Als „Designed for Xbox“ muss der Viewsonic X1-4KE Pro nicht nur seine Spieltauglichkeit unter Beweis stellen, sondern auch seine Heimkinofähigkeiten.
Aufmerksame Leser könnten beim Anblick des Viewsonic X1-4KE Pro ein Déjà-vu-Erlebnis haben, denn er ist dem X2-4KE Pro, den wir vor knapp einem Jahr getestet haben, wie aus dem Gesicht geschnitten. Sogar die Standfläche ist mit 35,5 x 25,1 Zentimeter identisch. Konnte der X2-4KE Pro mit seinem Weitwinkelobjektiv riesige Bilder in kleinen Räumen darstellen, verfügt der 3,68 Kilo schwere X1-4KE Pro über ein Standard-Zoom-Objektiv. Mit einer Leistungsaufnahme von 155 Watt ist der Neue sogar etwas sparsamer, dafür kostet er mit 1.650 Euro minimal mehr. Optional können eine Deckenhalterung für 90 Euro und eine Tragetasche für 50 Euro erworben werden.
Ausstattung und Technik
Der Viewsonic X1-4KE ist ein Ein-Chip-DLP-Projektor mit 0,65 Zoll großem Full-HD-DMD. Er kann Bildsignale bis zu 3.840 x 2.160 Pixel via XPR-Shift projizieren. Als Lichtquelle setzt der Hersteller auf LEDs, die bis zu 3.300 Lumen liefern sollen. Die Lebensdauer ist mit 60.000 Stunden beziffert, bis sich die Helligkeit halbiert. Damit ist er für den täglichen Betrieb wie geschaffen.
Wenig überraschend wird High Dynamic Range unterstützt, allerdings ist kein dynamisches Tone-Mapping implementiert, sondern nur ein statisches für die Formate HDR10 und HLG. Der Support für Dolby Vision und HDR10+ ist ebenfalls dem Rotstift zum Opfer gefallen, auch auf eine Zwischenbildberechnung muss verzichtet werden. Dafür gibt es eine „Warping“-Funktion zur Anpassung des Bildes an Panoramaleinwände, einen Sleep-Timer und eine Auto-Keystone-Korrektur.
Die handliche Fernbedienung besitzt ein hintergrundbeleuchtetes Tastaturfeld, so dass die Navigation in dunkler Umgebung exzellent funktioniert. Direktwahltasten für Bildmenü, Smartfunktionen, Lautstärke und Sprachsteuerung sind vorhanden. Die Fokustaste ist hingegen nicht belegt.


Freunde von 3D-Filmen kommen ebenso auf ihre Kosten (siehe Kasten) wie Gamer. Der X1-4KE Pro ist mit seinem grünen Verzierungen nicht nur optisch an die X-Box angelehnt, sondern kann Spiele von der Konsole bis 1440p mit 120 Hz oder 1080p mit 240Hz darstellen. Der Input Lag beträgt hierbei geringe 4,2 Millisekunden.
Wi-Fi mit 5 GHz bietet eine kabellose Übertragung via AirPlay, Bluetooth-Kopfhörer können ebenfalls angebunden werden. Das verbaute Soundsystem von Harman/Kardon liefert 2 x 6 Watt und klingt überraschend gut. Die Pegel reichen aus, um größere Wohnzimmer verzerrungsfrei zu beschallen.
Installation und Bedienung
Das 1,3-fache Zoomobjektiv ermöglicht es, eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Distanz von 2,88 bis 3,75 Meter auszuleuchten. Sollte das Bild dann noch zu groß sein, kann es digital verkleinert werden. Der Lichtwerfer wird auf Höhe der Leinwand-Ober-/Unterkante installiert. Das Lens-Shift bietet zusätzlich ein wenig Flexibilität, weil das Bild um 10 Prozent vertikal verschoben werden kann. Die Regler für Zoom und Lens-Shift sind gut zugänglich unter der Schiebeklappe, die sich auf dem Gehäuse befindet.
Google TV ist in 15 Minuten eingerichtet und personalisiert. Zahlreiche Apps wie Netflix, AppleTV und DAZN stehen zur Verfügung, leider fehlen Wow und Sky. Die Sprachsteuerung funktionierte im Test einwandfrei. Mit 34 Dezibel ist der Projektor jedoch kein Leisetreter, sondern in leisen Passagen schon gut zu hören. Der Proband schaltet zuverlässig in die kalibrierten Bildmodi für HDR, SDR und 3D. Das Hochfahren dauert 25 Sekunden. Das Herunterfahren ist nach 3 Sekunden erledigt.



Licht und Farbe
Im Modus „Max. Helligkeit“ ermitteln wir 2.835 Lumen, allerdings mit einem zu hohen Grünanteil. Für präzise Farben nutzen wir die Modi „Film“ für SDR und „Benutzer“ für HDR. Mit wenigen Anpassungen erzielen wir eine Maximalhelligkeit von 1.500 Lumen. Die Lichtausbeute reicht für Bildbreiten bis 3,90 Meter (HDTV) respektive 2,80 Meter für HDR-Inhalte. Der statische Kontrast ist mit 1.830:1 (On/Off), 1.790:1 (Inbild) und 520:1 (ANSI) auf Topniveau in dieser Preisklasse. Dynamisch lässt sich der On-Off-Kontrast auf 3.660:1 steigern. Der Schwarzwert beträgt 0,41 Lumen (dynamisch) und 0,82:1 (statisch). Der Rec.709-Farbraum wird mit 99 Prozent abgedeckt, DCI-P3 bringt es auf 88 Prozent. Die Ausleuchtung von 80 Prozent sorgt für marginale Abschattungen an den Rändern.
Bildqualität
Dank der schnellen Schaltzeiten der LEDs fällt der DLP-Regenbogen-Effekt gering aus. Selbst in statischen Bildern konnten wir ihn kaum ausmachen. Spielfilme werden originalgetreu mit 24 Hz, Serien und Live-Sport mit 50 / 60 Hz projiziert. Hier ruckelt nichts. Die Schärfe ist bis in die Ecken sehr gut.
Die Farben von HDTV-Inhalten erscheinen natürlich. HDR-Signale werden bis 1.000 Nits im Rahmen des statischen Tone-Mappings dargestellt. Quellsignale darüber clippen ins Weiß. Demzufolge sind in „Sully“ die Displays am Times Square teilweise ohne Anzeige. Andere Filme wie „Elvis“, „Top Gun: Maverick“, „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ bestechen mit satten Farben und erscheinen strahlend hell. Dunkle Bereiche sind perfekt durchgezeichnet. Einen Grauschleier konnten wir nicht ausmachen. Ob des exzellenten ANSI-Kontrastes sind dunkle Inhalte in hellen Szenen perfekt abgebildet. So macht HDR Spaß.


Der Testbericht Viewsonic X1-4KE Pro (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 1.650 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Gemessen am Preis punktet der ViewSonic X1-4KE PRO mit gutem Kontrast, High Dynamic Range, vielen Streaming-Apps und einer speziellen X-Box-Unterstützung. Heimkinofans und Gamer kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten.
Michael B. Rehders

