Beim neuen inspire dr+ setzt Loewe auf seine bekannte Exklusiv-Optik und eine hochwertige Verarbeitung. Vom neuen Betriebssystem profitieren nicht nur klassische TV-Zuschauer, sondern auch Streamer.
Bekannte Optik, modifizierte Technik: Mit dem inspire dr+ hat Loewe jetzt den Nachfolger des bild i dr+ (Test in Ausgabe 12-2021) auf den Markt gebracht. Dem Hersteller zufolge wurden die Kabelführung und die Fernbedienung verbessert sowie das optionale Zubehörangebot an Aufstell- und Soundlösungen erweitert (mehr hierzu im Kasten auf der nächsten Doppelseite). Neu ist auch das von LG-Display stammende W-OLEDEX-Panel der 2024er-Generation mit Master Black Polarizer sowie ein leistungsfähigerer Chipsatz (MediaTek MT9618 G).
Für einen Loewe-Fernseher ist der inspire dr+ überraschend preiswert. So werden für den von uns getesteten 65-Zöller „nur“ 3.900 Euro fällig, der 55-Zöller kostet 3.000 Euro. Ebenso ist der OLED in 48 Zoll für 2.700 Euro sowie gegen Jahresende als 77-Zöller für 6.000 Euro zu haben.
Das reine Panel des 65-Zoll-Boliden ist nur wenige Millimeter dünn, inklusive Anschlüssen kommt der Apparat auf 6,4 Zentimeter. Für eine freie Montage im Raum, wahlweise auf dem mitgelieferten drehbaren Tischfuß oder einer optional erhältlichen Aufstelllösung, ist die Rückwand des in Deutschland gefertigten Fernsehers teils mit grauem Stoff bezogen und lackiert. Das untermauert Loewes Premium-Anspruch. Magnetische Abdeckungen verleihen dem Gerät einen noch cleaneren Look. Kabel lassen sich sauber verlegen, und die Anschlüsse sind weitgehend versteckt in die Rückwand integriert. Für die Wandmontage unterstützt der OLED die VESA-Norm 300 x 200 Millimeter.
Schwer & hochwertig: Die Fernbedienung hat beleuchtete Metalltasten mit sauberen Druckpunkten. Für Streaming-Dienste stehen Direktwahltasten bereit.
Der Bereich „Media“ bietet zudem eine bequeme Option, um auf Musik, Fotos und Videos zuzugreifen. Hierzu wählt man auf dem Smartphone die entsprechende Multimedia-Datei aus, diese wird umgehend auf dem Flat-TV wiedergegeben. Auf diesem muss im Menü lediglich die Freigabe erteilt werden, damit Dateien von einem externen Gerät zugespielt werden dürfen.

Ausstattung & Praxis
Loewe hat seinen OLED mit allen zeitgemäßen Features ausgestattet: Zwei der vier HDMI-Eingänge unterstützen den Standard 2.1 mit ALLM (Auto Low Latency Mode) und VRR (Variable Refresh Rate) sowie die 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz. Die Kronacher haben ihrem Flachmann das frische Chassis SL850 sowie das neue Betriebssystem os8 spendiert, welches auf der von Hisense-Fernsehern bekannten VIDAA-Oberfläche basiert.
Obwohl auch der inspire den Fokus auf das Thema Streaming legt, ist der 65-Zöller ein Loewe geblieben, der sich an klassische TV-Zuschauer richtet – auch wenn die Tuner für Kabel, DVB-T2 und Satellit nur als Single-Variante daherkommen. Die integrierte ein Terabyte große Festplatte arbeitet äußerst leise und ist nicht einmal im Betrieb zu hören. Sie garantiert komfortables Time-Shift und Aufnahmen von Live-Sendungen, während parallel Streaming-Inhalte angeschaut werden können. Während eines TV-Mitschnitts wechselt der grüne Statusbalken im runden Mini-Display unterhalb des TV-Panels seine Farbe auf rot. Aufnahmen gelingen entweder über die Play/Pause-Taste der Fernbedienung, über den Elektronischen Programmführer oder den Menü-Eintrag „DR+“. Das Aufnehmen einer Sendung und das gleichzeitige Schauen eines anderen Programms ist nicht möglich.
Das App-Angebot fällt speziell im Streaming-Bereich umfangreich aus, unter anderem sind Apple TV+, HD+, Amazon Prime Video, Disney+, Netflix, YouTube und Paramount+ abrufbar (mehr auf Seite 42). Per Fernbedienung hat man direkten Zugriff auf Netflix, Amazon Prime Video, Rakuten TV, Deezer, YouTube und Disney+. Der massive Steuerstab besteht aus Metall, ist schwer und macht einen äußerst hochwertigen Eindruck. Die teils beleuchteten Metalltasten sind übersichtlich angeordnet und bieten einen präzisen Druckpunkt. Zum Streamen von einem Tablet oder Smartphone unterstützt der Loewe Bluetooth, Miracast und AirPlay. Das TV-Gerät eignet sich als Mediaplayer und DLNA-Renderer.




Die Benutzeroberfläche des inspire sieht ausgesprochen schick und ansprechend aus: Auf dem schwarzen Hintergrund sind die einzelnen Kacheln waagerecht angeordnet, hierzu gehören unter anderem Apps, TV-Kanäle und Film-Highlights aus Mediatheken und Rakuten TV. Es ist möglich und empfehlenswert, unterschiedliche Benutzerkonten anzulegen, um unter anderem von personalisierten Programmvorschlägen zu profitieren. Der 65-Zöller arbeitet ausgesprochen zügig, das Navigieren innerhalb der Menüs sowie das Starten der Apps gelingt schnell und intuitiv. Loewe-typisch elegant sieht das Einstellungsmenü aus: Die weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund wirkt schick, der Apparat verzichtet hierbei vollständig auf Grafiken oder Symbole, was den Bedienkomfort jedoch nicht schmälert.
Bild- und Tonqualität
Bevor wir mit unserem Bildcheck beginnen, stellen wir im Menü den Punkt „Dynamikbereich maximale Helligkeit“ auf hoch, ebenso sollte man hier die „Lichtsensor-Einstellungen“ aufrufen, das heißt, man legt fest, ob die Bildschirmhelligkeit je nach Umgebungshelligkeit automatisch angepasst wird. Wir beginnen im „Standard“-Modus mit einer YouTube-Doku über Hawaii: Die gezeigten Farben sind leuchtstark, das türkisblaue Wasser ist gekennzeichnet durch kleinste Details wie Wellen und Schaumkronen, und auch der goldgelbe Sandstrand präsentiert sich detailreich. Bewegungen und Überflüge gelingen butterweich, der Loewe neigt nicht zu Rucklern. Alles wirkt sehr homogen, Farben sind rein und die Detailfreude ist gut.
Wechselt man in das „Dynamisch“-Setting, sind die Farben nicht mehr ganz so natürlich, das Bild wird einen Tick heller und die Plastizität, die Raumtiefe sowie die Schärfe legen etwas zu. In diesen Punkten haben andere Flachbildfernseher wie der Philipp 65OLED809 (Test Seite 34) die Nase eine Nuance vorne. Im „Kino“-Modus werden Farben am realistischsten abgebildet, Schärfe und Plastizität nehmen hingegen ab. Für Cineasten ist dieser Modus der beste. Ein gutes und effektives Mittel, um auch im „Kino“-Modus den Kontrast und die Plastizität zu erhöhen, ist das Feature „Adaptiver Kontrast“. Steht dieser auf „Mittel“ oder „Hoch“, wird das Bild räumlicher. Diese Funktion sollte man unbedingt ausprobieren und auf den persönlichen Geschmack hin einstellen – so genießt man nicht nur authentische Farben, sondern zusätzlich ein lebendiges, dynamisches und plastisches Bild.



Der Loewe hat außerdem einen intelligenten Modus unter der Bezeichnung „KI Bildoptimierung“ an Bord. Dieser erkennt die aktuelle Szene und versucht in Eigenregie, die Bildqualität zu verbessern. Im Test waren die Unterschiede zwischen vorher und nachher, zumindest bei den von uns gewählten Sequenzen, aber marginal. Augenscheinlicher ist die Option, SDR-Inhalten einen HDR-Look zu verleihen.
Die maximale Helligkeit erzielen wir im „Dynamisch“-Modus mit 965 Candela in Spitzlichtern. Im „Standard“-Setting sind es 801 Candela, im „Kino“-Modus 835 Candela. Bei 50-prozentigem Weißanteil messen wir überdurchschnittliche 360 Candela, bei vollflächiger Weißdarstellung 200 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 11.200:1 ebenfalls hoch aus. Mit HLG, HDR10, HDR10+ und Dolby Vision IQ unterstützt der Loewe alle wichtigen HDR-Formate. Auf diese Weise liefert er ein dynamisches, farbenfrohes, kräftiges und kontrastreiches Bild. Ambitionierte Cineasten kommen garantiert auf ihre Kosten, denn der 65-Zöller überzeugt nicht nur durch eine hervorragende Blickwinkelstabilität, sondern zusätzlich durch sattes Schwarz. Die Homogenität der Panel-Ausleuchtung ist vorzüglich, Cinemascope-Balken erinnern an eine frisch geteerte Straße. Loewe liefert seinen TV vorkalibriert aus. Das bedeutet, am Hauptsitz in Kronach sind alle relevanten Film- und Farbstandards für eine möglichst natürliche Bildwiedergabe gecheckt und optimal eingestellt worden.
Klanglich spielt der Loewe mit seinem 40 Watt starken Dolby-Atmos-Soundsystem souverän und erwachsen. Speziell im „Kino“-Modus begeistert die breite Klangbühne, höhere Pegel sind kein Problem, auch dann bleibt der 65-Zöller weitgehend verzerrungsfrei. Das Bassvolumen ist akzeptabel, die stimmliche Präsenz top und Musik bereitet dem Flachmann ebenfalls Spaß, weil er nichts von seiner souveränen Vorstellung einbüßt.



Der Testbericht Loewe inspire 65 dr+ (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 3.900 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2024 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der Loewe inspire 65 dr+ ist ein außergewöhnlicher OLED-TV mit tollem Bild, gutem Ton, umfangreichem App-Angebot und exklusiven Ausstattungsmerkmalen. Das alles hat seinen Preis, der bei Loewe etwas höher ausfällt als bei der Konkurrenz.
Jochen Wieloch

