Jetzt streamt‘s los

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Ab sofort mischt auch Apple im Markt der beliebten Musik-Streamingdienste mit. Wir haben acht Anbieter verglichen und sagen Ihnen, wo Sie die meiste Musik und die beste Qualität erhalten.

Da, wo im Bereich der Unterhaltungselektronik das große Geld gemacht und ein Massenmarkt bedient wird, darf Apple nicht fehlen. Seit Kurzem ist auch der iPhone-Hersteller auf den immer beliebter werdenden Musik-Streaming-Zug aufgesprungen und versucht sich gegen alteingesessene Mitbewerber wie Deezer, Napster und Spotify zu behaupten.
Für die Verbraucher sind die Musik-Portale eine feine Sache: Hier schlummern in der Regel rund 30 Millionen Lieder und Hörbücher, die auf PC und Mac über den Web-Browser, auf Smartphones und Tablets via App und sogar über Smart-TVs, AV-Receiver und drahtlose Soundsysteme bequem zum Leben erweckt werden können. Da stellt sich die Frage, warum man noch in die fast antiquiert wirkende CD investieren sollte: Die nimmt nur unnötigen Platz weg, ist anfällig für Kratzer und vergleichsweise teuer. Für monatlich rund 10 Euro kommt man bei jedem Streaming-Portal in den Genuss eines nahezu unendlich großen Musik-Portfolios. Zusätzlicher Vorteil gegenüber dem optischen Speichermedium: Egal, an welchem Ort und von welchem Gerät aus man sich über sein Benutzerkonto einwählt, es steht die komplette Songauswahl zur Verfügung, ohne Internet sorgt ein spezieller Offline-Modus dafür, dass die Lautsprecher etwas zu tun haben.

Von Apple bis Tidal

Familien erhalten bei Rdio 50 Prozent Rabatt auf jeden zusätzlichen Unter-Account. Regulär werden monatlich 10 Euro fällig.

Familien erhalten bei Rdio 50 Prozent Rabatt auf jeden zusätzlichen
Unter-Account. Regulär werden monatlich 10 Euro fällig.

Mit Apple Music, Deezer, Napster, Google Play Music, Qobuz, Rdio, Spotify und Tidal haben wir die wichtigsten Anbieter unter die Lupe genommen. Lassen Sie sich überraschen, wie sich die Dienste bezüglich der Qualität und der unterstützten Plattformen voneinander unterscheiden.
Apple Music lebt bislang noch in seiner eigenen Welt: Der Dienst ist momentan lediglich auf PC, Mac sowie mobilen Apple-Geräten ab Betriebssystem iOS 8.4 verfügbar. Eine App für Android-Geräte soll im Herbst folgen, auf Smart-TVs und Co. bringt man Apple Music bisher nicht zum Laufen. Positiv hingegen ist die dreimonatige kostenlose Probe-mitgliedschaft, mit der Apple auf Kundenfang gehen will. Anschließend werden monatlich die obligatorischen knapp 10 bzw. 15 Euro für eine Familienmitgliedschaft fällig. Letztere ist attraktiv, denn so können bis zu sechs Personen auf das komplette Portfolio zugreifen. Zum Angebot gehört der Live-Radiosender Beats 1, der täglich 24 Stunden sendet und mit zahlreichen namhaften DJs zusammenarbeitet. Zudem kombiniert Apple Music eigene Stücke aus dem iTunes Store oder von eingelesenen CDs mit den 30 Millionen Werken des Music-Katalogs. Basierend auf dem eigenen Geschmack erhält der Nutzer personalisierte Vorschläge.

Deezer stellt seine App für Android, Apple und Windows Phone bereit und läuft auf zahlreichen Geräten wie Flat-TVs, Heimkino-Systemen, Google Chromecast und drahtlosen Lautsprechern.

Deezer stellt seine App für Android, Apple und Windows Phone bereit und läuft auf zahlreichen
Geräten wie Flat-TVs, Heimkino-Systemen, Google Chromecast und drahtlosen Lautsprechern.

Bereits seit 2007 ist Deezer am Start und liefert mit maximal 320 kBit/s eine etwas höhere Bitrate als Apple mit 256 kBit/s. Wer Deezer gratis nutzt, kann am Computer und auf dem Tablet-PC auf ein unbegrenztes Angebot zugreifen – ohne Werbung, mit komfortablem Offline-Modus und einer höheren Streaming-Qualität gelingt dies jedoch nur in Verbindung mit dem kostenpflichtigen Paket „Premium+“ für einen Zehner im Monat. Praktisch: Geeignete Apps gibt es nicht nur für Apple, Android und Windows Phone, Deezer läuft auch auf Smart-TVs von Samsung, LG, Toshiba, Panasonic und Philips sowie auf Heimkino-Systemen von Sony, Google Chromecast und diversen Soundsystemen wie von Samsung, LG, Sonos und Denon. Zahlende Kunden können eigene MP3-Dateien in die Playlisten importieren. Mit „Flow“ bietet Deezer ein personalisiertes Radio an, das den eigenen Musikgeschmack analysiert und entsprechende Songs auswählt.

Per App oder Browser

Tidal hat den bisherigen Anbieter Wimp ersetzt. Aber auch der Wimp-Nachfolger erlaubt Musik-Streaming in CD-Qualität.

Tidal hat den bisherigen Anbieter Wimp ersetzt. Aber auch der Wimp-Nachfolger
erlaubt Musik-Streaming in CD-Qualität.

Napster ist wahrscheinlich noch den meisten ein Begriff: Im Jahr 1999 ging die gleichnamige Musiktauschbörse an den Start. Mittlerweile warten hier rund 30 Millionen Stücke aus allen erdenklichen Genres darauf, per App auf iOS, Android oder Windows Phone sowie auf PC und Mac abgespielt zu werden. Zwei verschiedene Pakete können gebucht werden: Die „Music-Flatrate + Mobile“ für monatlich knapp 10 Euro umfasst das Musik-hören auf Computern, Mobilgeräten sowie Smart-TVs, Hifi-Systemen, AV-Receivern, der Xbox360 oder Multiroom-Anlagen, während die „Music-Flatrate“ für knapp 8 Euro das audiophile Vergnügen auf den Web-Browser beschränkt. Napster ist übersichtlich gestaltet und intuitiv zu bedienen. Das Genre- und Künstler-Radio garantiert musikalische Berieselung ganz nach dem eigenen gusto, die wöchentlichen Neuerscheinungen hat man sofort im Blick. Zudem erlaubt die Software das Erstellen von beliebig vielen Playlists.

Google Play Music erlaubt es, bis zu 50.000 eigene Musikstücke in die Cloud zu stellen und überall auf seinen Geräten zugänglich zu machen.

Google Play Music erlaubt es, bis zu 50.000 eigene Musikstücke in die Cloud zu
stellen und überall auf seinen Geräten zugänglich zu machen.

Hinter Play Music steckt mit Google ein mächtiger Konzern, der ebenfalls rund 30 Millionen Songs an den Startblock schiebt. Besonderer Service: Kunden können bis zu 50.000 eigene Stücke über die Cloud für das Streaming auf Android- und Apple-Geräten sowie ausgewählten Smart-TVs und Soundsystemen zugänglich machen. Selbst Gratis-Kunden dürfen dieses exklusive Feature nutzen. Wer für monatlich 10 Euro das Paket „Google Play Music All-Inclusive“ erwirbt, findet alles, was aktuell im Radio läuft oder jemals in den Charts eine Rolle gespielt hat. Google-spezifisch ist die Bedienung des Dienstes ein Kinderspiel, der optisch sehr stark an den Play Store auf Android-Geräten erinnert.

Bereits ab Werk sind auf vielen Smart-TVs, AV-Receivern, drahtlosen Lautsprechern die Apps von Streaming-Anbietern vorin-stalliert. Je nach Hersteller und Hardware lassen sich entsprechende Apps auch nachträglich einpflegen. Besitzer eines Sonos-Systems können extrem flexibel Musik hören: Auf ihren Wireless-Lautsprechern und Audiokomponenten können Deezer, Napster, Google Play Music, Rdio, Spotify und Tidal ihre Arbeit verrichten. Wer einen Smart-TV in seinem Wohnzimmer stehen hat, hört wahrscheinlich am ehesten Musik per Deezer: Hier klappt das Zusammenspiel unter anderem mit Geräten von Samsung, Toshiba, LG, Loewe, Philips und Panasonic. Spotify hingegen harmoniert mit Philips, Samsung und LG, Napster läuft auf LG-Fernsehern und Google Play Music auf Apparaten von Philips.
Bei den drahtlosen Musiksystemen fühlt sich Deezer unter anderem auf Bose, Denon, Onkyo, B&O und Samsung wohl, Tidal bereichert das musikalische Portfolio auf den Anlagen von Linn, Raumfeld und Squeezebox. Ebenfalls weit verbreitet ist Spotify, das bereits auf Unterhaltungssystemen von Onkyo, Denon, Philips, B&O sowie der Playstation 3 und 4 beheimatet ist. Ein Blick in das technische Datenblatt eines Geräts – in der Regel über die entsprechende Herstellerseite abrufbar – verrät Ihnen, welche Streaming-Dienste mit einer App bereits implementiert wurden.

Für klanglich höchste Ansprüche ist Qobuz eine interessante Anlaufstelle: Hier ist Streaming in echter CD-Qualität möglich (FLAC 16 Bit/44,1 kHz). Dazu muss eins der Pakete „HiFi Sublim“ (nur jährlich möglich, 220 Euro), „HiFi“ (20 Euro/Monat) oder „HiFi Klassik“ (15 Euro/Monat) gebucht werden. Mit 320 kbit/s müssen sich Abonnenten von „Premium“ (10 Euro/Monat) und „Basic“ (5 Euro/Monat) zufrieden geben. Abgesehen vom Einstiegs-Angebot können alle anderen Qobuz-Kunden ihre gesamte Musik auch offline hören, ihr Abo auf drei unterschiedlichen mobilen Endgeräten nutzen und die Songs per Bluetooth oder AirPlay auf geeigneten Audiogeräten wiedergeben. Speziell für Klassik-Anhänger ist die französische Plattform eine lohnenswerte Option.
„Rdio funktioniert überall“, wirbt der Musikstreaming-Dienst Rdio des gleichnamigen US-amerikanischen Konzerns und hat damit nicht unrecht. Denn das App-Angebot umfasst neben Android und iOS auch Windows Phone und Amazon Fire. Zudem gelingt der Zugriff auf die rund 32 Millionen Stücke unter anderem über Sonos-Hardware und Media-Player von Google Chromecast und Roku. Regulär werden monatlich 10 Euro für das Abo fällig, Familien erhalten 50 Prozent Rabatt auf jeden zusätzlichen Unter-Account. Alle großen Major-Labels sind mit ihren Werken auf Rdio vertreten. Zudem können Nutzer hier Playlists verwalten und teilen. Wie bei den Mitbewerbern lässt sich der Katalog nach Interpreten, Alben, Songs und Labels schnell durchforsten.

Alle Musik-Streamingdienst in der Übersicht (bitte auf Bild klicken für Vergrößerung)

Alle Musik-Streamingdienst in der Übersicht (bitte auf Bild klicken für Vergrößerung)

Wer Musik gerne umsonst hört, natürlich ganz legal, der fühlt sich bei Spotify bestens aufgehoben. Mit „Spotify Free“ lassen sich auf PC und Mac sowie auf Tablets alle Songs der persönlichen Wahl uneingeschränkt abspielen. Dafür wird man alle halbe Stunde mit einer kurzen Werbung konfrontiert. Auf Smartphones sind die Restriktionen deutlich unangenehmer: Hier können Künstler, Alben und Playlists lediglich im Shuffle-Modus abgespielt werden. Der Zufall entscheidet also, was gerade läuft.

Musik für Jogger

Mit einem Premium-Account für die obligatorischen 10 Euro im Monat wird Spotify nicht nur werbefrei, auch die Streaming-Qualität schraubt sich auf 320 kBit/s hoch. Familien und Studenten profitieren von Rabatten, PlayStation-Besitzer können Spotify zwei Monate lang testen. Ein witziges Feature stellt die Option „Running“ dar. Die App spielt dann nämlich Musik zum gewünschten Lauftempo ab, eine zusätzliche Motivation für Sportler. Spotify „Connect“ gestattet es, Songs auf kompatiblen Fernsehern und Lautsprechern wiederzugeben. Die App auf dem Smartphone oder Tablet mutiert dann zur nützlichen Fernbedienung.

Wenn Sie sich mit einem Streaming-Anbieter beschäftigen, stoßen Sie unweigerlich auf die Begriffe Abtast- bzw. Samplingrate und Bittiefe. Die klassische Audio-CD beispielsweise kommt auf eine Samplingrate von 44,1 Kilohertz und eine Samplingtiefe von 16 Bit. Die reale Datenmenge erhalten Sie, indem die beiden Werte miteinander multipliziert werden. Im Fall der CD wird das Ergebnis verdoppelt, da es sich um eine Stereoübertragung mit zwei Kanälen handelt. Hören Sie eine CD, so wird die Musik folglich mit 1.411.200 Bit pro Sekunde übertragen (1.411,2 Kilobit). Diesen Wert sollten Sie sich zur Orientierung merken.
Internet-Dienste wie Tidal oder Qobuz ermöglichen das -Streamen ihrer Musikstücke in derselben Auflösung. Sinnvoll ist ein Abo mit dieser hohen Datenrate allerdings nur, wenn Sie zu Hause beim Streamen qualitativ hochwertige Lautsprecher einsetzen. Unterwegs per Kopfhörer in der U-Bahn oder über die bescheidenen Schallwandler von Smartphone und Tab-let reicht es locker, wenn Sie auf eine Datenrate von 320 Kilobit zurückgreifen – das ist der Wert, der inzwischen fast flächendeckend mit kleineren Ausnahmen bei so gut wie allen Streaming-Anbietern zum Einsatz kommt (siehe Tabelle linke Seite). Vorteil: Auch mit einer etwas langsameren oder einer mobilen Internet-Verbindung ist Musikgenuss so ohne Aussetzer und langes Nachpuffern möglich.
Wollen Sie Ihre Musikstücke von einer CD auf Ihre PC-Festplatte kopieren und für die mobile Nutzung vorbereiten, so sollten Sie die Dateien nicht mit weniger als 128 kBit/s konvertieren. Andernfalls drohen Kompressionsartefakte und das Hörvergnügen bleibt auf der Strecke.
Apple-Anwender sollten zum Dateiformat AIFF, Windows-Nutzer zu WAV oder FLAC greifen. FLAC bietet den Vorteil, dass Albumcover und Zusatzinformationen wie Name des Interpreten und des Songs in die Dateien eingepflegt werden können.

Aus Wimp wird Tidal

Wahrscheinlich vermissen Sie in unserer Übersicht den Streaming-Dienst Wimp. Wer die bisherige Internetseite aufruft, wird automatisch zu Tidal weitergeleitet. Bestehende Accounts werden hier jedoch übernommen. Noch existiert kein durchgehendes deutsches Menü für Tidal, die schwarze Benutzeroberfläche ist Geschmacksache. Geblieben ist die Möglichkeit, wie bei Qobuz die Songs in CD-Qualität zu streamen („HiFi“, 20 Euro/Monat). Wer sich mit 320 kBit/s zufrieden gibt, zahlt monatlich einen Zehner weniger („Premium“). Apps sind bisher für Smartphones und Geräte mit Android und iOS erhältlich, zudem lässt sich Tidal über diverse Netzwerkplayer und Soundsysteme von Linn, Raumfeld, Sonos, Marantz und Pioneer wiedergeben. Mittels „Soundiiz.com“ können Playlisten von anderen Musikdiensten in die Tidal-Welt importiert werden. Via Airport Express bzw. AirPlay ist das Streamen der Songs von Mac und PC möglich. Tidal bietet wie die meisten eine 30-tägige kostenlose Testphase. Auch hier gilt: vorher kündigen, sonst kostet der nächste Monat Geld.

Fazit

jwStreaming-Experte Jochen Wieloch: Apple hat den Streaming-Markt nicht revolutioniert. Bislang lediglich eine App für die eigenen Geräte und kein Zugriff auf Apple Music über Smart-TVs oder Heimkino-Systeme – der iPad-Erfinder hat noch jede Menge Nachholbedarf. Abgesehen von diesem Defizit: Nennenswerte Schwächen offenbart keine der acht vorgestellten Plattformen. Wem CD-Qualität wichtig ist, der muss sich zwischen Qobuz und Tidal entscheiden.
Ansonsten ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie einem die jeweilige Benutzeroberfläche gefällt. Wer die Streaming-Dienste nicht nur per Web-Browser oder App, sondern auch auf Smart-TVs, Hifi-Systemen und WLAN-Lautsprechern nutzen will, sollte zu Spotify, Deezer und Tidal tendieren: Die sind inzwischen weit verbreitet und stehen bei vielen Herstellern hoch im Kurs.

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