
Bei den Flachbildfernsehern eines neuen Modelljahrgangs ist es wie in den ersten Rennen der neuen Formel1-Saison: Jetzt erst zeigt sich, wie gut die Hersteller und Ingenieure ihre Hausaufgaben erledigt haben, um noch mehr aus den TV- bzw. Rennboliden herauszukitzeln. LG vertraut beim 3.500 Euro teuren OLED65C8 erstmals auf seinen neuen Bildprozessor Alpha9, der nicht nur eine hohe Bildrate mit 120 Bildern pro Sekunde unterstĂŒtzt, sondern unter anderem bei den Themen FarbintensitĂ€t, SchĂ€rfe und RauschunterdrĂŒckung eine Schippe drauflegen will, was ob der bereits vorzĂŒglichen Leistung der VorgĂ€ngermodelle keine leichte Aufgabe ist.
Geblieben ist beim 65C8, den es auch als 55- und 77-Zöller gibt, das 0,4 Millimeter dĂŒnne randlose Display. Auch mit Anschlussterminal und rĂŒckseitigem 2.2-Soundsystem mit 40 Watt und 20 Watt starkem Subwoofer kommt der Apparat auf eine ĂŒberschaubare Tiefe von 4,7 Zentimeter. Hingucker ist der gewölbte, SpoilerĂ€hnliche graue StandfuĂ aus Aluminium, der den TV-Ton direkt zum Zuschauer hin lenkt. Auch der C8 unterstĂŒtzt die Surround-Sound-Technik Dolby Atmos.

Bedienkomfort
Schon nach der Einrichtung und dem Sendersuchlauf begeistert der LG mit seinem Betriebssystem webOS in der aktuellen Version 4.0. Wo Android-Fernseher sich teilweise deutlich mehr Zeit lassen, rast der OLED von MenĂŒ zu MenĂŒ, reagiert sofort auf jeden Befehl und startet Apps, Spiele und Videoportale im Eiltempo. Hinzu kommt der einzigartige Bedienkomfort, bei dem LG kaum ein Mitbewerber derzeit das Wasser reichen kann.
Mit dem Alpha9-Prozessor schraubt LG gleich an mehreren Bild-Parametern. Novum ist die HFR-Wiedergabe mit 120 Bildern pro Sekunde â da es noch keine geeigneten HDMI-Chips fĂŒr die Verarbeitung von ultrahochauflösenden HDR-Aufnahmen mit 120 Hertz gibt, beschrĂ€nkt sich diese Option zurzeit auf den USB-Anschluss. Ansonsten rechnet der LG die 24 Bilder aus Filmen auf 120 hoch.

SuperflĂŒssige Bewegungen gelingen dem OLED, wenn âTruMotionâ auf âFlĂŒssigâ bzw. âKlarâ eingestellt ist, wie ein vorbeifahrendes Containerschiff auf der Elbe in der Blu-ray âDeutschland von obenâ eindrucksvoll beweist. Körnung und Streifenbildung will der Alpha9 in vier und nicht mehr nur in zwei Stufen reduzieren. In groĂen FlĂ€chen mit gleicher Farbe, etwa im Himmel oder in TV-Studios mit animierten HintergrĂŒnden, schafft der LG eine extrem gleichmĂ€Ăige Darstellung ohne Rauschen.

âTrue Color Accuray Proâ haben die Koreaner die FĂ€higkeit ihres Prozessors getauft, eine 7,3 Mal höhere Farbtabelle als bei bisherigen TV-GerĂ€ten zu verwenden. Die gröĂere FĂŒlle an Farbdatenpunkten macht sich in einer enormen Brillanz und Leuchtkraft bemerkbar.
Ein Druck auf die Home-Taste der Fernbedienung, und die farbigen Kacheln mit direktem Zugang zu einzelnen Quellen, Live-TV, Videoportalen, Fotos, Musik und dem Aufnahme-Archiv legen sich umgehend waagerecht im unteren Drittel des Displays auf den Schirm. Ăber das RĂ€dchen auf dem Signalgeber gelangt man hingegen zu unterschiedlichen Einstellungen wie Bildmodi und -formaten, dem Sound-Setup oder sĂ€mtlichen Einstell-Optionen. Ăberlegen, wo sich beim 65-Zöller noch mal welche Funktion verbirgt, muss man nach kĂŒrzester Eingewöhnungszeit garantiert nie mehr. ZusĂ€tzlich gefördert wird das unkomplizierte und flotte Handling des LG ĂŒber die ergonomisch gut geformte Fernbedienung mit Mauszeiger, Navigationsrad und Steuerkreuz.

Aufnahme & Sprachsteuerung
FĂŒr die Empfangswege Kabel, Satellit und DVB-T2 ist der Koreaner jeweils mit Doppel-Tunern ausgestattet. Das hat den Vorteil, wĂ€hrend TV-Aufnahmen einen anderen Sender schauen zu können. In diesem Punkt verhĂ€lt sich der C8 völlig unkompliziert: USB-Festplatte anschlieĂen, Aufnahme starten und fertig. Eine vorherige Formatierung des DatentrĂ€gers war im Test nicht erforderlich. TV-Mitschnitte gelingen bequem durch einen Druck auf das mittlere Scrollrad und einen am Bildschirm eingeblendeten Aufnahme-Button. Durch schnelles Drehen des RĂ€dchens mit dem Daumen kann man Senderwechsel im Ăberschalltempo realisieren.

Ob ARD, ZDF, RTL oder 3sat â zum gewĂŒnschten Sender springt der 65-Zöller auch per Sprachsteuerung. Mikrofon-Taste drĂŒcken, Sender auswĂ€hlen, und schon wechselt der Fernseher das Programm. Auf âLauterâ oder âLeiserâ reagiert der Apparat ebenso zuverlĂ€ssig wie auf den Befehl âAufnahmeâ; dann öffnen sich die Aufnahmeeinstellungen. ThinQ heiĂt die schnelle und schon sehr ausgereifte Sprachsteuerung von LG, die aktuell im TV-Bereich MaĂstĂ€be setzt. Ob man gerne âStrombergâ, âIch â Einfach unverbesserlichâ, ein FuĂballspiel mit Bayern MĂŒnchen oder âIn aller Freundschaftâ sehen möchte, der C8 liefert prompt die passenden Angebote aus Streaming-Portalen wie Netflix und Maxdome sowie YouTube und zeigt die gewĂŒnschten TV-Sendungen in der Programmvorschau der kommenden Tage an. Das funktioniert extrem zuverlĂ€ssig und schnell, in der nĂ€chsten Ausbaustufe im Laufe des Jahres können sich Benutzer auf die Kooperation mit Google Assistant und Alexa freuen.

EndgĂŒltig abgerundet wird das nahezu perfekte und ungemein flexible LG-Bedienkonzept durch die App âLG TV Plusâ fĂŒr Android und iOS. Per Smartphone-Touchscreen kann man den Flat-TV entweder per Cursor-Kreuz oder ĂŒber Wischgesten kontrollieren. Das Wechseln von Sendern und der LautstĂ€rke gelingt ebenso flĂŒssig und zĂŒgig wie der Zugriff auf Apps, Musik, Fotos oder Aufnahmen.
Medienwiedergabe & Ton
Fotos, Musik und Videos fischt der LG von USB-SpeichertrĂ€gern, PCs, Netzwerkfestplatten oder einer Fritz!Box ab. Auch hier fĂ€llt das hohe Tempo auf, Warte- und Ladezeiten sind ein Fremdwort. In Bilder kann man bis zu 200 Prozent hineinzoomen und den Ausschnitt frei festlegen. Bei Diashows sind die Wiedergabegeschwindigkeit und die Art der ĂbergĂ€nge anpassbar. SpektakulĂ€r ist die Option, jedes Bild in eine 360-Grad-Ansicht mit Zoom-Option zu verwandeln.
Nicht spektakulĂ€r, aber ĂŒberdurchschnittlich gut ist der Klang mit 2.2-Soundbar. Das RaumgefĂŒhl von Filmmusik und Stimmen ist dank Dolby Atmos ĂŒberraschend ausgeprĂ€gt, von den sechs unterschiedlichen Soundmodi gefĂ€llt âKinoâ durch seine Luftigkeit am besten. Positiv ĂŒberrascht der Bass: der ist krĂ€ftig mit solidem Fundament.
BildqualitÀt
OLED-spezifisch ausgezeichnet ist die BlickwinkelstabilitĂ€t auch beim C8, weshalb sich der LG perfekt fĂŒr groĂe Familien eignet, in denen nicht jeder frontal vor dem Display sitzen kann. Den werksseitig eingestellten âSparmodusâ sollte man sofort verlassen, hier wird der 65-Zöller wie ein Sportwagen in der 30er-Zone unnötig ausgebremst, das Bild wirkt mau. Nur bei strahlendem Sonnenschein in lichtdurchfluteten RĂ€umen macht das Setup âLebhaftâ Sinn, dann knallt der Schirm mit extremer IntensitĂ€t und fetzigen Farben. Maximal liefert der LG-Fernseher 786 Candela (im HDR-Modus âLebhaftâ, deutlich zu kĂŒhl), der empfehlenswertere Modus von âtechnicolor experteâ kommt immer noch auf 766 Candela, was das GerĂ€t absolut tageslichttauglich macht (Messung in einem 10-Prozent-WeiĂfeld). Die Farbtemperatur ist mit 6.396 Kelvin perfekt. Bei vollem WeiĂ saust der Helligkeitswert allerdings wie bei den Vorjahresmodellen auf unter 200 Candela.

Auch wenn der âStandardâ-Modus schon sehr gute und natĂŒrliche Ergebnisse liefert: Wer der RealitĂ€t am nĂ€chsten kommen will, sollte dem Setup âisf Experte (Dunkler Raum)â vertrauen. Den Eurovision Song Contest aus Lissabon, ob der permanent wechselnden LichtverhĂ€ltnisse auf der BĂŒhne eine enorme Herausforderung fĂŒr jedes Display, meisterte der OLED mit Bravour. Die Farbbrillanz war beeindruckend, die Abstufungen zwischen den bunten KostĂŒmen der Moderatoren sowie der SĂ€nger mit dem Hintergrund gelangen so prĂ€zise wie mit dem Skalpell seziert. Dunkle Szenen durchzeichnete der C8 perfekt, zudem illustrierte die schillernde Musik-Show die enormen Kontrasteigenschaften des Panels. Noch mehr Raumtiefe kitzelt man aus dem Bild, wenn man den HDR-Effekt in mittlerer IntensitĂ€t wĂ€hlt. AuĂerdem erscheinen die Grundfarben dann satter. Die voreingestellte Farbtemperatur von âW25â sollte man noch ein wenig nach unten schrauben.

GroĂe HDR-Vielfalt
Beim Thema HDR steht der LG aktuell in der Pole-Position â neben HDR10 und Dolby Vision unterstĂŒtzt der 65-Zöller auch HLG und Advanced HDR von Technicolor, lediglich HDR10+ fehlt. Im HDR-Betrieb kann man aus sechs unterschiedlichen Modi auswĂ€hlen. âtechnicolor Experteâ gefiel uns am besten. Da âDynamic Tone Mappingâ das Bild etwas abdunkelt, sollte man den dynamischen Kontrast mindestens auf âMittelâ stellen.
LG bietet beim OLED65C8 die Möglichkeit, das GerĂ€t per Auto-Kalibrierungsfunktion direkt ĂŒber die weit verbreitete Kalibrierungssoftware Calman perfekt abzustimmen. Calman in der Ultimate-Version nutzen auch wir im Zusammenspiel mit einem Spektrometer von Konica Minolta, um Flachbildfernseher zu messen und optimal einzustellen.

FĂŒr Privatanwender ist die Anschaffung des erforderlichen Equipments im vierstelligen Bereich im Normalfall nur bedingt interessant. Speziell HĂ€ndler erhalten so jedoch ein optimales Werkzeug, um unter anderem die Farbwiedergabe der Panels bis aufs letzte Detail zu optimieren. LG hat dazu als erster TV-Hersteller die so genannten Lookup-Tabellen freigegeben, also quasi das HerzstĂŒck fĂŒr intensive Korrekturen an zahlreichen visuellen Parametern. So lassen sich auch kleinere Serienstreuungen, die bei der Produktion von Displays immer wieder auftreten können, nachtrĂ€glich problemlos beseitigen. Calman erlaubt nicht nur umfangreiche Anpassungen im SDR-, sondern auch im HDR-Bereich.
Beim Sternenhimmel zu Beginn der UHD-Blu-ray-Disc âLifeâ zeigt der C8 eindrucksvoll: dunkler kann das Schwarz nicht sein. Achtung, sonst ĂŒbersieht man im abgedunkelten Raum beim Hinausgehen sogar den Fernseher. In der durchweg dĂŒsteren Kulisse des Raumschiffs fasziniert die Lust zur Detailfreude: Feinste Schattierungen in den RaumanzĂŒgen, winzige Kratzer, Spiegelungen und Schmutzpartikel auf den Scheiben sowie die Gummierung der Handschuhe lassen den Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Realistischer kann es auch als Crew-Mitglied an Bord nicht zugehen.
Selbst mit entsprechendem Testbild (5 Prozent Grau) ist das OLED-Panel sehr gleichmĂ€Ăig ausgeleuchtet, das hier kaum erkennbare Vertical Banding spielt im TV-Alltag praktisch keine Rolle. Der 12-Stunden-Dauertest mit statischem Bild bereitete dem LG ebenfalls keine Probleme. Um das Einbrennen statischer Inhalte wie Senderlogos gĂ€nzlich auszuschlieĂen, lĂ€sst sich deren Helligkeit neuerdings ĂŒber das Bildschirm-MenĂŒ des C8 reduzieren.Â



Der Testbericht LG OLED65C8 (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 4500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2018 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.
AV-Fazit
Mit dem OLED65C8 beweist LG eindrucksvoll: GegenĂŒber den bereits schon sehr guten Vorjahresmodellen lĂ€sst sich bezĂŒglich der Farbbrillanz noch eine Nuance mehr herauskitzeln. Die Sprachsteuerung funktioniert exzellent, der Bedienkomfort und die kurzen Reaktionszeiten setzen MaĂstĂ€be.
Jochen Wieloch

