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    Beyerdynamic Headzone Home Headtracker (Test)

    1. Februar 20085 Minuten Lesezeit

    Beyerdynamic Headtracker – Surround-Kopfhörer für 2.500 Euro

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €Der erste Kopfhörer mit dynamischer 5.1-Raum­simulation: Das Set von Beyerdynamik bezieht sogar Kopfbewegungen in die Aufbereitung des Surround-Sounds ein.

    Übliche Surround-Kopfhörer versuchen, die Raumabbildung von Musik und Filmsound nachzuahmen. Neu an der Herangehensweise des Herstellers Beyerdynamik ist, dass die Kopfhaltung einbezogen wird. Dabei handelt es sich um ein generelles Problem von Surround-Kopfhörern: Man dreht den Kopf zur Seite, und die Soundkulisse wandert mit – was zur Folge hat, dass Bild und Ton in der Ortung nicht mehr zusammenpassen.

    Technik

    Auf den ersten Blick wirkt der Headzone Home Headtracker wie ein normaler Surround-Kopfhörer: Eine Box fungiert als High-End-Verstärker und Surround-Decoder, der Kopfhörer dockt per Klinken-Kabel an. Bei genauem Hinsehen fallen zusätzliche Komponenten auf: Am Kopfhörer gibt es eine Sendeantenne, an der Box eine entsprechende Empfangsantenne. Auf diesem Weg werden unhörbare Ultraschallimpulse versandt, aus denen der Empfänger laufend die Position des Kopfhörers errechnet. Schon ein leichtes Nicken mit dem Kopf hat eine Verschiebung des Klangpanoramas („Headtracking“) zur Folge. Da die Empfängerantenne die akustische Mitte definiert, sollte man sie so nah wie möglich an der Bildmitte positionieren.

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €

    Neuheit: Der Beyerdynamic-Headtracking-Kopfhörer ist das Nonplusultra für alle,
    die Filme ohne Boxen genießen wollen. Ebenfalls im Bild: der zur Messung
    eingesetzte Kunstkopf aus unserem Labor.

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €
    Die Basisstation des Sets: Sie vereint den Verstärker für den Kopfhörer,
    die Raumklang-Simulation und den Prozessor. ngeschlossen wird hier außerdem eine Antenne,
    die Signale vom Kopfhörer empfängt und so dessen Position errechnet.

    Klang Stereo

    Der erste Hörtest erfolgte im „Bypass“-Modus, bei dem die Box das Audiosignal analog wandelt und verstärkt. Sofort fiel die erfreulich straffe Basswiedergabe auf, der Kopfhörer baut selbst an der unteren Hörgrenze von rund 16 Hertz Druck auf: Massiv und sauber zugleich bildet der Beyerdynamic tiefste Orgelbässe ab, wie das Subkontra-C in einer Aufnahme aus der Nürnberger Lorenzkirche. Der gesamte Frequenzbereich klingt sehr ausgewogen, weder zu warm – wie es in leichter Form der AKG K 530 (audiovision 3-2007) tut – noch zu kühl. Dieser Kopfhörer eignet sich zum entspannten Musik­hören genauso wie für den Hobby-Musiker, der auf Detailfreude und Ehrlichkeit Wert legt. Der maximale Schallpegel von weit über 100 Dezibel sollte auch „Lauthörer“ zufrieden stellen.

    Im zweiten Hördurchgang schalteten wir die Akustik-Simulation hinzu. Sie bildet einen Raum mit Lautsprechern nach, die Klangeigenschaften des Raums (Größe, Bedämpfung) lassen sich einstellen. Das Stereofeld weitet sich damit spürbar, obgleich nicht der gleiche Eindruck wie beim Hören über Lautsprecher entsteht. Trotz eines gewissen Präzisionsverlustes bei impulsiven Instrumenten wie Snare-Drums gefiel der Klang mit Akustik-Simulation besser als ohne.

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €

    Auf der Rückseite der Basisstation finden optische und koaxiale Digitalsignale Eingang.
    Die Umschaltung erfolgt mittels Schiebeschalter.

     

       

    Klang Surround

    Mit Spannung lauschten wir Filmsoundtracks mit eingeschaltetem Headtracking. Der Decoder verarbeitet Dolby Digital und DTS und bereitet sie zu Kopfhörerraumklang auf. Die hochauflösenden Tonformate von HD-DVD und Blu-ray bleiben jedoch außen vor. Der generelle Raumklang gelingt dem Beyerdynamik-Set gut: Sowohl Schlachtengetümmel als auch atmosphärische Klänge aus „Der Herr der Ringe“ erscheinen glaubwürdig und tönen weder zu trocken noch künstlich hallig. Die Surround-Kanäle landen zwar nicht ganz hinter dem Kopf, wohl aber seitlich und lassen sich klar von den Frontkanälen unterscheiden – die Vorne-Hinten-Lokalisation überzeugt. Bei langsamen Kopfbewegungen macht sich das Headtracking positiv bemerkbar, weil der Ton quasi am Bild klebt, die Illusion des natürlichen Hörens steigert sich spürbar. Bei abrupten Bewegungen wie Kopfschütteln reagiert das System jedoch verzögert. Der Eindruck einer stabilen Raumabbildung stellt sich in diesen Fällen nicht ein.

    Profis kennen Besseres: Der Hersteller Studer überzeugte bei einer Vorführung seines Versuchsaufbaus mit Headtracking-Sys­tem am Institut für Rundfunktechnik mehr. Der Verschiebebereich des Tonpanoramas von bis zu +/- 60 Grad reicht für die Filmwiedergabe aus. 360-Grad-Drehungen auf einem Drehstuhl haben allerdings springende Klangkulissen zur Folge.

    Tragekomfort

    Auch bei längerem Tragen verursachen die großen Velourspolster weder Druckstellen noch Wärmestau, nichts klappert oder knarzt. Außengeräusche dämpft der halboffene Kopfhörer spürbar, doch man fühlt sich nicht unangenehm isoliert wie oft bei geschlossenen Modellen.

    Zusatzinfo: Räumliches Hören

    Mithilfe des Gehirns kann das Gehör unterscheiden, ob eine Schallquelle oben oder unten, links oder rechts, vorne oder hinten im Raum platziert ist. Die nötigen Rauminformationen werden aus vielen verschiedenen Einzelheiten gewonnen. Dazu gehören winzige Unterschiede von Laufzeit und Lautstärke des Schalls zwischen linkem und rechtem Ohr, außerdem Nachhall und Klangverfärbungen, hervorgerufen durch die individuelle Brechung und Absorption an den Ohrmuscheln und die entsprechenden Veränderungen, die sich selbst durch leichte Kopfbewegungen ergeben.

    Ein Kopfhörer dagegen umgeht die Übertragungsfunktion der Ohrmuscheln und bringt den Schall quasi direkt ans Trommelfell. Ohne passende Entzerrung und Signalaufbereitung klingt auf diese Weise schnell alles wie eine „Stimme im Kopf“.

    Um bei Kopfhörer-Wiedergabe eine natürliche und räumliche Abbildung zu erhalten, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder sind die für räumliches Hören relevanten Bestandteile des Klangs bereits in der Aufnahme enthalten, wie das bei „Kunstkopf-Aufnahmen“ der Fall ist. Oder das Audiosignal wird bei der Wiedergabe in ähnlicher Weise verändert, wie es das Gehör beim natürlichen Hören tun würde – nach diesem Prinzip funktionieren übliche Surround-Kopfhörer und „Dolby Headphone“. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es keine spezielle Aufnahmetechnik braucht, also auch Kino­soundtracks über Kopfhörer räumlich klingen können. Die Ergebnisse hängen jedoch stark von der eingesetzten Technologie ab. Nachteilig ist, dass die Raumabbildung nie perfekt gelingt und von der individuellen Ohrform des Hörers abhängt.
    Gemeinsamer Nachteil beider Surround-Techniken war bislang, dass die Kopfbewegungen des Hörers unberücksichtigt bleiben: Beim Drehen des Kopfes entsteht keine Klangänderung wie beim natürlichen Hören. Das Set von Beyerdynamic kombiniert nun erstmals den Kopfhörer-Raumklang mit einem Ortungssystem, dass das Klangpanorama der Kopfhaltung anpasst, wodurch sich die Illusion des Raumklangs verstärken soll. 

     

       

    Fazit

    Die Headtracking-Funktion von Beyerdynamik steigert die Natürlichkeit der Filmwiedergabe per Kopfhörer – 100 Prozent ausgereift scheint die Technik aber im Gegensatz zum phänomenal gut klingenden Kopfhörer noch nicht. Der Preis von 2.500 Euro ist zudem ganz schön happig.

    Technische Ausstattung und Bewertung

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €

     

    Beyerdynamic Headtracker - Surround-Kopfhörer für 2.500 €

       

    Der Testbericht Beyerdynamic Headzone Home Headtracker (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2008 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

    • Beyerdynamic Headzone Home Headtracker (audiovision 2/2008)In den Warenkorb

      Beyerdynamic Headzone Home Headtracker (audiovision 2/2008)

      PDF-Download €1,99

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