Mit dem neuen OLED808 schnürt Philips wieder ein starkes Komplettpaket mit dreiseitigem Ambilight, 70 Watt starkem 2.1-Soundsystem, Mimi-Sound-Personalisierung und IMAX-Enhanced- Modus. Der von uns getestete 55-Zöller kostet 2.000 Euro. Erhältlich ist in der Reihe ebenfalls ein 42-Zöller für 1.600 Euro, außerdem können Kunden zwischen einem 48-, 65- und einem 77-Zöller (1.700 bis 4.500 Euro) wählen. Hochwertig verarbeitet ist der 808 mit dunklem Metallrahmen und einem zentralen Schwenkfuß mit satiniertem Chrom, nur der 77-Zoll-Bolide steht auf zwei flachen Chromfüßen. Die Gerätetiefe von 6,8 Zentimeter zeigt, dass Philips dem Thema Sound eine wichtige Rolle beimisst. Verbaut wurde eine neue digitale Frequenzweiche, die für die Aufteilung auf den linken und den rechten Zwei-Wege-Lautsprecher sowie den nach hinten gerichteten Dreifach-Ring-Tieftöner verantwortlich ist. Die Basswiedergabe wird von vier passiven Radiatoren unterstützt.
Ausstattung und Praxis
Optisch in neuem Look kommt die Oberfläche des OLED808 daher, denn Philips vertraut jetzt ebenfalls auf Google TV. So werden dem Zuschauer jede Menge Streaming-Dienste auf einen Blick serviert. Künstliche Intelligenz lernt das Sehverhalten der Zuschauer mit der Zeit kennen und unterbreitet entsprechende Vorschläge. Daher ist es sinnvoll, dass Familienmitglieder eigene Benutzerkonten mit personalisierten Inhalten anlegen können. Das Streaming-Portfolio fällt riesig aus.
Ausreichend Power für eine flotte Bedienung ermöglicht die neue 7. Generation des Philips P5 Bildprocessings (siehe Kasten). Für den TV-Empfang und damit auch für Aufnahmen auf USB-Festplatte und Time-Shift stehen Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 zur Verfügung. Von den vier HDMI-Ports erfüllen zwei die 2.1-Spezifikationen mit Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR) und 4K-Wiedergabe mit bis zu 120 Hertz. AMD FreeSync Premium, HGiG und NVIDIA G-Sync kommen Gamern ebenfalls zugute. Für HDR-Darstellungen beherrscht der Flachmann die Formate HLG, HDR10+ Adaptive und Dolby Vision. Außerdem hat der Philips einen IMAX Enhanced-Modus an Bord.
Die neue Fernbedienung verzichtet auf eine hochwertige Rückseite aus Leder. Dafür sind die Druckpunkte der Tasten besser, diese lassen sich einfacher unterscheiden. Als Sprachassistent kann man über den Steuerstab Google Assistant aufrufen, zudem gelingt die Bedienung des OLEDs über Alexa-fähige Geräte. Hinter „Aurora“ verbergen sich eindrucksvolle animierte Hintergrundbilder. Der „Sonnenaufgangs-Wecker“ wiederum holt Besitzer des 55-Zöllers mit sanfter Musik und diversen Bildern aus Themen wie Wetterlagen, Architektur, Gemälde, Sport oder Stadtansichten aus dem Schlaf.
Funktional: Die schwarze schmale Philips-Fernbedienung zeichnet sich durch eine klar strukturierte Oberfläche aus. Für Ambilight, die Sprachsteuerung und die vier Streamingdienste Amazon Prime Video, YouTube, Netflix und Rakuten TV sind eigene, recht flache Tasten mit jeweils sauberen Druckpunkten vorhanden.



Beim OLED808 kommt ein so genanntes EX-Panel zum Einsatz. Die Bindemittel im organischen Material basieren hier im Gegensatz zum früheren Wasserstoff auf effizienterem und stabilerem Deuterium, was in einer höheren Maximalhelligkeit verglichen mit herkömmlichen OLED-Panels resultieren soll. Deuterium hat eine schwerere Struktur, um Vibrationen zu reduzieren, kann die Hitzebeständigkeit verbessern und stärkere elektrische Ströme zulassen, wodurch eine höhere Bildschirmhelligkeit realisierbar ist. Ein spezieller Kühlkörper trägt ebenfalls dazu bei, die Spitzenhelligkeit im 3-Prozent-Fenster Philips zufolge auf 1.300 Candela zu steigern. Außerdem ist es beim EX-Panel möglich, den Bildschirmrahmen von sechs auf vier Millimeter zu verkleinern. Dadurch soll eine nahtlosere Verbindung zwischen dem TV-Bild und dem Lichtschein des Ambilight auf der Wand hinter dem Flat-TV erzielt werden.

Ausgesprochen üppig fällt unter Google TV die App-Auswahl aus, nicht nur in den Bereichen Spielen, Musik oder News, sondern auch und gerade beim Streaming. Amazon Prime Video, YouTube, Netflix und Rakuten TV erreicht man direkt per Fernbedienung, außerdem findet man unter anderem RTL+, Joyn, Apple TV+, Disney+ und HD+.
Praktisch: Der Apparat mit selbstleuchtenden Pixeln kann in das Philips TV & Wireless Home System integriert werden, welches auf der DTS Play-Fi-Technologie basiert. Dadurch wird der Fernseher Teil eines Multiroom-Systems, das sich per App steuern lässt. Außerdem eignet sich der 808 als Centerlautsprecher in einem Multi-Kanal-AV-System mit DTS Play-Fi.
Bild- und Tonqualität
Unsere Bildchecks beginnen wir generell sehr gerne mit einer Naturdokumentation. Der Philips entführt uns in UHD-Auflösung zunächst nach Bali. Farblich schießt der Flachmann sofort ein Feuerwerk mit Wow-Effekt ab. „Kristallklar“ übertreibt es gar etwas, der „Filmmaker Mode“ ist uns hier etwas zu blass, aber „Heimkino“ stellt einen perfekten Kompromiss dar. Unfassbar, wie viele unterschiedliche Grün- und Blautöne der Flachmann mit feinsten Übergängen vom Meer hin zu nahen bewaldeten Gebieten darstellen kann. Die Leuchtkraft ist enorm, das OLED-Bild versprüht farblich echte Lebensfreude. Gut gefällt uns die Funktion „Optimierung der Farbtemperatur“, die ein in Abhängigkeit vom Umgebungslicht sehr stimmiges Ergebnis erzielt. Exzellent ist die Schärfedarstellung, Felsen zeigen jede noch so kleine Spalte, jeden winzigen Vorsprung und kleinste Strukturen. Außerdem erscheint das Bild extrem plastisch und klar. Auch bei seitlichen Blickwinkeln büßen die Farben kaum an Dynamik und Leuchtkraft ein.



Basis für die souveränen Bildeigenschaften stellt das super satte Schwarz dar, das für Tiefe sorgt und schöne Kontraste ermöglicht. Für geschmeidige Kamerafahrten sollte man in den „Bewegungseinstellungen“ das Setup „Gleichmäßig“ auswählen. Der extrem hohe ANSI-Kontrast von 15.000:1 ist ein Indiz dafür, dass der Philips nicht nur beim Thema Schwarz sehr fit ist, sondern auch mit hellen Darstellungen kein Problem hat. Die meiste Leuchtkraft liefert der Modus „Kristallklar“ mit 940 Candela. „Heimkino“ liegt mit 765 Candela hinter dem farblich besten „Filmmaker“-Setting, bei dem in der Spitze 820 Candela erreicht werden. Bei 50-prozentigem Weißanteil leuchtete der OLED noch mit 318 Candela. Ist das ganze Display in Weiß getaucht, überspringt der Flachmann knapp die 200-Candela-Marke. Dolby-Vision-Titel wie „Unsere wunderbaren Nationalparks“ holt der 808 mit einer bildlichen Wucht auf sein Panel, dass einem der Atem stockt. Im „Kristallklar“-Setting explodiert fast das Panel vor Schärfe. Plastizität und Klarheit haben kristallinen Charakter. Hier kann es der Philips mit jedem Mitbewerber aufnehmen. Die Detailfreude, egal ob in den Bergen oder in Graslandschaften, ist phänomenal. Auch die farbliche Wucht und der Kontrast erfüllen Premium-Ansprüche.
Um einen in dieser Preisklasse klanglich besseren Flat-TV zu finden, muss man lange suchen. Das 70 Watt starke 2.1-Soundsystem mit Dolby-Atmos-Unterstützung analysiert eigenständig die Raumakustik und spielt sehr klar, sauber und angenehm voluminös. Von Angestrengtheit ist beim OLED808 nichts zu spüren, er strotzt nur so vor tonaler Souveränität und zieht Zuschauer auch auf seitlichen Plätzen akustisch in die Handlung. Das Bassfundament ist gut ausgeprägt, Stimmen sind perfekt zu verstehen, und Musik klingt selbst bei höheren Pegeln noch präzise und frei von störenden Verzerrungen. „Mimi Sound Personalization“ gestattet es, den TV-Klang an die Bedürfnisse jedes Zuschauers anzupassen. So lässt die Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter nach, was die Mimi-Technik jedoch problemlos kompensieren kann.



Der Testbericht Philips 55OLED808 (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 2.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Mit dem 55OLED808 stößt Philips das Tor zur Referenzklasse auf. Die Bildqualität ist phänomenal, und auch beim Ton haben sich die Ingenieure einiges einfallen lassen. Für 2.000 Euro gibt es kaum einen besseren Fernseher, der zudem beim Thema HDR punktet und sich dank Google TV komfortabel bedienen lässt.
Jochen Wieloch

