „Ultra resolution“ einschalten.

Hat den Dreh raus: Das Display des 55-Zöllers kann nach links und rechts geschwenkt werden, um optimal auf den Zuschauer ausgerichtet zu sein.

Das 2.1-Soundsystem mit 50 Watt verfügt über einen neuen Woofer mit vier passiven Radiatoren. Die beiden nach vorne ausgerichteten Lautsprecher besitzen neue Mittelton-Treiber und optimierte Hochtöner. Auch für den Ton verfügt der Philips über einen „KI-Modus“. Dieser klingt etwas weniger räumlich, dafür präziser mit minimiertem Nachhall. Die Sprachverständlichkeit ist exzellent. Im Dolby-Atmos-Streifen „Project Power“ sind die zahlreichen Effekte kräftig und greifbar. Die Kulisse ist insgesamt breit, das Bassfundament fällt solide aus. Auch zum Musikhören ist der 55-Zöller keine schlechte Wahl. Viele kleinere bis mittelgroße Bluetooth-Lautsprecher kann er locker ersetzen.

Der Testbericht Philips 55OLED855 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 2300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2020 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

88 Sehr gut

Der 55OLED855 macht fast alles richtig: Bildlich agiert er mit enormer Schärfe, toller Tiefe, kräftigen Farben und sattem Schwarz auf höchstem Niveau. Der Ton ist voluminös, die Bedienung mit Steuerstab aus Leder überzeugt. Einzige Mankos sind die Single-Tuner und der HDMI-Standard 2.0, der vor allem für Gamer nicht optimal ist.

Jochen Wieloch

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