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    av-Test

    Marantz AV 10 & AMP 10 (Test)

    4. August 202517 Minuten Lesezeit

    Mit 16 aktiven KanÀlen schickt sich die Vor-End-Kombi AV 10 / Amp 10 von Marantz an, den Heimkino-Olymp zu erobern. Wir haben das 14.000 Euro teure Duo getestet.

    Bei den letzten Vor-End-Kombi-Tests von Marantz mussten wir den jeweiligen Vorstufen stets dieselbe Endstufe zur Seite stellen: die MM8077. In Sachen Klang und Leistung war die zwar top, hatte aber einen Nachteil. Sie verfĂŒgt nur ĂŒber 7 Endstufen, was im Zeitalter von 3D-Sound zu wenig ist. Das hat man auch bei Marantz erkannt und den Amp 10 auf den Markt gebracht. Auch wenn der Name anderes vermuten lĂ€sst, hat das gute StĂŒck 16 LeistungsverstĂ€rker integriert – also mehr als das Doppelte der MM8077. NatĂŒrlich werden die 16 KanĂ€le auch von der ebenfalls neuen Vorstufe AV 10 unterstĂŒtzt.

    „Mehr als das Doppelte“ trifft leider auch auf den Preis zu. Schlug die bis dato teuerste Marantz-Kombi AV8805A / MM8077 mit 6.800 Euro zu Buche, verlangt der Hersteller fĂŒr das neue Duo 14.000 Euro. DafĂŒr bekommt man aber auch einiges an Gegenwert, angefangen mit einer ausgesprochen hochwertigen Verarbeitung. Allein das Gewicht der Vorstufe AV 10 mit 16,8 Kilo bestĂ€tigt dies. Mit knapp 20 Kilo ist auch die Amp 10 kein Leichtgewicht, Marantz setzt dabei erstmals auf DigitalverstĂ€rker in einer Mehrkanal-Endstufe.

    Hochwertige Verarbeitung
    Apropos GehĂ€use, diese sehen sich bis auf zusĂ€tzliche LĂŒftungsschlitze bei der Endstufe recht Ă€hnlich. Beide GerĂ€te verinnerlichen das neue Marantz-Design, das seit dieser Generation auch die AV-VerstĂ€rker ziert. Markante Merkmale sind die abgehobene Front mit nach innen gewölbten, geriffelten Wangen, die von je einer LED beleuchtet werden. Man darf die Lichter dimmen oder abschalten, falls diese im Dunkeln stören sollten.

    Die Oberseite der neuen Fernbedienung besteht aus Aluminium, die Unterseite aus Plastik. Mit seinem goldenen Alu-Zierring sieht der Geber edel aus. Ausreichend große Gummitasten mit sauberem Druckpunkt, eine logische Gliederung nach Funktionsgruppen und sogar eine Hintergrundbeleuchtung der Tasten sorgen fĂŒr einen gelungenen Auftritt

    Auch die AV 10 besitzt das fĂŒr Marantz typische Bullaugen-Display, das von geschmeidig laufenden RĂ€dern fĂŒr LautstĂ€rke und Eingangswahl flankiert wird. Unter der schweren, 8 Millimeter dicken Frontklappe verbergen sich ein grĂ¶ĂŸeres Display mit weiteren Informationen und Bedientasten. Die Endstufe hat ebenfalls ein Bullauge, in dem ein dezent beleuchteter, analoger Pegelmesser seinen Zeiger in Bewegung versetzt. Die Anzeige reprĂ€sentiert den Pegel des ĂŒber Kanal 1 eingehenden Signals und lĂ€sst sich auf Wunsch deaktivieren.

    Das AnfassgefĂŒhl ist sehr hochwertig und schmeichelt den HĂ€nden mit beinahe samtiger OberflĂ€che des vielen Aluminiums. Auch an der Verarbeitung beider GehĂ€use gibt es nichts zu kritisieren, was angesichts des Preises aber eigentlich auch eine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist. Das Design ist hingegen Geschmacksfrage, uns gefĂ€llt es sehr gut.

    Viel dran: Die VorverstĂ€rker-Sektion der AV 10 wartet mit 17.4 Cinch-AusgĂ€ngen und ebenso vielen XLR-Outputs auf. Auch ein analoger XLR-Eingang ist vorhanden, neben 5 Cinch-Inputs, Phono und 4 DigitaleingĂ€ngen. 7 HDMI-EingĂ€nge und 3 HDMI-AusgĂ€nge können sich ebenfalls sehen lassen. Die Endstufe AMP 10 klotzt mit massiven Lautsprecherklemmen sowie 16 EingĂ€ngen – jeweils in Form von Cinch und XLR. Kanalpaare können gebrĂŒckt oder fĂŒr das Bi-Amping verwendet werden. Via Auto-Standby schaltet sich das GerĂ€t nach 15 Minuten ohne Signal automatisch ab.
    Das Video-Board: HDMI-Auflösungen mit 8K/60 bzw. 4K/120p inklusive sĂ€mtlicher HDR-Formate werden an allen 7 EingĂ€ngen und an 2 der 3 AusgĂ€nge unterstĂŒtzt. Die heiß werdenden HDMI-Chips mĂŒssen von Aluminium-Körpern gekĂŒhlt werden.
    AussagekrĂ€ftig: Der Info-Screen legt sich ĂŒber das laufende Bild und zeigt das anliegende Tonformat, die aktiven KanĂ€le sowie den aktiven Decoder an.
    Smart Select: FĂŒr jede der 4 Smart-Select-Tasten darf man nun diverse Parameter bestimmen, die gespeichert bzw. aktiviert werden sollen oder nicht.
    Hilfestellung: Viel MĂŒhe gab sich Marantz beim Einrichtungs-Assistenten, der ausfĂŒhrlich und verstĂ€ndlich durch die Inbetriebnahme des GerĂ€ts fĂŒhrt.
    Raumeinmessung mit Dirac Live
    „Dirac Live“ ist eine renommierte Software zur Messung der Raumakustik mit anschließender Klangoptimierung kompatibler AV-GerĂ€te. Erstmals bieten auch Denon und Marantz eine Option zur Nutzung von Dirac mit ausgewĂ€hlten AV-Receivern/VerstĂ€rkern sowie der AV-10-Vorstufe an. Die Lizenz fĂŒr ein GerĂ€t wird direkt bei Dirac gekauft und nicht etwa bei Marantz. Zur Nutzung der Software ist ein Dirac-Account notwendig, mit dem die Lizenz verknĂŒpft ist. Nach dem Einloggen in die „Dirac Live“- App (Android, iOS) oder Software (MacOS, Windows) ist das GerĂ€t freigeschaltet. Nach dieser kostspieligen HĂŒrde (260 Euro fĂŒr die Version mit limitierter Bandbreite von 20 bis 500 Hertz oder 350 Euro fĂŒr die Vollversion) folgt die nĂ€chste. FĂŒr die Einmessung wird ein Mikrofon benötigt, denn das der AV 10 beiliegende Audyssey-Mikro kann bei Dirac nicht genutzt werden. FĂŒr den Test griffen wir zum MiniDSP UMIK-1. Benötigt das Mikrofon eine Kalibrierungsdatei (wie das UMIK-1), kann diese in die Dirac-Software geladen werden (klappte bei der App leider nicht). Das Mikrofon kommt bei Nutzung der PC-Software direkt an den Rechner, bei Einsatz der App wird das Mikrofon an den USB-Anschluss des AV-Receivers gestöpselt.

    Als Betriebssysteme fĂŒr die zum Testzeitpunkt verwendete Software-Version 3.4.4 werden Windows 10 bzw. MacOS 14 oder höher benötigt. FĂŒr die Kommunikation untereinander mĂŒssen sich PC bzw. Mac und die AV 10 im gleichen Netzwerk befinden. Vor der Einmessung muss an der Vorstufe die Basis-Boxenkonfiguration (KanĂ€le und evtl. Crossover) vorgenommen werden, denn das leistet Dirac nicht. Ist alles eingerichtet, erkennt das Programm beim Start automatisch die Boxen-Konfiguration. Bei der Einpegelung der KanĂ€le soll die LautstĂ€rke laut Dirac etwa 30 dB ĂŒber dem Pegel der HintergrundgerĂ€usche liegen. Achtung: Pegel nicht zu laut machen. Nach Wahl des Sitzplatzes („Eng fokussierte Bildgestaltung“, „Fokussierte Bildgestaltung“, „Breite Darstellung“) ermitteln Testtöne den Frequenzgang aller Boxen an bis zu 17 Messpositionen; man kann die Messung aber auch nach nur einem Durchgang beenden.

    Auf Basis einer verĂ€nderbaren Zielkurve, die sich nach persönlichen Vorlieben modellieren lĂ€sst, erfolgt die Frequenzgang-Optimierung; auch der Subwoofer-Kanal lĂ€sst sich anpassen. Seit Version 3.3 gibt es in Dirac eine automatisch generierte Zielkurve, die Optimierung erfolgt einerseits mit zwei Griffen links und rechts im Filter-Design-Fenster (siehe Bild), die auf BĂ€sse und Höhen Einfluss nehmen. Alternativ kann mit Ankerpunkten fĂŒr eine differenziertere Manipulation des Frequenzgangs gearbeitet werden. Im finalen Schritt wird die Frequenzkurve auf die AV 10 ĂŒbertragen und automatisch im Lautsprecher-Preset 2 abgelegt; bis zu 3 Dirac-Filter kann die Marantz-Vorstufe in sogenannten „Slots“ speichern. Das Boxen-Preset 1 kann fĂŒr Audyssey genutzt werden, was den Vergleich zwischen beiden Einmess-Systemen erlaubt. Am Ende sollte man sein Dirac-Projekt speichern, um jederzeit wieder Änderungen daran vornehmen zu können. Wie gut Dirac im Vergleich zu Audyssey klingt, erfahren Sie auf der nĂ€chsten Doppelseite im Abschnitt „TonqualitĂ€t“.

    Zielkurve: Nach der Einmessung aller Lautsprecher erfolgt die Frequenzgang-Optimierung, hier ĂŒber Griffe links und rechts (blau) zur Anhebung oder Absenkung von BĂ€ssen und Höhen.

    Die Technik der Endstufe
    Die 16-Kanal-Endstufe AMP 10 arbeitet mit einem leistungsfĂ€higen Ringkern-Trafo. Bei der Eingangsstufe kommt Marantz‘ verfeinerte HDAM-Technik SA2 (Hyper Dynamic Amplifier Module) bei allen Signalpfaden (Cinch und XLR) zum Einsatz, welche das Kleinsignal an die VerstĂ€rker mit niedriger Impedanz und hoher Slew-Rate sendet. Die 16 Endstufen sind nach dem Prinzip von SchaltverstĂ€rkern (Class-D-VerstĂ€rker) konzipiert und wurden nicht etwa zugekauft, sondern von Marantz selbst entwickelt. Die Bauweise bietet eine bessere Leistungsausbeute bei geringerer WĂ€rmeentwicklung und niedrigerem Stromverbrauch im Vergleich zur analogen Class-A/B-VerstĂ€rkung. Auf eine aktive KĂŒhlung konnte Marantz trotzdem nicht verzichten und integrierte 5 LĂŒfter, die angenehm leise ihren Dienst verrichten. Warm wird das GehĂ€use dennoch, weshalb es ratsam ist, keine GerĂ€te (etwa die Vorstufe wie im Bild auf der linken Seite) auf die Endstufe zu stellen und stets fĂŒr ausreichend Luftzirkulation zu sorgen.

    Die 16 LeistungsverstĂ€rker lassen sich pĂ€rchenweise in den Bi-Amp-Modus schalten, womit man auf Wunsch bis zu 8 Lautsprecher getrennt mit Power fĂŒr Bass- und Mittel-/Hochton-Treiber versorgen kann. Eine weitere Option ist der Bridge-Modus, der zwei Endstufen fĂŒr die gemeinsame Leistungsabgabe zu einen Kanal „brĂŒckt“ und damit doppelt so viel Leistung fĂŒr einen Kanal liefern kann.

    Auf der RĂŒckseite schinden die massiven Messing-Lautsprecherbuchsen Eindruck, die Ă€ußerst robust wirken. Die Pfropfen in den Öffnungen fĂŒr Bananenstecker lassen sich allerdings nur mit einer kleinen Zange entfernen, zumindest bei unserem Test-Exemplar reichten FingernĂ€gel nicht aus. Über den Klemmterminals sitzen XLR- und RCA-EingĂ€nge fĂŒr alle 16 KanĂ€le. Zur Netzwerk- und Automatisierungssteuerung sind eine RS-232C-Buchse, IR-Flasher (fĂŒr externe IR-VerstĂ€rker), Remote-Control In/Out und DC Control In/Out (Trigger) vorhanden. Das optionale Auto-Standby schaltet die Endstufe in den Bereitschaftsmodus, falls 15 Minuten kein Signal anliegt. Eine Verbindung ĂŒber „Amp Control“ mit der Vorstufe ermöglicht das Ein- und Ausschalten beider GerĂ€te zusammen ĂŒber die AV 10.

    Die Technik der Vorstufe
    FĂŒr die Vorstufe AV 10 gilt dasselbe wie fĂŒr alle Marantz-AV-Receiver der „Cinema“-Baureihe: neues MenĂŒ, mehr Benutzerfreundlichkeit, erweiterte Funktionen. Doch der Reihe nach.

    Alle BildschirmmenĂŒs prĂ€sentieren sich seit dieser Generation in einem eleganten, modernen Design samt neuen 1080p-Grafi ken und neuem Wortlaut der stets verstĂ€ndlichen ErklĂ€rungen. Zwar könnte das Navigieren durch MenĂŒs schneller klappen, doch die leichte Verzögerung wird durch Auf- und Abblenden kaschiert. Sich ĂŒber das laufende Bild legende MenĂŒs (Info, Option) sind simpel und elegant sowie ĂŒbersichtlich und praktikabel gestaltet. Besonders hilfreich fĂŒr Einsteiger ist der Einrichtungsassistent, der beim ersten Einschalten des GerĂ€ts ausfĂŒhrlich durch Punkte wie Lautsprecher-Setup, Raumeinmessung, Netzwerk und Quellenanschluss fĂŒhrt.

    Ein neues Design hat auch die Fernbedienung inklusive Hinterleuchtung der Gummitasten sowie klarer Untergliederung in Funktionsgruppen. Der Geber besitzt eine Aluminium-Topplatte, der Rest des Korpus besteht allerdings aus Plastik und das kantige Design lĂ€sst ihn nicht allzu „sanft“ in der Hand liegen. Wer im Heimkino lieber mit Tablet oder Handy hantiert, kann die AV 10 mit dem Web- Interface oder der HEOS-App von Marantz steuern.

    Auch auf technischer Seite gibt es neue Funktionen, die bei der Installation anspruchsvoller Heimkino-RĂ€ume relevant werden. Spannend ist die Möglichkeit zum Anschluss von 4 (statt bisher 2) Subwoofern, die separat regelbar (Pegel, Distanz) und sogar in verschiedene akustische Zonen einteilbar sind. Eine Platzierung von 2, 3 oder 4 Subs nach Hersteller-Vorgaben im Hörraum vorausgesetzt, soll die Funktion „Subwoofer Modus / Gerichtet“ fĂŒr rĂ€umlich gerichtete BĂ€sse sorgen, indem (neben dem LFE-Signal) ein Subwoofer nur die Bass-Signale des unmittelbar benachbarten, als „klein“ definierten Lautsprechers ĂŒbernimmt – und nicht wie ĂŒblich die BĂ€sse aller Lautsprecher mit aktivem Crossover. Tönt dann die hintere, linke Surround-Box, werden deren Bass-Signale auch nur an den hinteren, linken Subwoofer weitergegeben und nicht an alle BasswĂŒrfel. Erstmals hat Marantz eine Option zur Steuerung eines Körperschallwandlers (Buttkicker, Bodyshaker) integriert. Der kommt an den Subwoofer-Pre-out Nr. 4 und lĂ€sst sich in Pegel und Tiefpass-Filter (40 bis 250 Hertz) justieren.

    Eine weitere Premiere ist das erweiterte Bassmanagement im Reiter „Lautsprecher/Verteilung“. Hier kann der LFE-Kanal in 2-dB-Schritten von -20 bis 0 db auf alle als groß definierten Lautsprecher umgelenkt werden – der Subwoofer teilt sich damit in definierten Anteilen die Basslast des LFE-Signals mit den ausgewĂ€hlten Boxen. Das kann sinnvoll sein, wenn der Subwoofer deutlich kleiner ausfĂ€llt als die Hauptlautsprecher. UnabhĂ€ngig davon darf man dem Subwoofer ĂŒber die Funktion „LFE & Main“ eine Kopie der Bassanteile (Crossover fĂŒr den Bereich der Basskopie regelbar von 40 und 250 Hertz) aller als „Vollbereich“ definierten Boxen zuschanzen.

    Stereo-VerstĂ€rkerblock: Hinter jedem Cinch- und XLR-Eingang sitzt Marantz‘ „Hyper Dynamic Amplifier Module“ zur Signalaufbereitung. Das Kleinsignal wandert zu den Class-A-VerstĂ€rkern, von wo aus das Hochstromsignal an die Boxenklemmen gesendet wird.
    DAC-Board: Gleich zehn DAC-Chips (32 Bit) vom Typ ESS ES9018K2M (rote Kreise) konvertieren Digitalsignale ins Analoge in der AV 10. Jeder Chip ist nur zweikanalig ausgelegt, um gegenseitige Interferenzen zwischen den 19 KanÀlen (15.4) bestmöglich zu unterbinden.
    Zwei DAC-Filter: WĂ€hrend das Filter 2 (blau) fĂŒr Testmessungen gedacht ist und nur einen sanften Höhenabfall (ca. 0,4 dB) mit sich bringt, beginnt der Frequenzgang bei Filter 1 fĂŒr den „echten Marantz-Sound“ frĂŒher und stĂ€rker (ca. 1,75 dB) im Hochton abzufallen. Gemessen haben wir am linken Frontkanal.

    Decoder-Vielfalt
    FĂŒr die Signalverarbeitung kommt ein Dualcore-Prozessor (1 GHz) von Analog Devices (ADI SHARC+) zum Einsatz. Wie es sich fĂŒr eine moderne Vorstufe gehört, hat Marantz alles reingepackt, was in absehbarer Zeit benötigt wird: Dolby Atmos (15.4), DTS:X Pro (15.4) und Auro 3D (13.1) sowie deren Upmixer Dolby Surround, DTS Neural:X und die Auro-Matic – inklusive Cross-Format-Upmixing. Der Auro-Decoder funktioniert jetzt auch mit Deckenlautsprechern an „Top“-Positionen (Front, Middle, Rear), bisher ging Auro nur mit „Height“-Boxen. Top-Front-Boxen erhalten dabei eine Mischung aus den Tonsignalen von Front-Height und Center-Height, die Top-Middle-Lautsprecher bekommen den Voice-of-God-Kanal zugespielt. Das ist insofern bemerkenswert, als Auro jahrelang predigte, „Height“-Lautsprecher mĂŒssten im Winkel zwischen 20 und 40 Grad (optimal 30 Grad) zum Zuhörer abstrahlen. Auch Dolby wird flexibler und unterstĂŒtzt jetzt seitliche Surround-Height-Lautsprecher (nicht zu verwechseln mit den hinteren Rear-Heights), was der Marantz ebenso beherrscht. Zudem gibt die AV 10 IMAX-Enhanced-Inhalte wieder, bei den Virtualisierern sind DTS Virtual:X und die Dolby Atmos Height Virtualization dabei. Hinzu kommen das im Broadcasting-Bereich verwendete MPEG-H des Fraunhofer Instituts sowie Sonys Musik-Streaming-Format 360 Reality Audio. Das einzige DSP-Programm nennt sich „Virtual“ und verbreitert bei der Stereo-Wiedergabe das Klangfeld.

    Sehr subtiles Tontuning lĂ€sst sich bei der AV 10 auch in Form eines umschaltbaren DAC-Filters betreiben: Filter 1 bietet laut Beschreibung den „echten Marantz-Sound“, wĂ€hrend Filter 2 fĂŒr „Testmessungen“ gedacht ist. Wir haben natĂŒrlich beide Filter gemessen, die dazugehörigen Grafiken finden Sie unten rechts auf dieser Seite.

    Audyssey & Dirac
    Zur Klangkalibrierung bringt die AV 10 ab Werk Audysseys grĂ¶ĂŸtes Einmess-System MultEQ XT32 mit. FĂŒr mehr Feintuning-Optionen kann man optional die Audyssey MultEQ Editor App (20 Euro) oder Audysseys Software-Suite MultEQ-X (200 Euro) kaufen – was sich fĂŒr Perfektionisten lohnen kann. Angesichts eines Preises von 7.000 Euro ist diese Aufpreispolitik etwas Ă€rgerlich. Das gilt auch fĂŒr die zweite Option zur Messung der AV 10 auf die Raumakustik, die mittels Dirac Live erfolgt. Hier muss man gleich die komplette Software separat kaufen (siehe Kasten oben).

    Der in die AV 10 integrierte und simpel aufgebaute Grafik-Equalizer ist hingegen ein Spielzeug fĂŒr grobe Justagen, aber kein ernst zu nehmendes Werkzeug zur Behebung von Raumakustik-Problemen. So lassen sich die Subwoofer ĂŒberhaupt nicht regeln, alle anderen KanĂ€le erst ab 63 Hertz. Zudem kann man den EQ nicht zusammen mit Audyssey nutzen. Immerhin darf man die „Flat“-Kurve der Audyssey-Einmessung auf den EQ kopieren.

    Angesichts zweier Einmess-Systeme, EQ-Option und der vielen Möglichkeiten zur Lautsprecher-Konfiguration mit 16 KanĂ€len hĂ€tten wir uns lieber 4 statt nur 2 Speicher zur Sicherung unterschiedlicher Einstellungen bei Lautsprechern und Einmess-Systemen gewĂŒnscht. Sehr praktisch sind allerdings die Schnellwahltasten („Smart Select“), ĂŒber die man mit einem Tastendruck diverse frei definierbare Boxen- und Klang-Parameter aktivieren kann, darunter auch die zwei Lautsprecher- Konfigurations-Presets samt Einmess-System.

    8K-Video mit HDMI 2.1
    Selbstredend hat die Vorstufe AV 10 die neueste Videotechnik an Bord. Der HDMI-2.1-Standard wird an allen 7 EingĂ€ngen und an 2 von den 3 AusgĂ€ngen unterstĂŒtzt. Multiple Quellen am Receiver mit Auflösungen bis zu 8K/60Hz bzw. 4K/120Hz samt HDCP 2.3, ALLM, VRR und HDR (Dolby Vision, HDR10+, HDR10, Dynamic HDR und HLG) sind daher möglich. Auf Wunsch fĂŒhrt die AV 10 ein 8K-Upscaling von 2K- bzw. 4K-Quellen durch. Einen manuellen Video-Equalizer oder vorgefertigte Bild-Presets gibt es hingegen nicht mehr.

    Beim Streaming ist die Marantz-Vorstufe dank HEOS-System sehr gut aufgestellt. Die HEOS-Technologie verteilt Musik aus dem Netz und externen Quellen auf jedes HEOS-kompatible GerĂ€t von Denon und Marantz – egal, ob AV-VerstĂ€rker, Soundbar, Kompaktanlage oder Smart-Speaker. Zudem unterstĂŒtzt HEOS Streaming-Dienste wie Spotify, Napster, Amazon Music (HD), TuneIn, Deezer, SoundCloud und TIDAL.

    Ferner ist via Bluetooth, AirPlay 2 oder Netzwerk das Zuspielen von Musik auf Tablets, Smartphones oder USB-GerĂ€ten möglich. Zudem lassen sich HD-Audiodateien mit 24 bit / 192kHz sowie von DSD-Files (2,8 und 5,6 MHz) streamen. Auch Radio lĂ€sst sich nur streamen, da weder ein UKW- noch ein DAB-Tuner an Bord sind. Ferner ist die AV 10 kompatibel mit dem Audio-Streaming-System von Roon. Bei den Sprachassistenten werden Amazon Alexa, Apple Siri und der Google Assistant unterstĂŒtzt.

    Blick ins Boxensetup der AV 10
    Mit der Verabreitung von bis zu 15.4-KanĂ€len bietet die Marantz AV 10 eine Vielzahl von Boxen-Kombinationen fĂŒr Dolby Atmos, DTS:X Pro und Auro-3D. Die interne Signalverarbeitung unterstĂŒtzt sogar bis zu 8 Deckenboxen (7.4.8) oder wahlweise Front-Wide-Speaker (9.4.6).

    Alles aktiv: 17.4-KanÀle (8 oben, 9 unten, 4 Subs) lassen sich einstellen, zeitgleich spielen aber nur 15.4.
    6 x Top: Neben Dolby und DTS unterstĂŒtzt jetzt auch Auro die klassischen Deckenboxen („Top“).

    TonqualitÀt
    Über mangelnde Leistung kann man sich beim AMP 10 nicht beschweren: Die Messungen ergaben im 7.1-Betrieb (6 Ohm) ĂŒppige 201 Watt pro Kanal. Mit 5 aktiven Endstufen legte der Amp stolze 285 Watt (6 Ohm) bzw. außergewöhnlich hohe 366 Watt (4 Ohm) pro Kanal an den Tag. Im Stereo-Modus kletterte die Power sogar auf 272 (6 Ohm) Watt bzw. 402 Watt (4 Ohm) pro Kanal. Der durchschnittliche Stromverbrauch der AMP-10-Endstufe lag dank Digital-VerstĂ€rkern bei klimafreundlichen 166 Watt, in der Regel saugen Endstufen und AV-Receiver das Doppelte aus der Steckdose. Die Vorstufe AV 10 begnĂŒgte sich mit knapp 60 Watt.

    Bei der TonqualitĂ€t der Marantz-Kombi muss man nicht lange diskutieren: Die Dinger klingen klasse! Das Duo trifft die richtige Note zwischen angenehmem, stressfreiem Hören, MusikalitĂ€t und Detailreichtum – also genau das, was man von der Audiowiedergabe im High-End-Segment erwartet. SchönfĂ€rberei betrieb man bei der Abstimmung aber nicht, denn miese Aufnahmen werden schonungslos offenbart und richtig gute klingen dafĂŒr fantastisch, was fĂŒr Filmton- wie Musikquellen gilt. So etwa fĂŒr Steely Dans praktisch perfekt aufgenommenes Album „Two against nature“ in Dolby Digital 5.1. Von den natĂŒrlichen Klangfarben der Instrumente und deren prĂ€ziser Platzierung im Hörraum ĂŒber die federnden BasslĂ€ufe bis hin zur körperhaften Stimmwiedergabe – das Gebotene war nicht nur Spektakel, sondern ein Genuss. Gleiches gilt fĂŒr die SACD „Hell or high water“ (DSD 5.1) von Sara K., deren wunderbare Akustik die Marantz-Kombi ausgesprochen glaubhaft in den Hörraum zauberte. Selbstredend gab sich das Gespann bei Atmos-Ton keine BlĂ¶ĂŸe und setzte in wichtigen Disziplinen wie ImpulsivitĂ€t, Bass-Performance und Schallfeld-Ausleuchtung Glanzlichter.

    FĂŒr den Test fĂŒhrten wir sowohl die Einmessung mit Audyssey als auch Dirac durch, dank 2 Boxen-Speichern und Schnellwahltasten („Smart Select“) kann man zwischen beiden Systemen hin und her schalten und so Vergleiche anstellen. FĂŒr den Hörtest nutzen wir die Standard-Filtervorgaben beider Programme, ohne manuell daran herumzuschrauben. Bei Audyssey setzten wir unter „Dynamic EQ“ den „Referenzpegel-Offset“ jedoch auf 15 dB statt 0 dB, um den Rear-Boxen ihr vorlautes Spiel auszutreiben.

    Und im Ergebnis? Wie schon beim Test des Marantz „Cinema 40“ entsprach die Dirac-Darbietung mehr unseren Vorstellungen. In Bezug auf die rĂ€umliche Darstellung spielte Dirac dreidimensionaler und mit prĂ€ziser ortbaren Effekten bzw. Instrumenten. Audyssey tönte etwas flacher und direkter, was bei Steely Dan schnell auffiel.

    Auch bei der Stimmwiedergabe war Dirac im Vorteil und spielte etwas körperhafter, offener, „lockerer“ und damit natĂŒrlicher. Unterschiede gab es auch beim Klangcharakter und den Klangfarben, wobei hier der Geschmack bzw. das gehörte Quellmaterial eine Rolle spielt. Dirac spielte zumindest in unserem Testraum mit etwas mehr Bass und Glanz in den Höhen, was besonders Filmton und Mainstream-Pop gut zu Gehör stand und zusĂ€tzliche Spielfreude in den Sound brachte. Audyssey (Filterkurve „NatĂŒrlich“) klang hingegen etwas ausgeglichener und zurĂŒckhaltender, was sich sehr gut bei klassischer Musik machte – wir hörten Werke von Debussy und Stravinsky gespielt vom Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter Leitung von Daniele Gatti (Auro 3D). Mit etwas Geschick und Knowhow lassen sich tonale Eigenheiten jedoch via Einmess-Software auf den eigenen Geschmack bzw. die eigenen Hörgewohnheiten eichen.

    Die Endstufe AMP 10 blieb auch bei extremen Pegeln souverĂ€n. So tönte das Action-Finale in „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) auch bei derben LautstĂ€rken aufgerĂ€umt, klar, prĂ€zise sowie ohne AnflĂŒge von Stress oder gar Verzerrungen.

    Die Unterschiede zwischen Audyssey und Dirac waren auch im Stereo-Betrieb hörbar, uns interessierte aber auch die Performance im „Pure Direct Modus“, der die reinste Klangwiedergabe verspricht. Das Duo spielte auch im Stereo-Betrieb traumhaft und glĂ€nzte – was fĂŒr eine Überraschung – mit denselben Tugenden wie im Mehrkanal-Betrieb. Ganz große Klasse!

    Der Testbericht Marantz AV 10 & AMP 10 (Gesamtwertung: 97, Preis/UVP: 14.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2023 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.

    • Marantz AV 10 & AMP 10 (audiovision 9-2023)In den Warenkorb

      Marantz AV 10 & AMP 10 (audiovision 9-2023)

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    AV-Fazit

    97 Sehr gut

    Marantz‘ neue Spitzen-Kombi AV 10 / AMP 10 ist spektakulĂ€r in jeder Hinsicht. Ein ĂŒberragender Klang, enorme Leistung, 16 Endstufen, 2 Einmess-Systeme und tolle Vernetzung. So bleibt als einziger Kritikpunkt eigentlich nur der Preis.

    Andreas Oswald

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